Die sogenannte Gegenwart – Dysfunktionale superreiche Trottel
#063

Dysfunktionale superreiche Trottel

Die sogenannte Gegenwart / 17. April 2023 / 18 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Diese Folge widmet sich der Serie «Succession» und der Faszination für dysfunktionale Superreiche: Warum fesselt uns der Medien-Mogul Logan Roy mit seinen wohlstandsverwahrlosten Kindern so sehr? Zuvor nimmt der Gegenwartscheck eine kuriose Entwicklung aufs Korn: Die grüne Meldeheldin, die Cafés ohne Pfandbecher-System denunziert — der Falschparker-Aufschreiber von links.

„Diese Figur des Falschparker-Aufschreibers, der ja früher der konservative, böse alte Opa war, dass der jetzt zur Meldeheldin wird — da ist irgendwie Gegenwart drin.“
🗣 Lars Weisbrod

Erwähnte Medien (18)

Billions
Serie

Billions

🗣 Lars Weisbrod referenziert „Aber es gibt sicher so Beispiele wie, kann ich jedem ans Herz legen, die Serie Billions, wo es schon im Titel steht, wo es um einen... letztlich zwielichtigen Hedgefonds-Chef geht, der sehr mächtig und reich ist, aber irgendwie auch cool und irgendwie auch ein positives Vorbild.“

Lars Weisbrod empfiehlt Billions als Gegenbeispiel zu Succession und White Lotus: Hier ist der reiche Protagonist zwar zwielichtig, aber auch schlau, energiereich und ein positiver Held — kein geschädigter Trottel, der nach oben gefallen ist.

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Succession
Serie

Succession

Jesse Armstrong

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:20 „Die Serie Succession, wie so viele von Ihnen und Euch da draußen es auch gerade tun, beziehungsweise auf das Finale der Serie über die Superreichen und den, wie sagt man, Medien-Mogul Logan Roy und seine wohlstandsverwahrlosten Kinder. Um die Serie soll es heute gehen, um die Frage, was ist das Gegenwärtige an dieser Serie?“

Succession ist das Hauptthema dieser Podcast-Folge. Nina Pauer und Lars Weisbrod haben die HBO-Serie über den Medien-Mogul Logan Roy und seine Kinder intensiv geschaut und diskutieren ausführlich Ästhetik, Dialoge, Figurenzeichnung und die Faszination an der Darstellung von Superreichtum und toxischen Familienstrukturen. Die Serie wird als lose angelehnt an Rupert Murdoch beschrieben.

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Tocotronic
Musik

Tocotronic

Tocotronic

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:09:18 „Ich verbinde natürlich mit dem Adidas Samba so mich, wie ich mit dem Regionalexpress nach Köln fahre, um da im Secondhand-Shop endlich eine Adidas-Trainingsjacke noch zu finden, weil ich Tokotronic höre.“

Im Gegenwartscheck spricht die Runde über die Rückkehr des Adidas Samba als Modeschuh. Der Sprecher erinnert sich an seine Jugend, als er den Schuh trug und die Indie-Band Tocotronic hörte – als Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls der späten 90er/frühen 2000er.

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Game of Thrones
Serie

Game of Thrones

David Benioff, D. B. Weiss / George R. R. Martin

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:15:18 „Letztlich wird es mit allem gerade verglichen. Ich habe eben nochmal gegoogelt, da stand dann so... Das King Lear, Shakespeare, es wird mit Game of Thrones, beste Serie seit Game of Thrones, es wird mit allem Superlativen verglichen.“

Game of Thrones wird als Vergleichsmaßstab für Succession herangezogen. Nina Pauer berichtet, dass Succession vielfach als beste Serie seit Game of Thrones bezeichnet wird, um das Ausmaß des kulturellen Phänomens zu verdeutlichen.

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Kevin – Allein zu Haus
Film

Kevin – Allein zu Haus

Chris Columbus

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:25:27 „Der interessanterweise gespielt ist, wenn man sich an Kevin allein zu Hause erinnert, man denkt so, hä, ist das der Typ aus Kevin allein zu Hause? Nein, es ist sein Bruder Kieran Culkin. Das hat noch einen lustigen Nebeneffekt, dass man das irgendwie besonders gut funktioniert, weil man als Millennial nochmal denkt, scheiße, jetzt ist Kevin allein zu Hause.“

Nina Pauer erwähnt den Film Kevin allein zu Haus, weil der Succession-Darsteller Kieran Culkin der Bruder von Macaulay Culkin ist. Diese Assoziation erzeugt für Millennials einen generationellen Effekt – der kleine Kevin ist erwachsen geworden, während sein Boomer-Vater in der Serie ihn noch wie ein Kind behandelt.

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In the Loop
Film

In the Loop

Armando Iannucci

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:27:30 „Zu der es auch dann mal später einen Kinofilm gab, der hieß In the Loop.“

Ijoma Mangold erwähnt den Kinofilm als Ableger der Serie The Thick of It, um die Comedy-Tradition zu illustrieren, in der Succession steht – den zynischen, vulgären Blick hinter die Kulissen der Macht.

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Veep
Serie

Veep

Armando Iannucci

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:57 „Armando Iannucci oder so hieß der, später auch eine wichtige amerikanische Serie gemacht, die im gleichen Prinzip folgt, wie mit Julia Louis-Dreyfus als Vizepräsidentin, die auch den ganzen Tag nur ihre Mitarbeiter beleidigt.“

Lars Weisbrod nennt die HBO-Serie Veep als weiteres Beispiel für die Comedy-Tradition, in der Succession steht. Armando Iannucci, der Kopf hinter The Thick of It, habe mit Julia Louis-Dreyfus als Vizepräsidentin das gleiche Prinzip in die amerikanische Politik übertragen: vorne politische Fassade, hinten vulgäre Beschimpfungen.

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Buddenbrooks
Buch

Buddenbrooks

Thomas Mann

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:11 „Ijeoma würde jetzt wahrscheinlich das mit den Erzählern im 19. Jahrhundert vergleichen oder vielleicht, was oft gemacht wird mit den Buddenburgs oder so“

Thomas Manns Buddenbrooks werden als klassischer literarischer Vergleich für den Verfall einer reichen Familie herangezogen

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The White Lotus
Serie

The White Lotus

Mike White

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:30:40 „Ich nenne ein paar andere Serien, auch bei dieser Serie White Lotus, wir haben im Podcast mal ganz kurz drüber gesprochen, da geht es um vielleicht nicht die super, super Reichen, aber die super Reichen, einen super weniger in ihren Urlaubsorten.“

Ijoma Mangold nennt White Lotus als Teil eines neuen Trends im Serienerzählen, in dem Reiche als trottelig und mit massiven privaten Problemen dargestellt werden. Die Serie zeige reiche Urlauber und gehöre zum selben Phänomen wie Succession und Glass Onion.

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Glass Onion
Film

Glass Onion

Rian Johnson

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:30:58 „Und dann gab es diesen Film Glass Onion, der auch auf einer Insel spielt, wo ein Milliardär sich seine reichen Freunde einlädt.“

Lars Weisbrod nennt Glass Onion neben White Lotus und Succession als Beispiel für den gegenwärtigen Trend, Reiche als trottelig und dysfunktional darzustellen. Alle drei Werke verbinde, dass die Reichen teilweise sehr unbeholfen und mit massiven privaten Problemen gezeigt werden.

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The Wolf of Wall Street
Film

The Wolf of Wall Street

Martin Scorsese

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:34:20 „Also die ganze Wolf of Wall Street Atmosphäre der Szene wird dann sofort kaputt gemacht, weil vielleicht hat er ein schlechtes Gewissen, er will es abwischen, aber er kann auch nicht richtig wischen.“

Ijoma Mangold vergleicht eine Szene aus Succession, in der Roman Roy gegen eine Hochhausscheibe masturbiert, mit der Atmosphäre von The Wolf of Wall Street. Der entscheidende Unterschied sei, dass Succession diese Großkotzigkeit sofort wieder demontiert – Roman wischt unbeholfen sein Sperma weg, was den Ton der Serie ausmache.

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The Crown
Serie

The Crown

Peter Morgan · 2016

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:44:28 „Ich habe The Crown nie gesehen, aber wenn ich Succession gucke, stelle ich mir auch sowas wie The Crown so vor. Oder wenn du und Ijeoma immer über die Windsors redet, ist das nicht eigentlich genauso? Und da haben wir doch auch gerade so eine massive Faszination für diese Nachfolgeprobleme.“

Ijoma Mangold zieht eine Parallele zwischen Succession und The Crown: Beide Serien handelten von Nachfolgeproblemen in privilegierten Familien. Der Unterschied sei jedoch, dass bei den echten Royals die Thronfolge geregelt ist, während bei den Roys alle individualistisch-kapitalistisch um die Nachfolge kämpfen. Nina Pauer ergänzt, die Queen habe gar nicht Queen werden wollen, während bei Succession alle hüpfen und sagen 'nimm mich'.

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Buddenbrooks
Buch

Buddenbrooks

Thomas Mann

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:47:54 „Du hast ja einmal das naheliegende auch genannt, die Buddenbrooks. Was mir da einfiel, es gibt ja dort den, ich glaube er heißt Hanno, sozusagen den Thronfolger oder den Erben, der zu verweichlicht ist.“

Nina Pauer greift den zuvor von Lars Weisbrod eingebrachten Vergleich mit den Buddenbrooks auf und fragt, ob es in Succession eine Hanno-Figur gibt – also einen Erben, der zu verweichlicht für die Nachfolge ist. Sie stellt fest, dass Logan Roy als Self-Made-Man seine Erbenkinder dafür verachtet, dass sie per Definition keine sein können, was den Vergleich mit Thomas Manns Verfallsgeschichte nahelegt.

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Crazy Rich Asians
Film

Crazy Rich Asians

Jon M. Chu

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:50:36 „bei der Serie und dem Buch Crazy Rich Asians, hast es ja auf asiatisch gedreht“

Crazy Rich Asians wird als Beispiel dafür genannt, dass das Thema Superreichtum und Familienimperien global relevant bleibt

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Crazy Rich Asians
Film

Crazy Rich Asians

Kevin Kwan

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:24 „Bei der Serie und dem Buch Crazy Rich Asians, hast es ja auf asiatisch gedreht, so, also so, dass das jetzt tot ist, weiß ich jetzt nicht.“

Nina Pauer erwähnt Crazy Rich Asians als Gegenbeispiel zur These, dass dynastischer Reichtum als Erzählstoff ausgedient habe. Sie verweist darauf, dass das Thema global weiterhin relevant ist, nur eben in anderen kulturellen Kontexten.

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Drei Männer im Schnee
Film

Drei Männer im Schnee

Erich Kästner

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:13 „Ich habe aus sehr anderen Gründen vor einigen Wochen nochmal den schönen Film Drei Männer im Schnee gesehen von Erich Kästner, also von dessen Buch. Von, ich glaube, 1934. Er hat aber auch das Drehbuch mitgeschrieben zu diesem Film. Schöner Schwarz-Weiß-Film.“

Nina Pauer stellt den Film als Kontrastfolie zu Succession vor: Hier wird Reichtum komplett affirmativ und positiv dargestellt. Der Geheimrat Schlüter verkleidet sich als armer Mann, um zu erleben, wie man ohne Geld behandelt wird. Pauer fragt sich daraufhin, ob es ein gegenwärtiges Modell positiv dargestellten Reichtums in der Fiktion überhaupt noch gibt.

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Lord of the Lost
Musik

Lord of the Lost

Lord of the Lost

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:57:17 „Lord of the Lost, was ist das? So Metal, Gothic, keine Ahnung, so. Wer kann unsere Lena werden? Was brauchen wir als Konzept?“

Am Ende der Folge stellt Nina Pauer eine Prognosefrage zum Eurovision Song Contest. Sie erwähnt Lord of the Lost als den damaligen deutschen ESC-Beitrag und fragt, welches Konzept Deutschland bräuchte, um nicht mehr auf dem letzten Platz zu landen.

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Wadde hadde dudde da
Musik

Wadde hadde dudde da

Stefan Raab

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:58:23 „Wadde hadde dudde da. Das war doch gar nicht so unerfolgreich damals, oder? Von Stefan Raab.“

Im Kontext der Prognosefrage, wann Deutschland beim ESC wieder erfolgreich sein könnte, erinnert Lars Weisbrod an Stefan Raabs ESC-Beitrag als Beispiel für die Strategie, schlechten Geschmack bewusst durchzuexerzieren statt sich dafür zu schämen.

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