Was ist Wahrheit
Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Das große Thema der Folge ist Wahrheit — von der metaphysischen Grundfrage bis zur juristischen Praxis: Was darf man lügen, was schützt die Meinungsfreiheit, und wie lässt sich das Internet gegen Fake News regulieren? Als Textgrundlage dient das Buch 'Das Ende der Wahrheit' der Leipziger Strafrechtlerin Elisa Hoven. Zum Aufwärmen bringt Lars ein Kuriosum aus der Gegenwartskultur: The Witcher — Computerspiel-Franchise und Netflix-Serie — gastiert als Orchesterkonzert in großen Hallen und markiert für ihn eine neue Gattung zwischen Videospielmusik und klassischem Konzerterlebnis.
„Alle sind ganz narrisch, weil keiner mehr weiß, was stimmt und was stimmt nicht.“
Erwähnte Medien (20)
Jung & Naiv
Tilo Jung
Politik für Desinteressierte: Interviews, Talks und Shows. Uns gibt es nur dank eurer finanziellen Unterstützung https://paypal.me/jungnaiv Auf Youtube als Video, hier als Podcast - DE/EN - www.jungundnaiv.de
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:00:26 „Ich habe in letzter Zeit so oft Jung und Naiv gehört und Thilo Jung beginnt hier jeden seiner Podcasts immer mit: Eine neue Folge Jung und Naiv. Ich bin Thilo, wer bist du?“
Ijoma Mangold eröffnet die Folge mit einer humorvollen Imitation des Podcast-Formats von Tilo Jung. Er erklärt, dass er den Podcast zuletzt häufig gehört habe und nun dessen Begrüßungsformel als intertextuelles Spiel übernimmt.
Das Ende der Wahrheit
Elisa Hoven
Wem oder was können wir noch glauben? Digitale Neuheiten wie Social Bots oder Deepfakes, aber auch Täuschungen durch Medien und Politik erschüttern zunehmend unser Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Die Verfassungsrichterin Elisa Hoven zeigt, worin die größten Gefahren dieser Entwicklung liegen und was wir tun müssen, um den gesellschaftlichen Frieden zu retten.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:02:24 „Als eine Textgrundlage haben wir das Buch einer Strafrechtlerin, ich glaube sie ist Professorin in Leipzig, herangezogen, Elisa Hoven. Das Ende der Wahrheit heißt dieses Buch, das bei DuMont erschienen ist, wie Lügen, Fake News und Framing unsere Gesellschaft bedrohen und was wir dagegen tun.“
Das Buch ist die zentrale Textgrundlage der gesamten Episode. Mangold stellt es als Ausgangspunkt für die Diskussion über Wahrheit, Fake News und die Frage vor, wie sich im digitalen Zeitalter Tatsachen von Meinungen unterscheiden lassen. Die Perspektive einer Strafrechtlerin auf Wahrheitsermittlung reizt ihn besonders.
The Witcher in Concert
Symphonische Orchestralmusik aus The Witcher, live aufgeführt in großem Konzertsaal. Die epischen und dramatischen Kompositionen wurden speziell für Orchesteraufführung arrangiert und repräsentieren einen wachsenden Trend: Soundtracks aus Gaming und Serien füllen zunehmend große Konzerthallen als Liveevents.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:04:17 „Und zwar, ich erzähle es so rum, lief ich gestern an einem Plakat vorbei, das warb in einer sehr großen Halle für dort eine Aufführung mit Orchester, ja, und zwar The Witcher in Concert.“
Weisbrod berichtet von einem Plakat für ein Orchesterkonzert mit Witcher-Musik als Ausgangspunkt seiner Gegenwartsbeobachtung. Er sieht darin ein Symptom eines größeren Trends: Musik aus Computerspielen, Serien und Animes wird zunehmend live von Orchestern aufgeführt und füllt große Hallen.
The Witcher (Buchreihe)
Andrzej Sapkowski · 2025
Das größte Fantasy-Epos unserer Zeit! Nach den harten Jahren der Ausbildung macht der junge Geralt seine ersten Schritte als Hexer und muss sich schon bald tödlichen Gefahren stellen. Im Land Kaedwen beginnt sein Weg, doch Geralt ist nicht allein. Ihm zur Seite steht sein Mentor Preston Holt, der Geralt vor dem Tod rettet – aber dann zum Geächteten wird.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:04:42 „Es gibt einen polnischen Schriftsteller, der so Fantasy-Romane schreibt. Die heißen eben The Witcher. Dann basierte darauf ein sehr weit verbreitetes, sehr beliebtes Computerspiel, eine Reihe von Computerspielen.“
Lars Weisbrod erklärt den Witcher-Kosmos als Ausgangspunkt seiner Gegenwartsbeobachtung über orchestrale Konzerte mit Videospiel- und Serienmusik. Er ordnet die Bücher als Ursprung des gesamten Franchise ein, das sich zu Computerspielen und einer Netflix-Serie weiterentwickelt hat.
The Witcher (Netflix-Serie)
· 2019
Geralt von Riva, ein mutierter Monsterjäger, folgt seiner Bestimmung in eine turbulente Welt, in der Menschen oft boshafter sind als Biester.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:04:48 „Und schließlich, da kommt jetzt gerade die neue Staffel, gibt es auch eine Netflix-Serie, die das noch mehr popularisiert hat. Wir haben es mit so einer Art Herr der Ringe in etwas weniger staatstragend und so einem schicken Mann mit Bauchmuskeln, der irgendwelche Monster jagt in ausgedachten Welten.“
Die Netflix-Serie wird als jüngste Popularisierung des Witcher-Franchise erwähnt. Weisbrod nutzt sie, um zu erklären, warum die Musik dieses Kosmos inzwischen groß genug ist, um Konzerthallen zu füllen.
Star Wars (Filmmusik)
John Williams · 2017
Die planetenvernichtende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung ist zwar zerstört, die Neue Republik nach der vorherigen Zerstörung von fünf Welten aber massiv geschwächt. Sie steht am Abgrund und wird nur noch von Generalin Leias Widerstand verteidigt, für den auch Pilot Poe Dameron und der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn kämpfen. Rey, mit den Erfahrungen ihres ersten großen Abenteuers in den Knochen, geht unterdessen bei Luke Skywalker auf dem Inselplaneten Ahch-To in die Lehre.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:50 „Wir kannten schon lange, dass irgendwo mal gesagt wurde, wir spielen nochmal die Musik von Star Wars, ja, hier euch als Orchester vor und da könnt ihr vorbeikommen und live, genau, ja, wir schuren damit.“
Weisbrod erwähnt Star Wars als früheres Beispiel für orchestral aufgeführte Filmmusik, um den Unterschied zum neuen Trend herauszuarbeiten: Früher waren es etablierte Filmklassiker, heute füllen Computerspiel- und Anime-Soundtracks die Hallen.
Harry Potter (Filmmusik)
· 2001
Harry Potter erfährt an seinem 11. Geburtstag, dass seine verstorbenen Eltern mächtige Zauberer waren und auch er selbst magische Kräfte besitzt. Als er von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, aufgenommen wird, erlebt Harry das Abenteuer seines Lebens. Er lernt Quidditch, das hoch in der Luft gespielt wird, und auf dem Weg, sich einem schwarzen Magier zu stellen, der ihn vernichten will, muss Harry eine spannende Schachpartie mit lebenden Figuren überstehen…
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:06:10 „Und dann noch von Harry Potter, da habe ich es noch sozusagen verstanden, da habe ich noch nicht gedacht, das ist ein Trend. Aber ich sehe so viele dieser Plakate, es wird auch sehr viel plakatiert, ja, für Animes, von denen ich noch nie gehört habe.“
Harry Potter wird als letztes Beispiel genannt, bei dem Nina Pauer orchestrale Filmmusik-Konzerte noch als Einzelphänomen und nicht als Trend wahrnahm. Danach sei es mit Anime- und Computerspielmusik explodiert.
Filmmusiken zu Federico Fellinis Filmen
Nino Rota · 2006
Nino Rotas Filmmusiken zu Federico Fellinis Werken zeigen die künstlerische Tiefe von Filmmusik jenseits moderner Blockbuster. Rotas zirkushafte, spielerische Kompositionen mit ihren charakteristischen Allegretto-Elementen waren bereits konzertsaalfähig und belegen, dass orchestrale Filmmusik lange vor zeitgenössischen Blockbuster-Komponisten schon als eigenständiges Kunstwerk funktionierte. Die Musik verbindet Fellinis visuellen Stil mit melodischen Werken, die bis heute in Konzerthallen aufgeführt werden.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:09:06 „Es ist einer meiner Lieblingskomponisten, Nino Rota, der die Filmmusiken zu fast allen Filmen von Fellini gemacht hat, mit ihrem immer so leicht zirkushaften Allegretto-Einschlägen. Das war auch schon immer konzertsaalfähig.“
Mangold ergänzt die Diskussion um orchestrale Filmmusik mit einem persönlichen Favoriten: Nino Rota und seine Fellini-Soundtracks. Er argumentiert, dass Filmmusik schon lange vor den dröhnenden Bläsern eines Hans Zimmer konzertsaalfähig war – in einer zirkushaft-verspielten Tradition.
Augustinus (ZDF-Zweiteiler)
· 2010
Augustinus selbst schildert seine Geschichte in langen Rückblenden: Als kluger, ehrgeiziger junger Mann aus einfachen Verhältnissen entwickelt er sich Dank eines Gönners zu einem großen Redner und Anwalt. Er gehört damit zur spätrömisch-dekadenten High Society. Augustinus lernt schnell: Recht hat, wer Recht bekommt. Er wird zum abgeklärten Zyniker, seine rastlose Seele sucht immer neue sinnliche Reize, um die innere Leere zu füllen.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:27:34 „Ich hatte vor 15 Jahren einen Zweiteil im ZDF gesehen über den heiligen Augustinus, einer der großen Kirchenväter, der das Leben von Augustinus nacherzählt. Und dieser Zweiteil hat mich sehr beeindruckt, weil auch er wieder um diese Wahrheitsfrage kreist.“
Mangold erinnert sich an einen ZDF-Zweiteiler über den heiligen Augustinus, der ihn nachhaltig beeindruckt hat. Er nutzt die Handlung des Films — Augustinus' Weg vom sophistischen Rhetorikschüler zum christlichen Wahrheitssucher — als Brücke, um die philosophische Spannung zwischen Wahrheitsrelativismus und absolutem Wahrheitsanspruch zu veranschaulichen.
Confessiones (Bekenntnisse)
Augustinus von Hippo · 2024
In "Die Bekenntnisse" (Confessiones) gewährt Aurelius Augustinus einen tiefen Einblick in seine spirituelle und intellektuelle Reise. Der literarische Stil ist autobiografisch und zugleich philosophisch, geprägt von einer bewegenden Rhetorik, die theologische Gedanken und persönliche Reflexionen vereint. Augustinus schildert seine Suche nach Wahrheit und Sinn, begonnen in einer von Sinnlichkeit geprägten Jugend und mündend in eine radikale Bekehrung zum Christentum.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:30:12 „In diesem Moment kommt dieser berühmte Bekehrungsmoment von Augustinus. Ein Engel erscheint ihm und sagt, nimm und lies. Und damit ist die Bibel gemeint und er schlägt die Bibel auf.“
Mangold erzählt die berühmte Bekehrungsszene des Augustinus nach — die 'Tolle lege'-Episode, die in den Confessiones geschildert wird. Er referiert sie im Kontext des ZDF-Films, aber die Geschichte selbst stammt aus Augustinus' autobiographischem Hauptwerk.
Leviathan
Thomas Hobbes · 2016
Thomas Hobbes argues for a social contract and rule by an absolute sovereign. Influenced by the English Civil War, Hobbes wrote that chaos or civil war-situations identified with a state of nature and the famous motto Bellum omnium contra omnes ("the war of all against all")-could only be averted by strong central government. He thus denied any right of rebellion toward the social contract, which would be later added by John Locke and conserved by Jean-Jacques Rousseau.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:37:10 „Thomas Hobbes sagt berühmterweise, latinisches Zitat, autoritas non veritas fazit legem. Also nicht die Wahrheit, sondern die Macht schafft das Gesetz.“
Mangold zitiert Hobbes' berühmtes lateinisches Diktum 'Auctoritas, non veritas facit legem' im Kontext seiner Argumentation, dass Wahrheit ein Kind der Macht sei. Er reiht Hobbes in eine philosophische Linie von der Antike über Nietzsche bis zu Foucault ein.
Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn
Friedrich Nietzsche · 2022
"In irgend einem abgelegenen Winkel des Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der "Weltgeschichte": aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:37:50 „Und Nietzsche ist der Erste, der das in einem berühmten Aufsatz über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn so scharf auf den Begriff gebracht hat. Darf ich da mal den Anfang dieses wunderbaren Textes, der ein Fragment ist und erst nach seinem Tod veröffentlicht worden ist, vorlesen?“
Ijoma Mangold zitiert ausführlich aus Nietzsches Fragment, um die philosophische Tradition des Wahrheitsrelativismus zu illustrieren. Er liest den Anfang vor und erklärt Nietzsches These, dass Erkenntnis nur das Hervorbringen einer Metapher sei und Wahrheit eine Metapher, deren metaphorischer Charakter vergessen wurde.
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · 2012
Ein Solitär der Literaturgeschichte und zugleich Hauptwerk des Philosophen Friedrich Nietzsche. Eine philosophische Dichtung "für Alle und Keinen"? in der (der erfundene, östlichen Weisheitslehren verpflichtete) Zarathustra die 'Lehren' Nietzsches verkündet: Von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, dem Übermenschen, vom Tod Gottes und dem Willen zur Macht.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:30 „Da sind natürlich schöne Sprachbilder drin, aber man versteht jeden Schritt der Argumentation, die trotzdem falsch ist. Aber sie ist völlig transparent, anders als bei, weiß ich nicht, also Sprach-Zaratustra, wo man, glaube ich, jetzt nicht so viel sofort versteht, wenn man das so durchlegt.“
Lars Weisbrod kontrastiert Nietzsches klaren Argumentationsstil im Aufsatz 'Über Wahrheit und Lüge' mit dem deutlich metaphorischeren und schwerer zugänglichen 'Also sprach Zarathustra', um seinen Studenten gegenüber zu zeigen, dass Nietzsche auch verständlich schreiben konnte.
Wahrheit — Was wir verlieren, wenn wir nicht mehr zwischen Fakt und Lüge unterscheiden
Elisa Hoven
Eine juristische Analyse der Wahrheitskrise: Wie kann das Rechtssystem mit Postfaktizismus, Desinformation und Faktenleugnung umgehen? Das Buch präsentiert konkrete Vorschläge für neue gesetzliche Regelungen, zeigt aber auch die Grenzen des Strafrechts auf — etwa bei der Frage, ob Klimawandelleugnung strafbar sein sollte.
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:54 „Und das ist auch das, was Elisa Hoven in ihrem Buch tut, in dem sie immer unter, und jetzt werden wir viel konkreter, unter verschiedenen Aspekten sich das Problem mit der Wahrheit und der Lüge und dem Postfaktischen anschaut. Und in manchen Fällen sagt, ja, hier wäre es sinnvoll, einen neuen Paragrafen einzuführen.“
Elisa Hovens Buch ist offenbar das Hauptthema der Episode. Mangold beschreibt, wie die Juristin konkrete Vorschläge macht, um der epistemischen Krise durch neue Gesetze zu begegnen, dabei aber auch die Grenzen des Strafrechts aufzeigt — etwa bei der Frage, ob Klimawandelleugnung oder die Leugnung von Kriegsverbrechen strafbar sein sollte.
Wahrheit – Wie sie entsteht, wie sie verloren geht
Elisa Hoven · 2025
Wem oder was können wir noch glauben? Digitale Neuheiten wie Social Bots oder Deepfakes, aber auch Täuschungen durch Medien und Politik erschüttern zunehmend unser Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Die Verfassungsrichterin Elisa Hoven zeigt, worin die größten Gefahren dieser Entwicklung liegen und was wir tun müssen, um den gesellschaftlichen Frieden zu retten.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:55:09 „Die Autorin dieses Buches macht teils ja auch konkrete Vorschläge, was man da rechtlich weiter festzürren kann, um der Wahrheit zu helfen. Ich bin dann aus wiederum anderen Gründen nicht so gewillt, jetzt den Staat da sich noch mehr einmischen zu lassen.“
Elisa Hovens Buch über Wahrheit und Postfaktizität ist das zentrale Werk dieser Episode. Weisbrod und Mangold diskutieren ihre konkreten rechtlichen Vorschläge zur Wahrheitssicherung, ihre Kritik am Faktencheck, ihre Analyse von Kriegspropaganda und Pandemie-Bildern. Das Buch wird durchgehend als Ausgangspunkt für die Debatte über Meinungsfreiheit, Tatsachenbehauptungen und die Grenzen des Strafrechts herangezogen.
Volksverpetzer
Der Artikel des Faktenchecker-Blogs Volksverpetzer befasst sich mit einer Polizeiaktion gegen Norbert Bolz. Das Medium argumentiert, dass es sich dabei nicht um eine echte Hausdurchsuchung handelte, da Bolz sein Handy freiwillig abgab, nachdem er mit einer solchen Maßnahme gedroht wurde. Die Darstellung wird kritisiert, da sie semantische Haarspalterei betreibe und problematische polizeiliche Praktiken beschönigte.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:56:49 „Habe ich jetzt gerade hier bei, wie heißt das, Volksverpetzer oder so gelesen? Nein, es war keine Hausdurchsuchung. Da Norbert Bolz auf die Drohung der Hausdurchsuchung hin sein Handy oder was auch immer übergeben hat.“
Weisbrod verweist auf einen Artikel oder Beitrag des Faktenchecker-Blogs Volksverpetzer, der argumentierte, die Polizeiaktion bei Norbert Bolz sei keine echte Hausdurchsuchung gewesen. Weisbrod kritisiert diese Darstellung als Rabulistik und Haarspalterei, die staatliches Übergreifen beschönige.
Deutschland erwacht
Taz-Artikel, der vor Gefahren durch Rechtsradikalismus und Gewalt vom rechten Rand warnt. Der Text wurde Auslöser einer Kontroverse um Norbert Bolz, der die Zeile ironisch aufgriff und mit dem verbotenen SA-Spruch »Deutschland erwache« verband, was zu einer Polizeiaktion führte.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:10 „Er bezieht sich in einem Post, das glaube ich ein Jahr alt ist, auf eine Zeile bei der Taz, wo die Taz schreibt, Deutschland erwacht, nämlich in seiner Aufmerksamkeit, in seinem Bewusstsein, welche Gefahren vom rechten Rand, von Gewalttätigen, Rechtsradikalen und so weiter droht.“
Mangold beschreibt den Taz-Artikel mit der Überschrift 'Deutschland erwacht', der den Auslöser für den Fall Norbert Bolz bildete. Bolz hatte diese Zeile ironisch aufgegriffen und mit dem verbotenen SA-Spruch 'Deutschland erwache' in Verbindung gebracht, was zur Polizeiaktion bei ihm führte.
Habe ich ein Recht auf eigene Fakten
Lars Weisbrod
Lars Weisbrod untersucht die juristische Unterscheidung zwischen Meinungsfreiheit und Tatsachenbehauptungen im deutschen Recht. Während jeder eine Meinung vertreten darf, sind falsche Tatsachenbehauptungen nicht von der Meinungsfreiheit geschützt – eine wichtige Abgrenzung in Zeiten von Desinformation. Der Vortrag beleuchtet, wie diese Unterscheidung zum Schutz von Fakten und öffentlicher Wahrheit beiträgt.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:59:42 „Ich habe vor einigen Jahren mal, durfte ich an einer Universität einen Vortrag halten, der hatte den Titel, auf den ich immer noch sehr stolz bin, habe ich mein Recht auf eigene Fakten. Weil es wurde immer damals und immer noch so behauptet, naja, du hast ein Recht auf eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“
Weisbrod erwähnt seinen eigenen Universitätsvortrag, in dem er die deutsche Unterscheidung zwischen Meinungsfreiheit und Tatsachenbehauptungen untersucht hat. Er beschreibt, wie er dabei herausfand, dass falsche Tatsachenbehauptungen in Deutschland nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sind – eine Erkenntnis, die ihn selbst überrascht hat.
Nirgends wird so viel gelogen wie vor Wahlen, im Krieg und nach der Jagd
Otto von Bismarck · 1894
Das Buch untersucht das Phänomen politischer Lügen und deren historische Kontinuität. Mithilfe des Bismarck-Zitats wird argumentiert, dass Desinformation in der Politik kein modernes Problem ist, sondern seit langem Teil der politischen Realität.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 01:02:48 „Elisa Hoven zitiert diesen schönen Satz von Bismarck, der sagte, nirgends wird so viel gelogen wie vor Wahlen, im Krieg und nach der Jagd.“
Mangold gibt ein Bismarck-Zitat wieder, das Elisa Hoven in ihrem Buch verwendet, um zu illustrieren, dass politische Lügen kein neues Phänomen sind. Das Zitat dient als Argument dafür, dass selbst schärfstes Strafrecht die allgegenwärtige politische Lüge nicht eindämmen kann.
Rede vor der UN zum Irakkrieg
Colin Powell · 2023
Alles Blendwerk, Lügen, Täuschungen; Vom Öffnen und Schließen von Öffnungen; Allerlei Wandel; Feine und nicht so feine Unterschiede und Orte – Porträts. Ein Kaleidoskop von Geschichten und Gedanken. Beim Durchschauen und Drehen tauchen immer wieder überraschend neue Bilder auf. Einige Verwandtschaften von Texten zwischen den fünf Themen sind rein zufällig entstanden.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:17:42 „Oder wenn wir uns erinnern an den zweiten Irakkrieg, an die berühmte Rede des damaligen amerikanischen Außenministers Colin Powell vor der UN, wo er Fotos zeigte mit so mobilen Laboren, in denen Saddam Hussein angeblich Massenvernichtungswaffen hergestellt hätte. Diese Massenvernichtungswaffen waren die moralische Legitimierung für den durch keine UN-Resolution gedeckten Angriff der USA gegen Irak.“
Mangold zitiert Colin Powells UN-Rede von 2003 als historisches Beispiel für Fake News vor dem Social-Media-Zeitalter. Die Rede, in der Powell mit gefälschten Beweisen für irakische Massenvernichtungswaffen argumentierte, dient ihm als Beleg dafür, dass das postfaktische Zeitalter nicht erst mit Trump und Social Media begonnen hat.