Episoden
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Vom Durchschnittsbürger zum Kindermörder
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge stellen die Hosts das neue Verbrechensmagazin vor, das sich den Angehörigen von Tätern und Opfern widmet — jenen, die zurückbleiben. Besonders eindrücklich: eine Reportage von Eva Sudholt, in der eine Enkelin ihre Großmutter mit deren Mitschuld an der Kriminalität und psychischen Erkrankung des Vaters konfrontiert — ein transgenerationales Trauma, das sich über Generationen weitervererbt. Außerdem empfohlen: Georg Seßlens Essay über Horror-Ikonen des Kinos, Daniel Müllers Interview mit Vielschreiber John Grisham und Eva Sudholts Recherche über den Millionärssohn und Serienmörder Peter Hössl.
Dysfunktionale superreiche Trottel
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Diese Folge widmet sich der Serie «Succession» und der Faszination für dysfunktionale Superreiche: Warum fesselt uns der Medien-Mogul Logan Roy mit seinen wohlstandsverwahrlosten Kindern so sehr? Zuvor nimmt der Gegenwartscheck eine kuriose Entwicklung aufs Korn: Die grüne Meldeheldin, die Cafés ohne Pfandbecher-System denunziert — der Falschparker-Aufschreiber von links.
Ausgabe Vierundachtzig
Markus Lanz & Richard David Precht
In dieser Folge berichtet Lanz von seiner Reise nach Moldau, dem ärmsten Land Europas, wo er gemeinsam mit Autorin Silke Gondolf für einen Film unterwegs war. Besonders fasziniert ihn die autonome Provinz Gagausien — von deren Existenz beide Hosts vorher kaum wussten — und die Ankunft in Chisinau, wo der Pilot ohne Erklärung durchstartet und die Landschaft wie eine Zeitreise in vergangene Jahrzehnte wirkt.
Armin Wolf, verstehen Sie Österreich
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Armin Wolf, Österreichs bekanntester Fernsehjournalist, spricht über seine ZIB2-Interviews mit mächtigen Politikern wie Sebastian Kurz und darüber, dass Lügen heute vielen Politikern nicht mehr peinlich sind. Deutsche Politiker muss er nach eigener Aussage deutlich seltener unterbrechen als österreichische. Er prognostiziert, dass ChatGPT bald große Teile journalistischer Routinearbeit übernehmen wird — Kurzmeldungsblöcke etwa in zwei Jahren, Informantentreffen in Garagen aber nicht.
Ein Prophet wird vom Walfisch verschluckt
Sabine Rückert & Johanna Haberer
In der Osterfolge geht es um den Propheten Jona, der von Gott nach Ninive geschickt wird — die assyrische Hauptstadt, die als Inbegriff von Verderbnis gilt und deren Schlechtigkeit wie ein Gestank zum Himmel aufsteigt. Das Buch Jona wird dabei als bewusst verfasste Novelle mit Lehrauftrag eingeordnet, die im 4. oder 3. Jahrhundert vor Christus entstand und an eine knappe Erwähnung in den Königsbüchern anknüpft.
Ausgabe Dreiundachtzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Was an Ostern beginnt als lyrische Schwärmerei über Frühlingsluft und Vollmondnächte, mündet schnell in die großen Fragen: Gibt es ein Leben nach dem Tod — und wäre das überhaupt erstrebenswert? Zwischen einer Mondmetapher von Arno Schmidt und einem Woody-Allen-Witz über 100-Dollar-Scheine im Jenseits entwickelt sich ein Gespräch über die paradoxe Schönheit des Lebens, die nur durch den Kontrast von Freude und Leiden entstehen kann.
Eine betrogene Frau
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Die Folge beginnt mit einer Richtigstellung: Das umstrittene bayerische Unterbringungsgesetz wurde nicht am Heiligabend 2001 durchgewunken, sondern bereits am 12. Dezember vom Landtag beschlossen — der 24. Dezember war lediglich das Datum, an dem Ministerpräsident Stoiber das später vom Bundesverfassungsgericht kassierte Gesetz unterzeichnete. Anschließend stellt Moritz Eislinger eine Geschichte aus der Serie *Sternstunden der Menschheit* vor, die als 14-teilige Reihe in der ZEIT erschien und im September als Buch im Beck Verlag herauskommen wird.
Wie können wir unsere Köpfe dekolonisieren
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Ausgangspunkt ist Lars Kraumes Kinofilm »Der vermessene Mensch« über den deutschen Kolonialismus — von hier aus nehmen sich Ijoma Mangold und Nina Pauer das große Paradigma der Dekolonisation vor, das die Zehnerjahre auf allen Ebenen geprägt hat, von Schulgeschichtsbüchern bis zur Bespielung europäischer Museen. Im Gegenwartscheck geht es um ein neues politisches Schimpfwort: die »fossilen Zyniker«, das Luisa Neubauer nach der krachenden Niederlage des Berliner Klima-Volksbegehrens in einem bemerkenswerten Selfie-Video prägte.
Ausgabe Zweiundachtzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Anlässlich des 60. ZDF-Jubiläums tauchen die beiden in ihre Kindheitserinnerungen an das Fernsehen der 1960er ein. Richard David Precht erzählt, wie seine linken Eltern den Fernseher als Verdummungsmedium verbannten und amerikanische Kinderserien wegen des Vietnamkriegs tabu waren — geschaut wurde heimlich bei den Nachbarn, wo der Fernseher noch feierlich aufgeschlossen wurde wie eine Kinoleinwand.
Von Dämonen und Schutzengeln
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode widmet sich dem Buch Tobit, einer Exilsgeschichte aus den Apokryphen, die weder im jüdischen Tanach noch ursprünglich in der evangelischen Bibel stand — aber 1947 in den Qumran-Rollen am Toten Meer in mehreren hebräischen und aramäischen Varianten wiederentdeckt wurde. Nach dem Untergang der beiden Königreiche und dem Propheten Jesaja rücken nun die Erzählungen verschleppter Juden in Nineveh und Babylon in den Fokus: Geschichten, die weniger historische Genauigkeit beanspruchen als vielmehr die Frage stellen, wie sich Menschen in einer Gesellschaft behaupten, in die sie hineingezwungen wurden.