Lanz & Precht – Heimat, ein Anker in der diffusen Gegenwart
#234

Heimat, ein Anker in der diffusen Gegenwart

Lanz & Precht / 27. Februar 2026 / 10 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht

Die Episode startet mit einem Einspieler der Kaulitz-Zwillinge, die sich ein Promi-Dinner bei Markus Lanz zu Hause wünschen — am liebsten mit Angela Merkel und ordentlich Party. Daraus entspinnt sich ein Gespräch übers Feiern, über Südtiroler Weinkultur und die Ambivalenz des Alkohols, bevor der Blick auf Heimat als emotionalen Anker in einer zunehmend unübersichtlichen Welt gerichtet wird.

„Wir sind ja Weinland und es gibt immer einen Grund, irgendwie ein Fläschchen aufzumachen — aber am Ende ist es ein Zellgift und das weiß man auch, und da muss man ein bisschen aufpassen.“
🗣 Markus Lanz

Erwähnte Medien (10)

Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood

Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood

Bill Kaulitz, Tom Kaulitz

Bill und Tom Kaulitz sprechen in ihrem Podcast “Kaulitz Hills - Senf aus Hollywood” über tagesaktuelle Themen und geben zu relevanten oder auch mal irrelevanten Geschichten aus ihrem Leben ihren Senf ab. Dafür treffen sich die beiden Brüder wöchentlich in ihrem eigenen Musikstudio in den Hollywood Hills und wir erleben sie so ehrlich wie nie.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:34 „Richard, verfolgst du eigentlich andere Podcasts? Nee. Demzufolge dann auch nicht folgendes. Ich muss dir heute aus aktuellem Anlass, ich muss dir mal kurz was vorspielen. Das waren die Kaulitz-Fan, ne? Genau. Schöne Grüße an der Stelle.“

Lanz spielt Precht zu Beginn der Episode einen Ausschnitt aus dem Kaulitz-Podcast vor, in dem die Brüder darüber fantasieren, ein Promi-Dinner bei Markus Lanz zu Hause zu veranstalten — mit Angela Merkel als Gast. Der Clip dient als humorvoller Einstieg, bevor das Gespräch zu ernsteren Themen übergeht.

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Schwabenkinder

Schwabenkinder

Jo Baier · 2003

Dieser tief bewegende Spielfilm über ein Stück dunkele Vergangenheit in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat seit seiner TV-Erstausstrahlung im Jahre 2003 regelmäßig für Aufmerksamkeit gesorgt und ist zu Recht entsprechend ausgezeichnet worden.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:11:49 „Ganz bitter. Da gibt es einen irren Film mit Tobias Moretti. Ja, den habe ich gesehen. Das ist eines dieser dunklen Kapitel.“

Im Gespräch über die bittere Armut der Bergbevölkerung in den Alpen kommen Lanz und Precht auf die historische Praxis der Schwabenkinder zu sprechen — Kinder aus verarmten Bergregionen, die als Arbeitssklaven nach Schwaben geschickt wurden. Lanz verweist auf den Film mit Tobias Moretti, der dieses dunkle Kapitel aufarbeitet. Precht bestätigt, den Film gesehen zu haben.

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Interview mit einem Neurowissenschaftler über Gedächtnis

Interview mit einem Neurowissenschaftler über Gedächtnis

Das Interview erklärt, wie Gedächtnis funktioniert: Erinnerungen sind nicht statische Aufzeichnungen, sondern werden wie ein Word-Dokument jedes Mal neu überarbeitet und gespeichert, wenn wir uns an sie erinnern. Dies bedeutet, dass wir uns letztlich nur noch an unsere überarbeiteten Erinnerungen erinnern, nicht an das ursprüngliche Erlebnis selbst. Der Artikel illustriert damit, warum sich unsere Wahrnehmung von Vergangenem ständig verändert.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:28 „Ich habe neulich ein Interview mit einem Neurowissenschaftler gelesen. Da ging es um die Frage, was ist eigentlich Gedächtnis und wie funktioniert Gedächtnis? Und er sagte, stell dir das eigentlich so vor wie das Word-Dokument, das du immer wieder bearbeitest.“

Im Kontext der Diskussion über sich verändernde Erinnerungen und Heimatgefühle zitiert Lanz ein kürzlich gelesenes Interview mit einem nicht namentlich genannten Neurowissenschaftler. Dessen Metapher — Erinnerung funktioniert wie ein Word-Dokument, das bei jedem Schließen neu abgespeichert wird — untermauert Prechts These, dass wir uns stets nur an unsere eigenen Erinnerungen erinnern, nicht an das ursprüngliche Erlebnis.

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Heimat

Heimat

Bernhard Schlink · 2000

»So sehr Heimat auf Orte bezogen ist, Geburts- und Kindheitsorte, Orte des Glücks, Orte, an denen man lebt, wohnt, arbeitet, Familie und Freunde hat - letztlich hat sie weder einen Ort, noch ist sie einer. Heimat ist Nichtort. Heimat ist Utopie.«

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:24:25 „Bernhard Schlink hat darüber mal geschrieben und sagt, Heimat bleibt eine Illusion, ich zitiere das mal wörtlich, weil die Heimat der Kindheit nicht mehr weiter existiert. Und er begründet das ganz einfach und sagt, guck dich um, Menschen altern, die Menschen um dich herum, die altern alle mit dir mit, Freundschaften zerfallen, Landschaften verändern sich, selbst der eigene Körper bleibt nicht mehr derselbe.“

Lanz und Precht diskutieren, wie sich Erinnerungen und das Heimatgefühl im Laufe des Lebens verändern. Lanz zitiert Bernhard Schlinks These, dass Heimat immer eine Illusion bleibe, weil die Kindheitsheimat schlicht nicht mehr existiert — Menschen altern, Freundschaften zerfallen, Landschaften verändern sich. Er nutzt Schlinks Gedanken, um zu erklären, warum gerade Menschen mit schwieriger Kindheit eine besonders tiefe Sehnsucht nach Heimat entwickeln.

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Unser Teil der Stadt

Unser Teil der Stadt

Güner Balcı · 2025

Die 'Integrationsdebatte' nach Thilo Sarrazins Buch 'Deutschland schafft sich ab' offenbarte ein Paradox – eine wachsende Akzeptanz des kulturellen Pluralismus, besonders unter jüngeren Menschen, und zugleich massive kulturelle Ressentiments in der Einwanderungsgesellschaft. Der renommierte Migrationsforscher und Politikberater Klaus J. Bade beleuchtet Ursachen, Hintergründe und bedrohliche Folgen dieser paradoxen Spannung.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:28:07 „Und mit Güna Balci mal lange darüber gesprochen, die Integrationsbeauftragte aus Neukölln, die einen alawitischen Hintergrund hat und die ein irre gutes Buch geschrieben hat über den Verlust ihrer Heimat. Die ist in Neukölln geboren. Und erzählt dann, wie ihr sehr toleranter Vater aus der Türkei kommend, ihre Mutter auch, wie die sie großgezogen haben, wie sie auf den Straßen gespielt haben und so weiter und wie sich dann plötzlich in den 80er Jahren ihre Heimat, wie sich das plötzlich verändert hat.“

Lanz empfiehlt das Buch von Güner Balcı über den Verlust ihrer Heimat in Berlin-Neukölln. Balci beschreibt, wie sich ihr tolerantes Aufwachsen veränderte, als arabische Großfamilien kamen und patriarchale Strukturen Einzug hielten. Lanz nutzt das Beispiel, um zu zeigen, dass Heimatverlust auch ohne physische Flucht passieren kann — durch die Veränderung des vertrauten sozialen Umfelds.

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Namen, die keiner mehr nennt

Namen, die keiner mehr nennt

Marion Gräfin Dönhoff · 2003

Marion Gräfin Dönhoff ruft in ihrem Buch die Erinnerung an Ostpreußen wach, an seine Geschichte, seine Landschaft und seine Menschen. Es ist ein persönliches Buch, auch dort, wo sie nicht unmittelbar Erlebtes und Erfahrenes berichtet, sondern historische Hintergründe beleuchtet. Szenen und Bilder machen die letzten Tage Ostpreußens lebendig: der Aufbruch des großen Trecks, der lange Ritt nach Westen, der Tod des Grafen Lehndorff, der sich gegen die Nazis stellte.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:38:04 „Ist 1945 bei klirrender Kälte auf einem Pferd, einem Treck vorangeritten, ein ganzer Strom von Flüchtenden, so hat sie das beschrieben, wälzt sich westwärts. Unaufhaltsam quillt er dahin wie Lava im Tal, Wagen kippen um, Kinder weinen, erste Tote liegen im Schnee. Mein Gott, schreibt sie dann, wie wenige in unserem Lande hatten sich das Ende so vorgestellt.“

Lanz zitiert aus Marion Gräfin Dönhoffs Erinnerungen an die Flucht aus Ostpreußen 1945. Er nutzt die Passage, um die Spannung zwischen persönlichem Heimatverlust und politischer Vernunft zu illustrieren: Dönhoff befürwortete Brandts Ostpolitik, wollte aber nicht dabei sein, wenn auf den Verlust ihrer Heimat mit Sekt angestoßen wird.

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Alles, was wir nicht erinnern

Alles, was wir nicht erinnern

Christiane Hoffmann · 2022

«Zu Fuß?» «Zu Fuß.» «Allein?» «Allein.» Christiane Hoffmanns Vater floh Anfang 1945 aus Schlesien. 75 Jahre später geht die Tochter denselben Weg, 550 Kilometer nach Westen. Sie kämpft sich durch Hagelstürme und sumpfige Wälder. Sie sitzt in Kirchen, Küchen und guten Stuben. Sie führt Gespräche – mit anderen Menschen und mit sich selbst. Sie sucht nach der Geschichte und ihren Narben.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:09 „Christiane Hoffmann, Kollegin vom Spiegel, war da lange beim Spiegel, war dann später Regierungssprecherin in der Ampelregierung. Jemand, den ich sehr, sehr schätze und die hat ein echt gutes Buch geschrieben über die Flucht ihres Vaters. Ist dann 75 Jahre später nach ihrem Vater 550 Kilometer ostwärts gelaufen.“

Lanz empfiehlt Christiane Hoffmanns Buch, in dem sie den Fluchtweg ihres Vaters 75 Jahre später zu Fuß nachvollzieht. Das Buch dient ihm als Beleg dafür, wie tief die Erfahrung von Flucht und Heimatverlust die deutsche Gesellschaft bis heute prägt — bei einer Theateraufführung des Stoffes am Thalia-Theater stand fast das gesamte Publikum auf, als nach Fluchterfahrungen in der Familie gefragt wurde.

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Alles, was wir nicht erinnern (Theaterfassung)

Alles, was wir nicht erinnern (Theaterfassung)

Christiane Hoffmann

Christiane Hoffmanns Buch über die Flucht ihres Vaters wurde als Theaterstück am Hamburger Thalia-Theater inszeniert. Das Stück verbindet persönliche Geschichte mit universellen Flucht- und Vertreibungserfahrungen. Eine bewegende Publikumsbeteiligung zeigt die zeitgenössische Relevanz: Fast alle Zuschauer standen auf, als gefragt wurde, wer selbst Flucht-Erfahrungen gemacht hat.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:39:33 „Und aus diesem Buch ist ein Theaterstück geworden, ist am Hamburger Thalia-Theater hier aufgeführt worden. Und kurz bevor das Stück begonnen hat, wurden Zuschauer gefragt, wer mal selbst geflohen sei. Der möge bitte aufstehen.“

Markus Lanz erwähnt, dass Christiane Hoffmanns Buch über die Flucht ihres Vaters als Theaterstück am Hamburger Thalia-Theater inszeniert wurde. Er beschreibt eine bewegende Szene vor Beginn der Aufführung, bei der fast das gesamte Publikum aufstand, als nach Flucht-Erfahrungen in der Familie gefragt wurde.

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Zeiten Ende

Zeiten Ende

Harald Welzer · 2026

Innerhalb des vorliegenden Werks werden 50 Literaturkritiken vorgestellt, die den Zusammenhang von Werk, Wirkung und Wissenschaft deutlich werden lassen. Dabei werden Prinzipien einer heute angemessenen Literaturkritik verdeutlicht: Literaturkritik sollte immer auch den eigenen Standpunkt überprüfen in dessen psychologischer, biographischer, gesellschaftlicher und kultureller Bedingtheit, und diesen, wenn und wo möglich, offenlegen. In diesem Sinne wirkt Literaturkritik politisch, d.h.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:48:46 „Harald Welzer hat in seinem letzten Buch auch über Heimat nachgedacht und es gibt darin einen unfassbar schönen Satz, finde ich. Heimat ist dort, wo es nicht egal ist, ob es mich gibt. Ist das gut?“

Lanz zitiert aus Harald Welzers jüngstem Buch einen Satz über Heimat, den er als 'unfassbar schön' bezeichnet. Precht reagiert, indem er den Satz würdigt, aber statt 'Heimat' lieber 'Zuhause' einsetzen würde. Der Satz wird zum philosophischen Schlusspunkt des Gesprächs.

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Jenseits von Schuld und Sühne

Jenseits von Schuld und Sühne

Jean Améry · 1997

Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten ist eine autobiographische Essaysammlung des österreichischen Schriftstellers und Auschwitz-Überlebenden Jean Améry. Das Werk gehört zu den zentralen Texten der deutschsprachigen Holocaustliteratur und ist gekennzeichnet durch eine radikale Selbstbefragung des Autors, welche auf eine „Wesensbeschreibung der Opfer-Existenz“ zielt.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:50:35 „Der österreichische Schriftsteller, Widerstandskämpfer Jean Amary ist 1943 in Belgien Mitglied einer Widerstandsgruppe. Und die drucken dort in einer konspirativen Wohnung offensichtlich Flugblätter. Und dann beschreibt er diesen irren Moment, wie dieser SS-Mann, sein Todfeind, der steht vor ihm, staucht ihn zusammen, aber er spricht mit österreichischem Akzent. Und er hat plötzlich das Gefühl, das ist ein Freund von mir.“

Lanz erzählt eine Episode aus Jean Amérys Werk, die er über Harald Welzers Buch kennt: Ein Widerstandskämpfer erkennt im österreichischen Dialekt eines SS-Manns ein Heimatgefühl und empfindet plötzlich Verbundenheit mit seinem Todfeind. Die Geschichte dient als eindringliches Beispiel dafür, wie tief Sprache und Dialekt als Heimatmarker wirken — selbst in lebensbedrohlichen Situationen.

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