König Salomo baut den Tempel von Jerusalem
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Salomo baut seinen Staat auf — mit Ministern, Frohnarbeitern und einem Freund des Königs als offiziellem Amt — und gibt den Bau des Jerusalemer Tempels an König Hiram von Tyros in Auftrag, weil die Libanesen die besseren Handwerker sind. Der Tempel wird in Fertigbauweise errichtet, damit im Allerheiligsten kein Hammerschlag zu hören ist, und mit so viel Gold überzogen, dass kein Stein mehr sichtbar bleibt — dabei ist das Gebäude selbst nur so groß wie eine bayerische Kapelle.
„Alle kommen und nehmen Anteil an seiner Weisheit, aber man erfährt nichts von dieser Weisheit. Diese Weisheit dient nur offenbar der Vermehrung seines Eigentums.“
Erwähnte Medien (5)
Der kaukasische Kreidekreis
Bertolt Brecht
Bertolt Brechts Drama "Der kaukasische Kreidekreis" (1944) erzählt von der Küchenmagd Grusche, die ein verlassenes Kind aufzieht und sich anschließend in einem Sorgerechtsstreit gegen die biologische Mutter behauptet. Der Richter Azdak entscheidet die Sache durch die unkonventionelle Kreidekreisprobe, die wahre Mutterliebe zur Bedingung für das Erziehungsrecht macht. Damit kritisiert das Stück die Widersprüche des Rechtssystems und stellt aufrichtige menschliche Fürsorge über formale gesellschaftliche Hierarchien.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:41 „Und du hast letztens behauptet, dass auch Berthold Brecht dieses Thema aufgegriffen habe in seinem Theaterstück Der kaukasische Kreidekreis. Stimmt das jetzt? Du wolltest ja nachschauen.“
Im Gespräch über das salomonische Urteil – zwei Frauen streiten um ein Kind – zieht Sabine Rückert die Parallele zu Brechts Theaterstück. Dort entscheidet ein Richter ebenfalls über die wahre Mutterschaft, kommt aber zum umgekehrten Schluss: Die Magd, die das Kind aufgezogen hat, erhält es zugesprochen, weil sie im Sinne des Kindes handelt. Die Schwestern diskutieren, dass die soziale Mutter die bessere sein kann.
Der König David Bericht
Stefan Heym · 2021
Eine Parabel auf den Konflikt zwischen Intellektuellen und Machthabern in allen Zeiten Salomo, jüngster Sohn und Nachfolger König Davids beruft eine Kommission ein: Sie soll einen Bericht über Leben und Taten Davids verfassen, der die göttliche Erwähltheit Davids und damit auch die Legitimation von Salomos Herrschaft bestätigen soll.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:04:01 „Dann gibt es Josaphat, der Sohn des Ahilut, den haben wir schon letztes Mal mitgekriegt aus dem Buch »Der König David«-Bericht von Stefan Heim. Da erweckt er den ja auch zum Leben und lässt ihn da reden.“
Bei der Aufzählung der Ämter unter König Salomo erkennt Sabine Rückert die Figur Josaphat wieder, die auch in Stefan Heyms historischem Roman vorkommt. Das Buch wurde offenbar in einer früheren Folge ausführlicher besprochen und dient hier als wiederkehrende Referenz für die literarische Verarbeitung der biblischen Königsgeschichten.
Jerusalem: Die Biografie
Simon Sebag Montefiore · 2024
»Montefiore erzählt so lebendig, dass man wie bei einem Krimi das Buch nicht aus der Hand legen kann.« Deutschlandfunk Aktualisierte Ausgabe mit einem zusätzlichen Kapitel zum Palästina-Konflikt Die Geschichte Jerusalems ist die Geschichte der Welt. In seinem Weltbestseller erzählt Simon Sebag Montefiore die epische Geschichte von dreitausend Jahren Glauben, Fanatismus, Blutvergießen und Koexistenz: von König David bis zum 21.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:27 „Ich wollte aber dir jetzt was vorlesen aus dem Buch von Simon Sebag Montefiore, Jerusalem, die Biografie. Ein neues Buch gesellt sich jetzt hier zu uns. Das ist ein sehr hochgelobtes Buch, deswegen habe ich es mir auch gekauft.“
Sabine Rückert führt das Sachbuch als neue Quelle für die Salomo-Besprechung ein und liest daraus ausführlich vor – über den Tempelbau, die phönizischen Handwerker, die Ausmaße von Salomos Hofstaat und die Fertigbauweise des Tempels. Das Buch wird als sehr kompetent gelobt und liefert den historischen Rahmen für die weitere Diskussion über Jerusalem und den Tempelberg.
Die Nacht ist vorgedrungen
Jochen Klepper
Die Nacht ist vorgedrungen ist ein von Jochen Klepper (1903–1942) geschaffenes Gedicht, das von Johannes Petzold vertont als Adventslied Eingang in zahlreiche Gesangbücher gefunden hat.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:47:37 „Nein, das ist dann Jochen Klepper. Er will im Dunkeln wohnen. Die Nacht ist vorgedrungen. Das ist dieses Lied.“
Als Salomo bei der Tempelweihe sagt, Gott wolle im Dunkeln wohnen, stellt eine Sprecherin die Verbindung zu Jochen Kleppers Adventslied her. Das Motiv des Gottes, der in die Dunkelheit einzieht, wird als theologische Linie von Salomo über Klepper bis zur Weihnachtsbotschaft gezogen.
Kohelet (Prediger Salomo)
· 2014
Biblisches Weisheitsbuch, das sich mit der Vergänglichkeit aller menschlichen Bemühungen auseinandersetzt. Unter dem Leitmotiv »Nichts Neues unter der Sonne« wird hinterfragt, ob Reichtum, Weisheit und weltliche Erfolge echtem Sinn oder echter Erfüllung entsprechen – eine düstere Meditation über menschliche Begrenztheit.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:55:43 „Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel. Mehrt sich das Gut, so mehren sich die es verzehren. Und was hat sein Besitzer davon als das Nachsehen?“
Zum Abschluss der Folge wählt eine der Sprecherinnen als 'gutes Wort zum Schluss' eine Passage aus dem Buch Kohelet, das traditionell Salomo zugeschrieben wird. Die Stelle über die Vergeblichkeit von Reichtum wird als ironischer Kommentar Salomos zu seiner eigenen Prachtentfaltung gelesen – er habe wohl selbst am schlechtesten geschlafen.