Kim de l'Horizon, warum sind Hexen politisch
Christoph Amend, Jochen Wegner & Kim de l'Horizon
Kim de l'Horizon, gefeiert für den Doppelerfolg mit dem Debütroman «Blutbuch» (Deutscher und Schweizer Buchpreis 2022), spricht über radikale Unvorbereitetheit als Lebenskonzept, die Frage, warum Heiraten überhaupt erstrebenswert sein soll, und darüber, dass nicht das Individuum, sondern Politik und Konzerne für den CO2-Ausstoß zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Dabei verschiebt Kim konsequent die Schuldfrage vom Kapitalismus noch weiter zurück — zum Patriarchat als eigentlichem Ursprung.
„Der Kapitalismus ist schuld. Nee, nee, ich würde sagen, das Patriarchat ist am Anfang. Der Kapitalismus joined the team.“
Erwähnte Medien (49)
Und was machst du am Wochenende?
Christoph Amend
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:04 „Herausgeber der Weltkunst und Podcast-Zweithost bei Und was machst du am Wochenende?“
Erwähnt als weiterer Podcast von Christoph Amend bei der Vorstellung der Gastgeber
Blutbuch
Kim de l'Horizon
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:05:58 „Kim de l'Horizon ist eine genderfluide Person aus der Schweiz, die Lyrik, Prosa und Dramen verfasst und 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis mit dem autofiktionalen Roman Debüt Blutbuch gewonnen hat. Das Buch ist ein Bestseller. Und auch ein Knaller.“
Blutbuch ist das zentrale Thema der Folge. Jochen Wegner stellt Kim de l'Horizon vor und beschreibt den autofiktionalen Debütroman, der sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis 2022 gewonnen hat. Beide Gastgeber betonen ihre Begeisterung für das Buch, Wegner sagt, er habe nach drei Seiten gewusst, dass er mit diesem Menschen sprechen wolle.
2666
Roberto Bolaño
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:08:51 „Und witzigerweise, es gibt ja so eine Art offiziellen Lebenslauf des Verlags, geboren 2666, was schon mal super war, übrigens tolles Buch, 2666, Roberto Bolano.“
Wegner erwähnt, dass Kim de l'Horizons fiktiver Verlagslebenslauf das Geburtsjahr 2666 angibt. Er erkennt darin sofort eine Anspielung auf Roberto Bolaños gleichnamigen Roman und kommentiert begeistert, es sei ein tolles Buch.
Die Abschaffung der Arten
Dietmar Dath
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:11:34 „In Dietmar Darts, die Abschaffung der Arten, eine Untersuchung zur Biopolitik der Zukunft“
Erwähnt im Zusammenhang mit Kims Bachelorarbeit, die sich mit diesem Roman beschäftigt. Kim empfiehlt das Buch ausdrücklich als tolles Buch
Die Abschaffung der Arten
Dietmar Dath
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:13:05 „Ich habe mir das sofort runtergeladen und angefangen zu lesen. Das ist übrigens ein tolles Buch. Also Dietmar Darts Buch ist aus den frühen 2000ern, nee 2008 oder so. Geht darum, dass die Menschen sind verschwunden, die Tiere sind geblieben und es geht so los, die Tiere fragen sich, wohin die Menschen eigentlich und warum sie verschwunden sind.“
Kim de l'Horizons Bachelorarbeit handelte über Dietmar Daths Science-Fiction-Roman 'Die Abschaffung der Arten'. Wegner hat das Buch daraufhin sofort heruntergeladen und empfiehlt es begeistert. Kim erklärt die zentrale Idee: In der Welt des Romans können die Tiere ihre Körper selbst formen, es gibt keine Artengrenzen mehr – eine Vision, die auch für Kims eigenes Denken über Identität und Körper zentral ist.
Modekolumne über das Älterwerden
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:15:13 „Es gibt einen ganz tollen Modekolumnisten, dessen Name ich nicht einfinde, im Guardian, der irgendwann vor ein paar Jahren eine Kolumne geschrieben hat, hey, ich bin jetzt über 50. Ich habe einen kompletten Kleiderschrank voll mit diesen jungen, hippen Dingen und ich ziehe jetzt aufs Land und bin alt und werde grau und sollte ich mich vielleicht mal anders kleiden.“
Im Gespräch über gesellschaftlichen Druck bei Kleidung und Auftreten erinnert sich Jochen Wegner an eine Guardian-Kolumne eines Modekolumnisten, dessen Name ihm entfallen ist. Der Autor reflektiert darin, ob man sich mit über 50 anders kleiden sollte – etwa keine Sneakers mehr tragen. Wegner erzählt, dass er daraufhin wochenlang andere Schuhe trug, es dann aber wieder ließ.
Night Call (Cover)
London Grammar
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:20:00 „Und dann gibt es diese Cover-Version von … London Grammar. Ja, die ist so richtig soulful und langsam.“
Kims Gesangsversion bei der Preisverleihung orientierte sich eher an der langsameren London-Grammar-Version als am Elektro-Original
Drive
Nicolas Winding Refn
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:00 „Aus dem Film Drive.“
Erwähnt als Herkunft des Original-Songs Night Call von Kavinsky
Nightcall (Cover)
London Grammar
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:20:43 „Und dann gibt es diese Cover-Version von London Grammar. Die ist so richtig soulful und langsam. Du hast mehr die London Grammar-Version gesungen, oder?“
Wegner unterscheidet zwischen dem Elektro-Original von Kavinsky und der langsameren Cover-Version von London Grammar. Kim bestätigt, eher die London-Grammar-Version auf der Buchpreisverleihung gesungen zu haben.
Inglourious Basterds
Quentin Tarantino
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:35:25 „Und der wurde dann eben gecastet für diesen Film von Quentin Tarantino, Inglourious Basterds. Und der Film hatte dann Weltpremiere in Cannes. Und er hat mir eben erzählt, dass sie im Hotel gemeinsam losgefahren sind und Quentin Tarantino, wenn ich mich richtig erinnere, saß neben ihm und meinte zu ihm, genieß noch die letzten drei Minuten deines Lebens, die du nicht bekannt bist.“
Christoph Amend erzählt eine Anekdote über den Schauspieler Christoph Waltz, den er einmal porträtiert hat. Waltz war lange nur mittelmäßig erfolgreich, bis er für Tarantinos Film gecastet wurde. Amend zieht eine Parallele zu Kim de l'Horizons plötzlicher Bekanntheit nach der Buchpreisverleihung.
Werke von Rosi Braidotti
Rosi Braidotti
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:54 „Oder dass die Kategorie Mensch, wie auch Rosi Breit-Dotti, eine mir sehr liebe Philosophin, die sagt, die Kategorie Mensch war immer eine Kategorie, um Ausschluss und nicht um Einschluss zu generieren.“
Kim de l'Horizon zitiert die Philosophin Rosi Braidotti im Zusammenhang mit der Diskussion über Menschenrechte, Identitätspolitik und die Solidarität mit den Frauen im Iran. Braidottis These wird als wichtige theoretische Grundlage für Kims Denken vorgestellt.
The White Lotus
Mike White
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:39 „Und da gibt es auch so, ich habe gerade in diesem White Lotus, dieser Serie von, ich weiß gar nicht, HBO oder was ist das? ... Also das ist jetzt die zweite Staffel, ich fand die erste wahnsinnig viel besser, aber in der zweiten Staffel gibt es eine Szene, die dieses Gefühl des eigentlich immer schon Gewalt angetan worden Seins so wahnsinnig gut bebildert für mich hat.“
Kim de l'Horizon beschreibt ausführlich eine Szene aus der zweiten Staffel von The White Lotus, in der eine Frau in einem sizilianischen Städtchen plötzlich von Männerblicken umzingelt wird. Für Kim ist diese Szene ein perfektes filmisches Abbild des Gefühls, als queere Person im öffentlichen Raum ständig latenter Gewalt ausgesetzt zu sein. Die Szene wird sehr detailliert nacherzählt und dient als zentrales Beispiel für die Diskussion über Gewalterfahrungen markierter Körper.
Werk über Besitz und Kapitalismus
Eva von Redeker
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 00:56:32 „Eva von Redeker, diese tolle Philosophin, die über Besitz spricht oder schreibt und sagt, Besitz ist ein Kapitalismus, so verstehe ich sie eigentlich, das Recht zu zerstören“
Kim referiert Eva von Redekers philosophische These, dass Besitz im Kapitalismus das Recht auf Zerstörung bedeute, und bezeichnet sich als Verehrerin der Philosophin
Balkanstraße
🗣 Kim de l'Horizon erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:02:56 „Genau und die Figur ist da und das war eben da, wo die Figur noch jünger war, wirklich so, wie das so ist, irgendwie billiger und die hat da in so einer Studenten-WG gewohnt. Es gibt auch so Zeitungsartikel darüber, wo das eben Balkanstraße genannt wird, also es ist nicht mein Begriff so.“
Kim de l'Horizon spricht über eine Straße in einem Zürcher Vorort, die in Zeitungsartikeln als 'Balkanstraße' bezeichnet wird. Die Figur Kim im Buch wohnt dort als Studentin und reflektiert über Klasse und eigene Vorurteile. Die konkreten Artikel werden nicht namentlich benannt.
Dossier über KI-Selbstbewusstsein bei Google
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:25:45 „Der Fall wurde auch vor kurzem in der Zeit sehr ausführlich in einem Dossier behandelt.“
Nachdem Jochen Wegner den Fall eines Google-Forschers erwähnt, der gefeuert wurde, weil er behauptete, ein Chatprogramm habe Selbstbewusstsein entwickelt, verweist Christoph Amend auf ein ausführliches Dossier in der Zeit, das diesen Fall behandelt hat.
Der Herr der Ringe
J.R.R. Tolkien
🗣 Kim de l'Horizon erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:31:10 „Harry Potter oder Herr der Ringe? Oh, ja, Herr der Ringe.“
Im A-oder-B-Spiel wählt Kim begeistert Herr der Ringe gegenüber Harry Potter
Pippi Langstrumpf
Astrid Lindgren
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:31:10 „Pippi oder Winnetou? Pippi.“
Im A-oder-B-Spiel wählt Kim Pippi gegenüber Winnetou
Winnetou
Karl May
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:31:10 „Pippi oder Winnetou?“
Im A-oder-B-Spiel als Alternative zu Pippi Langstrumpf genannt
Harry Potter
J.K. Rowling
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:39:44 „Harry Potter oder Herr der Ringe? Oh, ja, Herr der Ringe.“
Im Entweder-oder-Spiel stellt Jochen Wegner die beiden großen Fantasy-Franchises gegenüber. Kim de l'Horizon entscheidet sich begeistert für Herr der Ringe, Harry Potter fällt damit durch.
Winnetou
Karl May
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:40:19 „Pippi oder Winnetou? Pippi.“
Im Entweder-oder-Spiel wird Winnetou als Gegenpol zu Pippi Langstrumpf angeboten. Kim de l'Horizon entscheidet sich gegen Karl Mays Figur.
Die Neue Rundschau
S. Fischer Verlag
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 01:55:54 „Also das eine ist eigentlich so ein Auftragstext, also für so die neue Rundschau, ich glaube vom Fischer Verlag oder so.“
Kim de l'Horizon erzählt, dass eines der mitgebrachten Hexen-Gedichte als Auftragstext für die traditionsreiche Literaturzeitschrift Die Neue Rundschau entstanden ist. Christoph Amend ordnet sie als 'altwürdige Literaturzeitschrift' ein, vergleichbar mit dem Merkur.
Das Leben der infamen Menschen
Michel Foucault
🗣 Kim de l'Horizon zitiert daraus bei ⏱ 01:57:14 „Foucault hat es so beschrieben, das Leben der Infamen, dass eigentlich diese Menschen, die irgendwie anders waren und irgendwie gegen die Regeln verstoßen haben, sie treten in Existenz zu uns zurück. Durch einen Blitzschlag in dem Moment, in dem sie mit dem Gericht und der Obrigkeit eigentlich aufeinandertreffen.“
Kim de l'Horizon greift Foucaults Essay auf, um zu erklären, warum wir von den als Hexen verfolgten Menschen so wenig wissen. Foucaults Kerngedanke – dass marginalisierte Menschen nur im Moment ihrer Konfrontation mit der Macht kurz sichtbar werden und dann wieder verschwinden – wird direkt auf die Hexenprozess-Akten übertragen.
Sagt mir, was ich gestehen soll
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:05:45 „Also die eine Historikerin, die hat auch einen Text geschrieben, sagt, was ich gestehen soll. Das ist so der Titel ihrer Monografie.“
Kim de l'Horizon verweist auf eine wissenschaftliche Monografie über Hexenverfolgung, deren Titel die Absurdität erzwungener Geständnisse unter Folter zusammenfasst. Kim kann sich im Moment nicht an den Namen der Historikerin erinnern, der Titel der Monografie wird aber als besonders treffend hervorgehoben.
Anrufung an die schimmlige Hebamme Ann Vollmers
Kim de l'Horizon
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:09:34 „Anrufung an die schimmlige Hebamme Ann Vollmers. Enfolmas, Enfolmas, Enfolmas, wir sind heute hier und du, du bist es heute nicht.“
Kim performt ein eigenes Gedicht zum Gedenken an eine in Köln als Hexe ermordete Hebamme – das Gedicht wurde tags zuvor im Schauspiel Köln uraufgeführt
Caliban und die Hexe
Silvia Federici
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:24:11 „Ich würde gerne noch über die Hexenverfolgung aus Silvia Federicis Sicht sprechen, die auch sehr wichtig war für mein Buch, die die Hexenverfolgung aus feministischer, marxistischer Perspektive anguckt.“
Kim de l'Horizon stellt Silvia Federicis Analyse der Hexenverfolgung als zentrale Inspiration für das eigene Schaffen vor. Federici argumentiert, dass die Hexenverfolgung eng mit der Herausbildung des modernen Kapitalismus zusammenhängt – insbesondere mit der Einhegung der Allmende, der Privatisierung von Gemeingütern und der Kriminalisierung weiblichen Heilwissens. Kim referiert Federicis Thesen ausführlich und zeigt, wie die Unterdrückung von Hebammen und Kräuterkundigen der Konzentration medizinischen Wissens an Universitäten und männlichen Ärzten diente.
Monografie über die Hexenverfolgung am Niederrhein
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 02:51:22 „Ich hab so eine tolle Monografie eben über die Hexenverfolgung im Niederrhein, am Niederrhein gefunden, dass auch den Haare, also dass oft die Männer, die dann diese Frauen angeklagt haben, irgendwie sagen, sie hat mir so ein Haarbüschel unters Ross gelegt und deshalb ist das dann gestorben.“
Kim spricht über die symbolische Aufladung von Haaren im Kontext von Hexenverfolgungen und hat dazu eine Monografie gefunden, die historische Fälle vom Niederrhein dokumentiert. Der Titel und Autor werden nicht genannt, aber Kim beschreibt konkrete Inhalte wie die Anklage von Frauen wegen angeblicher Hexerei mit Haarbüscheln.
Caliban and the Witch
Silvia Federici
🗣 Kim de l'Horizon erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:58:23 „Ich wollte ja dann auf Silvia Federici kommen. Und dann war die Zeit um. Das kann bei uns nicht passieren.“
Kim erwähnt Silvia Federici als Autorin, auf die sie im Sternstunde-Philosophie-Gespräch noch zu sprechen kommen wollte, bevor die Zeit ablief. Im Kontext der Diskussion über Hexenverfolgung, Geschlechterbinarität und Körperlichkeit ist Federicis bekanntestes Werk der naheliegende Bezugspunkt, auch wenn der Titel nicht explizit genannt wird.
Testo Junkie
Paul B. Preciado
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:07:37 „Es gibt diesen Philosophen, Paul B. Preciado, der sehr schlüssig in meinen Augen formuliert, dass Geschlecht heutzutage in allen Formen durch Chemie auch hervorgebracht ist. Also auch, dass wir durch die Pille, schon nur, wird so krass mit dem weiblichen Reproduktionszyklus gepanscht.“
Kim zitiert Paul B. Preciados These, dass wir längst in einem 'chemischen Geschlecht' leben, weil sowohl Cis-Frauen (Pille) als auch Cis-Männer (Testosteron bei zu niedriger Spermien-Dichte) hormonelle Chemie einsetzen. Kim nutzt diese Argumentation, um das Natürlichkeitsargument gegen trans Menschen zu entkräften. Der Buchtitel wird nicht explizit genannt, aber die beschriebenen Thesen stammen aus Preciados bekanntestem Werk.
Gender Trouble
Judith Butler
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:11:23 „Also Judith Butler sagt ja, es gibt einen Unterschied zwischen Sex und Gender. Und Sex ist eben das biologische Geschlecht und Gender ist das soziale Geschlecht.“
Kim greift Judith Butlers grundlegende Unterscheidung zwischen Sex und Gender auf, nachdem Jochen bemerkt hat, dass Butler in diesem Podcast schon häufiger besprochen wurde. Kim nutzt die Unterscheidung, um zu argumentieren, dass wir im Alltag fast ausschließlich mit dem sozialen Geschlecht zu tun haben und das biologische Geschlecht unter der Kleidung irrelevant sei. Der Buchtitel wird nicht genannt, aber die Sex/Gender-Unterscheidung ist Butlers bekannteste These.
La Distinction (Die feinen Unterschiede)
Pierre Bourdieu
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:28:00 „Also nicht ich, aber Bourdieu sagt ja, dass, also Geschmack gibt's eigentlich nicht. Also ich, mein Geschmack ist das und das und ich trage eben nur noch Brillen aus Holz oder so, keine Ahnung, das ist jetzt mein Geschmack.“
Als das Gespräch auf Klasse und Geschmack kommt, verweist Kim de l'Horizon auf Bourdieus zentrale These, dass individueller Geschmack keine persönliche Eigenschaft ist, sondern Ausdruck von Klassenzugehörigkeit. Kim betont, dass viele Menschen immer noch glauben, ihr Geschmack sei Ausdruck ihrer ureigenen Individualität, obwohl er klassenbedingt sei.
David Bowie (Musikschaffen)
David Bowie
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 03:38:54 „Voll, aber ich glaube, da gibt es ja wahnsinnig viele eben eigentlich, also Pop ist ja so eigentlich... David Bowie. David Bowie, also David...“
Kim de l'Horizon nennt David Bowie als Beispiel für KünstlerInnen, die durch ihr Auftreten Geschlechtergrenzen aufgelöst haben, im Zusammenhang mit der Diskussion über Harry Styles und geschlechtsnonkonforme Performance in der Popkultur.
Porträt über Kim de l'Horizon
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:49:21 „Ich glaube, in der New York Times, die haben ein bisschen darüber nachgedacht, in einem Porträt. Und eigentlich geht das ja nicht.“
Jochen Wegner erwähnt ein Porträt in der New York Times, das sich mit der Frage der Übersetzbarkeit von Kim de l'Horizons Werk beschäftigt hat. Wegner argumentiert, dass das Buch aufgrund des ständigen Springens zwischen Sprachen für Laien eigentlich unübersetzbar sei, und die NYT habe darüber ebenfalls nachgedacht.
The Archival Turn in Feminism
Kate Eichhorn
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:05:26 „Ich zitiere auch so eine Feministin, Kate Eichhorn, die auch darüber nachdenkt. Genau, also Archive sind Orte, an denen Wissen gespeichert ist, das noch kein Wissen ist. Also das noch nicht in das Denken einer Gesellschaft eingespeist worden ist.“
Im Gespräch über Archive und deren Bedeutung für queere und feministische Wissensproduktion erwähnt Kim de l'Horizon die feministische Theoretikerin Kate Eichhorn, die über Archive als Orte des noch-nicht-gewussten Wissens nachdenkt. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt, es handelt sich wahrscheinlich um 'The Archival Turn in Feminism' oder ein verwandtes Werk Eichhorns.
Histoire de la sexualité
Michel Foucault
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:06:41 „Foucault untersucht das ja so an der frühen Antike irgendwie, dass er sagt, dass da diese Geschlechtlichkeit, also Sexualität zwischen Männern eine sehr wichtige gesellschaftliche Funktion war. Dass es jetzt aber auch nicht so war, aber das war ein anderes Sexualitätsmodell als jetzt heutzutage.“
Kim de l'Horizon verweist auf Foucaults Untersuchung der Sexualität in der griechischen Antike, um zu zeigen, dass Geschlechter- und Sexualitätsmodelle historisch variabel sind. Die Beschreibung der Mentor-Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Männern und der damit verbundenen Regeln verweist auf Foucaults 'Geschichte der Sexualität', insbesondere die Bände über den antiken Gebrauch der Lüste.
Werke von Donna Haraway
Donna Haraway
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:17:36 „Donna Haraway, Brian Doughty, Karen Pell, die sagen, dass die Positionierung einfach wichtig ist, dass die Transparenz wichtig ist, von wo aus wird Wissen geschaffen.“
Kim de l'Horizon nennt Donna Haraway als wichtige Vertreterin des Neomaterialismus und der feministischen Wissenschaftskritik im Gespräch über situiertes Wissen und die Frage, ob Wissenschaft jemals vollständig objektiv sein kann.
Chandelier
Sia
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:28:45 „Okay, dann würde ich meine Cover-Version von Chandelier vorsingen, aber ich habe das schon so lange nicht mehr gesungen. Also Chandelier von Sia. Ich habe da so einen deutschen Text dazu geschrieben.“
Kim de l'Horizon kündigt an, eine eigene deutsche Cover-Version von Sias Hit 'Chandelier' zu singen, statt das vorbereitete Gedicht vorzulesen. Kim erklärt, das Lied sei für viele Queers eine Hymne, weil es Weiblichkeit mit Kraft, Stärke und dem Recht auf Lautsein verbinde – ähnlich wie bei Beyoncé oder Lady Gaga. Anschließend performt Kim die Cover-Version 'Schamelixier' live im Podcast.
Einkommens- und Glücksstudie
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 04:38:30 „Ja, wie viel Geld brauchen wir, um ein gutes Leben zu führen? Und da gibt es ja ganz klar, also so eine Glücksstudie, glaube ich, so eine, kennst du die? Also ich glaube die Studie, die ich kenne, dachte ich, war in den USA gemacht worden und da gab es so 60.000 oder 70.000 US-Dollar im Jahr.“
Im Gespräch über Gehälter und die Frage, wie viel Geld man wirklich braucht, verweist Kim de l'Horizon auf eine bekannte Glücksstudie aus den USA – vermutlich die vielzitierte Studie von Kahneman und Deaton. Die zentrale Erkenntnis: Bis etwa 60.000–70.000 Dollar Jahreseinkommen steigt das Wohlbefinden deutlich, danach flacht die Kurve ab, weil mehr Geld eher neue Sorgen erzeugt.
Fragebogen
Max Frisch
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 05:12:06 „Es gibt ja von Max Frisch irgendwie diesen Fragebogen und so und da ist doch diese Frage, wenn du und alle, die du kanntest, gestorben sind, wird es... Wirst dich dann noch interessieren, was auf der Welt geschieht oder irgend sowas.“
Im Gespräch über Empathie und die Frage, ob Menschen sich wirklich für das Wohl aller interessieren, zitiert Kim de l'Horizon Max Frischs berühmten Fragebogen. Kim kritisiert die Frage als zynisch und väterlich belehrend – sie ziele darauf ab, dass alle zugeben, eigentlich nur an der eigenen Sippschaft interessiert zu sein. Kim widerspricht dem und beschreibt stattdessen eine grundsätzliche Zärtlichkeit für alles.
Artikel über Ueli Maurer in der NZZ
Kim de l'Horizon
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:21:25 „Man kann es ja einfach googeln, weil du auch in der NZZ darüber geschrieben hast, unter anderem.“
Kim de l'Horizon erzählt von Bundesrat Ueli Maurer, der auf einer Pressekonferenz non-binäre Menschen von politischen Ämtern ausschloss. Kim verfasste daraufhin einen NZZ-Artikel, in dem eine Einladung auf ein Bier ausgesprochen wurde statt gegenseitiger Schuldzuweisung. Der Artikel erregte genug Aufmerksamkeit, dass Maurers Pressesprecher reagierte.
Die Tragetaschentheorie der Fiktion
Ursula K. Le Guin
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:25:47 „Ursula K. Le Guin, diese Autoren-Theoretikerin, die auch eben eingeflossen ist im Blutbuch, dann so diesen wichtigen Aufsatz geschrieben hat, die, wieder auf Deutsch, die Tragetaschentheorie der Fiktion“
Kim erklärt Le Guins feministische Kritik an patriarchalen Heldenerzählungen und ihr alternatives Narrativmodell des Sammelns statt des Kampfes
Fäuste und Küsse
Kim de l'Horizon
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 05:44:22 „der jetzt auch, also kleiner Werbeblock, der auch gedruckt wurde unter dem Titel Fäuste und Küsse als ganz kleines Büchlein beim Lockwort Verlag. Der NZ-Artikel?“
Kims NZZ-Essay über zwei Gewalterfahrungen – einen körperlichen Übergriff und Ueli Maurers verbale Diskriminierung – wurde als eigenständige Publikation veröffentlicht
Fäuste und Küsse
Kim de l'Horizon
🗣 Kim de l'Horizon empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:46:16 „Genau, das ist in diesem NZZ-Artikel, der jetzt auch, also kleiner Werbeblock, der auch gedruckt wurde, unter dem Titel Fäuste und Küsse als ganz kleines Büchlein beim Lockwort Verlag. Der NZZ-Artikel? Der NZZ-Artikel, ja. Ist als Buch erschienen? Also als Büchlein oder als Heftlein.“
Kim de l'Horizon erwähnt, dass ein zuvor in der NZZ veröffentlichter Essay über zwei Gewalterfahrungen – einen körperlichen Angriff auf der Straße und eine verbale Attacke durch den Schweizer Bundesrat Ueli Maurer – als eigenständige Publikation unter dem Titel 'Fäuste und Küsse' beim Lockwort Verlag erschienen ist.
Dr Fritz
Mani Matter
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:52:12 „Kleiner, während wir essen, jetzt habe ich den Namen vergessen, ich bin in einen weiteren Kaninchenbau geplumpst bei einem Zitat, dem ich nachgegangen bin aus dem Buch. Du hast die ganzen Verse aufgeschrieben von dem jungen Franz, der so schnell rennt, dass er nicht zu sehen ist. Also ein auf Berner Deutsch, glaube ich, verfasstes Lied, was ich fantastisch finde.“
Jochen Wegner ist beim Lesen von 'Blutbuch' auf die dort zitierten Verse von Mani Matter gestoßen und hat das Lied über den Jungen Fritz, der so schnell rennt, dass niemand ihn sieht, recherchiert. Kim trägt den Text dann auf Berndeutsch vor. Wegner findet es 'bezaubernd' – ein philosophisches Stück, das sich als Kinderlied versteckt.
Venus in Two Acts / Critical Fabulation
Saidiya Hartman
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:22:20 „Hat mir dann von Saidiya Hartman erzählt, eine afroamerikanische Theoretikerin, die von Critical Fabulation spricht, die über die Sklavengeschichte schreibt und dem sagt, also diesen Begriff kritische Fabulation verwendet für Geschichten, die ausradiert wurden.“
Kim de l'Horizon erklärt den Unterschied zwischen Autofiktion und Autofabulation. Eine Freundin machte Kim auf Saidiya Hartmans Konzept der 'Critical Fabulation' aufmerksam, das beschreibt, wie man ausradierte Geschichten – etwa von Sklav*innen, Frauen oder queeren Menschen – durch sorgfältige Recherche und das Erfinden von Leerstellen erzählen kann. Kim erkennt darin das eigene Verfahren bei den Stammbäumen im Buch.
Critical Fabulation
Saidiya Hartman
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:23:43 „sie hat mir dann von Saidiya Hartman geschrieben … eine afroamerikanische Theoretikerin, die von Critical Fabulation spricht, die über die Sklavengeschichte schreibt“
Kim erklärt Hartmans Konzept der kritischen Fabulation – das genaue Recherchieren und fiktionale Füllen von Leerstellen in marginalisierten Geschichten – als verwandt mit dem eigenen Ansatz im Blutbuch
Artikel über die Blutbuch-Kür beim Deutschen Buchpreis
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 06:27:52 „Ich habe ein Zitat aus dem Spiegel rauskopiert. Ich hoffe, es stimmt. Die Kür von Blutbuch wird das Vorurteil bestätigen. Hier klopfe sich ein elitäres und progressives Establishment selbst auf die Schulter.“
Jochen Wegner zitiert aus einem Spiegel-Artikel, der die Verleihung des Deutschen Buchpreises an Kim de l'Horizon kritisch kommentiert. Der Artikel suggeriert, die Jury habe sich mit der Wahl selbst auf die Schulter geklopft. Kim und Jochen diskutieren daraufhin, ob der Preis primär für die literarische Qualität oder auch als gesellschaftspolitisches Signal vergeben wurde.
Erstes Buch von Sascha Lobo
Sascha Lobo
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:32:40 „Wir hatten vor ein paar Folgen Sascha Lobo zu Gast und der hat ja noch erzählt, als er das erste Mal mit seinem ersten Buch oder so auf der Buchmesse war, hat er sich halt diesen Irokesenschnitt zugelegt, weil er auf der verzweifelten Suche nach Aufmerksamkeit war.“
Christoph Amend zieht einen Vergleich zwischen Kims unfreiwilliger medialer Aufmerksamkeit nach dem Buchpreis und Sascha Lobos bewusster Inszenierung bei seinem ersten Buchmesse-Auftritt, bei dem er sich einen Irokesenschnitt zulegte, um aufzufallen. Das konkrete Buch wird nicht namentlich genannt.
Werke von Monika Rinck
Monika Rinck
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:42:29 „Und ja, wer so viel von Monika Rink klaut, sollte ihr schon mal ein altfreies Bier bezahlen.“
Im Psalm der Wüstenwürstchen zu Ehren von Alice Samuel erwähnt Kim de l'Horizon die Dichterin Monika Rinck als wichtige Inspirationsquelle, von der Kim sprachlich und poetisch viel übernimmt.
Inflamed: Deep Medicine and the Anatomy of Injustice
Rupa Marya, Raj Patel
🗣 Kim de l'Horizon referenziert bei ⏱ 06:54:44 „Also ich bin da in ein Buch drauf gestoßen, das heißt Inflamed. Das ist eigentlich so was postkolonialer Sicht so Medizin, ja, die Schulmedizin anguckt, also postkolonial marxistisch natürlich, und die über, also welche Körper haben welche Krankheiten.“
Auf die Frage, wie Kim die Geschichte von Alice Samuel recherchiert hat, erzählt Kim von dem Buch 'Inflamed', das Schulmedizin aus postkolonialer und marxistischer Perspektive betrachtet. Das Buch untersucht, welche Körper welche Krankheiten bekommen, wie stille Entzündungen durch gesellschaftlichen Stress entstehen und warum People of Color in der Corona-Pandemie die höchste Sterblichkeit hatten. Über den Aspekt der Heilungspraktiken kam Kim dann auf den historischen Hexenfall von Alice Samuel.