Ferdinand von Schirach, was ist ein gelungenes Leben
Christoph Amend, Jochen Wegner & Ferdinand von Schirach
Ferdinand von Schirach — Autor, Jurist und selbsterklärter Superraucher — empfängt den Podcast in seiner Wohnung, zwischen Aschenbecher und drei Tafeln Schokolade unterschiedlicher Kakaoanteile. Schon in den ersten Minuten blitzen seine lakonischen Pointen auf: vom Glück der Milka-Kindheit über die Langeweile als Schreibantrieb bis zur These, dass Liebe nur in der Endlichkeit Sinn ergibt.
„Wenn Sie jetzt jemanden lieben, ergibt das überhaupt keinen Sinn, wenn die Zeit unendlich ist. Denn die Liebe wird erst sinnvoll in einer Beschränkung.“
Erwähnte Medien (34)
Der Zauberberg
Thomas Mann
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:11:19 „Und dann hatte ich noch in den Nebenfächern Deutsch. Und das war auch sehr gut. Da war Thomas Mann, Zauberwerk.“
Ferdinand von Schirach erzählt von seinem Abitur am Jesuiteninternat St. Blasien. Im Leistungskurs Deutsch behandelte er Thomas Manns 'Zauberberg' – er sagt 'Zauberwerk', meint aber offensichtlich den Roman. Es war eines seiner besten Fächer, im Gegensatz zu Biologie.
BBC-Bericht über den Antikythera-Mechanismus
BBC
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:45 „Vor kurzem gibt es einen sehr schönen Bericht, man kann ihn immer noch abrufen, auf der BBC-Seite, ein Gerät gefunden in dem Bauch eines untergegangenen griechischen Schiffes. Das ist ein berühmtes Gerät, das kennt man schon lange, aber jetzt wurde es irgendwie neu zusammengesetzt.“
Ferdinand von Schirach erzählt von der Freiheit des griechischen Denkens und empfiehlt einen BBC-Bericht über den Antikythera-Mechanismus, einen antiken mechanischen Computer, als Beleg für die technologische Überlegenheit der Griechen.
Antikythera-Mechanismus (BBC-Bericht)
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:15:27 „Vor kurzem gibt es einen sehr schönen Bericht, man kann ihn immer noch abrufen, auf der BBC-Seite, ein Gerät gefunden in dem Bauch eines untergegangenen griechischen Schiffes“
Von Schirach verweist auf einen BBC-Bericht über den Antikythera-Mechanismus als Beleg für die technische Überlegenheit der antiken Griechen
Epistulae morales ad Lucilium
Seneca
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:20:07 „ich habe den halben Morgen damit verbracht, meinen durchgekrabbelten Seneca zu finden, die Epistole Morales“
Wegner erzählt, dass er sein persönliches Exemplar von Senecas Briefen gesucht hat, die für ihn bedeutend waren
Lehrgespräche
Epiktet
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:33 „Es gibt ein ganz dünnes Bändchen und das können Sie lesen. Das hat immer verschiedene Namen. Ich glaube, es heißt Handbüchlein der Moral und dann gibt es noch Lehrbücher.“
Ferdinand von Schirach empfiehlt Epiktets Werke und unterscheidet zwischen dem Handbüchlein der Moral und den Lehrgesprächen (Diatribai) als zwei separate Werke des Stoikers.
Selbstbetrachtungen
Marc Aurel
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:22:58 „Und wenn Sie das Menschlichste lesen wollen von diesen dreien, dann lesen Sie Marc Aurel. Das ist deshalb so toll. Es wiederholt sich auch ständig, aber man merkt seinen Kampf damit, seine Bedrückung, dass es ihm nicht so gut gelingt.“
Von Schirach empfiehlt Marc Aurels Selbstbetrachtungen als das menschlichste Werk der drei großen Stoiker. Besonders berührt ihn, dass man Marc Aurels persönlichen Kampf mit den stoischen Idealen spürt – vermutlich abends geschriebene Aufforderungen an sich selbst, nachdem es den ganzen Tag schiefgelaufen war. Von Schirach sagt, Marc Aurel sei ihm persönlich der nächste.
Handbüchlein der Moral (Encheiridion)
Epiktet
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:38 „Es gibt ein ganz dünnes Bändchen und das können Sie lesen. Das hat immer verschiedene Namen. Ich glaube, es heißt Handbüchlein der Moral und dann gibt es noch Lehrbücher.“
Von Schirach empfiehlt Epiktets Hauptwerk als Einstieg in die stoische Philosophie und beschreibt es als Sammlung von Übungen
Petrocelli
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 00:46:06 „Also es gab zwei. Es gab Petrocelli, den mochte ich sehr gerne, weil der... Das war eine unglaublich schlechte Serie. Aber der war so ein Unterschichtler-Anwalt und der baute aber immer vor der Stadt an seinem Haus. Das war so der Running Gag, dass dieses Haus, ich weiß nicht, 2000 Folgen nie fertig war.“
Im Gespräch über Schirachs Weg zum Jurastudium erwähnt Christoph Amend, dass ein amerikanischer Fernsehanwalt eine Rolle gespielt habe. Schirach erinnert sich an zwei Serien und nennt zuerst Petrocelli, eine Serie über einen einfachen Anwalt, die er trotz ihrer schlechten Qualität sympathisch fand – vor allem wegen des Running Gags mit dem nie fertigen Haus.
Perry Mason
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:46:25 „Sie trug immer so einen weißen Anzug und war sehr elegant. Aber mir fällt der nicht an. Perry Mason. Ich gucke unser Popkultur-Helm an. Ja, genau. Unsere Produzentin nickt.“
Schirach versucht sich an den Namen der zweiten amerikanischen Anwaltsserie zu erinnern, die ihn als junger Mann beeindruckt hat – er beschreibt eine elegante Figur im weißen Anzug. Christoph Amend löst das Rätsel: Es ist Perry Mason. Die Szene zeigt, wie Popkultur Schirachs Berufswahl mitgeprägt hat.
Verbrechen
Ferdinand von Schirach
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:03:11 „Wie kam es dann dazu, dass Sie plötzlich dachten oder dass daraus plötzlich Ihr Buch wurde? Sie haben ja erst mit 45 Ihr erstes Buch, Verbrechen, veröffentlicht, ist dann gleich ein Millionen-Bestseller geworden.“
Christoph Amend fragt nach der Entstehungsgeschichte von Schirachs literarischer Karriere. Schirach beschreibt, wie er aus Schlaflosigkeit und Langeweile nachts zu schreiben begann, bis daraus sein Debüt wurde. Das Buch erschien bei Piper, nachdem es zunächst als Sachbuch abgelehnt worden war, und wurde sofort ein Millionenerfolg.
Regen
Ferdinand von Schirach
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:05:44 „In Ihrem neuen Buch Regen schreiben Sie auch darüber und sagen, ich zitiere jetzt aus dem Gedächtnis, es sei kein Wunder, dass es keine guten Filme gibt über Schriftsteller gebe, weil nichts sei langweiliger zum Filmen als Schreiben, Schriftsteller sein.“
Im Gespräch über das Schreiben als Schirachs eigentliches Zuhause zitiert Christoph Amend aus dessen neuem Buch 'Regen'. Darin reflektiert Schirach über die Unmöglichkeit, das Schriftstellerdasein filmisch darzustellen, weil alles Wesentliche im Kopf stattfindet. Schirach bestätigt und ergänzt die Beobachtung.
DCTP-Interviews
Alexander Kluge
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:10:35 „Aber das Tolle ist wirklich, wenn Sie die Gelegenheit haben, jetzt für Ihre Hörer, wenn Sie die Gelegenheit haben, geben Sie ein, DCTP, Alexander Kluge, YouTube. Es sind die wunderbarsten Interviews, die es überhaupt gibt. So unglaublich klug, weitführend, nicht haftend, fließend, also alles toll daran.“
Ferdinand von Schirach schwärmt von Alexander Kluges legendären Fernsehinterviews, die über seinen Sender DCTP ausgestrahlt wurden und heute auf YouTube verfügbar sind. Er erzählt ausführlich die Geschichte, wie Kluge sich in den 80er Jahren Sendeplätze bei Privatsendern wie RTL und Sat.1 juristisch gesichert hat, und empfiehlt die Interviews als die besten, die es gibt.
DCTP-Interview mit Josef Ackermann
Alexander Kluge
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:12:52 „Und dann gibt es diese große, für mich die größte Aufnahme, ich habe es aber leider nicht mehr gefunden, das war der Chef der Deutschen Bank, Ackermann. Ackermann wurde eingeladen von Kluge. Und Ackermann war sehr stolz, endlich werde ich als Intellektueller erkannt.“
Von Schirach hebt ein bestimmtes Kluge-Interview mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann als sein persönliches Lieblingsgespräch hervor. Kluge verglich darin eine Vorstandssitzung der Deutschen Bank mit der obersten Heeresleitung 1943, was zu einem komischen und brillanten Gespräch führte.
DCTP-Interview mit Josef Ackermann
Alexander Kluge
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:13:19 „das war der Chef der Deutschen Bank, Ackermann. Ackermann wurde eingeladen von Kluge... und Kluge ist erste Frage, wie ist das denn so mit einer Vorstandssitzung der Deutschen Bank?... Daraufhin Kluge. Das ist genau wie die oberste Heeresleitung 1943.“
Von Schirach erzählt begeistert von einem legendären Kluge-Interview, in dem dieser Deutsche-Bank-Vorstandssitzungen mit der Heeresleitung 1943 vergleicht
Die Fähne (aus: Verbrechen)
Ferdinand von Schirach
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:16:53 „Und jedenfalls, ich wurde dort eingeladen und las auf dieser Vertreterkonferenz. Und das ist ein größerer Saal gewesen und ich sitze vorne und lese diese Geschichte, die Fähne heißt, vor.“
Von Schirach erzählt die Anekdote von der Vertreterkonferenz, bei der er die Geschichte über einen Arzt, der seine Frau umbringt, vorlas
Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:22:27 „Und Goethe sagte aber damals, oder er sagte später in seinen Erinnerungen, dass er, als er den Werther geschrieben hat, dass das eine Art Hausmittel war, durch die Literatur das loszuwerden. Und dass er sozusagen die Realität, es gab ja einen, ich glaube, der hieß Jerusalem, der sich da erschossen hat und gleichzeitig seine unglückliche Liebe. Das mixte er so zusammen.“
Im Kontext der Frage, ob Literatur reale Nachahmungstaten auslösen kann, spricht von Schirach über Goethes 'Werther' und den sogenannten Werther-Effekt. Er zitiert Goethe, der sagte, manche hätten 'aus der Poesie die Realität gemacht', betont aber, dass der tatsächliche Nachahmungseffekt historisch umstritten sei.
Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:23:21 „Der Werte soll ja auch Nachahmer gehabt haben und Leute, die sich dann mit Blau und Gelbe umgebreitet haben“
Von Schirach diskutiert den sogenannten Werther-Effekt und Goethes eigene Reflexion darüber, wie er aus der Realität Poesie machte
Tod eines Schülers
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:23:42 „Das war ein Film, seltsamerweise, Tod eines Schülers. Das war ein Internatsfilm, ich glaube in den 80er Jahren. Und da soll es dann tatsächlich eine ganze Reihe von Suiziden danach gegeben haben.“
Von Schirach erwähnt diesen Film als Gegenbeispiel zum umstrittenen Werther-Effekt. Beim Internatsfilm 'Tod eines Schülers' aus den 80er Jahren habe es einen messbaren Nachahmungseffekt mit einer Reihe von Suiziden gegeben, anders als beim historisch schwer belegbaren Werther-Effekt.
Tod eines Kritikers
Martin Walser
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:26:51 „Und selbst bei dem jetzt gerade verstorbenen Martin Walser war es ja so, obwohl er schon wirklich ein über die Maßen arrivierter Schriftsteller war, hat ihn das, was Reich Ranitzky über ihn gesagt hat, furchtbar verletzt, dass er so blöd war, darüber noch ein Buch zu schreiben. Der Tod eines Kritikers.“
Ferdinand von Schirach spricht darüber, wie Kritik Schriftsteller verletzen kann. Er nennt Martin Walser als Beispiel, der sich so von Marcel Reich-Ranickis Kritik getroffen fühlte, dass er darüber einen Roman schrieb – was Schirach als Fehler betrachtet.
Schnelles Denken, langsames Denken
Daniel Kahneman
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:37:28 „Nach Danny Kahnemann, die Begrüße, muss es das ja auch geben. Bewundern Sie den auch so? Ja, ich kenne den auch. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher.“
Wegner und von Schirach sprechen über Kahnemans Buch über die zwei Denksysteme, das von Schirach als eines seiner absoluten Lieblingsbücher bezeichnet
Schnelles Denken, langsames Denken
Daniel Kahneman
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:38:14 „Wir haben vor Jahren auch im Podcast öfter mal über sein wichtigstes Buch von ihm, das populärste Buch von ihm gesprochen. Heißt es Schneller Denken? Schneller Denken.“
Im Zusammenhang mit einem Spiel über System A und System B im Gehirn kommen die Hosts auf Daniel Kahneman zu sprechen. Christoph Amend bezeichnet dessen Buch als eines seiner absoluten Lieblingsbücher. Jochen Wegner ergänzt, dass Kahneman ein 'unfassbar freundlicher, liebevoller Mensch' gewesen sei.
Hamlet
William Shakespeare
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:44:47 „Wissen Sie, dass der neu geschrieben worden ist, der Hamlet-Dialog? Also neu übersetzt worden. Im Deutschen, ja. Ich habe gerade diesen Film über Lars Eidinger gesehen. Der spielt seit vielen Jahren an der Schaubühne.“
Ferdinand von Schirach kommt über das Begriffspaar 'Sein oder Nichtsein' auf Shakespeares Hamlet zu sprechen. Er berichtet von Lars Eidingers Inszenierung an der Berliner Schaubühne und erwähnt, dass der berühmte Monolog im Deutschen neu übersetzt wurde. Besonders beeindruckt ihn eine Szene im Eidinger-Dokumentarfilm, in der Eidinger den Monolog beim Abschminken vorträgt.
Sein oder Nicht Sein
Reiner Holzemer
🗣 Ferdinand von Schirach empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:44:55 „Ich habe gerade diesen Film über Lars Eidinger gesehen. Der spielt seit vielen Jahren an der Schaubühne. Der spielt und der, also für mich tatsächlich einer der ganz wenigen wirklich genialen Menschen ist, die ich kennengelernt habe.“
Ferdinand von Schirach schwärmt von einem Dokumentarfilm über den Schauspieler Lars Eidinger. Er beschreibt eine Szene, in der Eidinger den Hamlet-Monolog beim Abschminken vorträgt, und sagt, er wisse nicht, wann er zuletzt im Kino so ergriffen gewesen sei. Er empfiehlt den Film ausdrücklich.
Hamlet
William Shakespeare
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:46:45 „In dem Film wird auch Hamlet gezeigt, also Ausschnitte aus Hamlet. Und der Auftritt von Eidinger als Hamlet ist merkwürdig, weil er eine lange Bahn rennt und dann ein Salto macht“
Von Schirach beschreibt Lars Eidingers Hamlet-Inszenierung an der Schaubühne, insbesondere die berührende Szene des Sein-oder-Nichtsein-Monologs in der Garderobe
Aufsätze über Gott und Religion
Albert Einstein
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 01:58:40 „Vor ein paar Tagen habe ich so Aufsätze von Einstein gelesen. Über Gott. Das ist wahnsinnig interessant. Einstein unterscheidet die Entwicklung der Götter. Zunächst ist es eine Art Rache oder Furchtgott.“
Im Kontext der Frage 'Gott oder kein Gott?' erzählt Ferdinand von Schirach, dass er kürzlich Einsteins Essays über Gott gelesen hat. Er referiert Einsteins Stufenmodell der Gottesvorstellungen – vom Furchtgott über den moralischen Gott bis zum 'kosmischen Gott', an den man nicht glauben, sondern den man nur erfahren könne. Schirach findet das Bild schön, widerspricht aber Einsteins Naturverehrung.
Interview mit Andreas Voßkuhle
Andreas Voßkuhle
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:02:11 „Voskula hat das, also der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat das neulich mal gesagt in einem Interview, das fand ich bemerkenswert, sagt, wenn Sie ganz reich sind und ganz mächtig sind, brauchen sie keine Grundgesetze. Das Grundgesetz brauchen sie sozusagen, wenn sie schwach sind.“
Ferdinand von Schirach zitiert ein Interview des ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle, um seine These zu untermauern, dass das Recht das Gegenteil von Natur sei. Voßkuhles Aussage, dass das Grundgesetz vor allem die Schwachen schütze, dient Schirach als Beleg dafür, dass Zivilisation und Recht der Gegenentwurf zur rücksichtslosen Natur sind.
Oppenheimer
Christopher Nolan
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:02:56 „Also auch er war aber limitiert durch diesen... Also dass die Tragik von Einstein ist, man kann das gerade in diesem Oppenheimer Film, den alle gucken, ich habe ihn auch geguckt, nochmal bewundern“
Wegner verweist auf den aktuellen Oppenheimer-Film als Illustration von Einsteins Tragik und der Grenzen seines Denkens
Oppenheimer
Christopher Nolan
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:06:06 „Also der, nochmal, viele fragen das gerade wieder, weil es gibt einen Film über Oppenheimer, wo der späte Einstein auftritt. Und ich glaube, jetzt interessieren sich plötzlich alle wieder für Einstein.“
Jochen Wegner erwähnt den Oppenheimer-Film im Zusammenhang mit dem wiedererwachten öffentlichen Interesse an Einstein und der Quantenphysik. Er nutzt den Film als Brücke, um über Einsteins Tragik zu sprechen – dass dieser die Konsequenzen seiner eigenen Entdeckungen nicht akzeptieren konnte.
Der Club der toten Dichter
Peter Weir
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:20:26 „Sie erinnern sich an den Film Club der Toten Dichter. Robin Williams steigt auf den Tisch. Er steigt auf den Tisch, um seinen Schülern klarzumachen, du musst die Perspektive immer mal wieder wechseln. Ich fand das wahnsinnig toll.“
Von Schirach nutzt die berühmte Szene aus dem Film, in der Robin Williams auf den Tisch steigt, als Illustration für die stoische Übung des Perspektivwechsels. Er leitet daraus zwei eigene Methoden ab: den Blick aus der Ferne (Voyager 2) und den Blick vom Tod aus auf das eigene Leben.
Essais
Michel de Montaigne
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:25:09 „Montaigne, der wirklich ein origineller und eigenständiger und großer Denker war, hat die erste Hälfte seines Lebens damit verbracht, sich auf den Tod vorzubereiten, bis ihm klar geworden ist, was für ein absoluter Unsinn das ist.“
Ferdinand von Schirach spricht über die Perspektive, das Leben vom Tod her zu betrachten, und verweist auf Montaigne als Denker, der die Vorbereitung auf den Tod zunächst praktizierte und dann als Unsinn verwarf. Montaignes Essais sind sein einziges Hauptwerk.
Ich bin ein Freund der Verfassung
Dieter Grimm
🗣 Ferdinand von Schirach referenziert bei ⏱ 02:44:23 „Grimm, ein großer Richter am Bundesverfassungsgericht und ein großer Rechtslehrer, der schrieb ein Buch, ich bin ein Freund der Verfassung. Und das bin ich auch.“
Von Schirach zitiert den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm und dessen Buch als Ausdruck seiner eigenen Haltung zur Verfassung. Er nutzt das Buch als Ausgangspunkt, um über die Menschenwürde im Grundgesetz und die Subjektqualität des Menschen zu sprechen – Kerngedanken, die auch seinem Theaterstück Terror zugrunde liegen.
Eurovision Song Contest
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:48:33 „Und dann haben die ihm gesagt, ach, kommen Sie, wir machen hier mit diesem Abstimmungstool diesen Song Contest. Eurovision Song Contest. Also soll schief gehen.“
Der Eurovision Song Contest wird als Vergleich herangezogen: Die ARD-Techniker versicherten Oliver Berben, ihr Abstimmungstool sei für den ESC ausgelegt und würde problemlos funktionieren. Der Server brach dann trotzdem nach wenigen Sekunden zusammen – eine Anekdote, die den unerwarteten Ansturm auf die Terror-Abstimmung illustriert.
Tatort
ARD
🗣 Ferdinand von Schirach erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:49:10 „Und mich hat das sehr gefreut, weil das erfolgreicher war in dem Jahr als die Tatort-Filme und alles Mögliche.“
Von Schirach erwähnt die Tatort-Reihe nur als Vergleichsmaßstab, um den überraschenden Erfolg der ARD-Ausstrahlung seines Theaterstücks Terror zu verdeutlichen – ein philosophisches Stück über Ethik hatte höhere Einschaltquoten als der populärste Krimi-Dauerbrenner des deutschen Fernsehens.
Leitartikel zur EU-Abhängigkeit Deutschlands
Max Scheritz
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:57:17 „Max Scheritz hat in der aktuellen Zeit in seinem Leitartikel darüber geschrieben, weil ja viele auch sagen, naja, guck mal in den USA, wo diese Polarisierung schon viel weiter ist, ist ja auch gut gegangen, dass leider der fundamentale Unterschied ist, dass die Ökonomie der USA erheblich autarker ist als die deutsche.“
Jochen Wegner verweist auf einen aktuellen Zeit-Leitartikel von Max Scheritz, der argumentiert, dass der Vergleich mit den USA bei der Polarisierungsdebatte hinke, weil die deutsche Wirtschaft viel stärker von der EU abhänge als die US-Wirtschaft von internationalen Strukturen. Wegner bedauert, dass genau dieser Artikel die Menschen nicht erreiche, die ihn lesen müssten.