Das Absurde steht im Mittelpunkt
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
Paulus predigt drei Sabbate lang in der Synagoge von Thessaloniki und überzeugt neben einigen Juden vor allem eine große Schar frommer Griechen — darunter auffällig viele Frauen aus der Oberschicht. Das bringt die etablierten Prediger so in Rage, dass sie Taugenichtse vom Marktplatz anheuern, eine Meute zusammentrommeln und das Haus des Jason stürmen lassen. Paulus ist längst weg, also schleppen sie den armen Jason zur Stadtpräfektur — eine Szene, die die absurde Kollaterallogik früher Missionsgeschichte scharf beleuchtet.
„Upper-Class-Frauen waren das, die das alles hier vorangetrieben haben. Kluge, intelligente, wohlhabende Personen.“
Erwähnte Medien (3)
Paulus. Die Begründung des Universalismus
Alain Badiou
Alain Badious philosophische Analyse des Apostels Paulus als revolutionäre politische Figur statt religiöser Heiliger. Der atheistische Philosoph deutet Paulus als „Denker des Ereignisses", vergleicht ihn mit Lenin und arbeitet die Auferstehung als Kern der paulinischen Botschaft heraus.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:21:27 „Aber jetzt hör zu, ich habe ein wunderbares Buch gefunden, das heißt Paulus, die Begründung des Universalismus von einem Philosophen, der heißt Alain Badiou. Und der ist ein Philosoph und Mathematiker und war Professor an der Universität Paris für Philosophie und ist ein überzeugter Atheist.“
Sabine Rückert stellt begeistert ein Buch vor, in dem der atheistische Philosoph und Mathematiker Alain Badiou den Apostel Paulus als revolutionäre politische Figur analysiert — nicht als Heiligen, sondern als 'dichterischen Denker des Ereignisses'. Sie liest mehrere lange Passagen daraus vor, in denen Badiou Paulus mit Lenin vergleicht und die Auferstehung als den entscheidenden Kern der paulinischen Botschaft herausarbeitet.
Paulus, unser wahrer Zeitgenosse
Kurt Riechelmann
Der Artikel behandelt Alain Badious philosophische Interpretation des Apostels Paulus. Badiou stellt Paulus als Vorläufer revolutionären Denkens dar und widerlegt damit Nietzsches Kritik an der Paulusgestalt. Der Text arbeitet die Auseinandersetzung zwischen Badious Ansätzen und den Positionen Nietzsches sowie Heideggers zu Paulus heraus.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:29:57 „Wollte ich dir noch was vorlesen. Aus der FAZ, da ist ein Artikel erschienen 2008 von einem gewissen Kurt Riechelmann, den ich sehr, sehr gut fand. Paulus, unser wahrer Zeitgenosse, und da bezieht er sich auf diesen Badiou, den ich gerade vorgelesen habe.“
Sabine Rückert liest aus einem FAZ-Artikel von 2008 vor, der Badious Paulus-Interpretation bespricht und dessen Konfrontation mit Nietzsche und Heidegger herausarbeitet. Der Artikel zeigt, wie Badiou Nietzsches Paulus-Kritik widerlegt und Paulus als Vorläufer revolutionären Denkens darstellt.
Der Antichrist
Friedrich Nietzsche · 2022
"Dies Buch gehört den Wenigsten. Vielleicht lebt selbst noch Keiner von ihnen. Es mögen Die sein, welche meinen Zarathustra verstehn: wie dürfte ich mich mit Denen verwechseln, für welche heute schon Ohren wachsen? – Erst das Übermorgen gehört mir. Einige werden posthum geboren." (Zitat auf S. 3 in diesem Buch) Friedrich Nietzsche. Der Antichrist. Versuch einer Kritik des Christenthums. Erstdruck: C. G. Naumann Verlag, Leipzig 1895.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:30:28 „Wenn Nietzsche etwa Paulus als den Fleisch, den Genie gewordenen Tschandala-Hass gegen Rom und gegen die Welt bezeichnet, der den alten Unsterblichkeitsglauben nötig hatte, um die Welt zu entwerten, dann merkt Badiou an, dass an Nietzsches Ausfall nichts wirklich stimmt.“
Im Kontext der Badiou-Rezension wird Nietzsches berühmte Polemik gegen Paulus referiert, in der er ihn als Verkörperung des Ressentiments beschreibt. Badiou widerspricht dieser Deutung und argumentiert, dass Nietzsche an seiner Rivalität zu Paulus zerbrochen sei.