Wie können wir unsere Köpfe dekolonisieren
Ijoma Mangold, Nina Pauer
Ausgangspunkt ist Lars Kraumes Kinofilm »Der vermessene Mensch« über den deutschen Kolonialismus — von hier aus nehmen sich Ijoma Mangold und Nina Pauer das große Paradigma der Dekolonisation vor, das die Zehnerjahre auf allen Ebenen geprägt hat, von Schulgeschichtsbüchern bis zur Bespielung europäischer Museen. Im Gegenwartscheck geht es um ein neues politisches Schimpfwort: die »fossilen Zyniker«, das Luisa Neubauer nach der krachenden Niederlage des Berliner Klima-Volksbegehrens in einem bemerkenswerten Selfie-Video prägte.
„Sie und das Spiel mit der Kamera, sowas habe ich wirklich noch nie gesehen. Es ist in einer Weise makellos, perfekt und es magisch beherrschend. Ich kenne kein vergleichbares Beispiel.“
Erwähnte Medien (19)
Erzählung über den Jesuitenpfarrer in Südamerika
Jorge Luis Borges · 1987
Jorge Luis Borges' Erzählung erzählt von einem Jesuitenpfarrer in Südamerika im 17. Jahrhundert, der sich gegen die Ausbeutung der indigenen Bevölkerung in den Silberbergwerken einsetzt. Sein Lösungsvorschlag offenbart jedoch die tiefgreifenden moralischen Paradoxien der Kolonialzeit: Er schlägt vor, stattdessen afrikanische Sklaven heranzuschaffen. Die Geschichte illustriert die Ambivalenzen und inneren Widersprüche vermeintlich humanitärer Ansätze im Kontext des Kolonialismus.
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv „Es gibt eine tolle Erzählung von dem von mir sehr verehrten argentinischen Schriftsteller Borges, der von einem eigentümlichen Menschenfreund erzählt, nämlich einem Jesuitenpfarrer, der in, ich glaube, in Argentinien oder Peru im 17. Jahrhundert es nicht mit ansehen kann, wie die indigene Bevölkerung in den Silberbergwerken, wie die Fliegen sterben.“
Mangold erzählt von einer Borges-Erzählung, um die moralischen Paradoxien der Kolonialgeschichte zu illustrieren: Ein Jesuitenpfarrer setzt sich aus Menschenfreundlichkeit für die indigene Bevölkerung ein, schlägt aber vor, stattdessen afrikanische Sklaven nach Südamerika zu bringen. Mangold nennt das einen 'eigentümlichen Giftcocktail höchst seltsamer Gefühle' und nutzt die Geschichte als Beleg für die Ambivalenzen des Kolonialismus.
Der vermessene Mensch
Lars Kraume · 2023
Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts. Alexander Hoffmann ist ein ehrgeiziger Ethnologie-Doktorand an der Friedrich-Wilhelms-Universität. In der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika wird er Zeuge des Völkermords an den Herero und Nama. Dabei übertritt er auch die eigenen moralischen Grenzen.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:23 „Letzte Woche Donnerstag ist der Film Der vermessene Mensch vom Regisseur Lars Kraume in die Kinos gekommen. Den haben wir uns angeguckt. Das ist sozusagen das Kulturprodukt, unser kleiner Anlass, von dem wir aus abheben wollen auf die großen Fragen.“
Der Film ist das zentrale Thema dieser Episode. Er behandelt den deutschen Kolonialismus in Namibia und den Völkermord an den Herero. Nina Pauer war bei der Hamburg-Premiere mit anschließender Diskussion mit Regisseur, Hauptdarstellerin und einem Herero-Aktivisten. Die Sprecher nutzen den Film als Ausgangspunkt für eine breitere Diskussion über Dekolonisierung und kollektive Amnesie.
Jung und Naiv
Thilo Jung
Politik für Desinteressierte: Interviews, Talks und Shows. Uns gibt es nur dank eurer finanziellen Unterstützung https://paypal.me/jungnaiv Auf Youtube als Video, hier als Podcast - DE/EN - www.jungundnaiv.de
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:01:36 „da hat nämlich die Energieökonomin Claudia Kempfert bei Thilo Jung in seinem Podcast Jung und Naiv wörtlich, ich muss das wörtlich zitieren, gesagt“
Podcast wird als Quelle eines Zitats der Energieökonomin Claudia Kemfert erwähnt
Jung & Naiv
Tilo Jung
Politik für Desinteressierte: Interviews, Talks und Shows. Uns gibt es nur dank eurer finanziellen Unterstützung https://paypal.me/jungnaiv Auf Youtube als Video, hier als Podcast - DE/EN - www.jungundnaiv.de
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:03:43 „Da hat nämlich die Energieökonomin Claudia Kempfert bei Thilo Jung in seinem Podcast »Jung und Naiv« wörtlich, ich muss das wörtlich zitieren, gesagt, »Das fossile Kapital muss ausgerottet werden.«“
Ijoma Mangold erwähnt den Podcast im Gegenwartscheck, um ein zweites Beispiel für das neue Schimpfwort 'fossil' zu liefern. Er zitiert einen Auftritt der Energieökonomin Claudia Kemfert, die dort eine besonders drastische Formulierung über fossiles Kapital verwendet hat.
The 5 AM Club
Robin Sharma
Das Buch präsentiert das '5 AM Club'-Konzept: erfolgreiche Menschen starten ihren Tag zwei Stunden früher mit Sport und Meditation. Diese frühe Morgenroutine soll zu mehr Produktivität, Gesundheit und persönlichem Wohlbefinden führen.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:41 „Also es gibt ja das Konzept des Miracle Mornings, ja, also früh aufstehen, dann meditieren, dann schon mal ganz viel oder diesen 5am Club, wir wecken uns früh und machen dann schon Sport und schaffen ganz viel und bilden uns und sind dann schon vor allen anderen.“
Nina Pauer erwähnt das Konzept des '5 AM Club' im Gegenwartscheck als Gegenmodell zum neuen Trend 'Bare Minimum Monday'. Sie beschreibt es als das bisherige Effizienzparadigma des Frühaufstehens und Produktivseins, dem nun ein bewusstes Herunterfahren entgegengesetzt wird.
The Miracle Morning
· 2024
Start waking up to your full potential every single day with the updated and expanded edition of the groundbreaking book that has sold more than two million copies. “So much more than a book. It is a proven methodology that will help you fulfil your potential and create the life you’ve always wanted.” —Mel Robbins, New York Times bestselling author of The High 5 Habit and The 5 Second Rule Getting everything you want out of life isn’t about doing more. It’s about becoming more.
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:41 „Also es gibt ja das Konzept des Miracle Mornings, ja, also früh aufstehen, dann meditieren, dann schon mal ganz viel oder diesen 5am Club, wir wecken uns früh und machen dann schon Sport und schaffen ganz viel und bilden uns.“
Nina Pauer verweist auf das Miracle-Morning-Konzept als bekanntes Effizienz- und Selbstoptimierungskonzept, um den Kontrast zum neuen Trend 'Bare Minimum Monday' herzustellen. Es wird als Beispiel für die bisherige Produktivitätskultur genannt.
Der Staat gegen Fritz Bauer
Lars Kraume · 2015
Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die NS-Zeit hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann beginnt Bauer, die Hintergründe zu recherchieren.
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:15:36 „Vom Regisseur Lars Kraume, den kennt man zum Beispiel von Der Staat gegen Fritz Bauer. Er nimmt sich, wie er sagt, vor Kapitel oder Ecken der deutschen Geschichte zu beleuchten, die vergessen worden sind oder verdrängt.“
Nina Pauer erwähnt den früheren Film von Lars Kraume, um den Regisseur des Hauptfilms 'Der vermessene Mensch' einzuordnen. Sie stellt damit sein Werk in eine Reihe von Filmen, die vergessene Kapitel der deutschen Geschichte aufarbeiten.
Toni Erdmann
Maren Ade · 2016
Winfried ist ein 65-jähriger, einfühlsamer Musiklehrer mit Hang zu Scherzen, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines hingegen ist das Gegenteil: Als ehrgeizige Unternehmensberaterin reist sie um die Welt und von einem Projekt zum nächsten, um die Karriereleiter steil nach oben zu klettern.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:12 „Er arbeitet einem, viele werden ihn aus Toni Erdmann kennen, Peter Simonischek, dem Professor arbeitet er zu, der ein Vertreter der Rassentheorie ist.“
Ijoma Mangold erwähnt den Film beiläufig, um den Schauspieler Peter Simonischek zu identifizieren, der im 'Vermessenen Menschen' den Professor spielt. Toni Erdmann dient hier als Referenzpunkt für das Publikum, um den Darsteller einzuordnen.
Ein weites Feld
Günter Grass
Günter Grass' Debütroman "Ein weites Feld" wurde zum Schauplatz einer legendären Literaturkritik: Marcel Reich-Ranickis vernichtendes Urteil über das Werk war so wirkmächtig, dass der Spiegel es zum Titelthema machte. Der Artikel illustriert die enorme öffentliche Reichweite und gesellschaftliche Relevanz von Literaturkritik in den 1960er Jahren, als eine einzelne negative Rezension eines renommierten Kritikers ausreichte, um Millionen zu erreichen. Ein historisches Beispiel für die Kraft der Worte und den Einfluss von Medien auf kulturelle Debatten.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:27:03 „Das war so die Verkörperung postmodernen Erzählens, wonach ich mich so dürstete, weil in Deutschland habe ich das Gefühl, schreiben alle nur so wie Günter Grass ein weites Feld. Und das fand ich formal immer so uninteressant.“
Mangold erwähnt Günter Grass' Roman als Negativbeispiel für die formal uninteressante deutsche Literatur der 90er Jahre, die ihn dazu trieb, sich dem postmodernen Erzählen von Thomas Pynchon zuzuwenden.
V.
Thomas Pynchon
Having just been released from the Navy, Benny Profane is content to lead a slothful existence with his friends, where the only real ambition is to perfect the art of "schlemihlhood," or being a dupe, and where "responsibility" is a dirty word. Among his pals--called the Whole Sick Crew--is Slab, an artist who can't seem to paint anything other than cheese danishes.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:27:14 „Und da las ich sein, ich glaube, es ist sein Debütroman V. Und der handelt von vielem, aber er handelt tatsächlich auch vom Genozid an den Hereros. Und ich weiß, wie baff ich war, weil es erstens mal absolut brillant, verstörend brillant erzählt ist.“
Ijoma Mangold erzählt, wie er Mitte der 90er Jahre als Student in München erstmals vom Völkermord an den Herero erfuhr – nicht im Geschichtsunterricht, sondern durch Thomas Pynchons Debütroman. Er war fasziniert von Pynchons postmodernem Erzählen und zugleich erschüttert, dass ein US-amerikanischer Autor ihm einen Teil der eigenen deutschen Geschichte näherbrachte, von dem er nichts wusste.
Morenga
Uwe Timm
**Morenga** ist ein postkolonialer Roman von Uwe Timm. Das Werk erschien 1978 in der AutorenEdition. Der Titel leitet sich von Jakobus Morenga (auch Marengo) her, einem der bekanntesten Anführer im Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts. Dieser Aufstand bildet einen Schwerpunkt des Romans, erzählt weitgehend aus der Sicht der Deutschen.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:28:09 „Der schenkte mir freundlicherweise einen Roman, wo er meinte, sie sollten sich ein bisschen dafür interessieren. Und das ist der Roman Moringa. Der erzählt tatsächlich eben auch die Geschichte der Deutschen im deutschen Südwest und den Krieg gegen die Herero.“
Mangold erzählt, wie er um 2002/2003 in München Uwe Timm kennenlernte, der ihm seinen Roman Morenga schenkte. Das Buch handelt von der deutschen Kolonialgeschichte in Deutsch-Südwestafrika und dem Krieg gegen die Herero. Der Roman von 1978 diente später als Inspiration für den Film 'Der vermessene Mensch'.
Im Westen nichts Neues
Edward Berger · 2022
Der Teenager Paul Bäumer und seine Freunde Albert und Müller schreiben sich während des Ersten Weltkrieges freiwillig in die deutsche Armee ein und reiten auf einer Welle patriotischen Eifers, die sich schnell in Wohlgefallen auflöst. Ernüchtert und schockiert müssen sie feststellen, dass der Kampf um Deutschland keineswegs eine rein ehrenhafte Sache ist, sondern ein tödliches Gemetzel. Sobald sich die jungen Soldaten den brutalen Realitäten des Lebens an der Front stellen, gehören Tod und Verlu
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:35:31 „Und ich hatte das ja so ein bisschen bei Im Westen nichts Neues auch, weil man sich fragt, was sind dann die wirkungsmächtigsten Bilder? Also weil das Wirkungsmächtigste ist häufig ja auch die Andeutung, dass einem der Schauer eher so kommt oder die Beklemmung, statt dass man nur Blut sieht.“
Die Sprecherin zieht einen Vergleich zu 'Im Westen nichts Neues', um zu diskutieren, wie Filme historische Grausamkeit am wirkungsvollsten darstellen – durch Andeutung statt explizite Gewalt. Sie erwähnt die abgemagerten russischen Gefangenen hinter Stacheldraht als Beispiel für Bilder, die den Zuschauer zusammenzucken lassen, weil man die weitere deutsche Geschichte bereits kennt.
Hereroland
Hereroland ist eine deutsch-namibische Theaterproduktion, die sich mit der kolonialen Vergangenheit und ihren Nachwirkungen auseinandersetzt. Das Projekt behandelt die Themen Landgerechtigkeit, der Genozid an den Herero und Restitutionsforderungen, basierend auf Recherchereisen und Archivforschung. Die Uraufführung 2020 am Thalia Theater Hamburg kombinierte einen individuellen Parcours durch eine multimediale Installation mit einem gemeinsamen Theaterstück. 2023 wurde das Projekt als Virtual-Reality-Version neu umgesetzt, wobei Szenen an Originalschauplätzen in Namibia und Hamburg mit 360°-Kameras gedreht und in Windhoek sowie Hamburg mit VR-Brillen aufgeführt wurden. Eine Vorstellung wurde live nach Hamburg gestreamt und mit einem internationalen Publikumsgespräch abgeschlossen.
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:38:11 „Das Thalia Theater hatte, ich glaube 2020 eine Produktion, Hereroland und da haben viele, also auch der Gabriel hieß der im Film, der Mann von der Hauptdarstellerin und auch andere Leute aus dem Team haben sowohl an der Theaterproduktion als auch an dem Film jetzt mitgewirkt.“
Die Sprecherin verweist auf die Thalia-Theater-Produktion 'Hereroland' von ca. 2020, bei der die Perspektiven der Herero stärker berücksichtigt worden seien als im Film. Mitglieder des Theaterensembles wirkten später auch am Film 'Der vermessene Mensch' mit. Sie lobt die Theaterproduktion als gelungeneres Beispiel für eine gerechte Verteilung der Sprecherpositionen.
Der Untertan
Heinrich Mann · 2021
Sollte es einmal einen Preis für den widerlichsten Protagonisten eines Romans geben, würde Diederich Heßling ohne Zweifel weit vorne landen. Heinrich Mann erzählt in seinem satirischen Roman die Geschichte Heßlings – eine typische Karriere im Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg: Als Kind vom Vater gedemütigt, findet Heßling seinen Platz im bierseligen Kollektiv einer Burschenschaft und wird schließlich zum skrupellosen Fabrik-Erben, der nach oben buckelt und nach unten tritt.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:01 „Typischer fetter Heinrich Mann, untertan, wilhelminischer Professor, der unterdrückt diese Zahlen, die sein junger wissenschaftlicher Mitarbeiter beigebracht hat.“
Ijoma Mangold vergleicht die Filmfigur des Professors, gespielt von Peter Simonischek, mit dem Archetyp des wilhelminischen Opportunisten aus Heinrich Manns Roman. Der Professor unterdrückt Messergebnisse, die der Rassentheorie widersprechen.
Kolonialismus (Handbuch)
Jürgen Osterhammel
Ein konzises Handbuch zur Geschichte des Kolonialismus mit systematischer Darstellung der europäischen Expansion und Herrschaftssysteme. Als Einstiegslektüre geeignet, zeigt aber auch Lücken in der Abdeckung bestimmter Aspekte.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:12 „ich hatte mal vor sechs, sieben Jahren ein Buch des eminenten Universalhistorikers Osterhammel gelesen zum Kolonialismus. Das ist so ein kleines Handbuch“
Sachbuch über Kolonialismus, das Mangold als Einstiegslektüre las und bei dem er Lücken feststellte
Kolonialismus
Jürgen Osterhammel · 2021
Koloniale Herrschaft war ein herausragendes Merkmal der Weltgeschichte zwischen etwa 1500 und 1975. Die Autoren schildern an Beispielen aus allen Kolonialreichen der Neuzeit Methoden der Eroberung, Herrschaftssicherung und wirtschaftlichen Ausbeutung, Formen des Widerstands, das Entstehen besonderer kolonialer Gesellschaften, Spielarten kultureller Kolonisierung sowie die Grundzüge kolonialistischen Denkens und von Kolonialkultur, deren anhaltende Wirkung wieder stark diskutiert wird.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:48 „Ich weiß, ich hatte mal vor sechs, sieben Jahren ein Buch des eminenten Universalhistorikers Osterhammel gelesen zum Kolonialismus. Das ist so ein kleines Handbuch und da war ich schon überrascht, wie viel da nicht vorkam.“
Mangold erwähnt Osterhammels Handbuch zum Kolonialismus, um zu illustrieren, dass selbst bei renommierten Historikern vieles zur Kolonialgeschichte fehlte. Er betont den Nachholbedarf in der Auseinandersetzung mit dem Thema, lobt aber zugleich das wachsende Wissensinteresse.
Kolonialismus: Geschichte, Formen, Folgen
Jürgen Osterhammel · 2021
Kompaktes Standardwerk über die Geschichte und Strukturen des Kolonialismus. Untersucht verschiedene Formen der Kolonialherrschaft, ihre historischen Ursprünge und langfristigen Folgen. Ein essentielles Handbuch zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:48 „Ich weiß, ich hatte mal vor sechs, sieben Jahren ein Buch des eminenten Universalhistorikers Osterhammel gelesen zum Kolonialismus. Das ist so ein kleines Handbuch und da war ich schon überrascht, wie viel da nicht vorkam.“
Im Rahmen der Diskussion über die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte erwähnt Mangold, dass er Osterhammels kompaktes Standardwerk zum Kolonialismus gelesen hat. Er nutzt es als Beleg dafür, dass es in der Geschichtsschreibung einen erheblichen Nachholbedarf gibt, da selbst bei einem so renommierten Historiker vieles fehlte.
Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
Hannah Arendt · 2023
Das Buch, das Hannah Arendt weltberühmt machte Unter dem Eindruck des Holocaust, der nationalsozialistischen Vernichtung des europäischen Judentums, hat Hannah Arendt mit »Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft« – zuerst 1951 in New York erschienen, in deutscher Übersetzung 1955 – zugleich eine Geschichte und eine Theorie des Totalitarismus geschrieben.
🗣 Unbekannt zitiert daraus bei ⏱ 00:59:15 „Und in dem SZ-Artikel, die Rezension zum Film, wird Hannah Arendt zitiert. Afrika, schrieb die Philosophin Hannah Arendt, zu Recht war ein Probelauf für die europäischen Kolonialmächte. Sie übten für den Weltkrieg, sie übten das Abschlachten und Ausrotten.“
Am Ende der Filmbesprechung wird Hannah Arendts berühmte These zitiert, dass die kolonialen Verbrechen in Afrika ein Probelauf für die europäischen Weltkriege waren. Das Zitat stammt aus einer SZ-Rezension des besprochenen Films und wird herangezogen, um die Verbindung zwischen Kolonialismus und Holocaust zu diskutieren — also die Frage, ob das eine das andere historisch vorbereitet hat.
Rezension zum Film (Süddeutsche Zeitung)
Margarethe von Trottas Film "Hannah Arendt" porträtiert die Philosophin als Felsen gegen Anfeindung, die ihre These von der "Banalität des Bösen" über Adolf Eichmann verteidigt. Der Artikel kritisiert jedoch sowohl den Film als auch Arendts Interpretation: Die Forschung, insbesondere David Cesaranis Eichmann-Biografie, hat längst nachgewiesen, dass Eichmann ein fanatischer Antisemit und aktiver Täter war, nicht der charakterlose Schreibtischtäter, den Arendt beschrieb. Arendt habe ihr empirisches Material um einen vorformulierten philosophischen Wunsch gruppiert und sich Eichmann so geschaffen, wie sie ihn brauchte. Der Film stellt ihre Interpretation als unantastbar dar und marginalisiert berechtigte Einwände von Zeitgenossen wie Hans Jonas als bloße Hysterie. Zwar verdient sich Arendt das Lob, die Figur des Schreibtischtäters als neue Form des Bösen formuliert zu haben – doch im konkreten Fall Eichmann irrte sie sich grundlegend.
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:59:15 „Und in dem SZ-Artikel, die Rezension zum Film, wird Hannah Arendt zitiert. Afrika, schrieb die Philosophin Hannah Arendt, zu Recht war ein Probelauf für die europäischen Kolonialmächte.“
Der Sprecher verweist auf eine Filmrezension in der Süddeutschen Zeitung, die den besprochenen Kolonialismus-Film bespricht. Aus diesem Artikel wird Hannah Arendts These zitiert, dass Afrika ein Probelauf für die europäischen Kolonialmächte war. Der SZ-Artikel dient als zusätzliche intellektuelle Rahmung der Filmdiskussion.