Episoden
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Ausgabe Zweiundsechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Ausgehend von den Protesten im Iran diskutieren die beiden, wie digitale Technologien Diktaturen stärker gemacht haben als ihre Gegner. Ein Beispiel aus dem Buch von Adrian Geiges und Stephan Aust über Chinas Überwachungsstaat zeigt, wie Behörden einen Mann mit ausgeschaltetem Handy in der U-Bahn über den Nachbarn kontaktieren konnten — der feuchte Traum von Diktatoren, so Lanz. Richard David Precht erinnert daran, wie naiv der Westen das Internet als Freiheitstechnik gefeiert hat, während das Machtpotenzial auf der Gegenseite viel stärker wuchs.
Marina Weisband, was stört Sie am Kapitalismus
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Marina Weisband erzählt ihre Geschichte als deutsch-ukrainische Politikerin, Publizistin und Psychologin — von den ersten Schritten ins Internet (erstes Suchwort Katzen, zweites Sex) über ihre Zeit bei einer mega coolen jungen Bewegung bis zu Fragen nach dem, was Demokratie eigentlich leisten kann. Dabei berührt sie auch die biografische Spannung zwischen der Hoffnung auf ein wiederbelebtes jüdisches Leben in Deutschland und dem, was tatsächlich einwanderte: Russen, zu denen ihre Familie gehört.
Die Himmelfahrt des Propheten Elija
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode erzählt die dramatische Himmelfahrt des Propheten Elija: König Ahasja stürzt durch ein Gitter in seinem Palast, schickt Boten zum Baalsgott statt zu Jahwe — und Elija verkündet ihm dafür den Tod. Am Jordan teilt Elija mit seinem Mantel das Wasser, bevor er in einem feurigen Wagen gen Himmel fährt und seinen Geist an Elisa weitergibt. Die Schwestern verfolgen das Sonnenwagen-Motiv quer durch die Kulturen — von Helios über hinduistische Mythologie bis zu einem Fresko im Libanon — und schlagen überraschend den Bogen zu Karl Ove Knausgård und Greta Thunberg: alle drei Texte kreisen um die Frage, wie Ewigkeit und radikale Gegenwart zusammenfallen.
Ausgabe Einundsechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Eine Virus-Attacke auf die Stimmbänder zwingt Lanz zum ungewohnten Schweigen — und liefert den perfekten Einstieg für eine philosophische Runde über die Frage aller Fragen: Warum ausgerechnet ich? Vom HNO-Arzt über Epikur bis zu Ricky Gervais arbeiten sich die beiden an der menschlichen Angst vor dem Tod ab, wobei die besten Pointen von den Toten selbst stammen: Marcel Duchamp fand, es sterben immer nur die anderen, und Otto Reutter reimte schon in den Zwanzigern, dass man den Tod schlicht verpasst.
Ich habe eine skeptische Staatsfreundschaft
Roman Pletter & Gäste
Christian Lindner kommt direkt von der Ministerpräsidentenkonferenz auf die Bühne der Villa Elisabeth — und wirkt dabei auffällig entspannt, fast vergnügt, obwohl Deutschland gerade mitten in Energiekrise, drohender Deindustrialisierung und sozialem Stress steckt. Mariam Lau, die Lindner seit Jahren kennt, wundert sich offen über diesen Kontrast. Lindner erklärt seine Haltung: Die Krise dürfe nicht zur Gefangenschaft werden, sondern müsse als Katalysator für längst überfällige Veränderungen genutzt werden.
Der Mann auf dem Dach
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Am 11. Januar 2006 wird die 13-jährige Stefanie auf dem kurzen Schulweg zum Hans-Erlwein-Gymnasium in Dresden von einem Mann gepackt, gefesselt und in seine Zweiraumwohnung nur wenige Straßen weiter verschleppt — sie hatte den Fremden am Auto noch bemerkt und kurz überlegt, die Straßenseite zu wechseln. Als um halb elf die Schule bei den Eltern anruft und fragt, wo ihre Tochter sei, beginnt ein Albtraum: Eine gigantische Suchaktion mit Medienöffentlichkeit läuft an, doch das Mädchen bleibt verschwunden.
Selbst trans ist zu binär
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Diese Folge dreht sich um Kim de l'Horizons preisgekrönten Roman «Blutbuch», der gerade den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Schon bei der Anmoderation wird das zentrale Thema spürbar: Wie spricht man über eine non-binäre Person, wenn die gewohnten Pronomen nicht mehr greifen — und der französische Name auch noch Zungenbrecher-Potenzial hat?
Marius Müller-Westernhagen, warum ist Freiheit eine Illusion
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Marius Müller-Westernhagen erzählt vom Preis des Ruhms — wie ihm Fans ihre Kinder auf die Bühne reichten wie einem Diktator — und verteidigt zugleich seine Position zur Impfpflicht. Er spricht über sein Vor-Konzert-Ritual, in dem er eine Stunde vor Auftritt absolute Ruhe braucht, und plädiert für die Legalisierung von Drogen, weil der Schwarzmarkt politische Macht finanziere. Ausserdem verrät er, dass er einmal als Schindler gecastet werden sollte, sich aber nicht getraut habe hinzufliegen.
König Ahab verfällt dem Lügengeist
Sabine Rückert & Johanna Haberer
König Ahab steht unter Belagerung: Ben-Hadad von Aram rückt mit 32 verbündeten Königen vor Samaria und fordert erst Tribut, dann die totale Plünderung. Ahab, der überraschend demokratisch agiert, befragt sein Volk — und das sagt: bis hierhin und nicht weiter. Eine biblische Eskalationsspirale, in der aus Unterwerfung plötzlich Widerstand wird.
Ausgabe Sechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Wenige Wochen vor der Fußball-WM in Katar stellt sich die Frage, ob man angesichts von Krieg in der Ukraine, Energiekrise und einem autokratischen Gastgeberland überhaupt mitfiebern kann. Richard David Precht zieht eine Parallele zu 1991, als Köln aus Betroffenheit über den Zweiten Golfkrieg den Karneval ausfallen ließ — obwohl die heutige Weltlage ungleich dramatischer sei.