Ist Südkorea die neue kulturelle Weltmacht
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Die Episode nimmt den weltweiten Hype um Squid Game zum Anlass, Südkoreas Aufstieg zur kulturellen Weltmacht zu untersuchen. Bevor es inhaltlich losgeht, werden im gewohnt spielerischen Gegenwartscheck noch offene Rechnungen beglichen — inklusive nachträglicher Strafpunkte und einer Verwechslung von Peaches und Lucy Peach aus der letzten Folge.
„Und was die Faszination von so vielen Menschen auf sich zieht, ist dann selbstverständlich auch ein Gegenstand der Gegenwart, weil es ein Gegenwartsphänomen zu sein scheint.“
Erwähnte Medien (13)
Lucy Peach YouTube-Talk
Lucy Peach
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:02:13 „Ich habe in der letzten Folge immer von einem YouTube-Talk der Sängerin Peaches gesprochen. Die gibt es zwar, aber das, was ich meinte, ist von Lucy Peach. Da gab es eine Verwirrung, haben wir selbst gemerkt, in den Shownotes haben wir es korrigiert, aber auch hier auf diesem Wege noch einmal, weil das Video ist weiterhin sehr empfehlenswert.“
Nina Pauer korrigiert einen Fehler aus der vorherigen Folge: Sie hatte einen YouTube-Talk fälschlich der Sängerin Peaches zugeschrieben, meinte aber Lucy Peach. Sie betont, dass das Video weiterhin sehr empfehlenswert sei.
Wetten, dass..?
Frank Elstner
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:17:05 „Wetten, das war letzte Woche, ich glaube, 14 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen. TV Total kehrt zurück, ABBA kehrt zurück, Diana Ross will ein neues Album machen.“
Nina Pauer nennt die Rückkehr von 'Wetten, dass..?' als Beispiel für eine große Retrowelle, die gerade durch die Kultur schwappt. Die Show hatte laut Pauer rund 14 Millionen Zuschauer, was sie als Beleg für den Retro-Trend anführt.
TV total
Stefan Raab
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:11 „TV Total kehrt zurück, ABBA kehrt zurück, Diana Ross will ein neues Album machen und von unseren wohl informierten Kulturreportern im Ausland, Lars, danke, du hast mir Fotos geschickt von Läden in Frankreich und England, wo diese Timberlands-Schuhe wieder gesehen habe.“
Die Rückkehr von TV Total wird als weiteres Beispiel für die aktuelle Retrowelle genannt, zusammen mit ABBA und Diana Ross. Nina Pauer sieht darin ein Muster einer kulturellen Nostalgie, die gerade einen Peak erreicht.
Voyage
ABBA
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:17:11 „TV Total kehrt zurück, ABBA kehrt zurück, Diana Ross will ein neues Album machen und von unseren wohl informierten Kulturreportern im Ausland, Lars, danke, du hast mir Fotos geschickt von Läden in Frankreich und England.“
Nina Pauer zählt Beispiele für eine aktuelle Retrowelle auf. ABBA wird als prominentes Beispiel für die Rückkehr vergangener Popkultur-Größen genannt, implizit bezogen auf das 2021 angekündigte Comeback-Album.
Indigo
Clemens J. Setz
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:28:38 „Es erinnert mich übrigens, um gewissermaßen aus diesem massenpopulärkulturellen Schrott in die hohen Weinen der Highbrow Literature zu wechseln, an Clement Setz, der letzten Wochenende den Büchnerpreis bekommen hat und in seinem Roman, ich glaube, Indigo, da gibt es so eine Art Internat für Kinder mit Behinderungen und der Leiter dieses Internats lässt diese Kinder immer Reise nach Jerusalem spielen, allerdings mit genauso viel Stühlen wie Spielern.“
Mangold zieht eine Verbindung zwischen den Kinderspielen in Squid Game und Clemens J. Setz' Roman Indigo. Die Szene, in der Kinder Reise nach Jerusalem mit gleich vielen Stühlen wie Spielern spielen müssen, illustriert für ihn die Absurdität eines Spiels ohne Eliminierungsprinzip – das genaue Gegenteil der tödlichen Spiele in Squid Game.
Parasite
Bong Joon-ho
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:34:23 „Genau, da geht es ja eigentlich auch um einen im Turbokapitalismus, eine Familie, die dort gewonnen hat und die Hausangestellten“
Parasite wird als Vergleich herangezogen, um die Gemeinsamkeiten koreanischer Kulturprodukte bei der Darstellung von Kapitalismus und sozialer Ungleichheit zu illustrieren
Parasite
Bong Joon-ho
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:35:42 „Also ich fand schon, man hat halt, sind Bilder, die sich wahnsinnig eingeprägt haben, auch in der Brutalität oder wie auch immer du es jetzt wieder nennen würdest, mit der, also am Ende gibt es dann so ein Gemetzel im Garten bei Parasite und dann schaltet die Kamera auf so Slow Motion und das ist zum Beispiel was, was ich bei Squid Game zum Beispiel wiederfinde.“
Der unbekannte Sprecher vergleicht die visuelle Handschrift von Squid Game mit Bong Joon-hos Parasite. Beide teilen eine koreanische Filmästhetik mit stilisierten Slow-Motion-Gewaltszenen. Parasite dient als Referenzpunkt für den koreanischen Kulturexport – auch dort geht es um oben und unten, um Klassenunterschiede und Geldgier.
The Blair Witch Project
Daniel Myrick, Eduardo Sánchez
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:37:03 „Zum Beispiel fand ich Blair Witch total furchtbar, weil das sozusagen dieses so der dunkle Wald und irgendwas knistert und man zuckt zusammen. Und als, ich glaube, Blair Witch 2 kam, da kam ganz viel Blut“
Nina Pauer vergleicht ihre unterschiedliche emotionale Reaktion auf Horror-Ästhetiken anhand von Blair Witch Project und dessen Sequel
Blair Witch 2: Book of Shadows
Joe Berlinger
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:38:09 „Zum Beispiel fand ich Blair Witch total furchtbar, weil das sozusagen dieses so der dunkle Wald und irgendwas knistert und man zuckt zusammen. Und als ich glaube Blair Witch 2 kam, da kam ganz viel Blut und man dachte so, ne, also da fühle ich jetzt auch nichts mehr.“
Nina Pauer vergleicht ihre Seherfahrung bei Squid Game mit Horrorfilmen. Sie unterscheidet zwischen dem subtilen Grusel des ersten Blair Witch und dem expliziten Blut des zweiten Teils, bei dem die Wirkung verpuffte.
The Popularity of Squid Game Terrifies Me
Frank Bruni
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:38:41 „Da kann man ein Zitat aus der New York Times, wo ein, wie heißt der, ein Autor, Frank Bruni, The Popularity of Squid Game Terrifies Me. Und er hat gesagt, es ist eine Dystopian Fantasy und schreibt darüber, es sei eine Visual and Spiritual Aesthetics.“
Der Sprecher zitiert Frank Brunis New-York-Times-Artikel, um die Ästhetik von Squid Game auf den Punkt zu bringen: eine Kreuzung aus Teletubbies und Quentin Tarantino at his grisliest. Das Zitat dient als treffende Zusammenfassung der Diskussion über die Mischung aus kindlicher Buntheit und stilisierter Gewalt.
Tatort
ARD
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:45:31 „Also natürlich, klar, wollen die alle Kohle haben und so, aber es ist alles schon so abgelutscht bei uns und das in diesem, genau wie in Parasite jetzt auch bei Squid Game, dieses der nackte, sabbernde, blutende, zum Geld krabbelnde Mensch.“
Nina Pauer vergleicht die Darstellung von Geldgier in koreanischen Produktionen mit der europäischen Fernsehtradition. Sie nennt den Tatort als Beispiel für abgenutzte Kriminalerzählungen über Mafia und Geld.
Homo Sacer
Giorgio Agamben
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:56:37 „Also quasi auch die George-Ot-Gampens-Großthese, dass die ganze Gegenwart ein einziges KZ sei, könnte man daran ja auch in Szene gesetzt sehen.“
Mangold zieht eine Verbindung zwischen der Lager-Ästhetik von Squid Game und Giorgio Agambens philosophischer These, dass das Lager das Paradigma der modernen Politik sei. Der Name wird im Transkript phonetisch verzerrt wiedergegeben, gemeint ist Agambens Hauptwerk 'Homo Sacer', in dem er argumentiert, dass der Ausnahmezustand zur Regel geworden ist.
James Bond
Ian Fleming
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:58:51 „Klar, hatte man davon dann eben auch noch die Kindheitserinnerung an die ganzen James-Bond-Abende vorm Fernseher. Irgendwie ist das natürlich genial, aber mich nervt das dann immer, dass es irgendwie dann doch, also beim Kapitalismus würde ich dann denken, da reicht doch vielleicht irgendwie so ein…“
Die Sprecherin vergleicht die Darstellung der reichen, maskierten Zuschauer in Squid Game mit der James-Bond-Ästhetik klassischer Bösewichte – fetter Goldring, Maske, mysteriöser Auftritt. Sie findet die Anleihe zwar nostalgisch reizvoll (Kindheitserinnerungen an James-Bond-Abende), aber auch etwas zu plakativ in der Kapitalismuskritik.