Robert Habeck, wie Machiavelli sind Sie
Christoph Amend, Jochen Wegner & Robert Habeck
Robert Habeck kehrt als hundertster Gast zu dem Podcast zurück, dessen allererster Gast er einst war — mitten im Bundestagswahlkampf als Kanzlerkandidat der Grünen. Zwischen Kuchen, Luftballons und einem vollen Terminkalender mit bis zu zehn Interviews am Tag reflektiert er über die Ukraine, politische Sprache und den Preis, den sechs Jahre Spitzenpolitik fordern.
„Politik als Exerzitium zu betreiben, Menschen und Menschlichkeit nicht zu sehen und auch nicht zu fühlen, macht Politik am Ende ärmer.“
Erwähnte Medien (16)
Eragon
Christopher Paolini
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 00:08:11 „Saphira meine ich kommt aus Aragon, kann das sein, dass der Drache bei Aragon Saphira heißt?“
Im selben Zusammenhang wie Harry Potter erklärt Habeck, dass eine weitere Familienkatze den Namen Saphira trug – nach dem Drachen aus Christopher Paolinis Fantasy-Roman Eragon. Habeck ist sich nicht ganz sicher, ob der Name stimmt, aber ordnet ihn dem Buch zu.
Die Natur der Literatur
Robert Habeck
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:51:59 „Mit einem Magister und einer Promotion und hat glaube ich direkt nach dem Studium auch seine Frau Andrea Paluch geheiratet und promovierte dann über die Natur der Literatur. 25% gelesen. Doch. Ich fand es ganz cool.“
Jochen Wegner geht den Lebenslauf von Robert Habeck durch und kommt auf dessen Doktorarbeit zu sprechen, eine literaturwissenschaftliche Promotion. Er merkt humorvoll an, einen Teil davon gelesen zu haben, und leitet damit in die Diskussion über den kurz vor der Wahl aufgekommenen Plagiatsvorwurf ein, der sich letztlich als unbegründet herausstellte.
Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 2023
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:21:40 „Eine Passage, über die ich seit Wochen nachgedacht habe, seit ich die von Ihnen gelesen habe, war in einem Interview, leider nicht bei der Zeit, sondern in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 2023, wo Sie über Luthers Reformation nachdenken.“
Jochen Wegner bezieht sich auf ein Interview Habecks in der FAS von 2023, in dem dieser eine Parallele zwischen Luthers Reformation und der heutigen gesellschaftlichen Spaltung zieht. Wegner findet den Gedanken so bemerkenswert, dass er seit Wochen darüber nachdenkt und ihn im Podcast aufgreift.
Nexus
Yuval Noah Harari
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 01:23:48 „Ich nehme aber den Gedanken auf, wie Zufall habe ich jetzt gerade das Buch Nexus von Noah Harari fertig gelesen. Was, wenn ich das sagen darf, ein fantastisches Buch ist, das ich allen Politikerinnen und Politikern empfehle.“
Im Gespräch über historische Parallelen zwischen Luthers Reformation und der heutigen gesellschaftlichen Spaltung greift Habeck den Gedanken auf und empfiehlt begeistert Hararis neues Buch. Er bezeichnet es als fantastisch und richtet die Empfehlung explizit an alle Politikerinnen und Politiker.
Die Bibel
Martin Luther (Übersetzung)
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 01:24:50 „Bis hin zur Kompensation der Bibel, der kanonischen Schriften. Also wie wird Information über Jesu Leben dann designt, damit daraus dann eine Kirche werden kann.“
Robert Habeck referiert Hararis Buch 'Nexus' und dessen Analyse, wie Informationssysteme Gesellschaften formen. Die Bibel wird als historisches Beispiel für die Gestaltung von Information genannt – von mündlichen Mythen über die kanonischen Schriften bis zum Buchdruck.
Artikel von J.D. Vance im Wall Street Journal
J.D. Vance
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:33:33 „J.D. Vance hat im Wall Street Journal gerade noch mal gestern uns geraten, doch eine AfD-Regierung, also liebe Deutsche, macht mal auf jeden Fall was mit der AfD. Das sind schon wilde neue Zeiten.“
Im Gespräch über den wachsenden Rechtspopulismus und die Einmischung der US-Regierung in europäische Politik erwähnt Jochen Wegner einen aktuellen Artikel von US-Vizepräsident J.D. Vance im Wall Street Journal, in dem dieser den Deutschen eine Zusammenarbeit mit der AfD empfiehlt.
Atlas Shrugged
Ayn Rand
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:36:50 „Ich fand es verrückt, Sie waren ja auch in Davos, ich war auch in Davos, da wurde öfter der Name Ayn Rand erwähnt. Es gibt ein völlig verrücktes Science-Fiction-artiges Buch von einer Autorin, nachdem sozusagen eine gewisse Klasse von Technikmilliardären in den USA Peter Thiel zum Beispiel sehr inspiriert ist.“
Im Gespräch über die neue Verbindung von Tech-Milliardären und politischer Macht erwähnt Jochen Wegner Ayn Rands Buch als ideologische Grundlage für Figuren wie Peter Thiel und Elon Musk. Er beschreibt es als die intellektuelle Blaupause hinter dem Handeln der Tech-Oligarchen, die gerade das US-Regierungssystem umbauen.
Der Mythos des Sisyphos
Albert Camus
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 01:47:10 „Homo Faber oder der Mythos des Sisyphus? Der Mythos des Sisyphus.“
Im Schnellfragerunde-Spiel 'A oder B' wählt Robert Habeck den Mythos des Sisyphus von Camus gegenüber Homo Faber. Die Wahl deutet auf seine philosophische Prägung hin, die er auch an anderer Stelle im Gespräch betont.
Homo Faber
Max Frisch
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:47:10 „Homo Faber oder der Mythos des Sisyphus? Der Mythos des Sisyphus.“
Jochen Wegner stellt im Rahmen des A-oder-B-Spiels die Frage nach Homo Faber als Alternative zum Mythos des Sisyphus. Robert Habeck entscheidet sich gegen Frischs Roman und für Camus' philosophischen Essay.
Fliehen ohne zu wissen vor wem oder lauern ohne zu wissen auf wen
🗣 Robert Habeck erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:47:26 „Fliehen ohne zu wissen vor wem oder lauern ohne zu wissen auf wen? Das ist dann gescheit, glaube ich. Ach, wirklich? Hier ist wirklich einer literarisch gebildet. Und fliehen ohne zu wissen vor wem.“
Jochen Wegner zitiert im A-oder-B-Spiel offenbar aus einem literarischen Werk, und Robert Habeck erkennt die Referenz sofort, was Wegner mit 'Hier ist wirklich einer literarisch gebildet' kommentiert. Es handelt sich vermutlich um ein Zitat aus einem Werk von Thomas Bernhard oder einem anderen deutschsprachigen Autor.
Winnetou
Karl May
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 01:52:20 „Winnetou oder kein Winnetou? Winnetou.“
Im Schnellspiel positioniert sich Robert Habeck klar für Winnetou – eine kulturpolitisch aufgeladene Frage, da die Karl-May-Figur in den letzten Jahren Gegenstand von Debatten über kulturelle Aneignung war.
Sylvia Plath (Lyrik/Gesamtwerk)
Sylvia Plath
🗣 Robert Habeck erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:52:28 „Jux oder Plath? Plath.“
Im Schnellspiel wählt Robert Habeck die Dichterin Sylvia Plath. Die Gegenüberstellung mit 'Jux' (vermutlich ein anderer Autor) zeigt Habecks literarische Präferenzen.
Harry Potter
J.K. Rowling
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 01:53:09 „Die wurden dann immer nach den Fabelwesen der jeweils aktuellen Kinderbücher oder der Filme benannt und Saphira kommt aus… Hermine war von Harry Potter, Hermine Granger.“
Robert Habeck erzählt, dass seine Familie Katzen nach Figuren aus den Kinderbüchern und Filmen benannte, die gerade aktuell waren. Eine Katze hieß Hermine – nach Hermine Granger aus Harry Potter. Die Anekdote kommt auf, weil Habeck sich an sein Schlusswort aus der ersten Alles-gesagt-Folge erinnern soll, das damals der Name einer Katze war.
Interview mit Robert Habeck in der Zeit
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:14:42 „Wobei Sie ja selbst im letzten Sommer, wie Sie ja auch in einem Interview in der Zeit von einer Weile mal erzählt haben, darüber nachgedacht haben, ganz aus der Politik rauszugehen.“
Christoph Amend konfrontiert Habeck mit einem früheren Interview in der ZEIT, in dem dieser offenbar eingeräumt hatte, im Sommer über einen kompletten Rückzug aus der Politik nachgedacht zu haben. Es dient als Aufhänger für die Frage nach Habecks Leben ohne Politik.
Böhlendorf-Briefe (Poetologische Briefe an Böhlendorf)
Friedrich Hölderlin
🗣 Robert Habeck referenziert bei ⏱ 02:17:05 „Der aber ein Empfänger von zwei sehr berühmten poetologischen Briefen gewesen ist, die ihm sein Freund geschrieben hat. Diese Briefe kennen alle Literaturwissenschaftler, die sich mit der Goethe-Zeit sagt man um 1800 plus minus herum beschäftigen und sie gehören zu den komplexesten und schwierigsten poetologischen, also theoretischen Briefen in dieser sowieso komplizierten Zeit.“
Habeck erzählt von seiner akademischen Vergangenheit und seiner Magisterarbeit über den wenig bekannten Dichter Kasimir Ulrich von Böhlendorf. Die berühmten poetologischen Briefe, die Hölderlin an Böhlendorf schrieb, bildeten die theoretische Grundlage für Habecks Stilanalyse, mit der er versuchte, verstreute Gedichte dem unbekannten Böhlendorf zuzuordnen.
Kritik der reinen Vernunft
Immanuel Kant
🗣 Robert Habeck zitiert daraus bei ⏱ 02:20:27 „Man kennt das vielleicht von Immanuel Kant, der sagt, Begriffe ohne Anschauung sind leer und Anschauungen ohne Begriffe sind blind oder umgekehrt. Ich weiß es gar nicht mehr ganz genau. Aber Begriffe, also Sprache und Anschauung, also räumliches Denken.“
Habeck erklärt den theoretischen Kern seiner Doktorarbeit über das Verhältnis von Sprache und räumlichem Denken in der Literatur. Er zitiert Kants berühmten Satz über Begriffe und Anschauung, um das Grundproblem zu veranschaulichen, wie in zeitlicher Sprache räumliche Eindrücke entstehen können.