Arbeit lohnt sich - oder nicht
Markus Lanz, Richard David Precht
Die Episode beginnt mit einem Einblick in Prechts Arbeit an einer Performance zu Ludwig Wittgenstein an der Musikhochschule Hans Eisler in Berlin, wo Komponiststudierende Musik zu dessen Spätwerk geschrieben haben. Daraus entwickelt sich ein Gespräch über Wittgensteins radikale Einsicht, dass Philosophie nicht die Welt erklärt, sondern nur die Sprachspiele offenlegt, in denen wir uns bewegen — unser Erkenntnisapparat sei nicht für objektive Wahrheiten gemacht, sondern dafür, miteinander klarzukommen.
„Die Sprache hat die Funktion, dass Menschen miteinander klarkommen in sehr unterschiedlichen Situationen. Und wenn das die Funktion von Sprache ist, dann kann der Mensch mit seinem Erkenntnisapparat keine höheren Wahrheiten oder Weisheiten erkennen.“
Erwähnte Medien (17)
Philosophische Untersuchungen
Ludwig Wittgenstein
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:00:19 „Wir haben uns über lange Zeit mit Ludwig Wittgenstein beschäftigt, dem großen österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein. Und zu dessen Spätwerk haben die Komponisten dazu komponiert.“
Precht beschreibt eine Performance an der Musikhochschule Hans Eisler, die auf Wittgensteins Spätphilosophie basiert. Die Philosophischen Untersuchungen sind das zentrale Spätwerk Wittgensteins über Sprachspiele.
From Dusk Till Dawn
Robert Rodriguez
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:04:03 „Weißt du, ein bisschen wie in einem Tarantino-Film. From dust till dawn. Du denkst am Anfang ist es ein Krimi und am bestimmten Punkt ist es ein Vampirfilm. Und so ähnlich musst du dir das auch vorstellen. Also Wittgenstein 1 ist dann noch der klassische Krimi und plötzlich über Nacht, nach Mitternacht, verwandelt sich die Philosophie in einen Vampirfilm.“
Precht nutzt den Film als Analogie, um den radikalen Bruch zwischen Wittgensteins Frühwerk und Spätwerk zu veranschaulichen. So wie der Film unvermittelt vom Krimi- ins Vampirgenre wechselt, habe auch Wittgenstein seine Philosophie grundlegend verändert – von einer Welterklärung hin zur Analyse von Sprachspielen.
Alterspräsidentenrede im 21. Bundestag
Gregor Gysi
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:10:36 „Der große Rhetoriker Gregor Gysi hat sich mit seiner letzten Rede keinen großen Gefallen getan, um es mal ganz neutral zu sagen. Schade.“
Lanz berichtet über die konstituierende Sitzung des neuen Bundestags. Gysi hielt als Alterspräsident die Eröffnungsrede, in der er laut Lanz die Errungenschaften der DDR lobte und eine Entschuldigung gegenüber Ostdeutschen forderte, was Lanz als unglücklich und wenig konstruktiv bewertet.
Il Principe / Der Fürst
Niccolò Machiavelli
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:17:38 „Machiavelli, italienischer Philosoph vor 500 Jahren, il Principe. Ich bin darüber gestolpert, weil der unter anderem schreibt, man kann sein Wort brechen und muss sein Wort nicht halten“
Lanz zitiert Machiavelli, um die Frage zu diskutieren, ob Friedrich Merz' Kurswechsel bei der Schuldenbremse politisch legitim sein könnte.
Il Principe
Niccolò Machiavelli
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:19:06 „Aber ist das sozusagen, um jetzt zu einem anderen großen Philosophen zu kommen, Richard, im Sinne des klugen Machthabers Machiavelli, ist das möglicherweise unter Umständen legitim? Machiavelli, italienischer Philosoph vor 500 Jahren, il Principe. Ich bin darüber gestolpert, weil der unter anderem schreibt, man kann sein Wort brechen und muss sein Wort nicht halten, nämlich dann nicht, wenn das dem Machthaber zum Schaden gereichen würde und wenn die Gründe weggefallen sind, die ihn zu seinem Versprechen verantlasst haben.“
Lanz zitiert Machiavellis 'Il Principe', um die Frage aufzuwerfen, ob Friedrich Merz' Kehrtwende bei der Schuldenbremse machiavellistisch legitim sein könnte. Precht ordnet daraufhin Machiavelli historisch ein und argumentiert, dass Machiavelli Merz nicht verteidigen würde, weil der Glaubwürdigkeitsschaden für die Republik größer sei als der politische Nutzen.
Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio
Niccolò Machiavelli
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:55 „Machiavelli hat mehrere Bücher geschrieben und nur in einem seiner Bücher ist von einem Fürsten il Principe die Rede und in anderen ist von einer Republik die Rede. Er wollte hier nicht unbedingt eine Monarchie oder eine Aristokratie verteidigen, sondern er wollte diesen Gedanken eines funktionierenden, starken Staates.“
Precht verweist auf Machiavellis weitere Werke – insbesondere die Discorsi –, um das verbreitete Missverständnis zu korrigieren, Machiavelli sei nur ein zynischer Machttheoretiker gewesen. Precht betont, dass Machiavelli in seinen republikanischen Schriften einen funktionierenden Staat im Sinne des Gemeinwohls anstrebte.
Spiegel-Artikel zum Bürgergeld
Nikolaus Blome
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:21:32 „jemand wie Nikolaus Blome, der vor einiger Zeit im Spiegel gesagt hat, da wird jetzt auch gerade die Mutter aller Schlachten geschlagen, als er einen sehr interessanten Text zum Thema Bürgergeld geschrieben hat“
Lanz verweist auf Blomes Spiegel-Text über das Bürgergeld als Symbol für die Debatte um die Zukunft des Sozialstaats.
Bürgergeld-Artikel im Spiegel
Nikolaus Blome
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:21:40 „Jemand wie Nikolaus Blome, der vor einiger Zeit im Spiegel gesagt hat, da wird jetzt auch gerade die Mutter aller Schlachten geschlagen, als er einen sehr interessanten Text zum Thema Bürgergeld geschrieben hat. Das ist ein bisschen zum Symbol dafür geworden, dass ob man diesen Sozialstaat jetzt weiter aufrechterhalten kann, weiter finanzieren kann.“
Lanz erwähnt einen Spiegel-Artikel von Nikolaus Blome über das Bürgergeld, der die Debatte um die Zukunft des Sozialstaats auf den Punkt gebracht habe. Blome beschrieb die Bürgergeld-Frage als 'Mutter aller Schlachten', was Lanz als treffendes Symbol für die grundlegende Auseinandersetzung über die Finanzierbarkeit des Sozialstaats aufgreift.
Von der Pflicht. Eine Betrachtung
Richard David Precht
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:37:01 „Und meine Frage an dich ist, Richard, du hast ja mal ein sehr schönes Buch über die Pflicht gemacht. Ist das die Falle, in die sozusagen auch die SPD letzten Endes getappt ist?“
Lanz leitet über zur Frage, ob der Sozialstaat eine Pflicht-Lücke hat. Er verknüpft Prechts Buch über den Pflichtbegriff mit der SPD-Haltung zum Bürgergeld und fragt, ob die Partei zu naiv an das Gute im Menschen geglaubt hat, statt Pflichten einzufordern.
Das Kapital im 21. Jahrhundert
Thomas Piketty
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:40:32 „Thomas Piketty, das ist der französische Ökonom, der das Kapital geschrieben hat, der über Nachtwelt berühmt geworden ist mit diesem Buch.“
Lanz erwähnt Piketty neben Michael Sandel als einen der wichtigsten Denker zu Ungleichheit und Aufstiegschancen. Das Buch wird als Referenzwerk genannt, das Piketty weltberühmt gemacht hat, im Kontext der Diskussion über die wachsende Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern seit den 1980er Jahren.
The Tyranny of Merit
Michael Sandel
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:41:39 „Sandel bringt einen sehr interessanten Begriff in die Debatte, Meritokratie. Und sagt, eine Meritokratie, also man verdient sich sozusagen etwas. Und die Frage, wie ein Verdienst oder die Idee von Verdienst zu etwas werden kann, was dann schwierig wird, zu einer Art Tyrannei, wie er es nennt, das ist natürlich interessant.“
Lanz führt Sandels These ein, dass das meritokratische Aufstiegsversprechen seit den 1980er Jahren zur Demütigung der Abgehängten geführt hat. Er verbindet Sandels Analyse mit seiner eigenen Biografie als jemand, der ohne akademische Privilegien aufgewachsen ist, und sieht in dieser Frustration einen Motor für den aktuellen Kulturkampf und die AfD.
Hillbilly Elegy
J.D. Vance
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:44:45 „Du hast ein paar Parallelen mit J.D. Vance, der ja auch diesen Weg ohne Förderung und so weiter gegangen ist. Und natürlich hat es ein ganz anderes Elternhaus, aber du hast einen sehr langen Weg gemacht.“
Precht vergleicht Lanz' Aufstiegsbiografie mit der von J.D. Vance. Der Verweis auf Vances Weg 'ohne Förderung' bezieht sich implizit auf dessen autobiografisches Buch 'Hillbilly Elegy', in dem Vance seinen Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen in Appalachia beschreibt.
Wall Street
Oliver Stone
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:46:50 „Das war auch die Zeit mit Michael Douglas als Börsenmakler, als Gecko. Das war sozusagen die Zeit, wo man sagt, du musst einfach das System ausnutzen. Du musst mit Milliarden jonglieren und du musst der eiskalteste, gerissenste Hund sein.“
Precht nutzt die ikonische Filmfigur Gordon Gecko als Symbol für den Wertewandel der 1980er und 90er Jahre: weg von der klassischen Leistungsgesellschaft, hin zur Erfolgsgesellschaft, in der Skrupellosigkeit und Finanzspekulation mehr bewundert werden als ehrliche Arbeit.
Germany's Next Topmodel
Heidi Klum
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:46 „Das heißt also, die Leistung einer Pflegekraft, die beharrlich über Jahrzehnte gute Arbeit geleistet zu haben, wird weniger anerkannt als der Erfolg von irgendjemand bei Germany's Next Topmodel, wo keine Leistung hintersteht.“
Precht verwendet die Show als Negativbeispiel für die Umdefinition des Leistungsbegriffs: In der modernen Erfolgsgesellschaft werde mediale Prominenz ohne substanzielle Leistung höher bewertet als jahrzehntelange Pflegearbeit. Das illustriert seine These vom Wandel der Leistungs- zur Erfolgsgesellschaft.
Spiegel-Artikel zur Erbschaftssteuer
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:50:25 „Kollegen vom Spiegel haben neulich ein großes Stück darüber geschrieben. Es gibt einen herrlichen Satz in diesem Text, der geht so. In Deutschland gibt es sagenumwobene Orte, den Brocken, die Loreley, Den Schwarzwald und Ommas Häuschen.“
Lanz zitiert aus einem Spiegel-Artikel über die Ungerechtigkeiten bei der deutschen Erbschaftssteuer und die Lobby-Arbeit dagegen.
Erbschaftssteuer-Recherche (Ommers Häuschen)
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:50:39 „Kollegen vom Spiegel haben neulich ein großes Stück darüber geschrieben. Es gibt einen herrlichen Satz in diesem Text, der geht so. In Deutschland gibt es sagenumwobene Orte, den Brocken, die Loreley, den Schwarzwald und Ommers Häuschen.“
Lanz zitiert ausführlich aus einem Spiegel-Artikel über die Ungerechtigkeit der deutschen Erbschaftssteuer. Der Artikel entlarvt den Mythos, dass vor allem kleine Eigenheime von der Steuer bedroht seien, und zeigt, dass tatsächlich Großvermögen von den Freibeträgen profitieren. Lanz nutzt den Artikel als Beleg für die Feigheit der Politik bei der Vermögensbesteuerung.
Artikel über Erbschaftssteuer und Omas Häuschen
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:50:39 „Kollegen vom Spiegel haben neulich ein großes Stück darüber geschrieben. Es gibt einen herrlichen Satz in diesem Text, der geht so. In Deutschland gibt es sagenumwobene Orte, den Brocken, die Loreley, den Schwarzwald und Ommers Häuschen.“
Lanz spricht über die Ungerechtigkeit bei der Erbschaftssteuer und verweist auf einen ausführlichen Spiegel-Artikel, der die Mythen rund um die Erbschaftssteuer dekonstruiert. Der Artikel zeigt laut Lanz, dass die Erzählung vom bedrohten Eigenheim nicht stimmt — Eigenheime können steuerfrei weitergegeben werden — und dass die tatsächlich vererbten Summen dreimal höher sind als offiziell erfasst.