Longevity: Ein gutes oder lieber ein langes Leben?
Markus Lanz & Richard David Precht
Erwähnte Medien (8)
Anthropologie in pragmatischer Hinsicht
Immanuel Kant
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:17 „Und der fühlte sich bemüßigt, im hohen Alter ein Buch darüber zu schreiben. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. Das ist ein bisschen ein witziger Titel. Also er fand den bestimmt witzig, weil Anthropologie würde man jetzt erwarten. Er schreibt ein Buch über die Entstehung des Menschen und wie der Mensch zum Mensch wurde.“
Precht zieht eine Parallele zwischen der modernen Longevity-Bewegung und Immanuel Kants diszipliniertem Lebensstil in Königsberg. Kant, der selbst für seinen strikt geregelten Tagesablauf bekannt war, schrieb im hohen Alter dieses Buch mit praktischen Ratschlägen für ein gutes Leben — darunter die Pointe, dass Langlebigkeit vor allem davon abhänge, wie lange man an Dingen Spaß habe, etwa durch Hobbys wie Singvögel züchten oder Uhren sammeln.
So lebt der Mensch (Radiolessung)
André Malraux
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:58 „Da kam dann immer um die gleiche Zeit, irgendwie so am frühen Nachmittag, wir lesen vor. Und da wurde vorgelesen von André Malraux der Roman So lebt der Mensch. Mein Gott, was für ein ergreifendes Buch.“
Precht erzählt von seiner Zivildienstzeit, in der er eine Kirche ausmalte und dabei die Radiosendung 'Wir lesen vor' hörte, in der Malraux' Roman vorgelesen wurde. Die Sendung war ein festes Ritual seines Tagesablaufs.
So lebt der Mensch
André Malraux
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:21:04 „Und da wurde vorgelesen von André Malraux der Roman So lebt der Mensch. Mein Gott, was für ein ergreifendes Buch. Ich habe den nie gelesen. Sag warum. Ganz, ganz großes Kino.“
Precht erzählt von seiner Zivildienstzeit, als er eine Kirche ausmalte und dabei im Radio die Sendung 'Wir lesen vor' hörte, in der Malraux' Roman vorgelesen wurde. Das Buch, das auf Malraux' Erfahrungen im Indochina-Krieg basiert, wurde für Precht prägend — er gewann daraus die These, dass man spielt, um zu verlieren, weil das Verlieren ein intensiveres existenzialistisches Gefühl sei als das Gewinnen. Precht ordnet Malraux als Vorläufer des Existenzialismus ein, der Camus und Sartre zentral beeinflusst habe.
Émile oder Über die Erziehung
Jean-Jacques Rousseau · 1762
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:24:26 „Rousseau hat gesagt, nicht diejenigen Menschen haben am meisten gelebt, die am ältesten werden, sondern diejenigen, die am meisten gefühlt haben.“
Precht setzt dieses Rousseau-Zitat als Schlusspunkt gegen die Longevity-Bewegung. Er kontrastiert seine eigene intensiv gelebte, aber gesundheitlich unvernünftige Zivildienstzeit mit dem durchoptimierten Leben eines Bryan Johnson und lässt Rousseau das letzte Wort haben: Intensität des Erlebens schlägt bloße Lebensdauer.
Studie zu Schlafchronotypen und Schulerfolg
Christoph Randler
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:36:25 „Christoph Randler aus Tübingen hat das gezeigt, dass Spättypen schaffen praktisch nie einen Einserschnitt im Abitur.“
Lanz untermauert die Diskussion über die Benachteiligung von Spätaufstehern im Schulsystem mit einer wissenschaftlichen Studie des Tübinger Chronobiologen Christoph Randler. Die Studie zeigt, dass Schüler mit spätem Schlafrhythmus systematisch schlechtere Abiturnoten erzielen – ein Argument, das Precht als 'späte Rehabilitation seiner Schulzeit' empfindet.
2001: Odyssee im Weltraum
Stanley Kubrick
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:38:48 „Und wenn du schläfst, dann gibt es einige dieser Ich-Zustände, die dann so ganz allmählich, so ähnlich wie Vi Hell, dem Computer in Odyssey 2001, so abgeschaltet werden. Dieser so runterfällt.“
Precht erklärt, wie beim Einschlafen verschiedene Ich-Zustände nacheinander heruntergefahren werden, und vergleicht diesen Prozess mit der berühmten Szene aus Kubricks Film, in der der Computer HAL 9000 nach und nach abgeschaltet wird. Der Filmvergleich dient als anschauliche Metapher für das allmähliche Verschwinden des Bewusstseins.
Interview mit Albrecht Forster
Albrecht Forster
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:40:12 „Ich habe ein Interview mit Albrecht Forster gelesen, das ist ein ganz bekannter Schlafforscher. Auch Philosoph, sehr interessanter Mann, der Biologie und Philosophie studiert hat und der als Schlafforscher arbeitet. Und er sagt, mich hat immer die Frage interessiert, warum es ein Bewusstsein gibt und nicht keins.“
Lanz leitet eine philosophische Diskussion über das Bewusstsein ein, indem er aus einem Interview mit dem Schlafforscher Albrecht Forster zitiert. Forsters Grundfrage – warum es überhaupt Bewusstsein gibt – führt Precht zu einer ausführlichen Erklärung von Emergenzphänomenen.
Man kann das Leben nicht verlängern, man kann es nur verdichten
Roger Willemsen
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:49:03 „Es gibt einen schönen Gedanken, Richard, abschließend, der finde ich perfekt dazu passt, von Roger Willemsen. Man kann das Leben nicht verlängern, man kann es nur verdichten.“
Lanz schließt die Diskussion über Longevity und Lebensfreude mit einem Zitat von Roger Willemsen ab. Der Gedanke wird zum emotionalen Höhepunkt der Folge, da beide Hosts anschließend über Willemsens frühen Krebstod mit Anfang 60 sprechen und ihn als Vorbild für ein intensiv gelebtes Leben würdigen.