Warum Mediziner so oft Morde übersehen
Sabine Rückert, Andreas Sentker
Wenn ein Mensch stirbt, muss in Deutschland ein Arzt zur Leichenschau — doch Gerichtsmediziner sprechen lieber von 'Leichenscheu': Immer wieder landen Tote mit Messerstichen oder Vergiftungsspuren auf dem Obduktionstisch, während im Totenschein 'natürlicher Tod' steht. Sabine Rückert nimmt als Aufhänger einen westfälischen Bauernhof, auf dem ein junger Mann seinen Vater wegen Körperverletzung anzeigte — und nebenbei erwähnte, dass dort zwei Jahre zuvor ein Freund tot auf dem Eis gefunden worden war.
„Das nicht entdeckte Tötungsdelikt ist eines meiner Lieblingsthemen, weil es so viele verschiedene Facetten hat und weil man eben so wahnsinnige Geschichten erzählen kann, wenn es dann doch wirklich ans Licht kommt.“
Erwähnte Medien (5)
Studie der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin zu nicht entdeckten Tötungsdelikten
Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin
Rechtsmedizinische Studie der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, die untersucht, wie viele Tötungsdelikte nicht entdeckt werden, da sie fälschlicherweise als natürliche Todesfälle klassifiziert sind. Die Analyse ergab, dass schätzungsweise etwa die Hälfte aller Tötungsdelikte unentdeckt bleibt.
🗣 Sabine Rückert referenziert „Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin ging davon aus, und die Rechtsmediziner tun es bis heute, gehen davon aus, dass eine große Zahl von Tötungsdelikten nicht entdeckt wird. Ob es jetzt, so wie die Rechtsmediziner glauben, jedes zweite Tötungsdelikt ist. Das war auch das Ergebnis ihrer Studie, die sie damals vorgestellt haben.“
Rückert berichtet von einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, auf der eine Studie vorgestellt wurde. Diese Untersuchung analysierte, wie viele als natürlich verstorben eingestufte Leichen in der Rechtsmedizin tatsächlich Opfer von Tötungsdelikten waren – mit dem Ergebnis, dass schätzungsweise jedes zweite Tötungsdelikt unentdeckt bleibt.
ZEIT Verbrechen (Magazin)
Sabine Rückert
Der Artikel porträtiert Sabine Rückert, die als erfolgreiche Podcasterin bekannt wurde und das Magazin ZEIT Verbrechen herausgibt. Dieses beschäftigt sich mit spektakulären Kriminalfällen und den Erkenntnissen, die sie über den Menschen und das Rechtssystem vermitteln. Im Interview mit ihrem Chef bei der ZEIT erklärt Rückert, warum sie sich am Ende ihrer Karriere langsam zurückziehen möchte.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:00:56 „Und jetzt gibt sie ein Magazin heraus, das heißt Zeitverbrechen und das ist auch der Anlass, warum wir uns überlegt haben, wir sprechen über spektakuläre Fälle und über das, was wir aus diesen Fällen über den Menschen und über unser Rechtssystem lernen können.“
Andreas Sentker stellt zu Beginn der Episode das Magazin ZEIT Verbrechen vor, das von Sabine Rückert herausgegeben wird und den Anlass für den Podcast bildet. Es handelt sich um eine kontextuelle Erwähnung des Print-Magazins als Rahmen für das Gespräch.
Kalte Chirurgie
Wolfgang Spann
Das Buch des früheren Chefs der Münchner Rechtsmedizin dokumentiert spektakuläre Obduktionsfälle, darunter auch von prominenten Personen. Es verbindet authentische Fallgeschichten mit autobiografischen Reflexionen aus einer langen Karriere in der Rechtsmedizin.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:08:36 „Wolfgang Spann war der Chef der Münchner Rechtsmedizin, hat ein Buch geschrieben mit dem schönen Titel Kalte Chirurgie, das ich auch gelesen habe. Er hat viele Prominente obduziert, über die er sich dann auch auslässt in diesem Buch. Also es ist lesenswert, es ist ein Zwischending zwischen seiner Lebensgeschichte und seinen schlimmsten Fällen.“
Sabine Rückert empfiehlt das Buch des Münchner Rechtsmedizin-Chefs Wolfgang Spann, nachdem sie über einen Fall sprach, bei dem eine Leichenschau ein Tötungsdelikt nicht erkannte. Sie beschreibt es als lesenswertes Zwischending zwischen Autobiografie und Fallsammlung.
Dossier über Tötung eines Ehemanns mit einer Spritze
Der Artikel untersucht die Praxis bei Hinrichtungen durch Giftspritzen in den USA und stellt die Frage, ob die verwendeten Spritzen desinfiziert werden. Dies könnte ein Schritt in den Hinrichtungsprozessen sein, der auf den ersten Blick sinnlos erscheint, da die Hinrichtung unmittelbar bevorsteht. Der Artikel diskutiert die ethischen und praktischen Aspekte dieser Maßnahme.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:11:59 „Und wir hatten ja kürzlich ein großes Dossier hier in der Zeit von einer Frau, die ihren uralten Ehemann mit einer Spritze beseitigt hat, wo auch der Leiche eigentlich nichts anzusehen war. Nur hatte der Notarzt so ein komisches Gefühl und dadurch wurde da dieses Tötungsdelikt entdeckt.“
Rückert verweist auf ein kürzlich in der ZEIT erschienenes Dossier über einen Fall, bei dem eine Frau ihren alten Ehemann mit einer Spritze tötete. Der Fall dient als Beispiel dafür, wie ein ungutes Gefühl des Notarztes zur Aufdeckung eines Tötungsdelikts führen kann.
Görlitzer Studie
Die Görlitzer Studie aus DDR-Zeiten untersuchte durch vollständige Obduktion aller Verstorbenen einer Stadt die Genauigkeit von Totenscheinen. Das erschreckende Ergebnis: Bei der Hälfte aller Todesbescheinigungen war die angegebene Todesursache fehlerhaft. Diese historische Untersuchung dokumentiert grundlegende Mängel in der Leichenschau und Qualitätskontrolle des Todesbescheinigungsprozesses. Sie zeigt strukturelle Probleme auf, die bis heute in der deutschen Medizin relevant bleiben.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:24:00 „Es gibt übrigens eine große Görlitzer Studie, die mal gemacht worden ist zu DDR-Zeiten. Da hat man mal in der Stadt Görlitz 100% der Toten obduziert und hat festgestellt, 50% der Totenscheine sind falsch. 50%!“
Im Gespräch über die mangelnde Qualität der Leichenschau in Deutschland erwähnt Rückert eine berühmte Studie aus DDR-Zeiten, bei der in Görlitz alle Toten obduziert wurden. Das erschreckende Ergebnis: Die Hälfte aller Totenscheine enthielt eine falsche Todesursache.