Lanz & Precht – Wir schaffen das - oder
#209

Wir schaffen das - oder

Lanz & Precht / 05. September 2025 / 9 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht

Zehn Jahre nach Angela Merkels berühmtem Satz "Wir schaffen das" rollen Lanz und Precht die Vorgeschichte auf: Beim Bürgerdialog in Rostock sagte Merkel der 14-jährigen Palästinenserin Reem noch kühl, dass nicht alle kommen könnten — und löste damit einen Empörungssturm unter dem Hashtag #MerkelStreichelt aus. Precht argumentiert, Merkel habe ihren Kurs erst korrigiert, als sie merkte, dass über 70 Prozent der Deutschen und sämtliche Medien inklusive der Bild-Zeitung auf der humanitären Seite standen — ganz die Kanzlerin, die sich stets an Stimmungen orientierte.

„Offensichtlich war Angela Merkel in der Fernsehsendung der felsenfesten Überzeugung, wir schaffen das nicht. Die können doch nicht alle kommen, was wird denn dann und so weiter.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (9)

Die Getriebenen

Die Getriebenen

Robin Alexander · 2025

»Dieser Autor lässt sich den Eros der Macht nicht austreiben und verwandelt die politische Realität in packende Literatur, die man wie einen Roman liest.« (Die Zeit) Friedrich Merz steht vor gewaltigen Aufgaben. Während Trump und Putin die alte Weltordnung zerstören, droht die AfD die politische Mitte in Deutschland zu sprengen. Der neue Bundeskanzler will ganz anders regieren als die abgewählte Ampel-Koalition.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:02:18 „Robin Alexander, interessant, schreibt in dem Zusammenhang von der Eisprinzessin, die dem Mädchen die kalte Schulter zeigt.“

Lanz verweist auf Robin Alexanders Darstellung der Merkel-Reem-Szene, in der Merkel als 'Eisprinzessin' beschrieben wird. Alexander, Journalist der Welt, dokumentierte die Flüchtlingskrise und Merkels Entscheidungsprozesse detailliert – die Formulierung 'Eisprinzessin' stammt aus seinem Buch 'Die Getriebenen' über die Merkel-Regierung während der Flüchtlingskrise 2015.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Kommentar zu 'Wir schaffen das'

Kommentar zu 'Wir schaffen das'

Martin Machowecz

ZEIT-Kommentar von Martin Machowecz zu Merkels „Wir schaffen das": Der Satz war ein leeres Versprechen, das die Demokratie beschädigte. Die Merkel-Regierung hatte keinen Implementierungsplan und lagerte die Verantwortung auf die Bürger ab. Machowecz argumentiert, dass Moralität darin besteht, Versprechen zu halten, nicht zu machen.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:07:32 „Ich habe dieser Tage einen wirklich sehr klugen Kommentar von Martin Machowecz, Kollege von der Zeit. Schöne Grüße an der Stelle. Stellvertretender Chefredakteur gelesen, der sagt, moralisch sein heißt nicht Versprechen zu machen, moralisch sein heißt Versprechen zu halten.“

Lanz zitiert ausführlich einen aktuellen Zeit-Kommentar von Martin Machowecz zum zehnten Jahrestag von Merkels 'Wir schaffen das'. Machowecz argumentiert darin, der Satz sei ein leeres Versprechen gewesen, das die Demokratie nachhaltig beschädigt habe, weil die Merkel-Regierung keinen Plan hatte und das 'Schaffenmüssen' an die Bürger auslagerte. Lanz nutzt den Text als zentrale Argumentationsgrundlage für seine Kritik an der Umsetzung der Flüchtlingspolitik.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Refugees Welcome – Zwölf Gründe, warum wir uns auf euch freuen

Refugees Welcome – Zwölf Gründe, warum wir uns auf euch freuen

Der Artikel behandelt die Willkommenskultur für Flüchtlinge in Deutschland 2015. Die Bild-Zeitung befragte Jugendliche auf der Straße zu ihrer Haltung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen. Der berühmte Titelseite vom 1. September 2015 mit der Schlagzeile "Refugees Welcome" dokumentiert, dass damals nicht nur Medien, sondern auch große Teile der deutschen Bevölkerung Flüchtlinge positiv aufnahmen.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:11:18 „1. September titelt die Bild-Zeitung Refugees Welcome. Zwölf Gründe, warum wir uns auf euch freuen. Das heißt, wir hatten eine verbreitete Willkommenskultur quer durch die ganze Gesellschaft.“

Precht zitiert die berühmte Bild-Titelseite vom 1. September 2015 als Beleg dafür, dass die gesamte deutsche Medienlandschaft inklusive der Bild-Zeitung damals eine Willkommenskultur propagierte. Er nutzt das, um zu zeigen, dass Angela Merkel gar keine andere politische Option hatte, als die Grenzen offen zu lassen – die öffentliche Meinung war überwältigend pro Aufnahme.

Zum Artikel bei BILD Details
Interview mit Richard Arnold (CDU-Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd)

Interview mit Richard Arnold (CDU-Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd)

Richard Arnold verteidigte einst die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel, nun fordert der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd einen Aufnahmestopp. Er erlebt, wie die Migration für neue Konflikte sorgt und Ressourcen knapper werden.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:28:37 „Ich habe dieser Tage ein Interview gelesen mit Richard Arnold. Das ist der CDU-Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd. Der war auch schon mal bei uns in der Sendung. 42 Prozent der Menschen in Schwäbisch Gmünd haben Migrationshintergrund.“

Lanz zitiert ausführlich aus einem Interview mit dem CDU-Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, der trotz grundsätzlicher Weltoffenheit inzwischen einen Aufnahmestopp fordert. Arnold beschreibt darin die Belastungsgrenze an Schulen – alle zwei Wochen komme ein neues Kind ohne Deutschkenntnisse in die Klasse. Lanz nutzt das Interview als Beleg dafür, dass die Integrationsprobleme in der gelebten Wirklichkeit angekommen sind.

Zum Artikel bei Welt Details
Der stille Freund

Der stille Freund

Ferdinand von Schirach · 2025

Nach »Kaffee und Zigaretten« und »Nachmittage« - neue Erzählungen von Bestsellerautor Ferdinand von Schirach. Ferdinand von Schirach schreibt über die Verletzlichkeit des Menschen, über seine Triumphe und sein Scheitern. Seine Geschichten erzählen von der Gesellschaft, vom Tod und von Verbrechen, von Musik, Film, Malerei und Philosophie. Sie spielen in Berlin, Kapstadt, Rom, Wien und an der Côte d ́Azur.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:32:04 „Ich hatte in dieser Woche jemanden da sitzen, Ferdinand von Schirach. Es war ein großartiges Gespräch mal wieder, hat ein sehr schönes neues Buch geschrieben, so minimalistisch wie er immer schreibt, »Der stille Freund«, in dem man sich viele Gedanken macht und auch ein sehr interessantes Kapitel zu Gaza beispielsweise drin hat, wirklich lesenswert.“

Markus Lanz leitet über zu systemischen Problemen der Politik und erwähnt dabei seinen jüngsten Talkshow-Gast Ferdinand von Schirach. Er empfiehlt das Buch ausdrücklich als lesenswert und hebt den minimalistischen Stil sowie ein Kapitel über Gaza hervor. Schirachs darin formulierter Vorschlag einer einmaligen siebenjährigen Amtszeit für Bundeskanzler wird anschließend zum Gesprächsthema.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Der Untergang des Abendlandes

Der Untergang des Abendlandes

Oswald Spengler · 2021

Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte ist das kulturphilosophische Hauptwerk von Oswald Spengler. Spengler vergleicht das europäisch-nordamerikanische Abendland unter kulturmorphologischen Gesichtspunkten mit sieben anderen Hochkulturen. Er entwirft so das Panorama einer spezifischen Geschichtsphilosophie.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:45:57 „Und dann gibt es dagegen, wir haben ja mal über Oswald Schwengler gesprochen, die konservative, die rechte Position, die sagt, es gehört zu deiner absolut unverwechselbaren Verwurzelungsidentität dazu, wo du geboren worden bist.“

Precht verweist auf Oswald Spengler als Vertreter der konservativen Identitätsposition, wonach nationale Zugehörigkeit eine biologisch-kulturelle Verwurzelung darstellt. Er kontrastiert diese Sichtweise mit der linken Klassenkampf-Perspektive.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
The Road to Somewhere

The Road to Somewhere

David Goodhart · 2017

SUNDAY TIMES, GUARDIAN AND TELEGRAPH BOOKS OF THE YEAR 2017 'A provocative take on the UK's new tribal divisions ... a book whose timing is pitch-perfect' Andrew Marr Many Remainers reported waking up the day after the Brexit vote feeling as if they were living in a foreign country. In fact, they were merely experiencing the same feeling that many British people have felt every day for years.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:48:07 „die nur die Anywheres kennen, die überall sein können und so weiter, das als Leitbild propagiert. Und die Somewheres, die nur an einem Ort leben können, die da verwurzelt sind, die auch nur da leben wollen, die kommen auf diesem Zettel nicht mehr vor.“

Precht nutzt die von David Goodhart geprägten Begriffe 'Anywheres' und 'Somewheres', um die Spaltung zwischen global mobilen Gewinnern und lokal verwurzelten Verlierern des Kapitalismus zu beschreiben. Er argumentiert, dass nur rechtspopulistische Parteien die Interessen der Somewheres adressieren.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Identity: The Demand for Dignity and the Politics of Resentment

Identity: The Demand for Dignity and the Politics of Resentment

Francis Fukuyama · 2018

The New York Times bestselling author of The Origins of Political Order offers a provocative examination of modern identity politics: its origins, its effects, and what it means for domestic and international affairs of state In 2014, Francis Fukuyama wrote that American institutions were in decay, as the state was progressively captured by powerful interest groups.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:36 „Francis Fukuyama, den wir ja beide kennen und auch schätzen, hat ein irre gutes Buch, finde ich, über Identität und Identitätspolitik geschrieben. Und er beschreibt das dort, wie das war und sagt, dieses 20. Jahrhundert, das war im Grunde überwiegend getrieben von Wirtschaftsfragen.“

Markus Lanz empfiehlt Fukuyamas Buch über Identität und Identitätspolitik als zentralen Referenzpunkt der Diskussion. Er nutzt Fukuyamas These, dass Politik im 20. Jahrhundert von Wirtschaftsfragen dominiert war, heute aber zunehmend von Identitätsfragen bestimmt wird, um den Aufstieg von Trump und der AfD zu erklären – obwohl deren Steuerpolitik den kleinen Leuten schadet, fühlen sich diese trotzdem vertreten.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Identität

Identität

Francis Fukuyama · 2018

Currently in Bill Gates's bookbag and FT Books of 2018 Increasingly, the demands of identity direct the world's politics. Nation, religion, sect, race, ethnicity, gender: these categories have overtaken broader, inclusive ideas of who we are. We have built walls rather than bridges. The result: increasing in anti-immigrant sentiment, rioting on college campuses, and the return of open white supremacy to our politics.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:45 „Francis Fukuyama, den wir ja beide kennen und auch schätzen, hat ein irre gutes Buch, finde ich, über Identität und Identitätspolitik geschrieben. Und er beschreibt das dort, wie das war und sagt, dieses 20. Jahrhundert, das war im Grunde überwiegend getrieben, so hast du es ja auch gerade beschrieben, von Wirtschaftsfragen.“

Nach einer ausführlichen Diskussion über nationale Identität, die Kluft zwischen "Anywheres" und "Somewheres" und den Aufstieg des Rechtspopulismus greift Lanz zu Fukuyamas Buch, um die These zu untermauern, dass Politik heute nicht mehr primär durch wirtschaftliche Belange bestimmt wird, sondern durch Identitätsfragen. Er nutzt Fukuyamas Analyse als Rahmen, um den Widerspruch zu erklären, warum Wähler Parteien unterstützen, deren Wirtschaftspolitik ihnen schadet.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
War die Extraktion dieser Folge gut?