Sodom und Gomorra
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode widmet sich der berühmten Geschichte von Sodom und Gomorra und beginnt mit einer überraschenden Erklärung: Die Erzählung ist vermutlich eine Ätiologie, also der Versuch, die lebensfeindliche Landschaft rund um das Tote Meer durch ein göttliches Strafgericht zu deuten — ähnlich wie die Loreley-Sage Schiffsunglücke am Rhein erklärt. Besonders reizvoll ist das Detail, dass von den drei Männern, die Abraham besuchen, nur noch zwei in Sodom ankommen, und dass Gott sich offenbar persönlich und zu Fuß ein Bild von den Zuständen machen muss, statt aus der Stratosphäre hinabzuschauen.
„Es ist auch wieder interessant, dass Gott es nicht von oben sieht, aus der Stratosphäre, wo er doch sein Zuhause hat, sondern dass er hier jetzt mal nach Sodom gehen muss und schauen muss, ob das alles stimmt.“
Erwähnte Medien (5)
Die Lore-Ley
Heinrich Heine
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:28 „Oder dieser Hügel am Rhein, wo die schöne Loreley ihre Haare gekämmt haben soll. Genau. Ja, gibt es ja so Schreinschnellen, da sind früher die Leute verunglückt und da hieß es ja, da oben muss eine Frau gesessen haben, die hat ihre Haare gekämmt, deswegen haben die alle darauf geguckt und sind unten gegen die Felsen geknallt.“
Sabine Rückert vergleicht die ätiologische Funktion der Sodom-und-Gomorra-Geschichte mit anderen Sagen, die Landschaften erklären. Sie verweist auf die Loreley-Sage am Rhein als deutsches Pendant – eine Geschichte, die gefährliche Stromschnellen durch eine verführerische Frauengestalt erklärt. Die Referenz gilt der berühmten Sage, die vor allem durch Heines Gedicht bekannt wurde.
Philemon und Baucis (Metamorphosen)
Ovid
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:11:05 „Und dass die Gastfreundschaft einen vielleicht dann rettet, weil man in Wirklichkeit ja die Gastfreundschaft Gott angeboten hat, den man gar nicht erkannt hat. Das ist ein Motiv, das ist ja auch in den griechischen Sagen, Philemon und Bautzis.“
Johanna Haberer zieht eine Parallele zwischen der biblischen Gastfreundschafts-Szene bei Abraham und der antiken Erzählung von Philemon und Baucis aus Ovids Metamorphosen. Beide Geschichten teilen das Motiv, dass Menschen unwissentlich Götter beherbergen und dafür belohnt werden.
Drehen Sie sich um, Frau Loth
Ephraim Kishon
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:48 „Aber Efraim Kishon war, als wir klein waren, in den 70er Jahren, war der ganz berühmte israelische Starautor. Ja, ein Satiriker, der wahnsinnig lustige Bücher geschrieben hat. Und der hat auch ein Buch geschrieben, das heißt, drehen Sie sich um, Frau Loth.“
Im Gespräch über Lots Frau, die zur Salzsäule erstarrt, weil sie sich umdreht, erinnert Sabine Rückert an Ephraim Kishons satirisches Buch. Sie zitiert dessen Widmung, in der Kishon schreibt, heute könne sich Frau Loth getrost umwenden – wo einst Sodom und Gomorra standen, seien nun israelische Potaschewerke, deren einzige Sünde darin bestehe, mit Verlust zu arbeiten.
Orpheus und Eurydike
Ovid
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:29:56 „Es gibt ja den berühmten Sänger Orpheus, der Sohn des Apollon, der sich verliebt hat in eine Driade, also in eine Art Nymphe. Und die unglaublich geliebt hat. Und der Orpheus war ein so unglaublicher Sänger, dass er sogar Steine zum Weinen brachte.“
Sabine Rückert erzählt ausführlich den griechischen Mythos von Orpheus und Eurydike als Parallele zur Geschichte von Lots Frau. Beide Geschichten handeln vom verhängnisvollen Sich-Umdrehen und der Unmöglichkeit, Verlorenes zurückzuholen. Johanna Haberer zieht daraus den Link zwischen beiden Erzählungen über den gebannten Blick in die Vergangenheit.
Bergpredigt
Jesus von Nazareth
🗣 Johanna Haberer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:49 „Ich habe mir einen ganz, ganz berühmten, weltberühmten Text ausgesucht, der die Antwort auf Sodom ist und dass es doch auch anders geht. Und das ist die Bergpredigt.“
Johanna Haberer wählt die Bergpredigt als "gutes Wort zum Schluss" – als bewusstes Gegenprogramm zur Gewalt und Sünde von Sodom und Gomorra. Sabine Rückert ergänzt, dass dies die einzige wörtliche Überlieferung sei, von der man annehme, dass Jesus sie wirklich gehalten habe, und nennt sie "weltverändernd".