Episoden von ZEIT Verbrechen
377 Episoden · Seite 15 von 38
XY wie ein großes Rätsel
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Anhand eines Mafiaboss-Szenarios erklärt Anne Kunze den feinen, aber juristisch entscheidenden Unterschied zwischen zwei Irrtümern im Strafrecht: dem Error in persona, bei dem der Täter die falsche Person erschießt, und der Aberratio ictus, bei dem die Kugel fehlgeht und zufällig jemand anderen trifft. Nur im ersten Fall liegt vollendeter Mord vor — obwohl beide Täter am Ende dieselbe Strafe bekommen können, wie der berühmte Rose-Rosal-Fall von 1859 zeigt.
W wie Wiederaufnahme
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens wird die Wiederaufnahme erklärt — ein letzter Rettungsanker für rechtskräftig Verurteilte, wenn neue Beweismittel auftauchen, etwa ein Überwachungsvideo oder ein bisher unerreichbarer Zeuge. Am Beispiel spektakulärer Fälle wie dem Hausmeister Genditzki, der eine Seniorin ertränkt haben soll, oder dem Bauern Rupp, der angeblich von seiner Familie zerstückelt wurde, zeigt sich: Erfolgreiche Wiederaufnahmen sind so selten, dass sie regelmäßig bundesweite Schlagzeilen machen.
V wie Vollstreckung
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens dreht sich alles um die Vollstreckung von Strafen — von der Bewährung bis zur vorzeitigen Entlassung. Am Beispiel von Uli Hoeneß, der nach nur 21 Monaten aus dreieinhalb Jahren Haft entlassen wurde, erklärt die Runde, warum das kein Promi-Bonus sein muss: Schon nach der Hälfte der Strafe ist unter bestimmten Umständen Schluss. Dass die Rückkehr in die Freiheit nach langer Haft aber auch zur Last werden kann, bleibt dabei nicht unerwähnt.
Wie ein einziger Bankraub die deutsche Polizei veränderte
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Am 4. August 1971 überfiel der damals 24-jährige Dimitri Todorov zusammen mit einem Komplizen eine Deutsche-Bank-Filiale in der Münchner Prinzregentenstraße — der erste Bankraub mit Geiselnahme in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Polizei hatte keinerlei Protokolle für eine solche Situation, und Todorov setzte genau darauf: In Toulouse hatte er kurz zuvor beobachtet, wie Geiselnehmer einfach ziehen gelassen wurden. Eva Sudhold, Redakteurin des Zeitverbrechen Magazins, hat den heute alten Mann in München-Giesing getroffen und zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Selbstüberschätzung eine Spur der Verwüstung hinterließ.
Ü wie Übergriff
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In der 27. Folge des ABC des Strafens werden die zentralen Begriffe des Sexualstrafrechts aufgeschlüsselt: vom sexuellen Übergriff über die Nötigung bis zur Vergewaltigung, die sich durch das Eindringen in den Körper von den anderen Tatbeständen abgrenzt. Besonders erhellend ist die Erklärung des Missbrauchs — entgegen dem Wortlaut geht es nicht um den Missbrauch der Person selbst, sondern um den Missbrauch einer Machtbeziehung, weshalb die Zustimmung des Opfers rechtlich irrelevant ist.
Ö wie Öffentlichkeit
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens geht es um den Buchstaben Ö wie Öffentlichkeit: Warum Strafprozesse grundsätzlich öffentlich stattfinden, welche demokratische Kontrollfunktion dahintersteckt und wann Gerichte die Öffentlichkeit ausschließen können. Am Beispiel eines Sexualstrafverfahrens, in dem das Gericht trotz Anträgen beider Seiten die Öffentlichkeit nicht ausschloss, wird deutlich, wie unterschiedlich Richter den Grundsatz in der Praxis handhaben.
Ä wie Änderungen
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In der 25. Folge des ABC des Verbrechens geht es um wegweisende Änderungen im Strafrecht: von der lange überfälligen Kriminalisierung der Vergewaltigung in der Ehe über das Nein-heißt-Nein-Prinzip von 2016 bis zum gesetzgeberischen Malheur bei der Kinderpornografie-Mindeststrafe. Am Beispiel einer Lehrerin, die Nacktfotos einer Schülerin für einen Elternabend sicherte und sich damit nach der Verschärfung von 2021 zwingend strafbar machte, wird greifbar, wie gut gemeinte Gesetzesverschärfungen absurde Ergebnisse produzieren können.
U wie Untersuchungshaft
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens erklärt das Team die drei Voraussetzungen für Untersuchungshaft: dringender Tatverdacht, ein Haftgrund wie Flucht- oder Verdunklungsgefahr und die Verhältnismäßigkeit. Besonders brisant: Obwohl die Rechtsprechung es verbietet, stützen Gerichte die Fluchtgefahr in der Praxis oft allein auf die zu erwartende Strafhöhe — nach dem Motto, wer sieben Jahre Haft erwartet, haut sowieso ab. Studien widerlegen diesen Zusammenhang jedoch deutlich.
Sch wie Schuld
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens erklärt Daniel Müller, warum Schuld weit mehr ist als persönliche Vorwerfbarkeit: Die Neurowissenschaften stellen die Willensfreiheit grundsätzlich infrage — wenn das Gehirn Entscheidungen trifft, bevor wir sie bewusst fällen, wackelt das Fundament des gesamten Strafrechts. Die Lösung liegt in einem sozialen Schuldbegriff, der zwischen Schuldfähigen und Schuldunfähigen unterscheidet — etwa Schizophrenen im akuten Wahn oder Menschen mit extremer Alkoholisierung, deren Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit aufgehoben ist.
S wie Strafe
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des Bildungsmonats dreht sich alles um die Strafe — vom biblischen Auge um Auge bis zum modernen Strafvollzug. Anne Kunze und ihr Co-Host spüren nach, wie der Zeitgeist bestimmt, was eine Gesellschaft bestraft: Homosexualität stand in Deutschland bis 1994 unter Strafe, die Todesstrafe existiert in den USA weiterhin. Besonders plastisch wird der Wandel beim Blick auf die öffentlichen Strafen der frühen Neuzeit und die heute von der Gesellschaft komplett abgeschotteten Gefängnisse, die selbst die Richter kaum von innen kennen.