Unter Pfarrerstöchtern – Wer hat, dem wird auch noch gegeben
#136

Wer hat, dem wird auch noch gegeben

Unter Pfarrerstöchtern / 01. November 2024 / 6 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

In dieser Folge geht es um das Gleichnis von den anvertrauten Talenten aus dem Matthäus-Evangelium — die Geschichte eines reichen Mannes, der seinen Knechten Vermögen anvertraut, bevor er verreist. Bevor sie ins Gleichnis selbst einsteigen, erkunden die Schwestern, was Gleichnisse eigentlich sind: Das griechische Wort Parabolä bedeutet "etwas daneben legen", eine Alltagsgeschichte neben die eigentliche Botschaft. Um die zeitlose Kraft dieser Erzählform zu zeigen, liest Johanna Haberer Goethes Zauberlehrling vor — ein Gleichnis, das jeder kennt, aber dessen Weisheit sich je nach Lebensphase immer neu erschließt.

„Man erzählt aus dem Alltag eine Geschichte und legt sie neben die eigentliche Sache, die man zum Thema machen möchte.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (6)

Der Zauberlehrling
Buch

Der Zauberlehrling

Johann Wolfgang von Goethe

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:02:49 „Wenn du zum Beispiel den Zauberlehrling von Goethe nimmst. Das ist ein Gleichnis. Das ist einer der berühmtesten Texte von Goethe. Soll ich mal einen Moment vorlesen draus?“

Johanna Haberer nutzt Goethes Ballade als Beispiel dafür, wie Gleichnisse funktionieren: Man erzählt eine Alltagsgeschichte und legt sie neben die eigentliche Botschaft. Sie liest eine längere Passage vor, um zu zeigen, wie der Zauberlehrling etwas lostritt, dessen Folgen er nicht absehen kann — eine existenzielle Erfahrung, die sie mit den biblischen Gleichnissen parallelisiert.

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Nathan der Weise
Buch

Nathan der Weise

Gotthold Ephraim Lessing

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:04:52 „dieses weltberühmte Ringparabel, Paraboleien, die Lessing geschrieben hat, wo es um die Gleichberechtigung der Religionen geht“

Die Ringparabel aus Lessings Nathan der Weise wird als weiteres berühmtes Beispiel für eine Parabel angeführt

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Nur zwei Prozent sind hochbegabt
Artikel

Nur zwei Prozent sind hochbegabt

Christian Weber

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:57 „Ich war nämlich im Archiv und habe natürlich nach modernen Tangenten zu den Talenten besucht und bin auf eine Intelligenzforscherin namens Elisabeth Stern gestoßen, die von der Süddeutschen Zeitung im letzten vergangenen Jahr interviewt worden ist. Unter der Überschrift, nur zwei Prozent sind hochbegabt, unterhält sie sich da mit einem Herrn Christian Weber über Geistesgaben und Talente.“

Sabine Rückert liest ausführlich aus einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit der ETH-Intelligenzforscherin Elisabeth Stern vor. Das Interview dient als moderne Brücke zum biblischen Gleichnis der Talente: Intelligenz ist ungleich verteilt, stark genetisch bedingt, und die Kinder von Genies sind oft keine Leuchten — was die Nüchternheit des Gleichnisses über die ungleiche Verteilung von Gaben unterstreicht.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Helft mir gefälligst
Artikel

Helft mir gefälligst

Sebastian Herrmann

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:04 „Jetzt habe ich aber auch noch einen wunderbaren Text aus der Süddeutschen Zeitung da, aus dem Wissensressort von 2020, von einem gewissen Herrn Herrmann. Sebastian Herrmann, helft mir gefälligst, heißt es. Narzisstische und manipulative Menschen stellen sich besonders häufig als Opfer von ungerechten Verhältnissen dar.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich einen Artikel aus dem Wissensressort der Süddeutschen Zeitung von 2020, verfasst von Sebastian Herrmann. Der Artikel behandelt, wie narzisstische und manipulative Menschen sich als Opfer inszenieren, um Vorteile zu erlangen. Rückert nutzt den Text, um das Verhalten des faulen Knechts im Gleichnis der Talente psychologisch einzuordnen.

Zum Artikel bei Google.com
Der Tod des Iwan Iljitsch
Buch

Der Tod des Iwan Iljitsch

Leo Tolstoi · 1886

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:18 „Ich habe auch schon mal hier vorgelesen, Passagen aus dem Roman Der Tod des Ivan Ilyich. Und Der Tod des Ivan Ilyich, das ist so ein Roman, der genau davon handelt. Der wird am Schluss gefragt, was hast du gemacht in deinem Leben? Ein bitterer und finsterer über die russische Elite des 19. Jahrhunderts. Und sehr, sehr lesenswert. Man liest es in einem Nachmittag durch und man ist danach nachhaltig erschüttert.“

Sabine Rückert empfiehlt Tolstois Erzählung als literarische Auslegung des Gleichnisses von den anvertrauten Talenten. Die Novelle handelt davon, dass ein sterbender Mensch am Ende seines Lebens gefragt wird, was er daraus gemacht hat – genau die Bilanzfrage, die auch im Gleichnis gestellt wird. Rückert betont, dass man das Werk an einem Nachmittag lesen könne und danach nachhaltig erschüttert sei.

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Artikel über assistierten Suizid eines Paares
Artikel

Artikel über assistierten Suizid eines Paares

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:40:47 „Ich habe neulich auch in der Süddeutschen, das ist vielleicht ein Dreivierteljahr her oder ein Jahr her, einen Artikel gelesen über zwei Leute, die assistierten Suizid in Anspruch genommen haben. Und da wurde sehr genau beschrieben, wie die beide merken, dass sie immer schwächer werden.“

Johanna Haberer erinnert sich an einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung über ein Paar, das gemeinsam den assistierten Suizid wählte. Sie nutzt den Artikel, um die Gleichnis-Diskussion über Lebensbilanz zu vertiefen: Der entscheidende Nebensatz im Artikel – dass das Paar keine Beziehung mehr zu seinen Kindern hatte – zeige, wie fehlende menschliche Bindungen am Lebensende zur Einsamkeit führen.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung