Ausgabe Fuenfundsechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode dreht sich um die Macht von Social Media — 4,6 Milliarden Nutzer weltweit — und die heikle Verstrickung westlicher Tech-Konzerne mit China. Am Beispiel der chinesischen Proteste zeigen Lanz und Precht, wie Apple die Airdrop-Funktion einschränkte und Twitter mit Erotik-Posts ablenkte, während Tesla und Apple Milliardenumsätze im Land erwirtschaften. Der Bogen führt zu Hollywoods blinden Fleck: Filme, die die eigene Regierung zerlegen, gibt es zuhauf — doch einen kritischen Blick auf die Kommunistische Partei Chinas sucht man vergeblich.
„Was du nicht findest, ist ein Film, der sich kritisch mit der kommunistischen Partei Chinas auseinandersetzt.“
Erwähnte Medien (8)
Full Metal Jacket
Stanley Kubrick
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:53 „Du wirst ja in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie jederzeit den Film finden, den großen Hollywood-Blockbuster, und die Geschichte ist voll davon, der sich ganz, ganz kritisch mit der eigenen Regierung auseinandersetzt. Full Metal Jacket und viele, viele andere Filme oder Zero Dark Thirty oder Michael Moore Filme und so weiter.“
Lanz argumentiert, dass Hollywood regelmäßig regierungskritische Filme produziert, aber keinen einzigen Film findet, der sich kritisch mit der kommunistischen Partei Chinas auseinandersetzt – weil der chinesische Markt mit 1,4 Milliarden Menschen zu wichtig ist. Full Metal Jacket dient als Paradebeispiel für diese amerikanische Tradition der Selbstkritik.
Vice
Adam McKay
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:04:13 „Oder die großartigen Filme hier, Beweis über Dick Cheney. Zum Beispiel, genau. Ganz toller Film.“
Precht ergänzt Lanz' Aufzählung regierungskritischer Hollywood-Filme begeistert um den Film über den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Der Titel wird im Transkript als 'Beweis' wiedergegeben, gemeint ist sehr wahrscheinlich 'Vice' (2018) von Adam McKay. Precht bezeichnet ihn ausdrücklich als 'ganz tollen Film'.
Zero Dark Thirty
Kathryn Bigelow
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:04:21 „Oder hier Catherine Bigelow, die Frau von James Cameron, dem Titanic-Regisseur, die diesen Zero Dark Thirty gemacht hat. Diesen Film über die Ergreifung von Osama Bin Laden, diese Sonderoperation, Spezialoperation in Abbottabad in Pakistan.“
Lanz nennt Zero Dark Thirty als weiteres Beispiel für Hollywoods Bereitschaft, heikle Operationen der eigenen Regierung filmisch aufzuarbeiten. Er ordnet den Film inhaltlich ein – die Jagd auf Bin Laden in Pakistan – und kontrastiert diese Offenheit mit dem völligen Fehlen chinakritischer Filme in Hollywood.
Titanic
James Cameron
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:21 „Oder hier Catherine Bigelow, die Frau von James Cameron, dem Titanic-Regisseur, die diesen Zero Dark Thirty gemacht hat.“
Titanic wird nicht inhaltlich besprochen, sondern dient nur als Erkennungsmerkmal für den Regisseur James Cameron, um dessen damalige Ehefrau Kathryn Bigelow einzuordnen. Eine beiläufige Erwähnung ohne eigene inhaltliche Bedeutung im Gespräch.
Snowden
Oliver Stone
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:04:41 „Was du nicht findest, ist ein Film, der sich kritisch mit der kommunistischen Partei Chinas auseinandersetzt. Den findest du nicht. Film über Snowden. Genau.“
Der Film über Edward Snowden wird als letztes Beispiel in der Reihe amerikanischer Filme genannt, die sich kritisch mit der eigenen Regierung bzw. deren Geheimdiensten auseinandersetzen. Lanz nutzt diese Aufzählung, um den Kontrast zum Fehlen chinakritischer Filme in Hollywood herauszuarbeiten.
Tatort
ARD
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:34:37 „Früher war das so, wenn so ein Derrick oder ein Tatort war in den 70er Jahren, kaum eine Leiche gesehen, kein Blut. Da gab es auch keine durchgeknallten Massenmörder. Kinder, glaube ich, wurden auch nicht umgebracht und so weiter. Heute ist genau das Gegenteil der Fall.“
Precht nutzt den Tatort als Beispiel für die Eskalation von Gewaltdarstellungen im Fernsehen. In den 70er Jahren sei kaum Blut zu sehen gewesen, heute dagegen stürben jeden Abend über 100 Figuren teils auf bestialische Weise – und das Publikum empfinde es als ähnlich aufregend wie damals das Harmlose.
Derrick
Herbert Reinecker
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:34:37 „Früher war das so, wenn so ein Derrick oder ein Tatort war in den 70er Jahren, kaum eine Leiche gesehen, kein Blut. Da gab es auch keine durchgeknallten Massenmörder.“
Neben dem Tatort nennt Precht die Krimiserie Derrick als zweites Beispiel für die damals zurückhaltende Gewaltdarstellung im deutschen Fernsehen der 70er Jahre. Beide Serien dienen ihm als Kontrastfolie zur heutigen Gewaltdosis im TV.
Die vierte Gewalt
Richard David Precht, Harald Welzer · 2022
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:37:10 „Ich habe ja, wie du weißt, ein Buch geschrieben, das vom Gegenteil ausgeht. Nämlich, wo ich die Gefahr sehe, dass die Qualitätsmedien zunehmend die Erregungsdiskurse der sozialen Medien reiten und dass dadurch Qualitätsverflachung damit einhergeht.“
Lanz wirft die These auf, dass Social Media den klassischen Journalismus auch besser gemacht habe. Precht verweist auf sein eigenes Buch, in dem er die Gegenthese vertritt: Qualitätsmedien übernehmen zunehmend die Erregungslogik sozialer Medien, was zu einer Qualitätsverflachung führe. Später erwähnt er das Buch erneut im Zusammenhang mit der Kölner Silvesternacht, die dort als Fallbeispiel behandelt wird.