Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk – Warum bist du so wütend
Matze Hielscher & Ilko-Sascha Kowalczuk
Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker und selbsternannter "Punk unter den Historikern", spricht über seine Arbeit als diktaturgeschädigter Ostdeutscher, der Provokation als Motor der Demokratie versteht. Er analysiert, warum gerade Menschen mit viel zu verlieren in die Arme von Extremisten getrieben werden, und erinnert daran, dass die friedliche Revolution 1989 von einer mutigen Minderheit getragen wurde — während die große Masse hinter der Gardine abwartete.
„Es gibt keine Revolution, die von Mehrheiten gemacht werden. Sondern es war eine kleine Minderheit, die auf die Straßen gegangen ist bis zum Ende Oktober 89, die mutig war. Die große Masse hat wie bei jeder anderen Revolution hinter der Gardine gestanden, zugeschaut und abgewartet.“
Erwähnte Medien (18)
Kowalczyk ist der Punk unter den Historikern
Porträt des Historikers Dariusz Kowalczuk, der in der konservativen Geschichtswissenschaft als eigenständiger und eigenwilliger Denker wahrgenommen wird. Der FAZ-Artikel würdigt ihn als „Punk unter den Historikern" für seine authentische und unkonventionelle Herangehensweise an historische Themen. Kowalczuk vertritt dabei progressivere Positionen zu Demokratie und Freiheit als viele seiner Fachkollegen.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:19 „Deswegen freuen sich alle, dass irgendwie die FAZ schreibt, Kowalczyk ist der Punk unter den Historikern. Ich bin ja kein Punk, aber ich wirke gewissermaßen in dem Reigen der ganzen Schlips und kleine Röcke-Träger irgendwie sozusagen wie so was anderes.“
Kowalczuk beschreibt seine Außenseiterrolle in der konservativen Geschichtswissenschaft. Er verweist auf einen FAZ-Artikel, der ihn als «Punk unter den Historikern» betitelte, um zu illustrieren, wie er in seinem konventionellen Fachgebiet wahrgenommen wird – nicht als bewusste Attitüde, sondern weil er sich authentisch verhält.
Bruce Springsteen Konzert in Ost-Berlin 1988
Bruce Springsteen · 2017
Bruce Springsteens Konzert 1988 in Ost-Berlin gilt als Wendepunkt in der DDR-Kulturgeschichte. Tausende Zuschauer, darunter viele Jugendliche, nähten sich selbst US-Fahnen zusammen, um sie beim Auftritt des "Boss" zu schwenken – ein Akt kultureller Rebellion gegen die SED-Diktatur. Das Konzert symbolisiert die Sehnsucht nach westlicher Freiheit und die Anziehungskraft der amerikanischen Popkultur kurz vor dem Mauerfall. Die Bilder vom Konzert gehören zu den ikonischen Dokumenten dieser Übergangszeit.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 00:37:20 „Du kennst ja wahrscheinlich die Bilder, als der Boss 88 in Ostberlin war, diese US-Fahnen, als zum ersten Mal in der DDR sozusagen USA-Fahnen gezeigt worden sind. Die Hälfte davon waren zwar von Westberlinern, aber ist egal, zur Folklore gehört das eben gut hinzu, weil man auch sieht, wie die selber gebastelt worden sind.“
Kowalczuk spricht über die kulturelle Hegemonie der USA und seine eigene Jugend in der DDR, in der alles Aufregende – Jazz, Rock, Popliteratur – mit Amerika assoziiert wurde. Das legendäre Springsteen-Konzert 1988 in Ost-Berlin dient ihm als Sinnbild für diese Sehnsucht: Zuschauer nähten sich US-Fahnen zusammen, ein Moment kultureller Rebellion noch vor dem Mauerfall.
Freiheitsschock
Ilko-Sascha Kowalczuk · 2024
1989/90 erlitt Ostdeutschland einen «Freiheitsschock», das ist die Grundthese dieses Buches. Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt die Geschichte Ostdeutschlands seit 1990 als Kampf um die Freiheit – ein Kampf, dessen Ausgang richtungsweisend ist für die Zukunft ganz Deutschlands. Er will aufrütteln: zu mehr aktiver Eigenverantwortung, zu einer Abkehr von der eigenen Opferrolle und zu einem Blick auf die Geschichte, bei dem die DDR nicht immer schöner wird, je länger sie her ist.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:51:21 „die habe ich dann im Freiheitsschock gelesen, wie sehr das die Gemeinschaft gebunden war an die Arbeit“
Matze beschreibt eine zentrale Erkenntnis aus dem Buch über den Zusammenhang von Arbeit und Gemeinschaft in Ostdeutschland
Gemeinschaft und Gesellschaft
Ferdinand Tönnies · 2019
Im Rahmen der Tönnies-Gesamtausgabe nimmt der Band 2 eine Sonderstellung ein. Er gehört ausschließlich dem bis auf heute wirkungsreichen Hauptwerk "Gemeinschaft und Gesellschaft", zuerst erschienen 1887. Mit dieser Schrift begründet Ferdinand Tönnies die Soziologie erstmals als eigenständige deutsche Wissenschaft.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 00:54:51 „Wir haben seit über 100 Jahren oder 120 Jahren eine berühmte Unterscheidung von eines berühmten Soziologen, Ferdinand Tönnies, der den Unterschied klar machte zwischen einer Gesellschaft und einer Gemeinschaft und im Prinzip kann man das auf den Punkt bringen. Eine Gesellschaft besteht aus vielen Gemeinschaften und diese Gemeinschaften müssen miteinander verhandeln und Kompromisse suchen.“
Kowalczuk korrigiert Matze Hielschers Verwendung des Begriffs 'Gemeinschaft' und verweist auf die klassische soziologische Unterscheidung von Ferdinand Tönnies. Er nutzt diese Theorie, um ein politisches Grundproblem zu erklären: In der DDR wurden Staat und Gesellschaft in eins gedacht, was bis heute nachwirkt.
DDR gedenkt ihrer mit Nachsicht
Günther Benser · 1986
100 Autoren der DDR - Ein Foto-Lese-Buch
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 01:12:54 „Und der hat eine Autobiografie geschrieben. Die erschien im Jahr 2000. Und die heißt ... DDR gedenkt ihrer mit Nachsicht. Also schon dieser nekrophile Titel, der hat es mir natürlich sofort angetan.“
Kowalczuk nutzt Bensers Autobiografie als konkretes Beispiel für die verklärte Erinnerung an DDR-Gemeinschaft. Benser, ein SED-Geschichtspropagandist, beschreibt darin seine Hausgemeinschaft am ehemaligen Leninplatz und macht den Westen dafür verantwortlich, dass die Nachbarn sich nach der Wende nicht mehr grüßten – obwohl sich an der Bewohnerschaft nichts geändert hatte. Kowalczuk liest das als typisches Muster: Verantwortung für eigenes Verhalten wird nach außen delegiert.
Ungleich vereint – Warum der Osten anders bleibt
Steffen Mau · 2024
Eine soziologische Analyse, die untersucht, warum Deutschland 34 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell unterschiedlich geblieben ist. Das Buch ergründet die bleibenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Identität, Transformationserfahrungen und politischer Entwicklung.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:30:06 „Du hast ein Buch geschrieben, das ist ein Bestseller gewesen, ausverkauft gewesen, man hat es gar nicht mehr gekriegt davor. Wir drehen uns immer und immer wieder darum, ungleich vereint, kann man auch mit dazu nehmen von Steffen Mau.“
Matze Hielscher nennt Steffen Maus 'Ungleich vereint' als weiteres zentrales Buch der aktuellen Ost-Debatte, das sich – neben Kowalczuks Bestseller – mit der Frage beschäftigt, warum der Osten uns nicht loslässt. Er reiht es in die endlose Beschäftigung mit dem Thema ein.
Die Übernahme
Ilko-Sascha Kowalczuk · 2024
„Eine erstklassige Mischung aus Anekdoten, Analysen und Alkohol. Und die große Frage, ob wir so leben wollen, wie wir leben sollen. Hört auf diese Frauen!“ Katja Oskamp Drei Freundinnen, ein Küchentisch, vor den Fenstern die Nacht: Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann reden. Über sich als „Ostfrauen“, was auch immer diese Schublade bedeutet, über das Glück krummer Lebensläufe, über die Gegenwart mit ihrer sich ständig reindrängelnden Vergangenheit.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 01:33:12 „Wir haben ja beide vor fünf Jahren schon mal parallel ein Buch zusammen rausgebracht. Ich die Übernahme, er Lütten Klein. Und beides Male waren das glaube ich Bücher, die die Debatte woanders hin geführt haben.“
Kowalczuk vergleicht die Parallelpublikation seines früheren Buchs 'Die Übernahme' mit Maus 'Lütten Klein'. Beide hätten die Einheitsdebatte von fiskalischen Fragen hin zu kulturellen und sozialen Folgen verschoben – er als Historiker, Mau als Soziologe, beide zugleich Zeitzeugen mit unterschiedlichem biografischem Blick.
Lütten Klein
Steffen Mau · 2019
30 Jahre nach 1989 zieht Mau mit dem ebenso scharfen wie empathischen Blick eines Lütten Kleiner Soziologen Bilanz. Er spricht mit Weggezogenen und Dagebliebenen, er schaut zurück auf das Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Wie veränderte sich die Sozialstruktur, wie die Mentalitäten? Was sind die Ursachen für Unzufriedenheit und politische Entfremdung in den neuen Ländern? Wie wurde aus der Stadt, in der er gemeinsam mit Kindern aller Schichten seine Jugend verbrachte, ein Ort soziale...
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 01:33:12 „Wir haben ja beide vor fünf Jahren schon mal parallel ein Buch zusammen rausgebracht. Ich die Übernahme, er Lütten Klein. Und beides Male waren das glaube ich Bücher, die die Debatte woanders hin geführt haben.“
Steffen Maus 'Lütten Klein' wird als Parallelwerk zu Kowalczuks 'Die Übernahme' genannt. Beide Bücher hätten vor fünf bis sechs Jahren die Debatte über die Deutsche Einheit auf eine neue Ebene gehoben: weg von fiskalischen Fragen, hin zu kulturellen und sozialen Folgen der Wiedervereinigung.
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
Dirk Oschmann · 2023
»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.« Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und d...
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 01:34:22 „Und jetzt haben wir eben auch, glaube ich, beide auf eine Diskussion, auf eine Debatte reagiert, die man mit dem Namen Dirk Oschmann sozusagen in Verbindung bringen müsste. Und Oschmann ist ja jemand, der hat sich auf diese Bücher von Mau und mir, Übernahme und Lütten Klein, im Prinzip konzentriert, hat daraus ein Destillat gemacht und hat das enorm zugespitzt.“
Kowalczuk beschreibt Oschmanns Buch als radikale Zuspitzung der Thesen aus seinen und Maus früheren Werken. Der Titel wird nicht explizit genannt, aber Oschmanns Bestseller wird als erstes Buch beschrieben, das zu 80 Prozent im Osten verkauft wurde. Kowalczuk kritisiert, dass Oschmanns radikaler Ton die Ostdeutschen in ihrer Selbststilisierung als Opfer bestärke und sie in einer passiven Objektrolle belasse.
Autobiografie(n) von Flake
Flake (Christian Lorenz) · 1960
Flake dokumentiert in seinen Autobiografien seine Erfahrungen und Sichtweisen auf Ereignisse und Personen, die im Podcast diskutiert werden. Der Kontext deutet darauf hin, dass die Autobiografien eine nostalgische Perspektive auf die DDR enthalten, die Kowalczuk kritisch hinterfragt. Das Werk ist relevant, weil es zeigt, wie persönliche Erinnerungen und historische Bewertungen auseinandergehen können.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:37:37 „Ich habe auch seine Autobiografien mit einem gewissen Amüsement gelesen“
Kowalczuk erwähnt, dass er Flakes Autobiografien gelesen hat, kritisiert aber dessen DDR-Nostalgie scharf
Feeling B
Feeling B
Feeling B war eine DDR-Punk-Band, die 1983 in Ost-Berlin unter dem Namen Feeling Berlin von Aljoscha Rompe gemeinsam mit Alexander Kriening und Paul Landers gegründet wurde. Sie zählte in der DDR zu den sogenannten anderen Bands und war die erste Amateurmusikgruppe, die noch unter dem DDR-Regime die Erlaubnis bekam, im staatseigenen Label Amiga eine Punkmusikplatte aufzunehmen. Mehrere Musiker gehören seit der Auflösung Feeling Bs Anfang 1994 der Band Rammstein an.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:40:09 „Dann kann ich natürlich nicht über Flake reden, dessen Quatsche ich total verachte. Ich weiß, also da können wir auch zukommen. Nee, müssen wir nicht. Ich war früher Feeling B-Fan und alles andere müssen wir nicht drüber reden.“
Kowalczuk erwähnt die DDR-Punkband Feeling B, in der Flake vor Rammstein spielte, als biografisches Detail – er war früher Fan. Die Erwähnung dient als Kontrast zu seiner heutigen Verachtung für Flakes DDR-nostalgische Haltung.
Autobiografien von Flake
Flake (Christian Lorenz) · 1960
Autobiografien des Rammstein-Keyboarders über sein Leben als Ostdeutscher, seine Zeit bei Feeling B und seine Karriere mit der Band. Persönliche Memoiren einer Künstlerpersönlichkeit, die sich mit ihrer Vergangenheit und Identität auseinandersetzt.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:40:22 „Ich war früher Feeling B-Fan und alles andere müssen wir nicht drüber reden. Ich habe auch seine Autobiografien mit einem gewissen Amüsement gelesen, aber ansonsten vergeht mir da ganz schnell das Lachen.“
Am Ende des Abschnitts kommt das Gespräch auf Flake (Rammstein-Keyboarder), den Matze als jemanden nennt, der ebenfalls vom Osten nicht loskommt. Kowalczuk erwähnt, Flakes Autobiografien amüsiert gelesen zu haben, distanziert sich aber deutlich von dessen öffentlichen Äußerungen zum Thema Ost-Identität, die er als 'Klaunerie' bezeichnet.
Gittersee
Charlotte Gneuß · 2023
Gittersee ist ein Roman von Charlotte Gneuss, der sich mit der DDR und deren Geschichte auseinandersetzt. Das Buch wurde kontrovers diskutiert, weil die Autorin aus Westdeutschland stammt und dennoch über den Osten schreibt – eine Kritik, die durch Gneuss' ostdeutsche Familienverbindungen widerlegt wird. Der Roman dient als Beispiel dafür, dass auch Westdeutsche authentisch über die DDR-Erfahrung erzählen können.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 01:44:54 „Nehmen wir das berühmte Beispiel der wunderbaren Schriftstellerin Charlotte Noyce, die diesen Roman Gittersee geschrieben hat, wo dann einige der Meinung waren, sie dürfe das als Westtante gar nicht, als junge Westfrau. Eine absurderliche, absurde Debatte. Ganz toller Roman, man muss den nicht toll finden, aber ich finde den toll.“
Kowalczuk verteidigt den DDR-Roman als Beispiel dafür, dass auch Westdeutsche über den Osten schreiben dürfen. Er nutzt das Buch, um zu zeigen, dass hinter vielen vermeintlich westdeutschen DDR-Erzählungen doch Ost-Familienbiografien stecken – auch bei Gneuß gebe es eine solche Ostprägung in der Familie.
Landser-Hefte
· 2013
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🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:48:17 „Wir kennen das auch aus diesen Lanzer-Häftchen von der Wehrmacht, die haben fürchterliche Dinge erzählt, kamen eigentlich sprachlos zurück aus dem Krieg und der Gefangenschaft. Und wenn sie was erzählt haben, waren es irgendwelche Anekdoten und Geschichten über Kameradschaft und so.“
Kowalczuk zieht die Landser-Hefte als historische Parallele zur DDR-Nostalgie heran. So wie Kriegsheimkehrer ihre traumatischen Erfahrungen in harmlose Kameradschaftsanekdoten umformten, würden auch ehemalige DDR-Bürger ihre Diktaturerfahrung in nostalgische Erzählungen verwandeln – ein universeller Mechanismus der Erinnerungskonstruktion.
Ulbricht-Biografie
Ilko-Sascha Kowalczuk · 2023
Walter Ulbricht war einer der einflussreichsten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts. Ilko-Sascha Kowalczuks umfassende wissenschaftliche Biographie schöpft aus langjährigen Quellenrecherchen in Dutzenden Archiven im In- und Ausland. Sein monumentales Werk ist mehr als eine einfache Biographie. Es ist auch eine Geschichte des Kommunismus und des zerrissenen 20. Jahrhunderts.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 02:02:12 „Ich weiß auch nicht so genau, warum das irgendwie keinen interessiert in meiner zwei Bennion-Ulrich-Biografie, die ja auch gerade erst letztes Jahr erschienen ist. Da habe ich einen langen Abschnitt darüber, wo ich mich mit diesen Fortwirkungen der Diktaturgeschichte des Nationalsozialismus auseinandersetze und mit ganz vielen solchen demoskopischen Zahlen komme, die erschreckend sind.“
Kowalczuk verweist auf seine zweibändige Ulbricht-Biografie (im Transkript verzerrt als 'Bennion-Ulrich'), die erst kürzlich erschienen sei. Er hebt einen Abschnitt hervor, in dem er mit demoskopischen Zahlen die Fortwirkungen der NS-Diktatur bis in die Gegenwart belegt – Zahlen, die erschreckend seien, aber kaum beachtet würden.
Walter Ulbricht: Der deutsche Kommunist
Ilko-Sascha Kowalczuk · 2023
Walter Ulbricht war einer der einflussreichsten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts. Ilko-Sascha Kowalczuks umfassende wissenschaftliche Biographie schöpft aus langjährigen Quellenrecherchen in Dutzenden Archiven im In- und Ausland. Sein monumentales Werk ist mehr als eine einfache Biographie. Es ist auch eine Geschichte des Kommunismus und des zerrissenen 20. Jahrhunderts.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 02:09:32 „In meiner Zwei-Benjen-Ulrich-Biografie, die ja auch gerade erst letztes Jahr erschienen ist, da habe ich einen langen Abschnitt darüber“
Kowalczuk verweist auf seine eigene Ulbricht-Biografie, in der er sich mit den Fortwirkungen des Nationalsozialismus und demoskopischen Zahlen auseinandersetzt
Autobiografie (dritter Band)
Egon Krenz · 2000
Der dritte Band der Autobiografie des ehemaligen DDR-Generalsekretärs. Die Memoiren dokumentieren seine Perspektive auf die SED-Herrschaft und das Ende der Diktatur.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 02:23:13 „Und da bin ich natürlich einigermaßen sprachlos und der schreibt den dritten Band seiner Autobiografie und das wird der dritte Bestseller-Band. Also das ist ja nicht so, dass da nur 200 oder 300 Verrückte sitzen, sondern das verkauft sich tausend, zehntausendfach.“
Kowalczuk kritisiert, dass der ehemalige SED-Generalsekretär Egon Krenz, der 1989 den chinesischen Massenmördern zugejubelt habe, nun mit dem dritten Band seiner Autobiografie erneut einen Bestseller landet. Für Kowalczuk ist das ein Beleg dafür, wie die Verharmlosung der DDR-Diktatur sich in der Gesellschaft fortsetzt und tausendfach konsumiert wird.
Gesprächsband mit Bodo Ramelow
Ilko-Sascha Kowalczuk
Gesprächsband zwischen dem Autor Ilko-Sascha Kowalczuk und dem Linkspartei-Politiker Bodo Ramelow. Kowalczuk betont, dass er politisch mit der Linkspartei üblicherweise nicht einverstanden ist, sieht aber in diesem Dialogformat eine Chance, auch mit ideologisch Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen. Das Projekt zeigt sein Verständnis von Demokratie, die den offenen Dialog mit verschiedenen politischen Positionen erfordert.
🗣 Ilko-Sascha Kowalczuk referenziert bei ⏱ 02:46:28 „Mitte August erscheint das nächste Buch von mir und das ist ein Gesprächsband mit einem, der aus einer Partei kommt, die normalerweise bei mir alles andere als gut wegkommt, nämlich jemand aus der Linkspartei, ein Gesprächsband mit Bodo Ramelow.“
Am Ende des Gesprächs kündigt Kowalczuk sein nächstes Buchprojekt an: einen Gesprächsband mit dem Linkspartei-Politiker Bodo Ramelow. Er betont, dass dies überraschen mag, da er die Linkspartei sonst scharf kritisiert, aber genau das sei sein Verständnis von Demokratie und Freiheit – den Dialog auch mit politisch Andersdenkenden zu suchen.