Wie wenig verteidigungsfähig wir ohne die USA wären, ist grotesk
Roman Pletter, Mariam Lau & Joachim Gauck
In der Urania Berlin sprechen Roman Pletter und Mariam Lau mit Altbundespräsident Joachim Gauck über Russland, die Ukraine und Europas erschreckende Abhängigkeit von den USA in Sicherheitsfragen. Außerdem geht es um Ostdeutschland und die Westdeutschen — ausgelöst durch einen Zeit-Artikel über Springer-Chef Matthias Döpfner, der sich in privaten Nachrichten abfällig über Ostdeutsche geäußert hatte.
„Wie wenig verteidigungsfähig wir ohne die USA wären, ist grotesk.“
Erwähnte Medien (8)
Artikel über Matthias Döpfner und abfällige Äußerungen über Ostdeutsche
Kathrin Gilbert, Holger Stark
Matthias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlags, soll in privaten Nachrichten abfällige Äußerungen über Ostdeutsche gemacht haben. Die ZEIT-Journalisten Kathrin Gilbert und Holger Stark haben diese Nachrichten ausgewertet und veröffentlicht. Der Fall wirft Fragen über die Haltung eines der mächtigsten deutschen Medienmänner zu einem großen Teil der deutschen Bevölkerung auf und sorgte für erhebliches öffentliches Aufsehen.
🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:02:24 „Und natürlich haben wir auch gesprochen über eine Geschichte, die vergangene Woche in der Zeit erschienen ist. Da haben meine Kollegen Kathrin Gilbert und mein Kollege Holger Stark über den Springer-Chef Matthias Döpfner geschrieben und über Nachrichten, in denen er sich abfällig über Ostdeutsche geäußert hat.“
Roman Pletter verweist auf einen kurz zuvor in der Zeit erschienenen Artikel seiner Kollegen Kathrin Gilbert und Holger Stark über Springer-Chef Matthias Döpfner. Darin geht es um Nachrichten, in denen sich Döpfner abfällig über Ostdeutsche geäußert haben soll. Der Artikel dient als Gesprächsanlass für das Interview mit dem gebürtigen Ostdeutschen Joachim Gauck.
Erschütterung
Joachim Gauck · 2023
Verantwortung für die Vergangenheit, Ermutigung für die Zukunft Seit Joachim Gauck 1990 in öffentliche Ämter kam, spricht er zu wichtigen Themen und Anlässen. Und die Menschen hören ihm zu, weil er glaubwürdig ist – und unbequem. Weil das, was er sagt, von seiner Biographie gedeckt ist. In diesem Buch sind erstmals die wichtigsten Reden der letzten 25 Jahre zu seinen Lebensthemen Freiheit, Verantwortung und Selbstermächtigung versammelt: kluge, feinsinnige und auch leidenschaftliche Texte über T
🗣 Joachim Gauck referenziert bei ⏱ 00:03:58 „Ich bin in Erwartung von allerlei Medienauftritten und auch Begegnungen mit Menschen, weil ich zusammen mit meiner Co-Autorin Helga Hirsch ein neues Buch bringe demnächst, das heißt Erschütterung. Und deshalb bin ich so ein bisschen angespannt in Erwartung, wie wird das gehen, wie wird das rezipiert.“
Joachim Gauck stellt sein kommendes Buch vor, das am 27. April auf der Leipziger Buchmesse erscheinen soll. Es behandelt äußere und innere Bedrohungen der liberalen Demokratie – von der Kriegsgefahr in Europa bis zu Gefahren, die aus der Freiheit selbst für die demokratische Verfasstheit erwachsen. Gauck bittet darum, nicht zu viel vorwegzunehmen, beschreibt aber den Grundkonflikt des Buches.
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
Dirk Oschmann · 2023
»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.« Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und d...
🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:08:00 „Derzeit macht ja ein Buch Furore von Dirk Oschmann, der sagt, der Osten ist eigentlich eine Erfindung des Westens.“
Im Gespräch wird Oschmanns These diskutiert, dass 'der Osten' eine westdeutsche Konstruktion sei, und Gauck nimmt kritisch dazu Stellung.
Leben des Galilei
Bertolt Brecht
Brechts Drama über Galileo Galilei und den Konflikt zwischen wissenschaftlicher Wahrheit und gesellschaftlicher Macht. Das Stück hinterfragt moralischen Mut und die Verantwortung des Einzelnen in Zeiten, die Helden brauchen.
🗣 Joachim Gauck referenziert bei ⏱ 00:21:05 „Dann kommen die alten Sprüche, glücklich das Land, das keine Helden hat und so weiter und so weiter. Plötzlich merken wir aber, es gibt Menschen, die wollen gar keine Helden sein, aber die wollen auch keine Sklaven sein.“
Gauck spricht über die Verachtung mancher linker Intellektueller gegenüber Heldentum und zitiert dabei den berühmten Satz aus Brechts Drama. Er nutzt das Zitat, um es im Kontext des ukrainischen Widerstands gegen Russland zu kontrastieren und zu zeigen, dass Menschen manchmal über sich hinauswachsen müssen.
The End of History and the Last Man
Francis Fukuyama · 2006
Ever since its first publication in 1992, The End of History and the Last Man has provoked controversy and debate. Francis Fukuyama's prescient analysis of religious fundamentalism, politics, scientific progress, ethical codes, and war is as essential for a world fighting fundamentalist terrorists as it was for the end of the Cold War. Now updated with a new afterword, The End of History and the Last Man is a modern classic.
🗣 Roman Pletter erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:23 „1989 haben alle gedacht, jetzt ist das Zeitalter des Liberalismus angebrochen, hier ist das Ende der Geschichte und so weiter. Das Gegenteil ist der Fall, er ist eigentlich überall auf dem Rückzug.“
Pletter leitet eine Frage über den weltweiten Rückzug des Liberalismus ein, indem er auf die Euphorie von 1989 verweist und Fukuyamas berühmte These vom 'Ende der Geschichte' paraphrasiert. Die These dient als Kontrastfolie: Statt des erwarteten Siegeszugs der liberalen Demokratie beobachte man heute das Gegenteil.
Toleranz: einfach schwer
Joachim Gauck
Eine Untersuchung der Grenzen von Toleranz in modernen Demokratien. Das Buch hinterfragt, ob alles toleriert werden darf, und beleuchtet die Verbindung zwischen Toleranzverständnis und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Basierend auf empirischen Studien wird analysiert, wie autoritäre Tendenzen in der Bevölkerung das Verhalten und die Polarisierung prägen.
🗣 Joachim Gauck empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:58 „Das ist etwas, was ich gelernt habe, als ich mein Toleranzbuch gemacht habe. Helga Hirsch und ich, wir sind da auf Studien gestoßen aus dem angelsächsischen Raum, die untersucht haben, wie viel Prozent einer Gesellschaft äußerst stark autoritär geprägt sind.“
Gauck spricht über die Frage, warum der Liberalismus nicht alle Menschen gleichermaßen anspricht. Er verweist auf sein eigenes Buch über Toleranz, das er gemeinsam mit Helga Hirsch geschrieben hat. Bei der Recherche dazu seien sie auf angelsächsische Studien gestoßen, die zeigen, dass rund 33 Prozent der Menschen in europäischen Gesellschaften eine stark autoritäre Grundprägung haben – eine Erkenntnis, die sein Denken über Demokratie verändert habe.
Von der Zeit veröffentlichte SMS von Matthias Döpfner
Der Artikel präsentiert private SMS-Nachrichten des Springer-Chefs Mathias Döpfner, die die ZEIT veröffentlicht hat. Darin bezeichnet Döpfner Ostdeutsche pauschal als Kommunisten oder Faschisten. Die Nachrichten zeigen auch, wie Döpfner mit der BILD-Zeitung Einfluss auf deutsche Politikgestaltung ausübte. Der Text wirft Fragen über die Macht von Medienchefs und ihre persönlichen Überzeugungen auf.
🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:53:00 „Der Springer-Chef Matthias Döpfner hat in von der Zeit veröffentlichten SMS beklagt, dass die Ossis entweder Kommunisten oder Faschisten seien. Was haben Sie gedacht, als Sie das das erste Mal gehört oder gelesen haben?“
Roman Pletter spricht die von der ZEIT veröffentlichten privaten SMS-Nachrichten des Springer-Chefs Matthias Döpfner an, in denen dieser Ostdeutsche pauschal als Kommunisten oder Faschisten bezeichnete. Gauck reagiert differenziert: Er empfindet zunächst Mitleid, dass private Nachrichten öffentlich wurden, und relativiert die Aussage als Wutäußerung, die nicht Döpfners tatsächlicher Überzeugung entspreche.
Winter im Sommer, Frühling im Herbst
Joachim Gauck
Erinnerungsbuch über das Leben in der DDR und die Unterschiede zwischen Ost und West. Gauck dokumentiert seine Erfahrungen in der Diktatur und regt das westdeutsche Publikum an, sich selbst die Frage zu stellen, wie sie sich in einer Diktatur verhält hätten.
🗣 Joachim Gauck erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:54:22 „Und ich bin sehr viel auch mit meinem ersten Erinnerungsbuch, was sehr viel über den Osten erzählt, unterwegs gewesen, sage ich immer, Leute, ganz vorsichtig, geht mal in eure Archive, guckt mal die Ortschronik eures Dorfes an oder eurer Stadt.“
Gauck erwähnt sein erstes Erinnerungsbuch beiläufig im Kontext seiner Lesereisen durch Westdeutschland, bei denen er das westdeutsche Publikum mit der Frage konfrontierte, wie sie sich selbst in einer Diktatur verhalten hätten. Das Buch dient ihm als Anlass, über die Ost-West-Unterschiede zu sprechen.