Hotel Matze – Richard David Precht - Wo endet deine Toleranz
#390

Richard David Precht - Wo endet deine Toleranz

Hotel Matze / 02. Juni 2024 / 19 Medien

Matze Hielscher & Gäste

Erwähnte Medien (19)

Das Jahrhundert der Toleranz
Buch

Das Jahrhundert der Toleranz

Richard David Precht

🗣 Matze Hielscher empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:28 „Sein neues Buch, das Jahrhundert der Toleranz, erscheint jetzt demnächst. Wir haben uns das erste Mal vor zwei Jahren unterhalten. Damals ging es sehr viel um seine Biografie und in der Zwischenzeit ist doch einiges passiert in seinem Leben, aber auch in der Welt.“

Matze Hielscher stellt in der Einleitung des Gesprächs Richard David Prechts neuestes Buch vor. Es handelt von wertegeleiteter Außenpolitik und Toleranz — zentrale Themen, die das gesamte Gespräch durchziehen werden.

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Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie
Buch

Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:31 „Aber was sich natürlich verändert hat, man wird älter und man kann also nicht mehr mit dem Argument kommen, der hat ja irgendwie nichts drauf, wenn man 20 Bücher geschrieben hat und weiß ich nicht, unter anderem eine bislang vierbändige Geschichte der Philosophie, ein Projekt von insgesamt 3000 Seiten.“

Precht verweist auf seine vierbändige Philosophiegeschichte als Beleg dafür, dass die frühere Kritik — er sei nur ein oberflächlicher Popphilosoph — mit wachsendem Werk nicht mehr haltbar sei. Das 3000-Seiten-Projekt dient ihm als Argument gegen die Geringschätzung seiner akademischen Tiefe.

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Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Buch

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:01 „Ich meine, mein Erfolg kam mit, wer bin ich, 2007, 2008 auf dem Höhepunkt der Merkel-Ära. Mein Gott, was waren wir, ein Land ohne Probleme.“

Precht reflektiert über seinen Durchbruch als öffentlicher Intellektueller. Er verortet den Erfolg von 'Wer bin ich' in einer damaligen Konsensgesellschaft, in der die Menschen sich mit Sinnsuche beschäftigten — ein Kontrast zur heutigen polarisierten Zeit.

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Die vierte Gewalt
Buch

Die vierte Gewalt

Richard David Precht, Harald Welzer · 2022

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:41 „Ich habe mit Harald Felser zusammen ein Buch gemacht und versucht zu erklären, warum die Medien sich so sehr stark verändert haben. Und da gehört die Polarisierung und Ausgrenzung dazu.“

Precht verweist auf sein gemeinsam mit Harald Welzer verfasstes Medienbuch, um seine These über die Veränderung der Medienlandschaft zu untermauern. Er beklagt, dass die Kernbotschaft — die Gefährdung der Demokratie durch Vertrauensverlust in die Medien — in der Rezeption nicht verstanden wurde.

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Von der Pflicht. Eine Betrachtung
Buch

Von der Pflicht. Eine Betrachtung

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:11:31 „Zu den bevorzugten Opfern der Querdenker-Szene, die mich ja massiv angegriffen haben wegen meines Buches über die Pflicht. Der netteste, was man gemacht hat, war mich einen Staatsphilosophen zu nennen. Es gab aber auch ganz, ganz andere Sachen, ne?“

Precht erzählt, wie sein Buch über Pflicht während der Corona-Zeit ihn zur Zielscheibe der Querdenker-Szene machte. Er nutzt das Beispiel, um die Absurdität zu illustrieren, dass er gleichzeitig von Querdenkern als 'Staatsphilosoph' und von Leitmedien als Querdenker angefeindet wurde.

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Hart aber fair
Serie

Hart aber fair

Louis Klamroth

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:32 „Es ist jetzt ganz kurze Zeit her, da kam eine Hart aber fair Sendung zu dem Thema, soll man die AfD oder darf man die AfD weiter vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachten lassen. Da gab es eine Hart-Aber-Fair-Sendung nach genau dem gleichen Muster.“

Precht kritisiert eine konkrete Hart-aber-fair-Sendung als Beispiel für unfaire Medienmethoden im Umgang mit der AfD. Er beschreibt das Muster, dass nach Aussagen von AfD-Politikern sofort belastende Einspieler gezeigt werden, statt einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen.

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Politik (Politeia)
Buch

Politik (Politeia)

Aristoteles

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:40 „Das ist übrigens eine Erkenntnis schon von Aristoteles. Aristoteles war kein Freund der Demokratie, weil er sagte, sie ist zu anspruchsvoll. Sie ist die gerechteste Form, aber die, die am schlechtesten funktioniert.“

Precht referenziert Aristoteles' Analyse der Demokratie als die gerechteste, aber zugleich fragilste Regierungsform, um seine eigene These zu untermauern, dass wir die Zerbrechlichkeit der Demokratie unterschätzen. Er nutzt die antike Erkenntnis als Beleg dafür, dass demokratiegefährdende Tendenzen nicht neu sind.

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Mont Sainte-Victoire (Gemäldeserie)
Kunst

Mont Sainte-Victoire (Gemäldeserie)

Paul Cézanne

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:36:22 „Also ich kann Paul Cézanne, der sich den Mont Saint-Victoire jeden Tag angeguckt hat und ein Bild nach dem anderen drüber gemalt hat.“

Precht nennt Cézannes berühmte Serie von Gemälden des Mont Sainte-Victoire als Beispiel dafür, wie man durch wiederholtes Betrachten desselben Motivs immer Neues entdecken kann. Er zieht eine Parallele zu seiner eigenen Fähigkeit, stundenlang auf einen Felsen zu schauen und dabei nie Langeweile zu empfinden.

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Stillleben (Flaschen-Bilder)
Kunst

Stillleben (Flaschen-Bilder)

Giorgio Morandi

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:36:31 „Oder mein Lieblingsmaler Giorgio Morandi, der Flaschen angemalt hat. Flaschen und Schachteln. Die hat er mit so einer gipshaltigen Farbe angemalt. So weiß und braun und gelb.“

Precht beschreibt ausführlich die Arbeitsweise seines Lieblingsmalers Giorgio Morandi, der alltägliche Gegenstände entgegenständlichte und hundertfach neu arrangierte. Für Precht sind diese Stillleben das Gegenprogramm zur hektischen Medienwelt – man kann immer wieder in sie eintauchen und versinken, ähnlich wie beim Betrachten eines Felsens.

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Tankerkönig
Musik

Tankerkönig

Hannes Wader

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:39:08 „Es gibt diese schöne Liedzeile von Hannes Wader aus dem Tankerkönig. Dann legt er sich irgendwie mit dem Kofferradio in die Hängematte und sagt, ich war glücklich. Aber wie alle glücklichen Menschen dabei, nach einer Weile zu verblöden.“

Precht zitiert eine Liedzeile von Hannes Wader, um zu erklären, warum er sich nicht ausschließlich in seine stille Welt aus Pflanzen und Kunst zurückziehen kann. Das Lied illustriert seine These: Wer sich nur dem Schönen hingibt, ohne intellektuelle Herausforderung, verblödet mit der Zeit.

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Winnetou (Film)
Film

Winnetou (Film)

🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:39 „Wie hieß der denn nochmal bei Winnetou, Sam Hawkins, der die ganze Zeit irgendwie so irgendwas beobachtet hat und dieser mit dem Hut.“

Matze Hielscher vergleicht Prechts kontemplatives Leben mit einer Figur aus den Winnetou-Filmen. Precht korrigiert, dass die Figur des Schmetterlingsfängers eine Kunstfigur der Filme war, gespielt von Eddie Arendt, und erinnert sich an den Rollennamen Sir David Lindsay.

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Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten
Buch

Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:54:14 „Und wenn man mal überlegt, dass ich noch vor zweieinhalb Jahren oder zwei Jahren ein Buch geschrieben habe über die Zukunft der Arbeit, was ändert sich durch die Digitalisierung der Stellenwert, ich glaube wir haben auch drüber gesprochen und das war damals ein wahnsinnig relevantes Thema, dann ist das heute zwar als Thema nicht weg, aber es ist völlig verdrängt von diesen geostrategischen Fragen.“

Precht erwähnt sein früheres Buch über die Zukunft der Arbeit und Digitalisierung, um den Wandel des gesellschaftlichen Diskurses zu illustrieren. Was vor zwei Jahren noch hochrelevant war — Grundeinkommen, Vier-Stunden-Woche — wird heute unter dem Gesichtspunkt des geopolitischen Wettbewerbs zwischen Europa und Asien diskutiert.

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Star Wars
Film

Star Wars

George Lucas

🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:55:06 „Aber brauchen wir nicht Utopien, um auf neue Gedanken zu kommen? Also brauchen wir nicht im Grunde Filme wie Star Wars, dass man irgendwie denkt, so könnte das sein und all diese, also so eine Idee davon, wie das in zehn Jahren auch sein könnte?“

Matze Hielscher bringt Star Wars als Beispiel für utopische Erzählungen ins Gespräch. Er argumentiert, dass solche Filme Menschen inspirieren können, sich eine andere Zukunft vorzustellen — ein Gegengewicht zur restaurativen, kriegsbetonten Stimmung, die Precht zuvor beschrieben hat.

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Tribale Kriege
Buch

Tribale Kriege

Jörg Helbling

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:58:17 „Das habe ich von früher, ich erkläre gleich von früher, von Jörg Helbling gelernt. Ein faszinierender Schweizer Anthropologe, der seine Habilitation geschrieben hat mit einem Buch Tribale Kriege, wo er also auf 600 Seiten erklärt, dass Wildbeutergesellschaften keine Kriege führen.“

Precht erklärt die Ursprünge von Kriegen und stützt sich dabei auf die Habilitationsschrift des Schweizer Anthropologen Jörg Helbling. Das Buch argumentiert auf 600 Seiten, dass Wildbeutergesellschaften zwar aggressiv waren, aber keine strategisch geplanten Kriege führten — diese seien erst mit der Sesshaftigkeit entstanden.

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Leviathan
Buch

Leviathan

Thomas Hobbes

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 01:00:25 „Das ist ein alter Gedanke von Thomas Hobbes. Thomas Hobbes hat dem Leviathan gesagt, wir brauchen eine starke Zentralgewalt, die überwacht, damit der Krieg jeder gegen jeden.“

Im Kontext von Helblings Vorschlag, Kriege durch eine starke Zentralgewalt zu vermeiden, verweist Precht auf Thomas Hobbes' Leviathan als philosophischen Vorläufer dieser Idee. Hobbes argumentierte, dass eine Zentralgewalt nötig sei, um den Krieg aller gegen alle einzudämmen.

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🔬
Studie

European Council on Foreign Relations Survey (Studie zur globalen Wahrnehmung westlicher Demokratien)

Ivan Krastev, Timothy Garton Ash, Mark Leonard

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:17:46 „Was mir die Augen geöffnet hat, wovon ich unheimlich viel gelernt habe, ist eine Studie. Ich schätze Ivan Krastev sehr, den hatte ich zweimal als Gast, bulgarischer Politologe, der in Wien ist. Und der hat zusammen mit Timothy Garten-Ash, auch so ein Schwergewicht in der Politologenszene, und mit Marc Leonard zusammen, einem englischen Politologen, eine Studie gemacht, ganz umfangreich, die Leute überall in der Welt gefragt, wie sie leben möchten.“

Precht beschreibt eine umfangreiche internationale Studie, die untersucht hat, wie Menschen weltweit auf den Westen blicken. Das zentrale Ergebnis: Zwar bewundern viele die westliche Lebensqualität, aber kaum jemand glaubt an die Zukunftsfähigkeit des westlichen Modells — stattdessen wird 'à la carte bestellt', also selektiv übernommen, was passt. Die Studie hat Precht nach eigener Aussage die Augen geöffnet und prägt seine Argumentation zur multipolaren Weltordnung maßgeblich.

🎓 Google Scholar 📄 Original
Timbuktu-Handschriften
Buch

Timbuktu-Handschriften

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 01:40:15 „Abgesehen davon, dass wichtige Vorentwicklungen der Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen beim Sklavenaufstand in Haiti entstanden sind, also nicht Teil der westlichen Welt. Dass wir auch in Afrika in den Timbuktu-Handschriften, die ins Mittelalter zurückgehen, die Abschaffung der Sklaverei und die Gleichheit aller Menschen schwarz auf weiß finden.“

Precht argumentiert gegen den Begriff 'westliche Werte' für die Menschenrechte und zeigt, dass Vorläufer-Ideen der Menschenrechte auch außerhalb Europas entstanden sind – unter anderem in den mittelalterlichen Timbuktu-Handschriften aus Mali.

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Not One Inch: America, Russia, and the Making of Post-Cold War Stalemate
Buch

Not One Inch: America, Russia, and the Making of Post-Cold War Stalemate

Mary Elise Sarotte

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:56:21 „Es gibt ein sehr, sehr gutes Buch. Marie-Elise Sarotti heißt die Autorin, Sarotte geschrieben. Das heißt nicht einen Schritt weiter nach Osten. Da sind die ganzen Dokumente drin. Weil das wird ja immer in den Talkshows darüber geredet, haben wir versprochen, hat Genscher versprochen, dass die NATO sich nicht ausweitet, haben die Amerikaner das versprochen.“

Precht empfiehlt dieses Buch als umfassende Dokumentation der Frage, ob es Zusagen gab, die NATO nicht nach Osten auszuweiten. Er beschreibt die Autorin als amerikanische Professorin, die völlig neutral das gesamte historische Material gesichtet habe. Im Kontext seiner Argumentation, dass der Westen eine Mitverantwortung an der Eskalation mit Russland trägt, dient das Buch als Beleg für den Desillusionierungsprozess Russlands.

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Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007
Rede

Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007

Wladimir Putin

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:57:34 „Münchner Sicherheitskonferenz 2007, eine Rede gehalten. Die ganze Rede kann man sich anhören. Ich weiß auch noch, wie die Schlagzeilen waren. Putin droht und was weiß ich was. Das war die Rede eines verzweifelten Mannes, der gesagt hat, hör mal, was macht ihr denn da?“

Precht deutet Putins vielbeachtete Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 um: Statt einer Drohgebärde, wie sie damals in den Medien dargestellt wurde, sieht er darin den verzweifelten Appell eines Mannes, der sich durch die NATO-Osterweiterung und den Irakkrieg verraten fühlte. Er empfiehlt, sich die gesamte Rede anzuhören, und markiert sie als Wendepunkt, ab dem Russland selbst Großmachtpolitik betrieben habe.

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