Hört da jemand
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
In der fünften und letzten Folge zur Bergpredigt geht es um das Vaterunser — das Gebet, das Jesus seinen Jüngern als Gegenentwurf zum öffentlichen Zur-Schau-Stellen von Frömmigkeit beibrachte. Besonders brisant: Im aramäischen Original sagt Jesus "Abba" — Papa — zu Gott, was für jüdische Ohren geradezu unerhört war, da der Name Gottes aus Ehrfurcht nicht einmal ausgesprochen werden durfte.
„Also zu dem großen, großen jüdischen Gott sagt der Jesus Papa. Und das ist für jüdische Ohren ganz furchtbar.“
Erwähnte Medien (18)
Jüdische Allgemeine - Werden unsere Gebete erhört
Daniel Neumann
Der Artikel erläutert die Bedeutung des Betens im Judentum aus der Perspektive von Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen. Gebet wird dabei als innere Selbstprüfung und Hinwendung zu Gott verstanden, durch die Menschen näher an das Ewige heranrücken. Die Auseinandersetzung mit dem Gebet vermittelt Hoffnung und Zuversicht im jüdischen Glauben.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:11:57 „wollte ich dir noch was vorlesen, was ich in der jüdischen Allgemeinen gefunden habe. Werden unsere Gebete erhört, ist die Überschrift. Da geht es jetzt nicht direkt um das Vaterunser, aber es geht ums Beten. Von Daniel Neumann, der war damals, oder ist es noch, Direktor des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen. Der hat einen wunderbaren Artikel über das Beten im Judentum geschrieben.“
Sabine liest aus einem Artikel der Jüdischen Allgemeinen vor, der das jüdische Verständnis des Betens als Selbstprüfung erklärt
Werden unsere Gebete erhört?
Daniel Neumann
Als Waise (auf das deutsche und niederländische Sprachgebiet beschränkte Wort mhd. weise, ahd. weiso, zu wīsan, meiden, verlassen, immer im Femininum) oder Waisenkind wird ein Kind bezeichnet, das einen oder beide Elternteile verloren hat. Hierbei wird zwischen Vollwaisen (bei denen beide Eltern gestorben sind) und Halbwaisen (bei denen ein Elternteil gestorben ist) unterschieden.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:11:57 „Bevor wir mal in den Inhalt gehen, wollte ich dir noch was vorlesen, was ich in der jüdischen Allgemeinen gefunden habe. Werden unsere Gebete erhört, ist die Überschrift. Da geht es jetzt nicht direkt um das Vaterunser, aber es geht ums Beten. Von Daniel Neumann, der war damals oder ist es noch Direktor des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen. Der hat einen wunderbaren Artikel über das Beten im Judentum geschrieben.“
Sabine Rückert liest ausführlich aus einem Artikel der Jüdischen Allgemeinen vor, in dem Daniel Neumann das jüdische Verständnis von Gebet erklärt. Der zentrale Gedanke: Das hebräische Wort für Beten (Lehit Palel) bedeutet 'sich selbst prüfen' — es geht nicht darum, Gott zu ändern, sondern sich selbst im Lichte Gottes zu ändern. Rückert nutzt den Artikel als Brücke zur Diskussion über das Vaterunser als Akt der Selbstjustierung.
Hilft beten?
Der Artikel untersucht die Rolle des Gebets in Zeiten der Krise. Vier verschiedene Perspektiven zeigen, warum Menschen beten – unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht. Die ZEIT hat dazu eine Gebetssammlung zusammengestellt, die auch Beiträge von Atheisten enthält und damit den universellen Charakter des Betens verdeutlicht.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:21:37 „Also es gibt wirklich schöne Gebetssammlungen und auch von Atheisten. Wir haben selber auch in der Zeit eine Gebetssammlung gemacht. Hilft beten war der Titel damals.“
Sabine Rückert erwähnt eine Gebetssammlung, die in der ZEIT erschienen ist, mit dem Titel 'Hilft beten'. Sie nennt sie im Kontext ihrer Archivrecherche nach berühmten Gebeten, die sie für die Episode zusammengestellt hat.
Confessiones (Bekenntnisse)
Augustinus von Hippo · 2024
In "Die Bekenntnisse" (Confessiones) gewährt Aurelius Augustinus einen tiefen Einblick in seine spirituelle und intellektuelle Reise. Der literarische Stil ist autobiografisch und zugleich philosophisch, geprägt von einer bewegenden Rhetorik, die theologische Gedanken und persönliche Reflexionen vereint. Augustinus schildert seine Suche nach Wahrheit und Sinn, begonnen in einer von Sinnlichkeit geprägten Jugend und mündend in eine radikale Bekehrung zum Christentum.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:25:44 „Diese Autobiografie, die Confessiones heißt es, also die Bekenntnisse des Augustinus, die sind ein einziges Gebet.“
Johanna ordnet das zuvor vorgelesene Augustinus-Gebet als Teil seiner Autobiografie ein, die als erstes Werk der Selbsterzählung gilt
Confessiones
Augustinus
In "Die Bekenntnisse" (Confessiones) gewährt Aurelius Augustinus einen tiefen Einblick in seine spirituelle und intellektuelle Reise. Der literarische Stil ist autobiografisch und zugleich philosophisch, geprägt von einer bewegenden Rhetorik, die theologische Gedanken und persönliche Reflexionen vereint. Augustinus schildert seine Suche nach Wahrheit und Sinn, begonnen in einer von Sinnlichkeit geprägten Jugend und mündend in eine radikale Bekehrung zum Christentum.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:26:25 „Diese Autobiografie, die Confessiones heißt es, also die Bekenntnisse des Augustinus, die sind ein einziges Gebet. Also insofern ist es sehr gut, dass du auf den kommst, weil der spricht Gott an und erzählt ihm sein Leben. Die erste Autobiografie ist sozusagen nicht in dem Ziel entstanden, es sollen möglichst viele Leute lesen, wie ich gelebt habe, sondern der betrachtet im Gebet sein Leben und erzählt, wie er es heute sieht.“
Nachdem Sabine Rückert ein Gebet des Augustinus vorliest, ordnet Johanna Haberer es in dessen Lebenswerk ein. Sie erklärt, dass die Confessiones als Ganzes ein Gebet sind — Augustinus spricht Gott an und erzählt ihm sein Leben. Haberer hebt hervor, dass dieses Werk als erste Autobiografie ein bahnbrechendes literarisches Werk der Selbsterzählung darstellt.
Sonnengesang / Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens
Franz von Assisi
Das berühmte Gebet des Heiligen Franz von Assisi, in dem er sich selbst und den Leser als Werkzeug für Gottes Frieden darstellt. Ein klassischer religiöser Text über Demut, Dienst und inneren Frieden, der bis heute Menschen in ihrer spirituellen Suche inspiriert.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:27:20 „Der nächste ist Franz von Assisi, noch so ein Heiliger. Der hat 1181 bis 1226 gelebt, ganz berühmt, Franz von Assisi. Der hat das berühmte Gedicht, ich glaube, das weiß ich gar nicht, ob ich das noch jetzt vorlesen muss, Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens.“
Sabine Rückert liest das berühmte Franz-von-Assisi-Gebet vollständig vor. Es wird persönlich, als Johanna Haberer erzählt, dass der Maler Walter Habdank ihr den Text zum 18. Geburtstag handgemalt geschenkt hat. Das Gebet löst eine Debatte aus: Rückert sieht darin eine Überforderung des Menschen, Haberer verteidigt es als Gebet für Menschen, die immer nur nehmen wollen.
Gebet des Thomas Morus
Thomas Morus · 1829
Dieses Gebet des Humanisten Thomas Morus zeichnet sich durch seinen praktischen und humorvollen Zugang zu alltäglichen Segnungen aus. Statt sich auf Heiliges zu konzentrieren, bittet Morus um gute Verdauung, einen gesunden Körper und Sinn für Humor – eine Haltung, die seine Menschlichkeit und seinen Witz unterstreicht. Das Gebet gilt als Ausdruck eines realistischen Glaubens, der nicht überfordert, sondern Irdisches und Geistliches verbindet.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:29 „Gib du, oh Herr, mir eine gute Verdauung und auch was zum Verdauen. Gib du, o Herr, mir einen gesunden Körper und den Sinn dafür, ihn so zu erhalten. Gib du, o Herr, mir Sinn für Humor und die Fähigkeit, einen Scherz zu verstehen.“
Neben seinem Roman 'Utopia' liest Sabine Rückert ein eigenständiges Gebet von Thomas Morus vor, das für seinen Humor und seine Bodenständigkeit bekannt ist. Johanna Haberer reagiert begeistert und erkennt es als ein realistisches, nicht überforderndes Gebet.
Utopia
Thomas Morus · 2018
Thomas Morus: Utopia | Für die eBook-Ausgabe neu lektoriert und mit modernisierter Rechtschreibung. Voll verlinkt, mit eBook-Inhaltsverzeichnis und einem erklärenden Vorwort. Dieses Buch hat gewaltige Wirkung hinterlassen. Es ist die erste ›Sozialutopie‹, und wurde zum Vorläufer eines ganzes Genres. Der Engländer Thomas More (1478–1535), der es im Alter von 37 Jahren schrieb, schildert darin einen, aus seiner Sicht idealen Staat. – Die Utopier kennen kein Privateigentum.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:52 „Er hat aber, und deswegen ist er auch ganz berühmt, einen Roman geschrieben, der heißt Utopia. Und von diesem Roman kommt der Begriff Utopie.“
Sabine erwähnt den berühmten Roman im Zusammenhang mit der Vorstellung von Thomas Morus und seinem Gebet
Gebet der Teresa von Avila
Teresa von Avila · 2025
Aufgefordert von ihren Oberen verfaßte die heilige Teresa von Avila zwischen 1562 und 1565 eine Beschreibung ihres Lebens. Sie schildert darin ausführlich ihren Werdegang von frühester Kindheit an, ihre Bekehrung, den Eintritt ins Kloster und schließlich der Spendung göttlicher Gnadengaben, derer sie sich zeitlebens für unwert hielt. Ein weiterer Teil ihres Buches ist der Kontemplation gewidmet und dem Bericht über die Gründung des Klosters St. Joseph zu Avila.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:32:34 „Herr meines Seins, damals, als du auf der Erde wandeltest, zeigtest du den Frauen deine besondere Zuneigung. Denn in ihnen fandest du nicht weniger Glauben und Liebe als bei den Männern.“
Sabine Rückert liest im Rahmen ihrer Gebetssammlung ein Gebet von Teresa von Avila (1515–1582) vor, das sie als große Überraschung und beeindruckend feministisch empfindet. Das Gebet fordert die Gleichstellung von Frauen im religiösen Wirken.
Kindertotenlieder
Gustav Mahler
Ein melancholischer Liederzyklus, der die tiefe Trauer um den Verlust eines Kindes ausdrückt. Die Vertonung von Friedrich Rückerts Gedichten schafft ein intimes, emotional intensives Kunstwerk, das Schmerz und Resignation mit zarter Instrumentation verbindet. Das Werk gilt als eines der bedeutendsten Beispiele romantischer Vokalmusik.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:43 „Er ist ja auch ganz berühmt geworden durch die Vertonung seiner Kindertotenlieder durch den Komponisten Gustav Mahler. Und eines dieser Kindertotenlieder lese ich dir jetzt vor.“
Im Gespräch über Friedrich Rückerts Gedichte nach dem Verlust eines Kindes erwähnt Sabine Rückert die berühmte Vertonung durch Gustav Mahler. Sie liest anschließend eines der Kindertotenlieder vor, das den Schmerz eines Elternteils über den Tod seines Kindes beschreibt.
Kindertotenlieder
Friedrich Rückert · 2012
Friedrich Rückert: Kindertodtenlieder aus seinem Nachlasse, Frankfurt a.M.: Sauerländer, 1872. Entstanden 1833-1834. Dieser Edition liegt der Erstdruck zugrunde: Friedrich Rückert, Kindertodtenlieder aus seinem Nachlasse, hg. von Marie Rückert, Frankfurt a. M. (Sauerländer) 1872.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:35:32 „Und dann bin ich auf ein Gedicht unseres Namensvetters oder vielleicht auch Vorfahren Friedrich Rückert gestoßen, der von 1788 bis 1866 gelebt hat.“
Sabine liest eines der Kindertotenlieder vor, in dem ein Vater den Tod seines Kindes betrauert
Gebet aus der Finsternis
Joseph von Eichendorff · 1950
Deutsche Gedichte und ihre Interpretationen ist eine Sammlung deutschsprachiger und seit dem 4. Oktober 2014 auch fremdsprachiger, ins Deutsche übertragener Gedichte mit Interpretationen, die von Marcel Reich-Ranicki im Jahr 1974 begründet und bis zu seinem Tod im September 2013 fortgeführt wurde. Zunächst erschienen Gedicht und Interpretation in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und wurden dann in Jahresbänden unter dem Titel Frankfurter Anthologie (erstmals 1976, letztmals 2017) zusammengef...
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:36:26 „Wie ein Todeswunderstreiter, der den Weg verloren hat, schwank ich nun und kann nicht weiter von dem Leben sterbensmatt. Nacht schon decket alle müden, und so still ist's um mich her, Herr, auch gib mir endlich Frieden, denn ich wünsch und hoff nichts mehr.“
Sabine Rückert liest ein Gedicht von Joseph von Eichendorff (1788–1857) vor, das sie als 'sehr depressiv' beschreibt. Johanna Haberer vergleicht den Zustand mit der stoischen Philosophie, während Sabine darauf besteht, dass es nihilistisch und hoffnungslos klingt.
Aus der Finsternis (Gedicht)
Joseph von Eichendorff · 2012
Ein grundlegendes Werk uber die Fundamente und die Geschichte der jiddischen Kultur
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:36:35 „Dann habe ich auch ein sehr depressives Gedicht von Joseph von Eichendorff, der 1788 bis 1857 gelebt hat. Und der schrieb aus der Finsternis heraus, Wie ein Todeswunderstreiter, der den Weg verloren hat, schwank ich nun und kann nicht weiter von dem Leben sterbensmatt.“
Sabine liest ein düsteres Gedicht Eichendorffs als Beispiel für ein Gebet aus der Verzweiflung
Gebetstext über das Stillwerden
Søren Kierkegaard · 1901
Søren Kierkegaard beschreibt in diesem Text seine persönliche Transformation des Gebetsverständnisses: vom aktiven Reden hin zum aufmerksamen Hören und inneren Stillwerden. Der dänische Philosoph und Theologe erörtert, wie echtes Gebet nicht in Worten, sondern in Stille und Empfänglichkeit besteht. Der Text bietet eine zeitlose Perspektive auf Spiritualität und Kontemplation, die der modernen Tendenz zu oberflächlichen, geschwätzigen Gebetsformen entgegensteht.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:43 „Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da wusste ich immer weniger zu reden. Schließlich wurde ich ganz still. Zuerst meinte ich, Beten sei Reden. Doch dann lernte ich, Beten ist nicht einfach Schweigen, sondern Hören.“
Sabine Rückert liest einen Text von Søren Kierkegaard (1813–1855) vor, in dem dieser beschreibt, wie sich sein Verständnis vom Beten wandelte – vom Reden zum Hören und Stillwerden. Johanna Haberer stimmt begeistert zu und kritisiert geschwätzige Gottesdienstgebete.
Gebet an den unbekannten Gott
Friedrich Nietzsche · 2023
Nietzsches frühes Gedicht offenbart eine überraschend religiöse Sehnsucht, die im Widerspruch zu seinem Ruf als Gotteshasser steht. Das Werk wird als Anspielung auf die Paulus-Geschichte in der Apostelgeschichte interpretiert und verdeutlicht, wie nachhaltig die Prägung durch das Pfarrhaus auf den Philosophen wirkte.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:25 „So, jetzt kommen wir zu einem Freund, den wir immer mal wieder gerne zitieren, Friedrich Nietzsche, Pfarrers Sohn und Gotteshasser. Er ist ja fast schon mehr als ein Atheist oder weniger als ein Atheist. Jedenfalls ist er ein Gotteshasser.“
Sabine Rückert trägt Nietzsches frühes Gedicht 'Gebet an den unbekannten Gott' vor, das überraschend religiöse Sehnsucht zeigt. Johanna Haberer ordnet es ein als Anspielung auf die Paulus-Geschichte in der Apostelgeschichte und beide reflektieren, dass man das Pfarrhaus nicht aus dem Kind bekommt.
Herbst
Rainer Maria Rilke · 2012
»Es geht so ein nachdenklicher, welker Duft umher wie von Blumen, die die Sonne getrocknet und die der Wind gepreßt hat, und es ist Herbst.« Rainer Maria Rilke war ein genauer Beobachter der ihn umgebenden Natur. Und der Herbst ist die Jahreszeit, die er liebt und feiert wie keine andere. Immer wieder zelebriert er in seinen Werken und Briefen den kraftvollen Sturm, die schillernden Farben und die mystisch nebelverhangenen Felder. Wer den Herbst liebt, wird sich bei Rilke festlesen.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:20 „Das letzte Gedicht ist von Rainer Maria Rilke. Herbst heißt es, 1875 bis 1926 hat er gelebt. Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten.“
Als Abschluss der Gedicht- und Gebetssammlung liest Sabine Rückert Rilkes Gedicht 'Herbst' vor. Das Gedicht beschreibt das universelle Fallen aller Dinge, das jedoch von einer göttlichen Hand sanft aufgefangen wird. Beide Sprecherinnen empfinden es als schönen Abschluss.
Du lass dich nicht verhärten
Wolf Biermann
Ermutigung ist ein Gedicht und Lied des deutschen Liedermachers und Lyrikers Wolf Biermann. Es erschien erstmals 1968 in der Gedichtsammlung Mit Marx- und Engelszungen im Verlag Klaus Wagenbach, der im selben Jahr auch die vertonte Fassung auf der Single 4 neue Lieder veröffentlichte. Biermann übernahm das Lied auf seine Langspielplatte aah-ja!, die 1974 bei CBS erschien. Ermutigung warnt ein Gegenüber, sich trotz der herrschenden Zustände nicht verhärten und verbittern zu lassen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:44:54 „Also es ist ein Kirchenlied, hat er natürlich recht. Du lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit, dieses Biermannlied. Das wird natürlich in den Kirchen rauf und runter gesungen.“
Im Kontext von Wolf Biermanns Antwort auf die Frage 'Hilft beten?' identifiziert Johanna Haberer sein bekanntes Lied, das in Kirchen weit verbreitet gesungen wird. Sie erzählt, dass sie es selbst mit ihren Jugendlichen gesungen hat.
Realistisches Morgengebet (Zeitungslektüre)
Georg Wilhelm Friedrich Hegel · 1913
Hegels philosophischer Essay kontrastiert die Zeitungslektüre als modernes säkulares Morgenritual mit religiöser Praxis. Die Kernthese: Tägliche Nachrichtenlektüre erfüllt die gleiche orientierende und stabilisierende Funktion wie traditionelle Gebete und verbindet uns mit globalen Realitäten von Medizin, Innovation und menschlicher Solidarität.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:48:09 „Ich bin allerdings auch ein großer Anhänger dessen, was Hegel das realistische Morgengebet nennt, die Lektüre von Zeitungen, um zu sehen, was die Medizin, der Erfindungsgeist und die Solidarität leisten können.“
Sabine Rückert zitiert Timothy Garton Ash, der sich auf Hegels berühmten Ausspruch bezieht, die Zeitungslektüre sei das realistische Morgengebet des modernen Menschen. Es dient als Kontrast zwischen religiösem und säkularem Zugang zur Weltorientierung.