Wir wollen den Filialleiter sehen
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Zum Jahresauftakt 2022 widmet sich die Folge zwei Supermarkt-Serien: der US-Comedy „Superstore
„Es wird so wirklich diese geschlossene Welt in all ihren Einzelteilen und allen ihren typischen Tätigkeiten ausgeleuchtet.“
Erwähnte Medien (18)
Der Discounter
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:38 „Wir wollen heute viel über Alltag sprechen, über etwas sehr extrem Alltägliches, nämlich über Supermärkte. Genauer gesagt natürlich die fiktionale Abbildung dieser Einkaufswelten. In zwei Serien, die uns beide sehr begeistert haben. Zum einen Superstore aus den USA und eine ganz neue deutsche Serie, die Discounter.“
Die Discounter ist eines der beiden Hauptthemen dieser Episode. Nina Pauer und Lars Weisbrod besprechen die neue deutsche Mockumentary-Serie auf Amazon Prime, produziert von Christian Ulmen, mit acht kurzen Folgen über das Personal eines fiktiven Supermarkts namens 'Kulinski Feinkost'. Sie loben besonders die Authentizität durch Improvisation und die frische, junge Besetzung.
Superstore
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:38 „In zwei Serien, die uns beide sehr begeistert haben. Zum einen Superstore aus den USA und eine ganz neue deutsche Serie, die Discounter.“
Superstore ist die zweite der beiden Hauptserien, die in dieser Episode besprochen werden. Die amerikanische Serie über einen Supermarkt wird als Pendant zur deutschen Serie 'Die Discounter' diskutiert. Die ausführliche Besprechung folgt vermutlich im weiteren Verlauf der Episode.
Lenox Hill
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:16:55 „Wir haben ja hier auch schon mal über Lennox Hill gesprochen, die Krankenhausserie, die uns so begeistert hat damals.“
Rückverweis auf eine früher im Podcast besprochene Krankenhausserie, als Beispiel für gemeinsame Serienentdeckungen.
MAPA
Alexander Lindh
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:17:02 „Wir haben ja hier auch schon mal über Lennox Hill gesprochen, die Krankenhausserie, die uns so begeistert hat damals, oder MAPA, die kleine Produktion über den alleinerziehenden Vater.“
Nina Pauer erwähnt MAPA als eine weitere kleine Serienproduktion, die sie und Lars bereits früher im Podcast besprochen und empfohlen hatten. Die Serie handelt von einem alleinerziehenden Vater und wird als Beispiel für die Perlen genannt, die die beiden regelmäßig entdecken.
Stromberg
Ralf Hussmann
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:22:34 „Das Ganze ist natürlich ähnlich so Klassikern wie Stromberg, weil es eben eine Fake-Documentary ist. Das heißt also, man sieht immer so eine angebliche Dokumentations-Kamera-Blick, der irgendwo versucht, was zu erhaschen und zwischendurch geben die Protagonisten der in Anführungszeichen Doku so kleine Interviews.“
Lars Weisbrod ordnet 'Die Discounter' genremäßig ein, indem er sie mit dem deutschen Mockumentary-Klassiker Stromberg vergleicht. Beide Serien nutzen das Fake-Dokumentations-Format mit Interviews der Protagonisten und einer beobachtenden Kamera.
Jerks
Christian Ulmen
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:24:25 „Christian Ulm hat ja mit dieser sehr erfolgreichen, aber ich würde schon sagen, auch sehr, sehr interessanten und sehr, sehr guten Serie Jerks schon ein bisschen einen eigenen Weg eingeschlagen in deutschen Fernsehen, einen sehr lohnenswerten Weg. Ein Weg raus aus dem Jammertal, was deutsches Fernsehen sonst ist.“
Lars Weisbrod vergleicht 'Die Discounter' mit der Erfolgsserie Jerks von Christian Ulmen und Fahri Yardım, in der sich beide als arrogante Medienmenschen selbst spielen. Er sieht in Jerks einen Wegbereiter für das Improvisationsformat, das auch 'Die Discounter' auszeichnet — und einen wichtigen Schritt weg vom Niveau des üblichen deutschen Fernsehens.
Mein neuer Freund
Christian Ulmen
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:24:59 „Die Idee ist, komödiantisches Improvisieren möglichst authentischer Figuren, wie Ulm das ja auch schon früher gemacht hat, als er so bei Mein neuer Freund oder so Leute gespielt hat.“
Ijoma Mangold verweist auf Christian Ulmens früheres TV-Format 'Mein neuer Freund', in dem Ulmen bereits auf Improvisation und authentisches Spiel mit echten Menschen setzte. Er zieht die Linie von diesem Format über Jerks bis hin zu 'Die Discounter', um die Tradition des Improvisationskomödie im deutschen Fernsehen nachzuzeichnen.
Legal Affairs
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:26:47 „Es gibt ja gerade diese andere deutsche Serie, Legal Affairs, die uns beiden jetzt, wir haben sie nicht ganz gesehen, aber gleich, wo man gleich am Anfang merkt, da funktioniert es nicht so, weil die gestresste Anwältin sozusagen … Also jetzt fies gesagt, ist das so wie ein Kind, was gestresst spielt.“
Legal Affairs wird als öffentlich-rechtliche Serie erwähnt, die als Qualitätsprodukt angepriesen wurde, aber laut beiden Sprechern an Overacting und Klischeehaftigkeit scheitert. Sie dient als Negativbeispiel im Kontrast zu Discounter – insbesondere beim Thema Geschwindigkeit und Timing im deutschen Fernsehen.
Die Simpsons
Matt Groening
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:40:46 „Ned Flanders von den Simpsons ist ja eindeutig ein Vorbild, falls du das kennst oder die Zuhörerinnen und Zuhörer, berühmte Simpsons-Figur.“
Mangold vergleicht die Figur Glenn aus Superstore – den religiös-fundamentalistischen, aber gutherzigen Filialleiter – mit der berühmten Simpsons-Figur Ned Flanders. Der Vergleich dient dazu, den Archetyp des übertrieben freundlichen, religiösen Nachbarn/Chefs zu illustrieren.
American Beauty
Sam Mendes
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:42:21 „Also es ist sehr, sehr, es hat viele Anspielungen. Einmal auf American Beauty hast du ja richtig gesagt, wo dann so, da ging es dann um so eine Tiefsinnigkeit von einer Plastiktüte, die rumschlug.“
Nina Pauer erwähnt, dass Superstore eine Anspielung auf American Beauty enthält – konkret die ikonische Szene mit der im Wind wehenden Plastiktüte, die als Symbol für verborgene Schönheit im Alltäglichen steht. Das passt zum Thema der Episode: Tiefe und Bedeutung in scheinbar banalen Alltagssituationen zu finden.
Everybody's Working for the Weekend
Loverboy
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:53 „In Superstore läuft in einer der allerersten Folgen, man hört manchmal so Hits aus dem Radio, aus dem Superstore-Radio, läuft dieser 80er-Jahre-Hit Everybody's Working for the Weekend. Ich weiß gerade gar nicht mehr, von wem das ist. Nicht Journey, sowas ähnliches.“
Mangold beschreibt einen Schlüsselmoment in Superstore, als dieser 80er-Hit im Supermarkt-Radio läuft und ihn zum Nachdenken über den Sinn von Arbeit bringt. Der Song wird zum Ausgangspunkt einer tieferen Reflexion: Arbeiten die Figuren nur fürs Wochenende – oder gibt die Arbeit selbst ihrem Leben Struktur und Sinn?
Arbeit – Warum sie uns glücklich oder krank macht
Thomas Waschek
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:08 „ein gutes Buch von dem Philosophen Thomas Waschek, der mal darüber geschrieben hat, was der Sinn von Arbeit im Allgemeinen ist“
Buchempfehlung eines Philosophen zum Thema Sinn von Arbeit, passend zur Diskussion über die Arbeitswelt im Supermarkt.
Work-Life-Woislaw / Warum Arbeit glücklich macht
Thomas Vasek
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:41 „Und es gibt ein, das kann ich unten verlinken, ein gutes Buch von dem Philosophen Thomas Vasek, der mal darüber geschrieben hat, was der Sinn von Arbeit im Allgemeinen ist und er hat es auf diese Formulierung gebracht, dass Arbeit Gründe schafft.“
Mangold empfiehlt ein Buch des Philosophen Thomas Vasek über den Sinn von Arbeit, das zur These passt, die beide Serien illustrieren: Arbeit gibt Menschen Gründe – soziale Beziehungen, Zugehörigkeit, Struktur. Der genaue Titel wird nicht genannt, aber Vasek ist bekannt für sein Buch über die Philosophie der Arbeit.
Bullshit Jobs
David Graeber
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:51:09 „Und deswegen ist natürlich nicht gemeint, dass deren Job sinnlos ist im Sinne dieses Bullshit-Jobs, über den wir ja auch schon mal gesprochen haben, dass er sozusagen gar keinen gesellschaftlichen Mehrwert herbeiführt.“
Mangold grenzt die Arbeit im Supermarkt vom Konzept der 'Bullshit Jobs' ab – die Tätigkeit, Menschen mit Waren zu versorgen, sei gesellschaftlich sinnvoll. Er verweist auf eine frühere Folge, in der das Konzept bereits besprochen wurde, und nutzt es hier als Kontrastfolie: Das Problem der Supermarkt-Angestellten sei nicht Sinnlosigkeit, sondern dass von oben Bullshit-Aufgaben aufgedrückt werden.
This Is Water
David Foster Wallace
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:51:46 „es gibt einen großartigen Text von David Foster Wallace, manche kennen ihn, ich weiß nicht, ich hatte dich vorher schon gefragt, du kanntest ihn tatsächlich nicht, er heißt This is Water, das war eine Rede, die der Schriftsteller David Foster Wallace mal vor einer Abschlussklasse gehalten hat.“
Abschlussrede von David Foster Wallace, in der der Supermarkt als Symbol für den Alltag eine zentrale Rolle spielt. Wird als philosophischer Schlüsseltext zur Diskussion herangezogen.
This Is Water
David Foster Wallace
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:52:58 „Es gibt einen großartigen Text von David Foster Wallace. Er heißt This is Water, das war eine Rede, die der Schriftsteller David Foster Wallace mal vor einer Abschlussklasse gehalten hat. Und in diesem Text versucht er letztlich eine kurze Lebensphilosophie zu skizzieren und ich denke da beim Thema Supermarkt ganz oft dran, weil für seine Skizze spielt der Supermarkt eine entscheidende Rolle.“
Mangold empfiehlt enthusiastisch David Foster Wallaces berühmte Abschlussrede als zentrale Referenz für das Episodenthema. Wallace beschreibt darin den Supermarkt als Schauplatz alltäglicher Frustration – das kaputte Einkaufswagenrad, die lange Schlange – und plädiert dafür, bewusst die Perspektive zu wechseln und andere Menschen nicht nur als Statisten im eigenen Leben zu sehen. Mangold nutzt die Rede als philosophischen Rahmen für die gesamte Diskussion über Alltag und Arbeit.
Bad Banks
Christian Schwochow
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:56:12 „Ich glaube Bad Banks ist ja sowas, die Bankerserie, wo es irgendwie geklappt hat, obwohl es deutsches Fernsehen war und obwohl es auch manchmal overacted war, da waren irgendwie auch alle böse und gestresst, aber es war trotzdem eine coole Serie.“
Pauer zieht Bad Banks als positives Beispiel für eine deutsche Berufsserie heran. Im Vergleich zu Legal Affairs, das ihrer Meinung nach nicht funktioniert, sei Bad Banks trotz gelegentlicher Überzeichnung gelungen. Sie nutzt die Serie als Maßstab dafür, wie gut verschiedene Berufsserien die Binnenlogik eines Arbeitsumfelds einfangen können.
Tatort
ARD
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:57:55 „Dieses Problem vermeidet man, weil sie im Improvisieren plötzlich authentisch wirken, ja, und nicht wie so Tatort-Menschen. Bei Tilt Schweiger, denke ich aber als Gegenbeispiel, dass beim Tatort sagen sie immer, Frau Meier hatte ihr Mann Feinde.“
Ijoma Mangold nutzt den Tatort als Negativbeispiel für die unnatürliche Dialogsprache im deutschen Fernsehen. Er kontrastiert die improvisierte Authentizität der Discounter mit der gestelzten Sprechweise typischer Tatort-Figuren, um zu zeigen, warum die Mockumentary-Form besser funktioniert.