Willkommen in der biochemischen Lotterie
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Ausgehend von Kate Middletons Krebsdiagnose unternehmen die drei eine feuilletonistische Bestandsaufnahme: Wie sprechen und fühlen wir über Krebs, wie wurde die Krankheit historisch als Metapher gedeutet, und was hat sich daran verändert? Als Leitfaden dient das Buch «Krebsfühlen» der Historikerin Bettina Hitzer. Im Gegenwartscheck geht es vorweg um ein ganz anderes Zeitgeist-Phänomen: die allgegenwärtige Bitcoin-FOMO, die inzwischen sogar in der Plakatwerbung angekommen ist.
„Wir wollen die nunmehr drei Wochen zurückliegende Botschaft von Kate Middleton natürlich zum Anlass nehmen, über das Sprechen und Fühlen rund um Krebs zu reden.“
Erwähnte Medien (12)
Krebsfühlen
Bettina Hitzer
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:14 „Als Leitfaden haben wir dazu ein spannendes Buch gelesen, nämlich Krebsfühlen von der Historikerin Bettina Hitzer.“
Das Buch dient als inhaltlicher Leitfaden für die gesamte Episode. Nina Pauer und Ijoma Mangold nutzen es, um eine historische Einordnung des gesellschaftlichen Umgangs mit Krebs vorzunehmen – wie sich das Sprechen, Fühlen und die metaphorische Deutung der Krankheit über die Jahrzehnte verändert hat. Nina Pauer erwähnt auch, ein Interview mit der Historikerin gelesen zu haben, das sie beeindruckt hat.
Krebsfühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts
Bettina Hitzer
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:21 „Als Leitfaden haben wir dazu ein spannendes Buch gelesen, nämlich Krebsfühlen von der Historikerin Bettina Hitzer.“
Das Buch dient als inhaltlicher Leitfaden für die gesamte Episode über das Sprechen und Fühlen rund um Krebs
Harry Potter
J.K. Rowling
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:09:13 „Also es gibt es auch so als Harry Potter Modell, wo man dann den Zug sieht oder das Schloss oder sowas und man kriecht da so ein bisschen gefühlt mit dem Blick so rein und es ist so ganz in so gemütlichen, eigentlich ist es so ein bisschen herbstartig fast, so nett mit Tee zum Lesen.“
Nina Pauer spricht über den Trend der 'Book Nooks' – dekorative 3D-Miniaturwelten fürs Bücherregal. Harry Potter wird mehrfach als beliebtes Motiv genannt, etwa das Zuggleis oder das Schloss. Ijoma Mangold bestätigt den starken Einfluss von Harry Potter als Stilideal bei der jüngeren Generation.
Harry Potter (Buchreihe)
J.K. Rowling
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:06 „es gibt es auch so als Harry Potter Modell, wo man dann den Zug sieht oder das Schloss“
Harry Potter wird im Kontext des Book-Nook-Trends als beliebtes Dekorations-Thema für Bücherregale erwähnt
Arbeit und Struktur
Wolfgang Herrndorf
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:22:52 „Aber es gab natürlich auch hier für uns als Feuilleton-Podcast, es gab Wolfgang Herrndorf, es gab Christoph Schlingensief. Es gab Beispiele, wo man dann so denkt, okay, hat sich da was jenseits des individuellen Schicksals und des individuellen Styles in Anführungsstrichen.“
Nina Pauer nennt Wolfgang Herrndorf neben Christoph Schlingensief als prominentes Beispiel einer öffentlich begleiteten Krebsbiografie, die das Feuilleton geprägt hat. Herrndorfs Blog und späteres Buch 'Arbeit und Struktur' über sein Leben mit einem Hirntumor ist das bekannteste Werk in diesem Zusammenhang. Es wird als kulturelles Referenzwerk für den sich wandelnden Umgang mit Krebs in der Öffentlichkeit erwähnt.
The Crown
Peter Morgan · 2016
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:23:09 „Man kennt es aus der schönen Serie The Crown, ist George VI, König George VI, der ein starker Raucher war und an Lungenkrebs erkrankte, ich glaube in den frühen 50er Jahren. Damit steigt sie ein und dem haben seine Ärzte selbst verheimlicht, dass er Lungenkrebs hatte.“
Ijoma Mangold nutzt die Serie The Crown als kulturelles Referenzbeispiel, um zu illustrieren, wie früher mit Krebsdiagnosen umgegangen wurde. Die Einstiegsszene der Serie – in der George VI. seine eigene Krebsdiagnose verheimlicht wird – dient als Ausgangspunkt für die historische Rekonstruktion des gesellschaftlichen Umgangs mit Krebs. Auch Nina Pauer bestätigt, dass dieses Bild aus der Serie bei ihr hängengeblieben ist.
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein
Christoph Schlingensief
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:24:06 „Bei Schlingensief werden wir ja sprechen, ist so ein Zitat gewesen. Das ist ewig her, von wann war das Buch? Ich glaube 2009, da habe ich das gelesen. Aber das Gefühl, das vermittelt wird und das ist sehr anti-Kate-artig zum Beispiel.“
Nina Pauer erwähnt Christoph Schlingensiefs Krebs-Tagebuch als Kontrastbeispiel zu Kate Middletons ruhigem, gefasstem Auftritt. Das Buch hat bei ihr ein starkes Gefühl hinterlassen, das sie als 'sehr anti-Kate-artig' beschreibt – also emotional aufgewühlt statt kontrolliert. Es wird als eines der prägenden kulturellen Krebszeugnisse im Feuilleton eingeordnet.
Die Unfähigkeit zu trauern
Alexander und Margarete Mitscherlich · 1967
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:46:13 „Die Verdrängung der Taten des Dritten Reiches, die Unfähigkeit zu trauern, all das, was man unter sich frisst. Die Mitscherlichs, genau.“
Im Gespräch über Fritz Zorns These, dass Krebs aus gesellschaftlicher Verdrängung entsteht, verweist Ijoma Mangold auf die deutsche Nachkriegsverdrängung. Nina Pauer ergänzt mit dem Stichwort 'Die Mitscherlichs', womit das einflussreiche Buch über die kollektive Unfähigkeit der Deutschen, die NS-Vergangenheit zu betrauern, gemeint ist.
Aids und seine Metaphern
Susan Sontag
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:53:45 „Krankheit und Schuld ist ein interessanter Zusammenhang und wir kennen ihn natürlich, auch darüber hat Susan Sonsack später dann einen tollen Essay geschrieben, wir kennen ihn dann auch bei Aids, wo gewissermaßen der Hauptbetroffenengruppe der Schwulen dann vorgeworfen wurde, das ist die Strafe für eure losen sexuellen Sitten.“
Mangold spricht über den Zusammenhang von Krankheit und Schuldzuschreibung und verweist auf Sontags Essay über AIDS als Parallele zur Metaphorisierung von Krebs. Sontag habe beschrieben, wie Schwulen als Hauptbetroffenen eine moralische Schuld an ihrer Erkrankung zugeschrieben wurde. Der Essay wird als Fortführung von Sontags Arbeit über Krankheitsmetaphern eingeordnet.
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein
Christoph Schlingensief
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:54:58 „Schlingensief, wie heißt dein Buch? So schön wie hier kann es im Himmel gar nicht sein.“
Schlingensiefs Krebstagebuch wird als Beispiel für eine ältere, emotionalere Form des Umgangs mit der Krankheit besprochen
Arbeit und Struktur
Wolfgang Herrndorf
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:54:58 „als Buch dann bei Rowold Arbeit und Struktur von Wolfgang Herndorf“
Herrndorfs Krebstagebuch wird als Gegenbeispiel zu Schlingensief genannt – nüchterner, metapherfreier Umgang mit der Krankheit
Herrndorf-Biografie
Tobias Rüther
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:13 „Ich habe aus Anlass unseres Podcasts nochmal dazu gegriffen, von unserem Kollegen Tobias Rüther von der FAS ist eine glänzende Herndorf-Biografie erschienen, der auch das leicht furchterregende, also die kalten Schauer, die am Rücken runterlaufen über die Art der, ich will jetzt nicht sagen Inszenierung, aber ins Werksetzung seines Suizids sehr einfühlsam, sehr genau, sehr nuanciert beschreibt.“
Mangold empfiehlt die Herrndorf-Biografie seines FAZ/FAS-Kollegen Tobias Rüther als ergänzende Lektüre zu 'Arbeit und Struktur'. Er hebt besonders hervor, wie Rüther die Umstände von Herrndorfs Suizid einfühlsam und nuanciert beschreibe – ein Aspekt, der ihm beim erneuten Lesen Schauer über den Rücken gejagt habe.