Vom Obstler-Revival bis zum Techno-Feudalismus
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Live-Aufnahme im Berliner Radialsystem vor der Sommerpause: Statt Promi-Gästen setzen die drei auf ihr Publikum und spielen den Gegenwartscheck in einer XXL-Variante — mit Handzeichen-Abstimmung im Saal statt der üblichen gegenseitigen Punktevergabe.
„Die anderen Podcasts, die sind selber Promis oder haben Promi-Gäste. Wir nicht. Wir sind ganz bescheiden. Wir haben keine Promi-Unterstützung. Wir haben nur euch.“
Erwähnte Medien (14)
Fest & Flauschig
Olli Schulz, Jan Böhmermann
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:06:56 „Also gemischtes Hack und fest und flauschig immer zwei Männer“
Als weiteres Beispiel für den männlichen Laber-Podcast, in dem zwei Männer ohne festes Thema reden
Der Score
Citì Nguyen
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:07:02 „Objektiv, messbar, vergleichbar. So sieht Erfolg heute aus. Zahlen entscheiden, wer sichtbar ist, wer relevant, wer vorne liegt. Scores wirken harmlos, doch sie formen unsere Wünsche, Ziele und Urteile. Der Score von Citi Nguyen legt offen, wie diese Logik uns lenkt und wie man sich ihr entzieht. Citi Nguyen. Der Score. Erschienen bei CH Beck.“
Das Buch wird in einem eingeblendeten Werbetext vorgestellt, der zwischen den Gesprächsrunden eingespielt wird. Es geht um die Macht von Bewertungssystemen und Scores in der Gesellschaft und wie sie unser Denken und Handeln formen.
Gemischtes Hack
Felix Lobrecht / Tommi Schmitt · 2018
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:07:57 „Also gemischtes Hack und fest und flauschig immer zwei Männer, die halt wirklich auch viel labern, lachen, also auch schon in der Aufmachung, die im Bett liegen und telefonieren und sowas.“
Nina Pauer stellt ihre These vom weiblichen Laber-Podcast vor und nennt Gemischtes Hack als prototypisches Beispiel für den männlichen Laber-Podcast, bei dem zwei Männer ohne festes Thema miteinander reden.
Fix und 40
Katja Berlin
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:08:29 „Und dann hat man so ein festes Thema. Und jetzt ist meine These, dass es langsam Gegenwart wird. Zumindest ich die Versuche sehe, dass man auch Frauen-Laber-Podcasts macht. Also es gibt ja die großartige Katja Berlin, die immer diese Torten der Wahrheit in der Zeit macht. Die hat zum Beispiel einen Podcast, da gibt es noch ein Thema, Fix und 40 heißt der.“
Nina Pauer stellt ihre These vor, dass der weibliche Laber-Podcast ein neues Gegenwartsphänomen ist. Sie nennt Katja Berlins Podcast 'Fix und 40' als ein Beispiel, wobei sie anmerkt, dass dieser noch ein Thema hat – im Gegensatz zum reinen Laber-Format.
Torten der Wahrheit
Katja Berlin
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:38 „es gibt ja die großartige Katja Berlin, die immer diese Torten der Wahrheit in der Zeit macht“
Die humoristische Kolumne in der ZEIT wird erwähnt, um Katja Berlin als Person einzuführen, bevor ihr Podcast vorgestellt wird
Bauerfeind und Kuttner
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:52 „Und dann gibt es aber Bauerfeind und Kuttner. Und das heißt nur Bauerfeind und Kuttner. Und die sitzen dann zusammen und ich habe das mir mal angehört. Und da geht es auch erst mal einfach nur, also wird so die Woche lang, Revisited und was war jetzt so, die Queen hatte Geburtstag, haha und wo sitzt du gerade?“
Nina Pauer nennt den Podcast 'Bauerfeind und Kuttner' als zentrales Beispiel für ihre These des weiblichen Laber-Podcasts. Sie beschreibt das Format als einen typisch männlich konnotierten Sound – lockeres Wochenresümee ohne festes Thema – der nun von zwei Frauen bedient wird.
The Sopranos
David Chase
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:10:11 „Es gibt diese ganz wichtige Stelle in dieser, ja, für die Gegenwart so wichtigen Serie Sopranos. Ganz am Anfang, wo Tony Soprano sagt, er hat keine Lust, über seine Gefühle zu reden. Und die Gesellschaft will immer, dass Männer, die haben den Männern erzählt, dass sie über ihre Gefühle reden müssen. And now they won't shut up anymore.“
Lars Weisbrod zitiert eine Szene aus den Sopranos, um das Phänomen des männlichen Laber-Podcasts zu illustrieren. Tony Sopranos Unwillen, über Gefühle zu reden, dient als Ausgangspunkt für die These, dass Männer, einmal zum Reden ermutigt, nicht mehr aufhören – und das Zeitalter der männlichen Laber-Podcasts eingeläutet haben.
Techno-Feudalismus
Yanis Varoufakis
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:12:04 „Und zwar gibt es Leute wie Baroufakis, benutzt den Begriff gerne, oder falls jemand kennt, Mazzucato, diese linke Star-Ökonomin. Die sprechen von einem neuen Feudalismus, gerne auch von einem Techno-Feudalismus, weil die These dahinter ist oft sowas wie, die großen Silicon Valley-Konzerne sind so mächtig, die sind letztlich Monopole.“
Lars Weisbrod bringt als Gegenwartscheck-Vorschlag die Rückkehr des Feudalismus-Begriffs ein. Er verweist auf Varoufakis und Mazzucato, die von einem Techno-Feudalismus sprechen – der These, dass Tech-Konzerne wie Feudalherren Monopolrenditen abschöpfen und wir gar nicht mehr im Kapitalismus leben.
Text über Techno-Feudalismus
Evgeny Morozov
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:12:15 „Es gibt gerade einen tollen Text von meinem neuen Lieblingsdenker Evgenij Morozov, der das auch diskutiert und auch ein bisschen kritisiert.“
Ein aktueller Text von Morozov, der die These des Techno-Feudalismus diskutiert und teilweise kritisiert
A Magna Carta for the Knowledge Age
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:18:14 „Ich habe jetzt wegen dem Interview, was ich geführt habe, das heißt irgendwie Magna Carta of the Cyberspace, so ein libertäres, Cypherpunk-mäßiges Manifest von 94. Und die reden ja so, als wäre das alles für immer vorbei. Als gäbe es nie wieder Materie.“
Lars Weisbrod verweist auf ein libertäres Cypherpunk-Manifest aus den 90er Jahren, um Ijoma Mangolds These von der Rückkehr der Rohstoffe zu unterstützen. Er kontrastiert die damalige Überzeugung, Materie sei für immer überwunden, mit der heutigen Realität steigender Gaspreise und Rohstoffknappheit.
Magna Carta of the Cyberspace
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:18:43 „das heißt irgendwie Magna Carta of the Cyberspace, so ein libertäres, Cypherpunk-mäßiges Manifest von 94“
Ein libertäres Manifest aus den 90ern wird als Beispiel dafür herangezogen, wie damals das Ende der Materialität proklamiert wurde
Looper
Rian Johnson
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:24:57 „Es gibt in einem meiner Lieblings-Zeitreisefilme, Looper, gibt es diese tolle Szene, wo ein Mann aus der Zukunft mit einem Mann aus der Vergangenheit spricht und sich so aufregt, dass der so retro angezogen ist. Und er sagt dann zu ihm, mach doch mal was anderes, immer eine Krawatte. Bind dir doch mal was Blinkendes um den Hals.“
Lars Weisbrod zitiert eine Szene aus dem Zeitreisefilm 'Looper', um zu illustrieren, wie schwierig es ist, Modetrends vorherzusagen. Die Szene, in der ein Zeitreisender seinem früheren Ich verzweifelt modische Ratschläge gibt, dient als humorvolle Einleitung zu einem Fashion-Gegenwartscheck.
Wirtschaftspodcast
Moritz Schularick
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:42 „Also das sinkt so herab zu so dem allgemeinen Gut und die echten Forscher, ja drüben im Wirtschaftspodcast mit Moritz Schularek wird wahrscheinlich eher über die Fragen geredet, wie kann man Kausalität mit verschiedenen Techniken aus dem Datensatz kitzeln und nicht einfach mehr Leute befragen.“
Lars Weisbrod diskutiert den Gegenwartscheck-Vorschlag zum Phänomen 'N gleich 1' und grenzt den alltagssprachlichen Gebrauch statistischer Begriffe vom wissenschaftlichen Diskurs ab. Den Wirtschaftspodcast mit Moritz Schularick nennt er als Beispiel für einen Ort, an dem echte methodische Fragen wie Kausalitätsanalyse besprochen werden – im Gegensatz zum inflationären Gebrauch von 'N gleich 1' in Medien-Bubble-Debatten.
Tatort
ARD
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:50:38 „Da war das schon so ein bisschen drin, die letzten Jahre, würde ich sagen, aber natürlich gerade fand ich interessant, das, was du gesagt hast mit dem, dass es nicht schmutzig sein sollte und sowohl moralisch natürlich, aber auch so mit Öl und Kohle und so, während man vorher gedacht hat, okay, die Kumpel im Bergwerk mit ihren dreckigen Gesichtern, die im Tatort so aufgemalt worden sind, das ist jetzt vorbei.“
Nina Pauer diskutiert Ijoma Mangolds These von der Rückkehr der Rohstoffe und erwähnt den Tatort als kulturelle Referenz für die Darstellung von Bergarbeitern und der schmutzigen Seite der Industrie.