Mit der Kettensäge regiert - mehr Milei wagen
Markus Lanz, Richard David Precht
Richard David Precht schildert seinen Besuch in Argentinien 2017: statt Tango und Lebenslust fand er ein blasses, erschöpftes Land, dessen prächtige Pariser Boulevards und Gründerzeitpalais vom einstigen Reichtum zeugen — Argentinien war in den 1920er-30er Jahren eines der reichsten Länder der Welt. Der Grund für den langen Niedergang liegt im Widerstand der Viehbaron-Oligarchie gegen die zweite industrielle Revolution: Wer vom Fleischexport lebt, hat kein Interesse an Fabriken.
„Ein von unendlichen Depressionen endlos geschütteltes Land.“
Erwähnte Medien (9)
Oliver Twist
Charles Dickens · 2024
Charles Dickens was born on 1812, in Portsea, England. His parents were middle-class, but they suffered financially as a result of living beyond their means. When Dickens was twelve years old, his family's dire straits forced him to quit school and work in a blacking factory, a place where shoe polish is made. Within weeks, his father was put in debtor's prison, where Dickens's mother and siblings eventually joined him.
🗣 Richard David Precht referenziert „Es wäre doch zum Beispiel gut, wenn jedes Kind die Chance hätte, in eine gute Schule zu gehen. Wenn jedes Kind dann auch die Chance hat, sich Schulbücher leisten zu können und so weiter. Sondern es wäre doch zum Beispiel gut, wenn jedes Kind die Chance hätte... nicht nur jeder von Geburt an sagen, so jetzt bist du deines Glückes Schmied und behaupte dich wie Oliver Twist oder Huckleberry Finn.“
Precht argumentiert, dass Chancengerechtigkeit ohne soziale Gerechtigkeit nicht existieren kann. Oliver Twist dient als literarisches Bild für ein Kind, das völlig auf sich allein gestellt ist – genau das Gegenteil von dem, was eine gerechte Gesellschaft bieten sollte.
Evita
Andrew Lloyd Webber, Tim Rice
Das berühmte Musical von Andrew Lloyd Webber über Eva Perón und die Peronismus-Bewegung in Argentinien. Viele kennen die historische Figur Eva Perón vor allem durch die Theaterproduktion, nicht aus historischen Lehrbüchern. Das Werk behandelt eine bedeutende Epoche der argentinischen Geschichte mit ihrem kontroversen Anführer Juan Perón.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:06:10 „Viele kennen Evita Perron. Genau, genau. Und Juan Perron. Und das Musical und so.“
Im Gespräch über die Geschichte Argentiniens und den Peronismus erwähnt Lanz, dass viele Menschen Eva Perón vor allem durch das berühmte Musical kennen. Precht bestätigt das und ordnet Juan Perón als Linksfaschisten ein, der versuchte, die zweite industrielle Revolution mit Staatsmitteln nachzuholen.
Evita
Andrew Lloyd Webber, Tim Rice · 1976
Das Musical Evita erzählt die Geschichte von Evita Perón, der einflussreichen Ehefrau des argentinischen Präsidenten Juan Perón. Das Werk von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice dokumentiert ihren Aufstieg zur politischen Kultfigur und ist eng mit der peronistischen Ära Argentiniens verwoben. Das Musical hilft dabei, die historischen Kontexte dieser bedeutsamen politischen Periode zu verstehen.
🗣 Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:07:51 „Viele kennen Evita Perron. Genau, Juan Perron. Und das Musical und so.“
Precht erwähnt kurz das Musical 'Evita' beim Erklären der peronistischen Ära Argentiniens unter Juan Perón.
Capitalism and Freedom
Milton Friedman · 1962
In the process, he outlines the role that government should play in a society dedicated to freedom and relying primarily on the market to organize economic activity.".
🗣 Precht referenziert bei ⏱ 00:20:11 „Milton Friedman ist ja neben John Maynard Keynes der bekannteste Ökonom des 20. Jahrhunderts und Friedman war der Überzeugung, so wenig Staat, ja, wie gerade so eben nötig und so viel unternehmerische Freiheit, wie überhaupt irgendwo geht.“
Precht erklärt ausführlich die ökonomische Philosophie Milton Friedmans und der Chicago School als theoretische Grundlage für Mileis Reformpolitik in Argentinien, inklusive monetaristischer Politik und minimalem Staat.
Das deutsche Kettensägen-Massaker
Christoph Schlingensief · 1990
Clara will die DDR verlassen. Nachdem sie ihren Mann getötet hat, macht sie sich auf in Richtung Westen, um ihren Freund zu treffen. Ihr Stelldichein wird gestört von einer offensichtlich wahnsinnigen Metzgerfamilie, die geflohene 'Ostler' im wahrsten Sinne des Wortes verwurstet und in ihrem Hotel zum Verkauf feilbietet. Claras Freund wird niedergemetzelt, sie selbst gerät in die Hände der lesbischen Margit.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:32:24 „Dafür erleben wir jetzt unter ihm frei nach Christoph Schlingensief das große Laubsägenmassaker. Das war ja der erste Film von Christoph Schlingensief, das große Kettensägenmassaker.“
Precht nutzt Schlingensiefs Debütfilm als satirische Vorlage für ein Wortspiel: Statt Kettensäge komme unter der Merz-Regierung nur die Laubsäge zum Einsatz – eine Metapher dafür, dass die angekündigten radikalen Reformen in der Umsetzung viel zahmer ausfallen als versprochen.
Huckleberry Finn
Mark Twain · 2024
"Die weltberühmten Abenteuergeschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind ein zeitloses Lesevergnügen. Hier erscheinen sie frisch aufgelegt als Taschenbuch." Mark Twain. Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Der Text dieser Ausgabe folgt den Bänden: 1. Tom Sawyers Abenteuer, Erstdruck: The Adventures of Tom Sawyer, American Publishing Company, San Francisco 1876. Hier übersetzt von Margarete Jacobi. 2.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:47:09 „Sondern es wäre doch zum Beispiel gut, wenn jedes Kind die Chance hätte, in eine gute Schule zu gehen. Nicht nur jeder von Geburt an sagen, so jetzt bist du deines Glückes Schmied und behaupte dich wie Oliver Twist oder Huckleberry Finn.“
Neben Oliver Twist nutzt Precht Huckleberry Finn als zweites literarisches Beispiel für ein Kind, das sich ohne jede staatliche Unterstützung durchschlagen muss. Beide Figuren illustrieren seine These, dass reine Chancengerechtigkeit ohne soziale Absicherung eine Illusion ist.
Plädoyer für Reformen
Roman Deininger · 2025
Die politische Mitte hat einen reichen und erfolgreichen Gegner: die AfD. Umso bizarrer, dass sich vernunftbegabte Demokraten nahezu täglich aufführen wie die Schulhofschläger. Auf dem Spiel steht die zweite deutsche Demokratie.
🗣 Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:52:41 „Ich habe dieser Tage, du machst gerade den richtigen Punkt, Richard, zum Schluss ein wirklich brillantes Stück gelesen von Roman Deininger, Kollege von der Süddeutschen Zeitung.“
Lanz empfiehlt einen Artikel von Roman Deininger in der Süddeutschen Zeitung, der ein leidenschaftliches Plädoyer für echte politische Reformen darstellt und kritisiert, dass die Parteien der Mitte ihre politischen Komfortzonen verteidigen statt zu handeln.
Artikel über politische Komfortzonen und die AfD
Roman Deininger
Bernhard Winter lädt seit 1992 zu „Sonntagsbegegnungen" ein – einem kostenlosen Dialogformat, bei dem zwei prominente Gesprächspartner vor Publikum über ein strittiges Thema diskutieren, ohne Moderator oder Honorare. Am Anfang Oktober findet die 117. Veranstaltung in Erding statt, wo die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch und der SZ-Chefreporter Roman Deininger der Frage „Brauchen wir Parteien?" nachgehen. Nach der einstündigen Diskussion folgt eine Publikumsrunde und gemeinsames Mittagessen. Das Format erfreut sich großer Beliebtheit – die 120 Plätze waren bereits ausgebucht, bevor die Veranstaltung publik gemacht wurde. Winters Erfolgsgeheimnis liegt in einer Mischung aus Freundlichkeit, Hartnäckigkeit und knackig formulierten Themen, die renommierte Gäste aus Politik, Kirche, Kunst und Wissenschaft anziehen.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:52:49 „Ich habe dieser Tage ein wirklich brillantes Stück gelesen von Roman Deininger, Kollege von der Süddeutschen Zeitung. Roman Deininger hat neulich ein sehr leidenschaftliches Plädoyer dafür verfasst, was eigentlich gerade zu tun wäre. Und er sagte, die Parteien, die sagen zwar, wir haben verstanden, was die Stunde geschlagen hat, aber sie handeln nicht danach.“
Lanz empfiehlt zum Abschluss des Gesprächs einen Artikel von Roman Deininger aus der Süddeutschen Zeitung, der beschreibt, wie die Parteien der Mitte zwar behaupten, die Bedrohung durch die AfD ernst zu nehmen, in Wahrheit aber nur ihre eigene politische Komfortzone verteidigen. Lanz nennt den Text 'brillant' und findet die Analyse 'exakt präzise'.
Plädoyer für politisches Handeln gegen die AfD
Roman Deininger
Heribert Prantl fordert in seinem Meinungsbeitrag für die Süddeutsche Zeitung einen Verbotsantrag gegen die AfD von Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Er begründet dies mit dem Grundgesetz, das Verbotsverfahren gegen verfassungsfeindliche Parteien vorsieht – denn zu den Freiheiten einer Demokratie gehöre es nicht, die Demokratie selbst zu zerstören. Prantl beruft sich dabei auf Winfried Hassemer, den ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts und langjährigen Richter am BVerfG, der das erste NPD-Verbotsverfahren leitete.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:52:49 „Ich habe dieser Tage ein wirklich brillantes Stück gelesen von Roman Deininger, Kollege von der Süddeutschen Zeitung. Roman Deininger hat neulich ein sehr leidenschaftliches Plädoyer dafür verfasst, was eigentlich gerade zu tun wäre. Und er sagte, die Parteien, die sagen zwar, wir haben verstanden, was die Stunde geschlagen hat, aber sie handeln nicht danach.“
Markus Lanz zitiert ausführlich aus einem Meinungsstück von Roman Deininger in der Süddeutschen Zeitung, das er als 'brillant' bezeichnet. Der Artikel kritisiert, dass die Parteien der politischen Mitte zwar behaupten, die Bedrohung durch die AfD verstanden zu haben, aber in Wahrheit nur ihre eigene Komfortzone verteidigen. Lanz gibt mehrere Passagen fast wörtlich wieder und nutzt den Artikel als zentrales Argument für die Schlussthese der Episode: Deutschland brauche echten politischen Reformwillen statt 'Schlafwandelei'.