Ich wär jetzt lieber woanders
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Die Folge kreist um das Thema Sehnsucht — ob sie der Grundzustand des Menschen ist und was sie mit der Gegenwart zu tun hat. Bevor es ans Eingemachte geht, wird im Gegenwartscheck ein neuer Cinemax-Trailer namens »Jetzt ist Film« besprochen, der statt der üblichen Handy-aus-Durchsage die Smartphone-Abhängigkeit elegant reflektiert. Alle drei haben Texte zum Thema mitgebracht, passend zur Sommersehnsuchts-Stimmung kurz vor den Ferien.
„Die Leute, die ins Kino gehen, machen ihr Handy aus, denn das wollen sie. Sie wollen in eine andere Welt eintauchen.“
Erwähnte Medien (26)
Banana Pancakes
Jack Johnson
Dies ist eine Übersicht über die Auszeichnungen für Musikverkäufe des US-amerikanischen Singer-Songwriters Jack Johnson. Die Auszeichnungen finden sich nach ihrer Art (Gold, Platin usw.), nach Staaten getrennt in chronologischer Reihenfolge, geordnet sowie nach den Tonträgern selbst, ebenfalls in chronologischer Reihenfolge, getrennt nach Medium (Alben, Singles usw.), wieder.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:32 „Mich hat es sehr an Jack Johnson erinnert, den Surfer mit seinen, was, Banana Pancakes.“
Nina Pauer assoziiert den per KI generierten Ukulele-Song, der als Intro der Folge gespielt wird, mit Jack Johnsons entspanntem Surfer-Sound. Die Erwähnung dient als humorvoller Vergleich und leitet über zum Hauptthema Sehnsucht und Sommer.
Wann wird's mal wieder richtig Sommer?
Rudi Carrell
City of New Orleans ist ein Song des US-amerikanischen Folksängers Steve Goodman aus dem Jahre 1971. In Deutschland wurde das Stück mit anderem Text in einer Schlager-Version des Showmasters Rudi Carrell unter dem Titel Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? bekannt.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:01:41 „Irgendwie bin ich heute aufgewacht und habe an unseren Podcast gedacht und hatte sofort einen Urwurm von erstens, wann wird es mal wieder endlich Sommer, zweitens und es war Sommer von hier, ne. Peter Maffay und griechischer Wein, das war das Hartnäckigste.“
Nina Pauer erzählt, dass sie beim Aufwachen mehrere Sommer-Ohrwürmer hatte, die sie mit dem heutigen Podcast-Thema Sehnsucht verbindet. Sie zählt mehrere deutsche Sommer-Hits auf, die sofort die Stimmung von Sommer-Sehnsucht transportieren.
Und es war Sommer
Peter Maffay
Und es war Sommer ist das sechste Studioalbum des deutschen Musikers Peter Maffay, das im Jahr 1976 erschien.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:41 „Irgendwie bin ich heute aufgewacht und habe an unseren Podcast gedacht und hatte sofort einen Urwurm von erstens, wann wird es mal wieder endlich Sommer, zweitens und es war Sommer von hier, ne. Peter Maffay und griechischer Wein, das war das Hartnäckigste.“
Nina Pauer listet Peter Maffays Klassiker als einen der Ohrwürmer auf, die sie am Morgen der Aufnahme nicht losgeworden ist. Das Lied dient als Überleitung zum Hauptthema der Folge: Sehnsucht – passend zur Sommerstimmung.
Griechischer Wein
Udo Jürgens
Griechischer Wein ist ein Schlager aus dem Jahr 1974, den Udo Jürgens komponierte und sang. Den Text schrieb Michael Kunze. Produzent war Ralph Siegel.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:02:00 „Peter Maffay und griechischer Wein, das war das Hartnäckigste. Es geht heute nämlich um Sehnsucht, passend natürlich zu dem, was in der Luft liegt.“
Nina Pauer nennt den Schlager als den hartnäckigsten ihrer Sommer-Sehnsuchts-Ohrwürmer. Das Lied über die Sehnsucht nach der Heimat passt perfekt zum Folgenthema und steht für die emotionale Kraft, die Sehnsucht in der Popkultur hat.
Jetzt ist Film
Cinemax · 2026
Die Brüder Mario und Luigi sowie Prinzessin Peach und Toad erleben ein neues Abenteuer. Geleitet von mysteriösen Sternkatapulten, reisen sie durch die Galaxie. Dabei landen sie auf verschiedenen Planeten, wo sie es mit einem neuen Gegner zu tun bekommen, aber auch auf neue Freunde treffen.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:03:51 „Und zwar ist es ein Film, man kann den jederzeit als Trailer auch im Netz schauen von Cinemax. Er heißt »Jetzt ist Film«. Und er rückt an die Stelle, an der man sonst immer so eine Durchsage kommt, macht bitte eure Handys aus.“
Ijoma Mangold stellt im Gegenwartscheck einen Kino-Vorfilm von Cinemax vor, der die Smartphone-Abhängigkeit der Zuschauer thematisiert und das Kino als Gegenort zur medialen Kleinteiligkeit inszeniert. Er beschreibt detailliert Szenen, in denen Menschen beim Frühstück, an der Tür und in der Familie ständig aufs Handy starren – und das Kino als Ort der echten, ununterbrochenen Story dagegen setzt.
Arbeit und Struktur
Wolfgang Herrndorf · 2013
«Dann Telefonat mit einem mir unbekannten, älteren Mann in Westdeutschland. Noch am Tag der Histologie war Holm abends auf einer Party mit dem Journalisten T. ins Gespräch gekommen, dessen Vater ebenfalls ein Glioblastom hat und noch immer lebt, zehn Jahre nach der OP. Wenn ich wolle, könne er mir die Nummer besorgen. Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:29:12 „Ich habe heute Morgen nochmal die Stelle von Wolfgang Herndorf, weil wir ja gerade in der Krebsfolge über Arbeit und Struktur reden.“
Nina zitiert den Anfang des Buches, in dem Herrndorf eine kindliche Erinnerung beschreibt, die zum Thema Sehnsucht passt
Nur wer die Sehnsucht kennt
Johann Wolfgang von Goethe
Goethes Gedicht über Sehnsucht und Trauer aus »Wilhelm Meisters Lehrjahren«, das vielfach von Komponisten vertont wurde. Die Vertonungen erfassen die Melancholie des Originals in verschiedenen musikalischen Stilen. Zentrales Werk der deutschen Kunstlied-Tradition.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:30:46 „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide. Allein und abgetrennt von aller Freude... endlich oft, oft schönste Arten, natürlich auch vertont worden.“
Das Gedicht aus Wilhelm Meisters Lehrjahren wurde vielfach vertont, Ijoma erwähnt explizit die Vertonungen
Es schienen so golden die Sterne (Sehnsucht)
Joseph von Eichendorff
„Es schienen so golden die Sterne" ist eines der bekanntesten Sehnsuchtsgedichte der deutschen Hochromantik von Joseph von Eichendorff. Das Gedicht verkörpert die romantische Sehnsucht nach der Ferne und dem Anderssein, die für die literarische Epoche des 19. Jahrhunderts charakteristisch ist. Eichendorff, ein schlesischer Beamter, drückt darin das Verlangen nach Flucht und Abenteuer aus, das die romantische Bewegung prägte.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:30:46 „das vielleicht berühmteste Sehnsuchtsgedicht, das ist dann wirklich Hochromantik von dem schlesischen Beamten Eichendorff“
Ijoma trägt das vollständige Gedicht vor als Beispiel für die romantische Sehnsucht nach der Ferne und dem Anderssein
Unzeitgemäße Betrachtungen
Friedrich Nietzsche · 2018
Unzeitgemäße Betrachtungen - Friedrich Nietzsche VolltextInhalt:Friedrich Nietzsche: David Strauß. Der Bekenner und der SchriftstellerFriedrich Nietzsche: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das LebenFriedrich Nietzsche: Schopenhauer als ErzieherFriedrich Nietzsche: Richard Wagner in BayreuthDie öffentliche Meinung in Deutschland scheint es fast zu verbieten, von den schlimmen und gefährlichen Folgen des Krieges, zumal eines siegreich beendeten Krieges zu reden: um so williger werden aber d...
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:31:28 „Um Sehnsucht zu empfinden, muss man quasi im Kontrafaktischen denken können und muss sich, also bei Nietzsche heißt es mal, das Tier ist an den Pflock des Augenblicks gebunden. Und da kann dann weder Nostalgie aufkommen, noch Sehnsucht nach einer Zukunft oder nach dem Wunder.“
Mangold nutzt Nietzsches berühmtes Bild vom Tier, das an den Pflock des Augenblicks gebunden ist, um Sehnsucht als spezifisch menschliche Fähigkeit zu beschreiben. Nur wer ein Zeitbewusstsein hat und kontrafaktisch denken kann, ist zur Sehnsucht fähig – was sie zu einem anthropologischen Grundmerkmal macht.
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Johann Wolfgang von Goethe · 2021
Bildungsroman über die Entwicklung eines jungen Mannes während seiner Wanderjahre und Abenteuer. Wilhelm strebt nach künstlerischer Vollendung und persönlichem Wachstum, erlebt Liebe, Konflikte und innere Transformationen, während er sein Verständnis von Kunst und Menschlichkeit formt.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:32:22 „Das erste ist aus Goethes Willemeisters Lehrjahren. Der Hafner und Mignon singen dieses Lied. Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide. Allein und abgetrennt von aller Freude, sehe ich ans Firmament nach jener Seite. Ach, der mich liebt und kennt, ist in der Weite.“
Ijoma Mangold trägt das berühmte Sehnsuchtsgedicht aus Goethes Roman vor, um zwei Grundformen der Sehnsucht zu unterscheiden: die auf einen geliebten Menschen gerichtete und die auf einen anderen Ort oder eine andere Zeit. Das Gedicht dient ihm als kanonisches Beispiel für die erste Kategorie – Sehnsucht als Ausdruck von Liebesschmerz und Trennung.
Sehnsucht
Joseph von Eichendorff · 2007
Das Gedicht verkörpert die romantische Fernsehnsucht – den Wunsch, die Gegenwart zu verlassen und anderswo ein glücklicheres Leben zu führen. Die Sehnsucht richtet sich nicht auf einen konkreten Ort, sondern auf die Vorstellung einer perfekten "prächtigen Sommernacht", auf die Idee einer Welt voller Möglichkeiten.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:33:59 „Es schienen so golden die Sterne, am Fenster ich einsam stand und hörte aus weiter Ferne ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leib entbrennte, da habe ich mir heimlich gedacht, ach, wer da mitreisen könnte in der prächtigen Sommernacht.“
Mangold trägt Eichendorffs Gedicht als Inbegriff der romantischen Fernsehnsucht vor – dem Wunsch, nicht am festen Ort zu bleiben, sondern in der Ferne ein anderer, glücklicherer Mensch zu werden. Er bemerkt, dass die Sehnsucht sich am Ende gar nicht mehr auf einen konkreten Ort bezieht, sondern auf das Gedicht selbst: Man möchte in einer Welt leben, in der es eine 'prächtige Sommernacht' gibt.
Gedicht über den Rauch aus dem Haus
Bertolt Brecht · 2022
Der von Bertolt Brecht 1926 geprägte Begriff episches Theater verbindet zwei literarische Gattungen, das Drama und die Epik, also theatralische und erzählende Formen der Literatur. In den 1920er-Jahren hatten Bertolt Brecht und Erwin Piscator begonnen, mit neuen Formen des Theaters zu experimentieren. Sie wollten weg von der Darstellung tragischer Einzelschicksale, weg von der klassischen Illusionsbühne und ihrer Scheinrealität.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:04 „wie später Brecht das doch mal in so einem Gedicht formuliert hat, da ist das Haus am See und so weiter und das ist alles ganz schön, aber wie traurig wäre das ohne den Rauch, der aus dem Haus kommt“
Lars verweist auf ein Brecht-Gedicht über die Notwendigkeit menschlicher Spuren in der Natur
Gedicht über den nächtlichen Brunnen
Hans Carossa
Carossas Gedicht thematisiert die nächtliche Natur und menschliche Einsamkeit. Ein Wanderer sitzt nachts am Brunnen und lauscht dem Plätschern des Wassers – eine Momentaufnahme von Stille und innerer Einkehr. Das Werk illustriert die subtile Schönheit natürlicher Geräusche und ihrer beruhigenden Wirkung auf den einsamen Menschen.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:04 „geht auch von Hans Karossa, dieses schöne Gedicht, wo einer nachts in der einsamen Natur in seinem Bett liegt und er hört das Rauschen des Brunnens, das Plätschern des Brunnens“
Ijoma ergänzt Lars' Punkt über menschliche Spuren in der Natur mit einem Gedicht von Carossa über einen nächtlichen Wanderer am Brunnen
Der Rauch
Bertolt Brecht · 2002
Der Artikel behandelt Brechts Gedicht über ein Haus am See und die symbolische Bedeutung des Rauchs aus dem Schornstein. Dieser Rauch repräsentiert menschliche Präsenz und Aktivität, die selbst in romantischen Naturszenen unverzichtbar ist. Die zentrale These ist, dass reine Natur ohne menschliche Spuren keine echte Sehnsucht auslöst – es braucht diese Zeichen der Bewohnung, um ein Bild vollständig und ergreifend zu machen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:35:13 „Wie später Brecht das doch mal in so einem Gedicht formuliert hat, komisch, ich kann es nicht zitieren, da ist das Haus am See und so weiter und das ist alles ganz schön, aber wie traurig wäre das ohne den Rauch, der aus dem Haus kommt. Da müssen schon irgendwie Menschen so ein bisschen noch vorkommen und ihre Zeichen.“
Lars Weisbrod erinnert sich ungenau an Brechts Gedicht, um zu argumentieren, dass selbst in der Romantik die Natur allein nicht ausreicht – es braucht Spuren menschlicher Anwesenheit, wie den Rauch aus einem Schornstein, damit Sehnsucht entsteht. Er kann das Gedicht nicht wörtlich zitieren, erinnert sich aber an das zentrale Bild.
Alter Mann am Brunnen
Hans Carossa · 1978
Ein lyrisches Gedicht, das Einsamkeit und flüchtige menschliche Begegnung verbindet. Der Erzähler liegt nachts in der Natur, hört das Rauschen eines Brunnens und wird ergriffen, als ein Wanderer den Strahl unterbricht, um seinen Durst zu stillen. Das Gedicht beschwört poetische Ergriffenheit durch die unvermittelte Wahrnehmung fremder Anwesenheit in der Dunkelheit.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:35:45 „Geht auch von Hans Karossa, dieses schöne Gedicht, wo einer nachts in der einsamen Natur in seinem Bett liegt und er hört das Rauschen des Brunnens. Und plötzlich wird dieses Geräusch unterbrochen. Und dann ist er ganz ergriffen, weil er weiß, jetzt ist wohl ein Wanderer vorbeigekommen und hat seine Hände unter den Wasserstrahl gehalten, um seinen Durst zu löschen.“
Mangold beschreibt ein Carossa-Gedicht als Ergänzung zu Brechts Rauch-Bild: Auch hier entsteht die poetische Ergriffenheit erst durch das Zeichen menschlicher Anwesenheit – ein Wanderer, der den Brunnenstrahl unterbricht. Der genaue Titel wird nicht genannt, aber das Motiv wird detailliert nacherzählt.
Heinrich von Ofterdingen
Novalis · 2012
Mit einer Novalis-Biographie von Ludwig Tieck. Mit einer Nachbemerkung des Herausgebers. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Die blaue Blume aus Novalis' Roman ›Heinrich von Ofterdingen‹ ist zum Inbegriff romantischer Sehnsucht und Träumerei geworden. Novalis selbst verkörpert für viele das romantisch-sensible Junggenie schlechthin.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:38:04 „Novalis fragt, wo gehen wir denn hin? Im Heinrich von Ofterdingen, daraus ist das Zitat, wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause. Und da hat man dieses Beides. Einerseits will man die Ferne, aber man hofft in Wahrheit in der Ferne das Eigentliche selbst dann anzutreffen.“
Mangold zitiert Novalis' berühmten Satz als Synthese der beiden zuvor beschriebenen Sehnsuchtsformen: Die Ferne wird gesucht, doch eigentlich hofft man, dort das Eigentliche – das Zuhause – zu finden. Er beschreibt damit die paradoxe Struktur der Sehnsucht, die Lars zuvor als Nostalgie für sich reklamiert hatte.
Die Lorelei
Heinrich Heine · 2012
Heines Lorelei ist ein exemplarisches Werk der deutschen Romantik, das die charakteristische Mischung aus Melancholie und philosophischer Tiefgründigkeit verkörpert. Der berühmte Anfangsvers "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin" fasst die Essenz der romantischen Weltanschauung zusammen: den Drang, allem eine tiefere Bedeutung zuzuordnen. Allerdings war Heine mehr als nur ein Romantiker – er durchbrach die Romantik auch mit Ironie und schuf damit ein Werk, das die Kontinentalphilosophie des 19. Jahrhunderts widerspiegelt.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:38:45 „Und mir fällt halt sofort der Anfang von diesem Loreley-Ding ein. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin. Das ist für mich deutsche Romantik. Also erstens ist jemand traurig, aber noch viel wichtiger ist, es fragt jemand so tiefsinnig, was irgendwas bedeuten soll.“
Lars Weisbrod ergänzt die Reihe romantischer Sehnsuchtstexte um Heines Lorelei, betont aber, dass Heine kein reiner Romantiker mehr war, sondern die Romantik auch ironisch brach. Für Weisbrod steckt in dem Anfangsvers die gesamte deutsche Kontinentalphilosophie – der Drang, allem eine tiefe Bedeutung geben zu müssen.
1913
Florian Illies · 2012
»Ich habe das neue ›1913‹ in einer einzigen Nacht durchgelesen. Es ist phantastisch, so reich, ein großes Geschenk.« Ferdinand von Schirach Sie hätten sich gewünscht, dass das Buch ›1913‹ von Florian Illies noch lange nicht zu Ende ist? Dem Autor ging es genauso. Seit Jahren hat er nach neuen aufregenden Geschichten aus diesem unglaublichen Jahr gesucht – und sie gefunden.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:35 „Ich musste ja, als du das Thema vorgeschlagen hast, sofort an Florian Illyes Bücher denken oder an seinen bahnbrechenden Erfolg, also zum einen natürlich an 1913. Und ich glaube, darin liegt der Erfolg, dass er so unterhaltsam und schön und eben auch liebevoll die Menschen, die dort beschrieben werden, die Briefwechsel aller großen Stars dieser Zeit, also Rilke, Kafka, wer auch immer da alles vorkommt. Und alle sehnen sich die ganze Zeit weg.“
Nina Pauer nennt Illies' Bestseller als herausragendes Gegenwartsbeispiel für die Sehnsucht als kulturelles Phänomen. Der Erfolg des Buchs liege darin, dass es zeigt: Alle Menschen haben sich schon immer weggesehnt – zu Geliebten, an andere Orte. Das tröste heutige Leser, die ihre eigene Unruhe für abnormal halten.
Drei Schwestern
Anton Tschechow
Tschechows Theaterstück über drei Schwestern, die vom Land nach Moskau streben, dient als Gegenbeispiel zur modernen Sehnsucht nach Natur und Landleben. Das Stück illustriert die universelle menschliche Struktur der Sehnsucht: Man sehnt sich immer danach, wo man nicht ist. Ein zeitloser Spiegel unserer ständigen Suche nach dem vermeintlich besseren Leben anderswo.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:41:00 „Nach Moskau, nach Moskau, so enden doch Tschechos drei Schwestern. Die leben da auf dem schönen Landhaus in der Idylle, aber glauben natürlich umgekehrt wie wir aus der Persi, wir sehen uns immer nach dem Land. Aber die sitzen halt wirklich auf dem Land und sehen sich immer nach Moskau, weil sie glauben, da ist das aufregende Leben.“
Mangold greift Tschechows Theaterstück als Gegenbeispiel zur modernen Cabin-Porn-Sehnsucht auf: Während wir uns in die Natur sehnen, sehnen sich die drei Schwestern vom Land nach der Großstadt Moskau. Das illustriert die universelle Struktur der Sehnsucht – man will immer dorthin, wo man gerade nicht ist.
Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten
Florian Illies · 2023
»So elegant und mühelos erzählt. Dieses neue Buch von Florian Illies zu lesen, ist wie einen Billy-Wilder-Film zu schauen – einfach großartig.« Ferdinand von Schirach Mit Florian Illies kann man Vergangenheit plötzlich als Gegenwart erleben. In »Zauber der Stille« breitet er erstmals die abenteuerlichen Geschichten Caspar David Friedrichs vor uns aus. Eine wilde Zeitreise zu dem Mann, der für die Deutschen die Sehnsucht erfand.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:41:27 „Die Kaspar David Friedrich Ausstellung, das Buch über Kaspar David Friedrich, also da kann man ja fast schon sagen, das ist die Sehnsucht nach der Sehnsucht. Und Florian Ines hat ja auch ein Buch über Kasper David Friedrich geschrieben.“
Im Kontext der Diskussion über Florian Illies' Erfolge erwähnt Mangold dessen Buch über Caspar David Friedrich. Nina Pauer und er sehen darin ein Beispiel für 'Sehnsucht nach der Sehnsucht' – das Publikum sehne sich nach der romantischen Sehnsucht selbst, wie sie in Friedrichs Bildern und Illies' Büchern eingefangen wird.
Wellen
Eduard von Keyserling · 2016
Eduard von Keyserling: Wellen Doralice ist so schön, dass es eine »furchtbare Verantwortung« ist. Sie verlässt ihren Mann, einen Grafen, für den Maler Hans, mit dem sie in einfachen Verhältnissen lebt. Als eine feine Gesellschaft in der Nachbarschaft zur Sommerfrische auftaucht, verknallt sich einer nach der anderen in die schöne Doralice, wenngleich sich alle über ihr schändliches Verhalten empören.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:17 „Und zwar eine Novelle von Eduard von Kaiserling, erschienen 1911. Wellen heißt die, hat mir lustigerweise Florian Idies einmal empfohlen und ich habe das mehrfach gelesen, weil es hat auch was von diesem, man denkt, ach was placken sich alle ab, was quälen sich alle die ganze Zeit und wie irre ist eigentlich diese Art, wie menschliche Psychen funktionieren.“
Nina Pauer bringt Keyserlings Novelle als ausführliches Herzstück der Folge ein und liest mehrere Passagen vor. Die Geschichte spielt an einem Ostseestrand, wo eine Gräfin, die aus Konventionen ausgebrochen ist, und eine adelige Gesellschaft sich gegenseitig mit Sehnsüchten beladen. Pauer empfiehlt das Buch als Sommerlektüre und als seelisches Pflaster für alle, die im Urlaub merken, dass die Erfüllung nicht hält, was die Sehnsucht versprochen hat.
The White Lotus
Mike White · 2021
The White Lotus folgt dem Aufenthalt verschiedener Gäste in exklusiven Resorts der fiktiven Hotelkette "The White Lotus". Jede Staffel spielt an einem anderen Ort und begleitet eine Woche im Leben der Hotelgäste und des Personals – von der Ankunft bis zu einem meist tragischen Ende. Hinter der glamourösen Fassade entspinnen sich persönliche Dramen, zwischenmenschliche Konflikte und gesellschaftliche Spannungen, die langsam eskalieren.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:03 „Ich möchte ja auch unbedingt, dass wir nochmal eine Folge über White Lotus machen, wo ja auch dieses sich beäugen gegenseitig am Strand und der Menschen, die man im Urlaub ist, weil da ist man natürlich eigentlich glücklich und zeigt irgendwie aber auch sein wahres Ich und so weiter.“
Nina Pauer zieht eine Parallele zwischen Keyserlings Novelle 'Wellen' und der HBO-Serie White Lotus: Beide zeigen Menschen im Urlaub, die sich gegenseitig beiläufig und doch obsessiv beobachten und ihre Sehnsüchte aufeinander projizieren. Sie wünscht sich eine eigene Podcast-Folge darüber.
Schwester der Angst (Wellenbuch / Novelle von Eduard von Keyserling)
Eduard von Keyserling · 2020
›Wellen‹ erzählt die Geschichte eines Badesommers an der Ostsee, ein scheinbares Idyll, das sich bei näherem Hinsehen als gesellschaftliche Tragödie entpuppt, in deren Brennpunkt der sich als Freidenker profilierende Maler Hans Grill und seine Frau Doralice stehen, die sich von ihrem älteren, standesgemäßen Gatten Graf Köhne-Jasky getrennt hat, um mit Hans zusammenzuleben.
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:44:27 „Das Mondbeglänzte Meer, das Rauschen und Wehen da draußen, ließ ihnen keine Ruhe... Hans Grill und Doralice gingen am Meeresufer entlang.“
Nina liest ausführlich aus einer Novelle von Eduard von Keyserling vor, in der ein Liebespaar die Desillusionierung nach erfüllter Sehnsucht erlebt
The Power of Now
Eckhart Tolle
Eckhart Tolle has emerged as one of today's most inspiring teachers. In The Power of Now, already a worldwide bestseller, the author describes his transition from despair to self-realization soon after his 29th birthday. Tolle took another ten years to understand this transformation, during which time he evolved a philosophy that has parallels in Buddhism, relaxation techniques, and meditation theory but is also eminently practical.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:54:00 „Nämlich der Self-Help-Guru und deutschstämmige, aber auf Englisch publizierende und berühmt gewordene Autor und Ratgeber-Literatur-Bestseller-Autor Eckart Tolle. Bei Allegro Pastel spielte er eine Rolle, deswegen war er in unserer ersten Folge dabei. Und schon sein berühmtestes Buch, The Power of Now, die Kraft der Gegenwart“
Lars stellt das Buch als Gegenpol zur Sehnsucht vor – das Konzept, ganz im Moment zu leben statt sich woandershin zu sehnen
Allegro Pastell
Leif Randt · 2020
Germany's next Lovestory. Leif Randt erzählt vom Glück. Von Tanja und Jerome, von Wirklichkeit und Badminton, von idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren. Tanja Arnheim, deren Debütroman PanoptikumNeu Kultstatus genießt, wird in wenigen Wochen dreißig. Mit Blick auf den Berliner Volkspark Hasenheide wartet sie auf eine explosive Idee für ihr neues Buch.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:54:00 „Bei Allegro Pastel spielte er eine Rolle, deswegen war er in unserer ersten Folge dabei.“
Erwähnung des Romans als Anlass, warum Eckhart Tolle in der ersten Folge des Podcasts besprochen wurde
Mimetische Theorie / Das Heilige und die Gewalt
René Girard · 2011
Girards einflussreiche Theorie erklärt menschliches Begehren als mimetisch: Wir begehren nicht das, was wir wollen, sondern das, was andere haben. Diese lange unterschätzte Einsicht wurde durch Social Media hochaktuell und erklärt Sehnsucht und Neid in der modernen Kultur.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 01:02:31 „den großen Anthropologen und Philosophen René Girard vermutlich erstmalig in diesen Podcast einzuführen, der in Stanford gelehrt hat... hat so eine mimetische Theorie entwickelt, wonach wir Menschen nicht etwas begehren, was wir wollen, sondern wir begehren das, was ein anderer hat.“
Ijoma stellt Girards mimetische Begehrenstheorie vor als Erklärung für Social-Media-Sehnsucht und deren Verbindung zum Silicon Valley über Peter Thiel