Ist die deutsche Seele gefährlich
Nina Pauer, Ijoma Mangold
Ausgelöst von Fatih Akins Film 'Amrum' und einem zweiten Nordsee-Film des syrischen Regisseurs Amir Fachir Eldin diskutieren die beiden, was das romantisierte Deutschlandbild eigentlich bedeutet — und warum es plötzlich Assoziationen von Thomas Mann bis zur AfD freisetzt. Im Gegenwartscheck geht es dann um das Wort 'intensiv' als neues Weichspüler-Vokabular für unangenehme Erfahrungen: schreckliche Krankenhausaufenthalte, misslungene Urlaube — alles wird heute 'intensiv' genannt, statt beim Namen.
„Assoziationen von Thomas Mann bis zum Holocaust, bis zur AfD, alles war dabei.“
Erwähnte Medien (20)
Amrum
Fatih Akin · 2025
Amrum, 1945: Das Ende des Zweiten Weltkrieges steht unmittelbar bevor. Um seine Mutter in den letzten Kriegstagen zu unterstützen, ist sich der zwölfjährige Nanning (Jasper Billerbeck) für nichts zu schade. Er geht Seehunde jagen oder nachts fischen, Hauptsache, am Ende des Tages steht was zum Essen auf dem Tisch. Doch nachdem der Frieden eingekehrt ist, steht die Familie vor völlig neuen Problemen ...
🗣 Nina Pauer zitiert daraus bei ⏱ 00:01:05 „Genau, Amrum, so heißt dieser Film. Alle kennen die Plakate eigentlich. Die hängen überall in Deutschland mit einer schönen Nordseekulisse, vor der ein kleiner Junge mit einem Fahrrad schiebt. Der ist ja schon seit einigen Wochen draußen und im Kino noch.“
Der Film von Fatih Akin ist der zentrale Ausgangspunkt der Folge. Er erzählt die autobiografische Geschichte von Hark Bohm auf der Insel Amrum im Jahr 1945 und ruft dabei ein romantisches, mythologisches Deutschlandbild ab. Ijoma Mangold sieht darin den Versuch, einer alten deutschen Tradition nachzuspüren, die nach 1945 entsorgt wurde.
Yunnan
Amir Fahir Eldin · 2012
Ein Film über die Perspektive eines syrischen Geflüchteten auf Deutschland. Auf der Hallig Langeneß porträtiert der Film deutsche Landschaften und Lebensweisen aus der Außenperspektive eines Angekommenen – eine nachdenkliche, essayistische Betrachtung von Heimat, Fremdheit und dem deutschen Alltag.
🗣 Nina Pauer zitiert daraus bei ⏱ 00:01:34 „Er korrelierte aber lustigerweise mit einem noch neueren Film vom syrischen Filmemacher Amir Fahir Eldin, der ebenfalls im Norden Deutschlands spielt, nämlich auf der Hallig Langenis und ebenso Bilder von Deutschland abruft, von weit außen aus der Perspektive eines syrischen Geflüchteten.“
Der zweite Film, der das Gespräch über Deutschland ausgelöst hat. Er spielt auf der Hallig Langeneß und zeigt Deutschland aus der Außenperspektive eines syrischen Geflüchteten. Beide Filme zusammen – von Regisseuren mit Migrationshintergrund – bilden den Anlass für die Folge über das Deutschlandgefühl.
Ein Artikel über Intensität und positives Framing
Anna Meier
Der ZEIT-Artikel von Anna Meier untersucht das Phänomen der positiven Umdeutung negativer Erfahrungen. Sie zeigt, wie das Wort "intensiv" als Euphemismus für tatsächlich schlechte Erfahrungen verwendet wird. Der Text behandelt die psychologische Tendenz, leidvolle Momente als Lernmöglichkeiten zu rahmen und damit umzugehen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:04:57 „Anna Meier hat mal bei uns in der Zeit letztens geschrieben über dieses, so, ich darf, ja, ich darf das erleben und dabei ist es irgendwie ein Scheißerfahrung. Ich darf lernen an dieser Erfahrung, obwohl es eine Scheißerfahrung ist.“
Nina Pauer verweist auf einen ZEIT-Artikel von Anna Meier über das Phänomen, negative Erfahrungen positiv umzudeuten. Der Artikel passt zu ihrer Beobachtung, dass das Wort "intensiv" als Euphemismus für schlechte Erfahrungen verwendet wird.
Eine Reportage über ein Tradwife-Dorf in Amerika
Der ZEIT-Artikel behandelt neue Wörter, die ins Cambridge Dictionary aufgenommen wurden, darunter "Tradwife" und "delulu". Er dokumentiert den Social-Media-Trend konservativer Frauenrollen und traditioneller Kopfbedeckungen, unter anderem durch eine Reportage über ein in Amerika gegründetes Dorf mit traditionalistischen Strukturen. Der Artikel zeigt, wie Internetphänomene und gesellschaftliche Rückwärtstrends in der Sprache sichtbar werden.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:11:50 „Dann habe ich Beizeit online gelesen, eine tolle große Reportage über so einen Typen, der so ein Dorf in Amerika irgendwo auf dem Land aufbaut. Und da haben die Frauen auch so einen Schleier oder so.“
Im Kontext des Schleier-Trends erwähnt Nina Pauer eine ZEIT-Online-Reportage über einen Mann, der in Amerika ein Dorf aufbaut, in dem Frauen Schleier oder Tradwife-Hauben tragen. Sie nutzt es als weiteren Beleg für die Rückkehr konservativer Kopfbedeckungen.
Vogelweide
Uwe Timm · 2015
Ein Roman über einen Vogelwart und Aussteiger, der sich auf eine Hallig im deutschen Norden zurückzieht. Die Geschichte erzählt von seinem Leben zwischen Natur und Isolation auf der winzigen Insel, wo er den Vogelbestand beobachtet und sein eigenes Aussteiger-Dasein verhandelt.
🗣 Nina Pauer zitiert daraus bei ⏱ 00:18:55 „Dann gab es doch Uwe Thimm, Vogelweide hieß das, ein Vogelwart, ein Aussteiger, auch auf einer Hallig, 2013 schon.“
Nina Pauer listet Werke auf, die den deutschen Norden als Setting nutzen, um ihre These zu belegen, dass der Norden ein urdeutscher Sehnsuchtsort ist. Vogelweide von Uwe Timm (2013) erzählt von einem Aussteiger auf einer Hallig.
Vom Norden rollt ein Donner
Markus Thielemann · 2024
Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide. Und während Jannes – wie schon sein Vater und sein Großvater – täglich seine Schafe über die Heideflächen treibt, kochen die Emotionen im Dorf hoch. Kann Heimatschutz Gewalt rechtfertigen? Wo es vordergründig um Wolfspolitik geht, stößt er bald auf Hass, völkische Ideologie – und auf ein tiefes Schweigen. "Von Norden rollt ein Donner" ist eine Spurensuche in der westdeutschen Provinz, die Geschichte eines brüchigen "urdeutschen" Idylls.
🗣 Nina Pauer zitiert daraus bei ⏱ 00:19:03 „Dann gab es gerade dieses Buch, das habe ich gelesen, Markus Thielemann vom Norden rollt ein Donner, das spielte in der Hallig. Also was natürlich nicht Strand ist, aber es kommt dieses Norddeutsche, da ging es auch so um die karge nordische Landschaft.“
Ein weiteres Beispiel in Nina Pauers Aufzählung norddeutscher Stoffe. Sie hat das Buch selbst gelesen und ordnet es in den Trend ein, Geschichten in der kargen nordischen Landschaft spielen zu lassen.
Deutsche Tänze
Franz Schubert
Schuberts Deutsche Tänze sind eine klassische Komposition für Klavier zu vier Händen. In einer Filmszene aus Amrum spielen sie eine zentrale Rolle als Symbol der bürgerlichen Hausmusikkultur und des romantischen Deutschlandbildes. Die Musik offenbart dabei tiefe Bedeutungsschichten über kulturelle Identität und Selbstverständnis einer Familie in der NS-Zeit.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:23:31 „Da sitzen die am Klavier und auch das ist wieder so ein Bild, wie sich gewissermaßen das deutsche Biedermeier die bürgerliche deutsche Familie vorstellt. Da macht man nämlich Hausmusik. Und was spielen sie zu Vierhändig? Sie spielen Schuberts deutsche Tänze.“
Ijoma Mangold beschreibt eine Schlüsselszene aus dem Film Amrum: Eine überzeugte Nazifamilie spielt 1945 vierhändig Schuberts Deutsche Tänze am Klavier. Für Mangold verdichtet sich darin das romantische Deutschlandbild, dem der Film nachspürt – die bürgerliche Hausmusik als Ausdruck deutscher Seelenkultur.
Der Mond ist aufgegangen
Matthias Claudius
Das Abendlied ist ein Gedicht von Matthias Claudius, das zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur gehört und unter dem Titel des ersten Verses Der Mond ist aufgegangen in der Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz als christliches Lied bekannt ist. Es wurde zum ersten Mal im Musen-Almanach für 1779 (herausgegeben von Johann Heinrich Voß) veröffentlicht und fehlt seitdem in kaum einer Anthologie. Vorlage war das Gedicht Nun ruhen alle Wälder von Paul Gerhardt aus dem Jahre 1647.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:26:19 „Da sind auch Dinge, die man nur vage ansprechen kann. Der weiße Nebel wunderbar. Der weiße Nebel wunderbar.“
Ijoma Mangold spricht über die deutsche Romantik als Gegenbewegung zum französischen Rationalismus und zitiert dabei die berühmte Zeile 'Der weiße Nebel wunderbar' aus Matthias Claudius' Abendlied als Sinnbild für das Vage und Neblige der deutschen Tradition.
Yasemin
Hark Bohm · 1988
Als Jan prahlt, er könne jede Frau „auf die Matte legen“, geht er mit seinen neuen Freunden eine Wette ein: Die hübsche Yasemin soll sein nächstes Opfer sein. Doch die selbstbewusste Türkin lässt ihn kalt abblitzen. Jan gibt nicht auf und schon bald muss er bemerken, dass er für Yasemin mehr empfindet …
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:28:21 „1998 kam Yasemin raus. Das war damals was Besonderes im Genre des Sozialrealismus, weil es die Geschichte zwischen der Tochter von türkischen Gastarbeitern, wie man damals noch sagte, und ihrem deutschen Freund erzählte.“
Als über Hark Bohm als Mentor von Fatih Akin gesprochen wird, erinnert sich Ijoma Mangold an einen von Bohms früheren Filmen, den er als 16- oder 17-Jähriger gesehen hat. Der Film thematisierte bereits deutsch-türkische Beziehungen im Genre des Sozialrealismus.
Amrum-Rezension (Hanno Rauterberg)
Hanno Rauterberg
Fatih Akins Film "Amrum" basiert auf den Erinnerungen des verstorbenen Regisseurs Hark Bohm an das Ende der NS-Zeit. Die Kritik des ZEIT-Feuilletons wirft dem Film vor, sich in Betulichkeit zu erschöpfen und lediglich auf Postkarten-Niveau zu operieren. Einzig die filmische Darstellung des Meeres wird als gelungen beschrieben, während die übrige Erzählung an Oberflächlichkeit und mangelnder Tiefenschärfe leidet. Der Rezensent bemängelt damit die ästhetische und narrativen Ambitionen eines Werks, das sich einem wichtigen historischen Stoff widmet, diesen aber nicht angemessen umsetzt.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:29:35 „Wir können ja gleich noch über Hanno Rauterbergs Rezension bei uns im Feuilleton reden, weil der fand das gar nicht toll. Der sprach von der Einfalt, heiliger Einfalt und schrieb immerhin, das Meer hat hier Tiefe.“
Nina Pauer verweist auf die kritische Rezension ihres ZEIT-Kollegen Hanno Rauterberg zu Fatih Akins Amrum-Film. Rauterberg spricht von 'heiliger Einfalt' und kritisiert den Film als Postkarten-Niveau. Die Sprecher setzen sich mit dieser Kritik auseinander und verteidigen den Film teilweise, indem sie die 'Einfalt' als bewusstes ästhetisches Programm deuten.
Caroline Wahl Roman
Caroline Wahl · 2025
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🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:17 „Habe ich das nicht schon mal im Gegenwartscheck gemacht? Ja, da gab es auch bei Caroline Wahl immer dieses, dass das Kind die Mutterrolle übernimmt.“
Nina Pauer erinnert sich an eine frühere Besprechung eines Romans von Caroline Wahl, in dem ebenfalls das Motiv der Parentifizierung – also das Kind, das die Mutterrolle übernimmt – eine zentrale Rolle spielt. Sie zieht die Parallele zum Film Amrum, wo der kleine Nanning Verantwortung für seine depressive Mutter und seine Geschwister übernimmt.
Kabale und Liebe
Friedrich Schiller
Schillers bürgerliches Trauerspiel über die unmögliche Liebe zwischen Ferdinand und Luise, die an den Intrigen des Fürstenhofs scheitert. Das Drama definiert deutsche bürgerliche Tugenden durch moralische Integrität in Abgrenzung zur höfischen Korruption Frankreichs und gilt als Gründungstext der deutschen Identität.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:40:55 „Wie der deutsche Bürger sich im 19. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert, das fängt schon bei Schiller mit Kabale und Liebe an, wie der deutsche Bürger sich selber erfindet, er tut es in Opposition zum höfischen Typus Frankreichs.“
Mangold verweist auf Schillers Drama als frühes Beispiel dafür, wie sich der deutsche Bürger in Abgrenzung zum höfischen Frankreich definiert. Der Deutsche sei kein Intrigant, weil Deutschland nie einen großen Hof wie Versailles hatte. Diese Traditionslinie vom einfältigen, aber moralisch integren Deutschen sieht Mangold auch in Fatih Akins Film aufscheinen.
Betrachtungen eines Unpolitischen
Thomas Mann
Thomas Manns großes Debattenbuch ›Betrachtungen eines Unpolitischen‹ in der Textfassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe. Wie ein Monolith steht dieser gewaltige, 1918 erschienene Essay im Werk Thomas Manns. Die ›Betrachtungen eines Unpolitischen‹ werden gerne als konservatives Pamphlet, als Beleg für Thomas Manns reaktionäre Gesinnung während des Ersten Weltkriegs aufgefasst.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:43:35 „Einer seiner Vorbilder fragwürdigsten, aber auch gleichzeitig großartigsten Texte sind bekanntermaßen die Betrachtungen eines Unpolitischen. Das ist eine reine, gewissermaßen geistige Mobilmachung vor dem Ersten und während des Ersten Weltkrieges, wo auch wieder diese Gegensätze zwischen französischer Zivilisation und deutscher Kultur stark gemacht werden.“
Mangold führt Thomas Manns 'Betrachtungen eines Unpolitischen' als Schlüsseltext für die deutsche Innerlichkeit an. Mann konstruierte darin den Gegensatz zwischen der oberflächlichen französischen Zivilisation und der tiefen deutschen Kultur. Mangold sieht diese Denkfigur als Hintergrund für das Verständnis von Fatih Akins Film und der darin verhandelten deutschen Identität.
Patriotismus: Ein Plädoyer
Robert Habeck · 2010
Politisch-philosophisches Plädoyer für einen aufgeklärten Patriotismus in Deutschland. Das Buch argumentiert, dass Patriotismus mit Verfassungswerten vereinbar ist und nicht zwangsläufig in Nationalismus führt. Es erörtert, wie sich Deutsche positiv zu ihrer Demokratie verhalten können, ohne historische Lasten zu ignorieren.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:45:11 „Aber dieses Ganze, als wenn da so ein Fluch auf dem Deutschen wäre, was dann so jederzeit wieder ausbrechen kann. Und wie so jemand, der... Denkt so, können wir der Demokratie, also wir mussten ja beide nochmal an Robert Habecks Buch, wie hieß das nochmal, Patriotismus, ein Plädoyer von links denken.“
Im Gespräch über deutsche Identität und die Frage, ob man als Deutscher patriotische Gefühle haben darf, erinnern sich die Sprecher an Robert Habecks Buch. Mangold bezeichnet es als 'kühnen Wurf', dass ausgerechnet ein Grünenpolitiker eine Verteidigung des Patriotismus schreibt. Am Ende laufe Habecks Argumentation aber auf einen Verfassungspatriotismus hinaus.
Kein schöner Land in dieser Zeit
Kein schöner Land in dieser Zeit, auch Abendlied, ist ein bekanntes Volkslied, das auf Anton Wilhelm von Zuccalmaglio zurückgeht und 1840 erstmals veröffentlicht wurde. Das Lied wurde in nahezu alle Sammlungen traditioneller deutschsprachiger Lieder aufgenommen. Es existieren Umdichtungen für sozialistische und kirchliche Gruppierungen.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:49:44 „Jens Balzer hatte sich das angeschaut und da müssen nicht die Veranstalter und die Besucher am Ende der Messe gemeinsam gesungen haben und zwar kein schöner Land in dieser Zeit. Und da wird es einem schon auch wieder ein bisschen mulmig, aber sehr interessant, warum es einem da mulmig wird.“
Mangold erzählt von der rechten Buchmesse in Halle, wo Besucher gemeinsam das traditionelle deutsche Volkslied sangen. Er nutzt dies als Beispiel dafür, wie die politische Rechte auf der Klaviatur deutscher Innerlichkeit und Sentimentalität spielt – genau jene Gefühlswelt, die auch in Fatih Akins Film angesprochen wird.
Bericht über die rechte Buchmesse in Halle
Jens Balzer
In Halle treffen sich rechte Verlage zu einer eigenen Buchmesse. Gauland, Köppel, Matussek, Tichy – die komplette Szeneprominenz ist da. Wir gehen auch rein.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:49:44 „Ich habe nur bei uns darüber gelesen, Jens Balzer hatte sich das angeschaut und da müssen nicht die Veranstalter und die Besucher am Ende der Messe gemeinsam gesungen haben und zwar kein schöner Land in dieser Zeit.“
Mangold verweist auf einen Artikel von Jens Balzer in der ZEIT über eine rechte Buchmesse in Halle, organisiert von der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen. Der Bericht beschreibt, wie Veranstalter und Besucher gemeinsam ein deutsches Volkslied singen – für Mangold ein Beispiel dafür, wie die Rechte deutsche Gefühlstraditionen instrumentalisiert.
Heide-Buch
· 1902
Johanna Spyri: Heidis Lehr- und Wanderjahre / Heidi kann brauchen, was es gelernt hat. Beide Bände in einem Buch Heidis Lehr- und Wanderjahre: Erstdruck (anonym): Gotha (Justus Perthes) 1880. Heidi kann brauchen, was es gelernt hat: Erstdruck: Gotha (Justus Perthes) 1881. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie der Autorin. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2015. Textgrundlage sind die Ausgaben: Johanna Spyri: Heidis Lehr- und Wanderjahre, Zürich: Diogenes, 1978.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:54:39 „Da ging es mir auch mit diesem Heide-Buch, wo es auch immer um den Wolf und der deutsche... Da gab es auch so diese Metaphorik mit der Wolf sucht uns heim und die Vergangenheitsgeschichte wurde dann in dieser kargen Heidelandschaft. Da hatte ich auch dieselbe Ungeduld wie jetzt beim Film.“
Nina Pauer erwähnt beiläufig ein Buch über die Heide mit Wolf-Metaphorik und deutscher Vergangenheitsbewältigung in karger Landschaft. Sie vergleicht ihre Ungeduld beim Lesen dieses Buches mit ihrer Ungeduld beim Schauen des Films Yunnan. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Jonan
Amir Fahar Eldin · 2013
Jonan ist ein zeitgenössischer Film des syrischen Regisseurs Amir Fahar Eldin über einen syrischen Migranten, der sich auf die norddeutsche Hallig Langeneß zurückzieht. Der Film bietet einen ethnologischen Blick auf deutsche Kultur und Landschaft aus der Perspektive eines Außenseiters und verwebt syrische sowie norddeutsche Bildwelten mit mystischen Elementen. Als Teil einer Trilogie wurde das aktuelle Werk auf der Berlinale präsentiert.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:59:20 „Lass uns einmal sagen, nochmal zu den Basics. Jonan ist von dem syrischen Filmemacher Amir Fahar Eldin aus dem Jahr 25, also ganz aktuell und ist ein Teil einer Trilogie, lief auf dem Wettbewerb der Berlinale.“
Der Film 'Jonan' ist eines der beiden Hauptwerke dieser Folge. Er handelt von einem syrischen Mann in Hamburg, der sich auf die Hallig Langeneß zurückzieht. Der Film wird ausführlich besprochen als Beispiel für den ethnologischen Blick eines Außenseiters auf deutsche Landschaft und Kultur, mit mystischen Elementen und einer Gegenüberstellung syrischer und norddeutscher Bildwelten.
Kaiserquartett
Joseph Haydn
(Franz) Joseph Haydn (auch Josef, er benutzte nie Franz; * 31. März 1732 in Rohrau, Niederösterreich; † 31. Mai 1809 in Gumpendorf) war ein führender österreichischer Komponist der Wiener Klassik. Er war Bruder des Komponisten Michael Haydn und des Tenors Johann Evangelist Haydn. Haydn verbrachte den größten Teil seiner Karriere als Hofmusiker und leitete das Orchester und die Oper der wohlhabenden Familie Esterházy auf deren Landsitz, für die er Musik zu komponieren hatte.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 01:04:18 „Dann landet er, der Munir, auf dieser Insel und es läuft das Radio und plötzlich, völlig grundlos und realistischerweise eigentlich auch nicht zu rechtfertigen, erschallt da das Kaiserquartett von Haydn. Die Melodie ist die unserer Nationalhymne.“
Mangold beschreibt, wie im Film 'Jonan' das Kaiserquartett von Haydn als bewusstes deutsches Kultursymbol eingesetzt wird. Die Melodie der deutschen Nationalhymne erklingt im Radio auf der Hallig – ein Moment, der die Auseinandersetzung des Films mit deutscher Identität und Tradition verdichtet.
Die Manns
Florian Illies
Florian Illies porträtiert in dieser ZEIT-Titelgeschichte Thomas Mann und seine Familie im Exil. Der Artikel zeichnet nach, wie die Familie Mann zu einem kulturellen Symbol für Deutschland wurde – ähnlich wie die britischen Windsors für England. Illies zeigt, wie diese Künstlerfamilie den Deutschen als Ventil für nationale Identität und Gefühle diente, auch während ihrer Zeit im Ausland.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 01:08:24 „Wir hatten gerade die Titelgeschichte, einen tollen Text von Florian Illyes über die Familie der Manns. Da stand auch drin, was den Engländern ihre Windsors, dem Deutschen ihre Manns.“
Pauer verweist auf eine aktuelle Titelgeschichte der ZEIT von Florian Illies über die Familie Mann. Der Text dient ihr als Beleg dafür, dass Thomas Mann und seine Familie als eine Art deutsches Königshaus fungieren – ein erlaubtes Ventil für deutsche Gefühle und Identität.