Die sogenannte Gegenwart – Ich bin doch selber nur Software
#061

Ich bin doch selber nur Software

Die sogenannte Gegenwart / 20. März 2023 / 15 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Die Folge widmet sich dem großen KI-Hype um ChatGPT und der Frage, wie künstlich diese Intelligenz eigentlich ist — und wie politisch. Lars gibt zu, nachts wach gelegen zu haben, weil ihm die philosophischen Probleme des Themas keine Ruhe ließen, und beide nähern sich als selbsterklärte Hobbyphilosophen den dicken Brettern von Bewusstsein, Sprache und Maschine. Im Gegenwartscheck geht es außerdem um die Spendensammler am Berliner Hauptbahnhof und das Phänomen der Empathie als Erpressungshaltung.

„Auch an einer begrifflichen Klärung zu scheitern kann für Zuhörerinnen und Zuhörer ein interessantes Schauspiel sein.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (15)

The White Lotus
Serie

The White Lotus

Mike White

🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:35 „Dann habe ich noch einen schnellen am Schluss. Und zwar habe ich endlich die Serie The White Lotus oder Lotus, oder wie man das auf Englisch sagen müsste, gesehen, die insgesamt sehr gegenwärtig ist.“

Lars erzählt, dass er die Serie gesehen hat, und beschreibt eine Szene mit einem Zahnseidestick als Beispiel für Gegenwärtigkeit

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Dexter
Serie

Dexter

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:14:49 „Es gibt in dem Vorspann der berühmten Serie Dexter wird das so ganz im Detail mal gezeigt, weil das ja sehr brutal aussieht im Detail.“

Lars vergleicht die Zahnseide-Szene in The White Lotus mit dem Vorspann von Dexter, in dem Zahnseide detailliert gezeigt wird

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Natural Born Killers
Film

Natural Born Killers

Oliver Stone

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:16:12 „Hast du Natural Born Killers gesehen? Ja. Ich habe den damals gesehen, als er rauskam, da war ich ja noch ganz jung. Es ist ja so toll, was man über die Welt und das Leben alles nicht weiß. Und ich weiß, ich war damals so irritiert. Ich glaube, da gibt es so einen Journalisten und bevor der vor die Kamera tritt, geht der irgendwo im Hotel oder so auf so eine öffentliche Toilette vor den Spiegel raus.“

Ijoma Mangold erinnert sich an eine Szene aus Natural Born Killers, in der ein Journalist sich vor dem Kameraauftritt die Nasenhaare rasiert. Damals fand er das absurd und neurotisch, heute findet er es völlig nachvollziehbar – eine persönliche Anekdote darüber, wie sich die eigene Wahrnehmung von Körperpflege über die Jahre verändert hat.

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Jeopardy!
Serie

Jeopardy!

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:18:19 „Und um zu zeigen, wie toll sie das schon kann, hat sie 2011 bei einer amerikanischen Quizshow teilgenommen. Gegen die besten Kandidaten, die sonst immer diese Quizshow gewinnen.“

Lars Weisbrod erzählt ausführlich von IBMs Watson-Auftritt bei der amerikanischen Quizshow Jeopardy! im Jahr 2011 als Vorgeschichte zu ChatGPT. Er analysiert anhand konkreter Fragen und Antworten, wie Watson Sprache verarbeitete und wo die Maschine anders 'dachte' als Menschen – etwa als Watson auf eine Frage über eine Krimi-Schriftstellerin 'Syrien' als drittwahrscheinlichste Antwort ausgab.

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The End of Theory
Artikel

The End of Theory

Chris Anderson

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:23 „Ein paar Jahre bevor ich da Watson gesehen habe bei diesem Quiz, gab es einen ganz wichtigen Text in der amerikanischen Zeitschrift Wired von Chris Anderson, dem Chefredakteur, glaube ich damals, so ein Netzvordenker. Ich weiß nicht, ob du dich an das Schlagwort erinnerst, das hieß The End of Theory.“

Lars Weisbrod ordnet die aktuelle KI-Debatte historisch ein und verweist auf Chris Andersons einflussreichen Wired-Artikel, der das Ende theoriegeleiteter Forschung ausrief. Anderson argumentierte, dass reine Statistik auf großen Datenmengen Kausalmodelle und Theorien überflüssig mache – genau das Paradigma, in dem Deep Learning und heutige KI operieren.

Zum Artikel bei Wired.com
Computing Machinery and Intelligence
Essay

Computing Machinery and Intelligence

Alan Turing

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:39:50 „Der hat den sogenannten Turing-Test aufgesetzt. Diese Frage nämlich, wann handelt es sich um vollgültige künstliche Intelligenz? Dann, wenn der Output eines Computers von dem Output eines Menschen nicht mehr unterscheidbar ist.“

Ijoma Mangold erläutert im Kontext der Debatte über künstliche Intelligenz und Bewusstsein das berühmte Gedankenexperiment von Alan Turing aus dessen Paper von 1950. Er beschreibt, wie der Turing-Test als Maßstab für KI dient und wie die Grenze zwischen Mensch und Maschine in den letzten Jahren rasend schnell kollabiert.

Zum Artikel bei Turing.academicwebsite.com
De Anima
Buch

De Anima

Aristoteles

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:41:44 „Wir spielen ja in gewisser Weise einen alten Streit nach, den die Philosophie seit Aristoteles, De Anima, seit 2500 Jahren durchspielt. Das ist das Leib-Seele-Problem.“

Ijoma Mangold ordnet die KI-Debatte über Bewusstsein und Geist in die philosophische Tradition ein und verweist auf Aristoteles' Schrift De Anima als Ausgangspunkt des Leib-Seele-Problems. Er argumentiert, dass jede technologische Epoche – vom Uhrwerk über Software bis zur KI – diesen uralten Streit neu belebt.

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Mühlengleichnis (aus: Monadologie)
Buch

Mühlengleichnis (aus: Monadologie)

Gottfried Wilhelm Leibniz

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:44:34 „Man kann das chinesische Zimmer auf ein viel einfaches historisches Beispiel bringen, noch historischeres Beispiel, nämlich das sogenannte Mühlengleichnis von Leibniz. Das gilt immer so als der Vorläufer davon. Stellen wir uns vor, es gäbe sozusagen eine denkende Maschine und das sei eine riesige Mühle und in die könnte ich reingehen. Aber da würde ich ja das Denken nie irgendwo finden in dieser Mühle.“

Lars Weisbrod führt Leibniz' Mühlengleichnis als historischen Vorläufer von Searles chinesischem Zimmer an. Das Gedankenexperiment besagt: Selbst wenn man eine riesige denkende Maschine betreten könnte, würde man darin nur Zahnräder und Bretter finden, aber niemals den Geist selbst – ein Argument dafür, dass Bewusstsein nicht auf mechanische Prozesse reduzierbar ist.

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Porträt einer Linguistin (Kritikerin von OpenAI)
Artikel

Porträt einer Linguistin (Kritikerin von OpenAI)

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:46:08 „Es gibt ein Stück, das müssen wir unten verlinken, aus dem von mir ja sehr geschätzten New York Magazine, die ja auch in solchen Fragen immer einen sehr am Puls der zeitmäßigen Journalismus machen. Die haben ein Porträt einer Linguistin geschrieben, die sozusagen zu den Chefkritikern dieser neuen Silicon Valley künstlichen Intelligenz und von OpenAI spezifisch dieser Firma gehört“

Lars verweist auf einen Artikel im New York Magazine über eine Linguistin, die ChatGPT und OpenAI kritisiert und den Begriff des stochastischen Papageis geprägt hat

Zum Artikel bei Nymag.com
🎙
Podcast

Podcast des Karlsruher Zentrums für Künstliche Intelligenzforschung

🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:50:09 „Ich habe einen Professor in Ulm gehört in einem interessanten Podcast, der vom Karlsruher Zentrum für Künstliche Intelligenzforschung oder so, die haben so einen wahnsinnig langen Podcast-Zyklus, in den reinzuhören sich sehr lohnt.“

Mangold empfiehlt einen Podcast-Zyklus des Karlsruher KI-Zentrums, in dem der Ulmer Professor Ralf Otte auftritt. Otte vertritt dort die These, dass echter Geist existiert, aber nicht über den aktuellen algorithmischen Weg der KI-Forschung reproduziert werden kann – eine Position, die Mangold als Gegenargument in der Debatte anführt.

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Noam Chomsky über ChatGPT (New York Times)
Artikel

Noam Chomsky über ChatGPT (New York Times)

Noam Chomsky

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:52:21 „Chomsky hat in der New York Times auch mit anderen zusammen über ChatGPT geschrieben.“

Lars verweist auf Chomskys Beitrag in der New York Times, in dem dieser argumentiert, dass KI ohne Kausalitätsverständnis nicht weiterkommen wird

Zum Artikel bei New York Times
New York Magazine-Artikel über ChatGPT
Artikel

New York Magazine-Artikel über ChatGPT

🗣 Unbekannt erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:52:35 „Und das können wir auch unten verlinken, zusammen mit diesem New York Magazine Text.“

Der Sprecher erwähnt beiläufig einen Text im New York Magazine zum Thema ChatGPT, der zusammen mit Chomskys NYT-Artikel in den Shownotes verlinkt werden soll. Der genaue Titel und Autor werden nicht genannt.

Zum Artikel bei Nymag.com
The False Promise of ChatGPT
Artikel

The False Promise of ChatGPT

Noam Chomsky

🗣 Unbekannt empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:52:51 „Chomsky hat in der New York Times auch mit anderen zusammen über ChatGPT geschrieben. Der macht den Punkt stark, dass eben dieses End of Theory, über das wir am Anfang geredet haben, dieser Versuch, einfach nur noch zu sagen, wir haben Daten und mit denen machen wir ein bisschen.“

Der Sprecher verweist auf Chomskys Artikel in der New York Times (zusammen mit Co-Autoren), in dem Chomsky argumentiert, dass der rein datengetriebene Ansatz der KI-Forschung die Warum-Frage und echte Kausalität vernachlässigt. Der Artikel wird als wichtige Kritiklinie eingeordnet, die der Sprecher teilt.

Zum Artikel bei New York Times
Consciousness Explained
Buch

Consciousness Explained

Daniel Dennett

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:55:34 „Daniel Dennett, der ein ganz scharfer Monist ist oder Physikalist ist, also er meint, es gibt überhaupt nichts wie Geist, es gibt nur physikalische Vorgänge. Und da sagt er, ja, weil sie nur eine Illusion ist. Das Bewusstsein ist nur ein Epiphänomen.“

Ijoma Mangold stellt am Ende der Folge Daniel Dennetts philosophische Position ausführlich dar – Bewusstsein als Illusion, als Benutzeroberfläche ähnlich einem iPhone. Diese Thesen stammen aus Dennetts Hauptwerk 'Consciousness Explained' (1991), das namentlich nicht genannt, aber inhaltlich detailliert referiert wird.

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Her
Film

Her

Spike Jonze

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:25 „Weil die nun endlich einen dauerhaft verlässlichen Ansprechpartner haben werden, so wie in dem berühmten Film Her mit der schönen Stimme von Johansson.“

Mangold stellt eine Prognosefrage zur Zukunft der Einsamkeit und verweist auf den Film 'Her' als Referenzpunkt: Könnten KI-Bots mit perfekter Empathiefähigkeit bis 2030 die Einsamkeit der Menschen verringern – so wie die KI-Partnerin mit Scarlett Johanssons Stimme im Film?

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