Wie Frau B. ihren Vergewaltiger besiegte
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Diese Folge widmet sich zwei Menschen, die Opfer schwerer Verbrechen wurden — mit völlig unterschiedlichem Ausgang. Im Zentrum steht zunächst Frau Benefeld-Kersten, Deutschlands erste weibliche Gefängnisdirektorin, die 1996 in der Justizvollzugsanstalt Salinenmoor bei Celle Opfer einer Vergewaltigung wurde. Eine Frau, die ihr Leben der Arbeit mit den härtesten Strafgefangenen gewidmet hatte und sich gegen ihren Angreifer behauptete.
„Ich glaube, dass das Verständnis von Menschen, die extreme Taten begehen, auch immer was mit dem Verständnis von uns selbst zu tun hat.“
Erwähnte Medien (3)
Tatort
ARD
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:54 „Ich habe nämlich gerade als Naturwissenschaftler natürlich gezuckt, als du gesagt hast, man spürt das durch die Mauern hindurch, wenn da was irgendwie schief läuft. Aber wenn ich mir jetzt vergegenwärtige, wir sind ja alle so geübte Tatort- und Krimi-Gucker und die Szene, die du so beschreibst mit den ins Schloss fallenden Türen und so weiter, die haben wir ja alle x-mal gesehen.“
Andreas Sentker vergleicht die Schilderung eines echten Hochsicherheitsgefängnisses mit dem, was man aus dem Fernsehen kennt. Er räumt ein, dass Zuschauer durch Tatort und andere Krimiserien zwar die Bilder kennen, das tatsächliche Erleben der beklemmenden Atmosphäre aber etwas völlig anderes sei.
Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde
Robert Louis Stevenson
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:13:50 „Sie hat mir geschildert, es mit den Worten, Dr. Jekyll verließ den Raum und Mr. Hyde kam herein. Und sie weiß, dass sie jetzt mit der unberechenbaren und bösartigen Seite zu tun bekommt.“
Sabine Rückert schildert den Moment, in dem die Geiselnahme eskaliert. Die Gefängnisdirektorin Benefeld-Kersten beschreibt den Persönlichkeitswechsel des Sicherungsverwahrten mit der Jekyll-und-Hyde-Metapher: Sein rationaler, verhandlungsbereiter Teil verschwindet, und seine gefährliche, unberechenbare Seite übernimmt, nachdem die Polizei zu lange nicht reagiert hat.
Im Keller
Jan Philipp Reemtsma
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:36:11 „Jan Philipp Reemsma, berühmtes Entführungsopfer, berühmt auch deswegen, weil er danach sehr intensiv über Aggression geforscht hat, weil er unfassbar reflektiert war.“
Reemtsma wird als Experte für die Opferperspektive herangezogen. Sabine Rückert hat ihn zu dem Fall befragt. Er wird zitiert mit der These, dass eine Straftat nicht nur den Täter, sondern auch das Opfer aus der Gesellschaft katapultiert und der Strafprozess das Opfer wieder zurückführen muss. Seine Schriften über die eigene Opfererfahrung und Gewalt werden explizit erwähnt.