Die Heiligen #2 Carl Gustav Jung, der Herr der Schatten
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Johanna Haberer erklärt, warum Carl Gustav Jung sie ein Leben lang begleitet hat: Anders als Freud erkannte Jung die spirituelle Dimension als wesentliche Kraftquelle des Menschen und entwickelte mit der analytischen Psychologie einen Ansatz, der auf Imagination, Fantasie und Kreativität setzt. Obwohl man heute Psychologie studieren kann, ohne Jungs Namen je zu hören, arbeiten Therapeuten weltweit weiter mit seinen Methoden — besonders in der Tiefenpsychologie, wo die Verbindung zum Unendlichen nicht als esoterischer Überbau gilt, sondern als Voraussetzung für echte Persönlichkeitsentwicklung.
„Die entscheidende Frage für den Menschen ist, bist du auf Unendliches bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium seines Lebens.“
Erwähnte Medien (9)
Die Traumdeutung
Sigmund Freud
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:01:04 „Und damals kam dann auch bei uns im Studium vor, dass wir Traumdeutung lesen von Sigmund Freud, wo man dann irgendwie einen Zugang bekommen hat und Zugang zu den Träumen.“
Johanna Haberer erzählt, wie sie im Theologiestudium erstmals mit Psychoanalyse in Berührung kam. Freuds 'Traumdeutung' war Pflichtlektüre und öffnete ihr den Zugang zur Welt der Träume – was sie später zu C.G. Jung führte.
Erinnerungen, Träume, Gedanken
C.G. Jung
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:09:57 „Er ist als junger Mensch, er schreibt in seinen Lebenserinnerungen, dass er sich immer in der Welt irgendwie fremd gefühlt hat. Und als junger Mensch immer schon das Gefühl hatte, dass er anders als die anderen tickt.“
Johanna Haberer bezieht sich mehrfach auf Jungs autobiografische Aufzeichnungen, in denen er seine Kindheit, Visionen und sein Fremdheitsgefühl beschreibt. Das Werk wird nicht beim Titel genannt, aber inhaltlich ausführlich zitiert – es handelt sich um Jungs postum veröffentlichte Autobiografie.
Jung: A Biography
Deirdre Bair
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:12:03 „Also ich lese jetzt aus der Biografie, der berühmtesten Jung-Biografie, der Idre Bair. So, glaube ich, spricht man sie. Und da beschreibt sie, wie C.G. Jung und Sigmund Freud miteinander auf ihrer Amerika-Reise im Central Park spazieren gehen.“
Johanna Haberer liest eine längere Passage aus der bekanntesten Jung-Biografie von Deirdre Bair vor, in der Jungs berühmter Haustraum beschrieben wird – jener Traum, der ihn zum Konzept des kollektiven Unbewussten führte. Die Biografie dient als zentrale Quelle für die Erzählung der Episode.
Artikel über Traumdeutungen des C.G. Jung
🗣 Sabine Rueckert referenziert bei ⏱ 00:20:16 „Dazu fällt mir ein Artikel ein, den ich in der Welt am Sonntag gelesen habe, der ist 2011 erschienen. Da geht es um die Traumdeutungen des C.G. Jung.“
Sabine Rückert zitiert aus einem 2011 in der Welt am Sonntag erschienenen Artikel über C.G. Jungs Traumdeutungen. Sie liest daraus die Geschichte eines jungen Theologen vor, dessen wiederkehrender Traum von Jung als verpasste Chance zum Selberdenken gedeutet wird.
Das Rote Buch (Liber Novus)
C.G. Jung
🗣 Sabine Rueckert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:01 „Ah, das ist das Rote Buch. Das hast du da? Das ist ja erst 2009 entdeckt worden. Das Rote Buch ist etwas, was ich dir auch vorlegen wollte. Ich habe einen eigenen Zettel hier, Fragen fürs Rote Buch.“
Das Rote Buch ist das zentrale Werk dieser Episode. Johanna Haberer hat es physisch mitgebracht und beide Sprecherinnen beschreiben ausführlich die mittelalterlich anmutende Kalligrafie, die Mandalas und Visionen. Das 2009 posthum veröffentlichte Werk dokumentiert Jungs innere Seelenreise und wird als Schlüssel zu seinem Denken behandelt.
Rezension zu C.G. Jungs Rotem Buch
Christoph Türcke
🗣 Sabine Rueckert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:27:07 „Ich habe es aus der Süddeutschen Zeitung. Als das Rote Buch nämlich veröffentlicht wurde, hat die Süddeutsche Zeitung den deutschen Philosophen Christoph Türke gebeten, sich für die Zeitung mal dieses Buch anzusehen. Und der hat einen wirklich tollen Artikel in der SZ darüber geschrieben.“
Sabine Rückert zitiert ausführlich aus einem Artikel des Philosophen Christoph Türcke in der Süddeutschen Zeitung über C.G. Jungs Rotes Buch. Der Artikel analysiert Jungs Visionen als Abwehrzauber gegen drohende Schizophrenie und wird als intellektuell wertvolle Einordnung empfohlen.
Das Rote Buch
C.G. Jung
🗣 Sabine Rueckert referenziert bei ⏱ 00:31:31 „Das rote Buch gibt wie kein anderes Dokumentaufschluss über die innere Not, aus der Jungs Hypostasen, also innere Botschaften, aufgestiegen sind. Aus der Bedrohung durch den Wahnsinn. Der Wahnobsession, ein eigenes, von ihm unterschiedenes Sein unterzulegen.“
Sabine Rueckert liest eine ausführliche Würdigung des Roten Buches vor, das C.G. Jungs inneren Kampf gegen den drohenden Wahnsinn dokumentiert. Das Buch wird als Abwehrzauber gegen Schizophrenie beschrieben — ein Versuch eines Hochbegabten, seine Krankheit durch Umdeutung in ein metaphysisches System im Griff zu behalten. Es wurde 2009 posthum veröffentlicht, nachdem Jung es zeitlebens geheim gehalten hatte.
A Beautiful Mind
Ron Howard
🗣 Sabine Rueckert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:33:17 „Also das erinnert mich an den Film A Beautiful Mind. In dem Film spielt Russell Crowe den Mathematiker Nash, der schizophren ist und dann durch innere Kraft diese Schizophrenie. Und das ist ein unglaublich toller Film, also jeder anschauen bitte, A Beautiful Mind, wer es noch nicht kennt.“
Sabine Rückert zieht nach der Analyse des Roten Buchs eine Parallele zu dem Film A Beautiful Mind mit Russell Crowe. Wie der Mathematiker Nash seine Schizophrenie durch innere Kraft im Griff behielt, so habe auch Jung seine Visionen durch Umdeutung in ein metaphysisches System gebändigt. Eine enthusiastische Empfehlung.
Der Heros in tausend Gestalten
Joseph Campbell
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:52:35 „Und die Reise des Helden, die ja später dann der Religionsforscher Campbell niedergeschrieben hat, 1944. Im Grunde genommen steckt da schon in der Reise des Helden, dass einer ausziehen muss und was erleben muss, um das große Heilmittel zu finden und dann wieder zurückzubringen.“
Johanna Haberer stellt eine Verbindung zwischen Jungs Archetypen-Lehre und Joseph Campbells Konzept der Heldenreise her. Sie zeigt, dass Campbells Monomythos — der Held zieht aus, besteht Abenteuer und kehrt verwandelt zurück — bereits in Jungs Psychologie angelegt war, insbesondere in seiner Arbeit mit Märchen und universellen Figuren.