24 Weltverbrecher
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Tanja Stelzer
Diese Folge widmet sich den Nürnberger Prozessen – einem der größten Gerichtsverfahren der Weltgeschichte. Reporterin Tanja Stelzer, die gemeinsam mit Moritz Eislinger darüber geschrieben hat, ist zu Gast. Außerdem kündigen die Hosts ihre erste Live-Tournee in Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg an.
„Wer jetzt fürchtet, dass wir irgendwie abgleiten in eine Unterhaltungsshow oder so, der fürchtet sich vergeblich oder umsonst, denn das werden wir nicht tun.“
Erwähnte Medien (18)
Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess (ZEIT-Dossier)
Tanja Stelzer, Moritz Eislinger
Das ZEIT-Dossier von Tanja Stelzer und Moritz Eislinger untersucht den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess durch Zeitzeugenberichte. Die Autoren haben vier Zeitzeugen aufgespürt, die 75 Jahre nach dem historischen Prozess ihre Erinnerungen und Erlebnisse schildern. Das umfangreiche Werk bietet einen tiefgreifenden Zugang zu diesem zentralen Moment der Nachkriegsgeschichte.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:01:22 „Als ich nachgelesen habe, was unser Gast, den wir uns gleich ansehen werden, Tanja Stelzer, was unser Gast geschrieben hat, gemeinsam mit Moritz Eislinger, ist mir dieser Prozess nochmal ganz genau vor Augen geführt worden. Und ich hoffe, euch und ihnen wird es gleich genauso gehen.“
Das ZEIT-Dossier von Tanja Stelzer und Moritz Eislinger über den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess ist das zentrale Werk dieser Podcast-Folge. Die Autoren haben vier Zeitzeugen aufgespürt, die 75 Jahre nach dem Prozess noch lebendig berichten können. Sabine Rückert liest im Laufe der Folge ausführlich daraus vor.
Der Stürmer
Julius Streicher
Julius Streicher war ein prominenter Nazi-Propagandist und Herausgeber der Hetzschrift "Der Stürmer", die sich durch extreme antisemitische Hetze auszeichnete. Als einer der Angeklagten bei den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg stand Streicher vor Gericht, da er durch die ideologische Propaganda seines Blattes wesentlich zur Verbreitung des Antisemitismus im Dritten Reich beitrug. Der Artikel dokumentiert anhand der Stadtarchive in der Metropolregion Nürnberg die Geschichte dieser Figur und ihre Bedeutung für die Aufarbeitung der NS-Zeit.
🗣 Tanja Stelzer referenziert bei ⏱ 00:14:22 „Das war Julius Streicher dabei. Das war der Gründer und langjährige Herausgeber des Hetzplatz der Stürmer. Und der wohnte in Nürnberg, wo Lodge ja selber gelebt hatte. Nur wenige Häuser von der Familie Lorch entfernt. Das war ein absoluter Widerling.“
Im Zusammenhang mit der Überführung der Angeklagten nach Nürnberg wird Julius Streicher als Gründer und Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts 'Der Stürmer' vorgestellt. Er war ein Nachbar der jüdischen Familie Lorch in Nürnberg, was die persönliche Dimension für den Zeitzeugen Ernest Lodge unterstreicht.
If they go low, we go high (Rede auf dem Democratic National Convention 2016)
Michelle Obama · 2017
A collection of essays celebrating the influential former first lady, by an array of acclaimed contributors and with a foreword by Lena Dunham. Michelle Obama’s legacy transcends categorization. Mrs. Obama was not only our first black first lady; she was President Obama’s equal partner in marriage and parenthood and a tireless advocate for women’s rights, education, healthy eating, and exercise.
🗣 Tanja Stelzer zitiert daraus bei ⏱ 00:18:03 „Das erinnert mich so ein bisschen an diesen Satz von Michelle Obama. If they go low, we go high. Die haben die finstersten Verbrechen der Welt begangen und wir behandeln sie so fair, wie es nur geht.“
Andreas Sentker zieht eine Parallele zwischen dem Anspruch der Alliierten, die Nazi-Kriegsverbrecher trotz ihrer ungeheuerlichen Taten in einem fairen, rechtsstaatlichen Verfahren zu richten, und Michelle Obamas berühmtem Ausspruch über moralische Überlegenheit durch vorbildliches Handeln.
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
Erika Mann
19.12.1945 | Erika Mann, Tochter von Thomas Mann, lebte erst im Exil in der Schweiz und emigrierte dann in die USA. Im Krieg berichtet sie für britische und amerikanische Medien. Im Interview mit einem deutschen Kollegen schildert sie ihre Eindrücke von den Angeklagten im Gefängnis und aus dem Gerichtssaal. | Nürnberger Prozesse
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Erika Mann für den London Evening Standard“
Erika Mann, Tochter von Thomas Mann, berichtete als Reporterin für den London Evening Standard von den Nürnberger Prozessen
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
John Dos Passos
John Dos Passos berichtete als Korrespondent des Life-Magazins von den Nürnberger Prozessen gegen Nazi-Kriegsverbrecher. Seine journalistischen Reportagen dokumentierten die Anklagen, Verhandlungen und historische Bedeutung dieser Gerichtsverfahren für die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Die Amerikaner haben John Dos Passos geschickt, der ist Reporter und schreibt für das Live-Magazin“
John Dos Passos berichtete als Reporter für das Life-Magazin von den Nürnberger Prozessen
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
John Steinbeck
John Steinbeck berichtete als Journalist von den Nürnberger Prozessen (1945-1946), in denen führende Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht standen. Seine Reportage dokumentiert diese historischen Gerichtsverhandlungen und die Verhandlungen gegen die Hauptverantwortlichen des Dritten Reichs aus der Perspektive eines Augenzeugen.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „John Steinbeck ist da“
John Steinbeck war als Reporter bei den Nürnberger Prozessen anwesend
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
Willy Brandt (als Norbert Fram)
Als bei den Nürnberger Prozessen 1945 die Dokumentation "Nazi Concentration Camps" gezeigt wurde, war dies die Geburtsstunde einer höchst problematischen Ikonografie. Wie lässt sich ein unvergleichbares Verbrechen wie der Holocaust bildhaft rekonstruieren?
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Willy Brandt, der ja im Zweiten Weltkrieg im skandinavischen Exil war und jetzt als Korrespondent für skandinavische Zeitungen berichtet“
Willy Brandt, der spätere Bundeskanzler, berichtete unter dem Pseudonym Norbert Fram für skandinavische Zeitungen von den Nürnberger Prozessen
Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse
Alfred Döblin
Alfred Döblin war einer der prominenten Reporter auf der Pressetribüne der Nürnberger Prozesse und berichtete journalistisch über die Kriegsverbrechertribunale. Seine Berichterstattung dokumentierte die historischen Prozesse gegen NS-Führungspersonen nach dem Zweiten Weltkrieg.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:26 „Alfred Döbligen“
Alfred Döblin wird als einer der prominenten Reporter auf der Pressetribüne der Nürnberger Prozesse genannt
Reportagen für die Neue Zeitung (Nürnberger Prozesse)
Erich Kästner
Der Artikel behandelt die mediale Begleitung der Nürnberger Prozesse von 1945, bei denen die NS-Führungsriege vor Gericht stand. Eine arte-Dokumentation zeigt, welche prominenten Journalisten wie Erich Kästner und Erika Mann über die historischen Verhandlungen berichteten. Der Text beleuchtet die Rolle dieser literarischen Größen in der Presseberichterstattung, weist aber auch auf Lücken in der Dokumentation hin.
🗣 Tanja Stelzer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:42 „Erich Kästner sitzt da, der schreibt für die Neue Zeitung. Erika Mann für den London Evening Standard. Tochter von Thomas Mann ist das.“
Andreas Sentker zählt die prominenten Reporter auf der Pressebank der Nürnberger Prozesse auf. Erich Kästner berichtete für die Neue Zeitung – ein beeindruckendes Detail, das zeigt, welche literarische Prominenz dieses historische Ereignis anzog.
Berichte über die Nürnberger Prozesse für den London Evening Standard
Erika Mann
Erika Mann und Betty Knox berichten unter Risiko über das Kriegsende – mit politischer Schärfe und humorvoller Distanz, jede auf ihre Art.
🗣 Tanja Stelzer referenziert bei ⏱ 00:27:45 „Erika Mann für den London Evening Standard. Tochter von Thomas Mann ist das.“
Andreas Sentker zählt die prominenten Reporter auf der Pressebank des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses auf. Erika Mann, Tochter von Thomas Mann, berichtete für die britische Zeitung London Evening Standard.
Korrespondenzberichte für skandinavische Zeitungen (Nürnberger Prozesse)
Willy Brandt
wurde am 18. Dezember 1913 unter dem Namen Herbert Karl Frahm in Lübeck geboren. Obwohl bescheidenen Verhältnissen entstammend - seine Mutter war Verkäuferin beim Konsum -, besucht er das Lübecker Johanneum, an dem er 1932 das Abitur besteht. Bereits…
🗣 Tanja Stelzer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:16 „Willy Brandt, der ja im Zweiten Weltkrieg im skandinavischen Exil war und jetzt als Korrespondent für skandinavische Zeitungen berichtet. Der spätere Bundeskanzler. Genau, unter dem Namen Norbert Fram schreibt er damals. Sehr politisch offensichtlich, eher nüchtern, analysierend, einordnend.“
Der spätere Bundeskanzler Willy Brandt war unter dem Pseudonym Norbert Fram als Korrespondent für skandinavische Zeitungen bei den Nürnberger Prozessen. Anne Kunze beschreibt seinen Stil als politisch, nüchtern und analysierend.
Der Vater (und weitere Bücher über Hans Frank)
Niklas Frank · 2023
Der Ausdruck „akademischer Nationalsozialismus“ ist anstößig. Er war es auch für mich. Er ist aber sachlich angemessen. Es gab den akademischen Nationalsozialismus. Er war mächtig. Er war mächtiger als andere Formen des Nationalsozialismus, sofern diese überhaupt als selbständige Formen existierten und nicht nur orchestrierte Erscheinungen des akademischen Nationalsozialismus für Nichtakademiker waren. Um das wissenschaftlich nachzuweisen, muss ich einen erheblichen Aufwand leisten.
🗣 Tanja Stelzer referenziert bei ⏱ 00:30:23 „Der war Reporter geworden und es ist sein Lebensthema geworden, sich an diesem Vater abzuarbeiten“
Niklas Frank, Sohn des NS-Kriegsverbrechers Hans Frank, hat eine Reihe von Büchern über seinen Vater geschrieben, mit denen er sich publizistisch an dessen Verbrechen abarbeitete
Bücher über Hans Frank / Der Vater
Niklas Frank · 2003
Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1-2, Universität Konstanz (Fachbereich Literaturwissenschaft), Veranstaltung: Familiengeheimnisse, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Werk „Der Vater – Eine Abrechnung“ zeichnet sich durch ein stark emotional beladenes Verhältnis zu den handelnden Figuren aus, das sich in erzählerischen Besonderheiten ausdrückt, die den Roman womöglich auf eine Sonderposition im Bereich der biographischen Romane stellen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:32 „Das war nicht so schwierig, den Niklas Frank zu finden, weil der sich sein Erwachsenenleben lang an diesem brutalen Verbrechervater abgearbeitet hat, publizistisch und eine Reihe von Büchern geschrieben hat. Der war Reporter geworden und es ist sein Lebensthema geworden, sich an diesem Vater abzuarbeiten.“
Anne Kunze erklärt, wie sie den Zeitzeugen Niklas Frank fanden – den Sohn des Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank. Niklas Frank hat sein Leben der publizistischen Aufarbeitung der Verbrechen seines Vaters gewidmet und mehrere Bücher darüber geschrieben. Ein konkreter Titel wird nicht genannt.
Der Mythus des 20. Jahrhunderts
Alfred Rosenberg · 1942
"As population estimates for 2050 reach over 9 billion, issues of food security and nutrition have been dominating academic and policy debates. A total of 805 million people are undernourished worldwide and malnutrition affects nearly every country on the planet. Despite impressive productivity increases, there is growing evidence that conventional agricultural strategies fall short of eliminating global hunger, as well as having long-term ecological consequences.
🗣 Tanja Stelzer referenziert bei ⏱ 00:40:26 „Der musste so eine kleine Prüfung ablegen, um seinen Job als Dolmetscher zu bekommen und musste zur Probe eines dieser fürchterlichen Werke, dieses Chefideologen Rosenberg übersetzen, Mythos des 20. Jahrhunderts. Daraus musste er was übersetzen und die Prüfung hat er bestanden.“
Anne Kunze erzählt von dem belgischen Dolmetscher, in den sich die Sekretärin Elli Kupfer verliebte. Um seine Stelle als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen zu bekommen, musste er als Eignungsprüfung eine Passage aus Rosenbergs ideologischem Hauptwerk übersetzen. Die Erwähnung unterstreicht die groteske Alltagsrealität rund um den Prozess.
Beitrag über Hans Franks Schuldeingeständnis
Yves Becbeder
Niklas Frank, Sohn des Kriegsverbrechers Hans Frank, hat die Briefe seiner Familie aus dem Nürnberger Prozess 1945/46 veröffentlicht und dabei eine vernichtende Analyse seiner Familiengeschichte vorgelegt. Hans Frank, Generalgouverneur im besetzten Polen und mitverantwortlich für Millionen Tote in Konzentrationslagern, versuchte sich während des Prozesses als religiöser Mann darzustellen, betete ostentativ und schrieb liebevolle Briefe an seine Kinder – während er vorher zynisch über die „Beseitigung von Juden" sprach. Niklas Frank zählt allein 550 Vorkommen des Wortes „Gott" in den Schriften seines Vaters und ordnet sie scharf kommentierend in den Kontext der ungeheuerlichen Verbrechen ein. Sein Buch dokumentiert, wie die Familie die Schuld verdrängte und beschönigt, und zeigt zugleich, wie Frank als Kind bereits unter der Last dieser Geschichte litt – durch düstere Zeichnungen von Gehenkten und verstörte Verhaltensmuster. Franks jahrzehntelange Abrechnung mit dem Vater ist zugleich eine Anklage gegen die deutsche Nachkriegsgesellschaft, die die NS-Verbrechen lange Zeit verdrängt hat.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:44:46 „Yves Becquedert war ganz beeindruckt von diesem Schuldeingeständnis und schrieb dann sogar auf seiner kleinen Reiseschreibmaschine, die er bei sich hatte, einen Beitrag für eine französische Zeitschrift. Ich glaube es war eine juristische Zeitschrift.“
Anne Kunze berichtet, wie der junge französische Jurist Yves Becbeder, der als Zuarbeiter für die französischen Richter in Nürnberg tätig war, so beeindruckt von Hans Franks scheinbarer Reue war, dass er darüber einen Artikel für eine französische juristische Zeitschrift verfasste. Ironischerweise nahm Frank sein Schuldeingeständnis später wieder zurück.
Nazi Concentration Camps (Dokumentarfilm als Beweismittel)
US-Armee / Alliierte · 1945
Authentisches Dokumentarmaterial der Alliierten aus der Befreiung der Konzentrationslager, das als Beweismittel im Nürnberger Prozess vorgeführt wurde. Der Film dokumentiert die Gräuel des Holocaust und hatte eine erschütternde Wirkung auf die Verhandlung, die selbst Verteidiger zur Einsicht bewog.
🗣 Tanja Stelzer referenziert bei ⏱ 00:46:04 „Ich glaube, am zweiten Tag wird ein Film vorgeführt. Das Dokumentationsmaterial, das die Alliierten gesammelt haben, zum Teil bei der Befreiung der KZs. Und spätestens da wird allen Beteiligten im Gericht klar, welches irrsinnige Format von Verbrechen hier angeklagt ist.“
Am zweiten Verhandlungstag wurde ein Dokumentarfilm mit Aufnahmen aus den befreiten Konzentrationslagern vorgeführt. Der Film erschütterte alle Anwesenden so tief, dass selbst ein Verteidiger sagte, es wäre am besten, wenn sein Mandant gehängt würde.
Bericht über Göring auf der Anklagebank (Neue Zeitung)
Erich Kästner
Der Artikel analysiert die Verteidigungsstrategien der 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess von 1945. Während Hermann Göring sich unbelehrbar als Staatsmann sah und Albert Speer seine Rolle herunterzuspielen versuchte, behaupteten Militärs wie Admiral Dönitz und General Jodl, nur ihre Pflicht erfüllt zu haben und unwissentlich in die NS-Verbrechen verstrickt worden zu sein. Das zentrale Problem bestand darin, dass keiner der Angeklagten sich schuldig fühlte – alle plädierten nicht schuldig. Der Schriftsteller Erich Kästner, der als Prozessbeobachter zugelassen war, kritisierte scharf diese mangelnde Schuldeinsicht und das systematische Verleugnen von Verantwortung für die Massenverbrechen des Regimes.
🗣 Tanja Stelzer zitiert daraus bei ⏱ 00:47:34 „Erich Kästner schaut sehr genau hin. Göring trägt eine lichtgraue Jacke mit goldenen Knöpfen“
Andreas Sentker liest eine Passage von Erich Kästner vor, der als Reporter für die Neue Zeitung die Angeklagten im Nürnberger Prozess beobachtete und beschrieb
Bericht über die Nürnberger Prozesse in der Neuen Zeitung
Erich Kästner
Der Nürnberger Prozess zeigte eine zentrale Problematik: Keiner der 24 Angeklagten empfand Schuld. Während Hermann Göring sich als sakrosankter Staatsmann verstand, der Belehrung nicht bedurfte, rechtfertigten sich Militärs wie Dönitz und Jodl mit ihrer vermeintlich soldatischen Pflicht. Albert Speer gelang es, seine enorme Verantwortung für hunderttausende Tote zu minimieren. Der Prozessbeobachter Erich Kästner kritisierte diese Strategie scharf: Die Angeklagten behaupteten, von den neuen Spielregeln gegen Massenmord erst später erfahren zu haben und nicht mehr handlungsfähig gewesen zu sein.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:49:45 „Göring trägt eine lichtgraue Jacke mit goldenen Knöpfen. Die Abzeichen der Reichsmarschallwürde sind entfernt worden. Die Orden sind verschwunden. Es ist eine Art Chauffeurjacke übrig geblieben. Rudolf Hess hat sich verändert. Dadurch wirken die schwarzen Augenbrauen geradezu unheimlich.“
Andreas Sentker liest eine ausführliche Passage von Erich Kästner vor, die in der Neuen Zeitung erschien. Kästner beschreibt darin mit literarischer Präzision das Erscheinungsbild der Angeklagten auf der Anklagebank – Göring, Hess, Rosenberg und Hans Frank. Die Passage zeigt, wie Kästner als genauer Beobachter die Banalität und Nervosität der Angeklagten einfing.