Juli Zeh, ist die Aufklärung am Ende
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Die Schriftstellerin und Landesverfassungsrichterin Juli Zeh spricht über das Doppelleben zwischen Literatur und Justiz, ihre Anfänge als Autorin zwischen Kettenrauchen und Tastatur, und stellt unbequeme Fragen über gesellschaftlichen Zusammenhalt — bis hin zur provokanten These, dass Zusammenhalt vielleicht schon dort beginnt, wo kein Bürgerkrieg herrscht.
„Ich frag mich halt manchmal, ob dieser Gedanke an Zusammenhalt eh eine Komplettfiktion nur ist. Also ist gesellschaftlicher Zusammenhalt vielleicht schon die Abwesenheit von Bürgerkrieg?“
Erwähnte Medien (43)
Harry Potter
J.K. Rowling
🗣 Juli Zeh erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:55 „Es klingt so wie so ein Professor aus Harry Potter oder so, aber das ist jetzt eine falsche Assoziation.“
Juli Zeh vergleicht das Klangbild des Wortes 'Hackamore' scherzhaft mit einem Professoren-Namen aus Harry Potter.
Offener Brief an Angela Merkel
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:06:46 „Seit Ihrem Debütroman Adler und Engel hat sie Romane geschrieben, Theaterstücke, Essays, Aufrufe, auch mal einen offenen Brief an Angela Merkel“
Christoph erwähnt den offenen Brief als Teil von Juli Zehs politischem Engagement neben ihrer literarischen Arbeit.
Adler und Engel
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:07:05 „Aber natürlich ist sie eigentlich bekannt geworden als Schriftstellerin, man kann eigentlich sagen Bestseller-Autorin von ihrem Debüt an, das vor fast 20 Jahren erschienen ist, Adler und Engel und auch damals schon von der Kritik gefeiert wurde.“
Christoph Amend stellt Juli Zeh als Gästin vor und nennt ihren Debütroman als den Startpunkt ihrer Karriere als Bestseller-Autorin. Das Buch wird im Gespräch mehrfach aufgegriffen – als Beispiel für Zehs eigene Sprachfindung nach einer Schreibkrise am Literaturinstitut Leipzig.
Unter Leuten
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:10:19 „Und wie man spätestens seit Ihrem Roman unter Leuten weiß, lebt sie seit vielen Jahren auf dem Land in Brandenburg“
Der Roman wird als biographischer Bezugspunkt erwähnt, da er Juli Zehs Leben auf dem Land in Brandenburg widerspiegelt.
Porträt über Bernhard Schlink
Juli Zeh
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:13:07 „Der erste Text, den ich gefunden habe aus ihrer Feder neben dem Debüt, war aus der Brigitte und da ist mir das Herz aufgegangen, weil sie haben mal ein Porträt über Bernhard Schlink geschrieben. Und ich wollte damit einmal anfangen.“
Jochen Wegner beschreibt seine Recherchearbeit für den Podcast und stößt dabei auf einen frühen Text von Juli Zeh in der Brigitte – ein Porträt über den Juristen und Autor Bernhard Schlink. Er nutzt den Fund als Einstieg in die Frage nach der Verbindung zwischen Jura und Literatur.
Bestseller von Ferdinand von Schirach
Ferdinand von Schirach
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:14 „Schirach und Kluge haben Bestseller, beides Juristen, die schreiben. Was ist denn das? Was ist die Verbindung des Juristen zur Literatur?“
Jochen Wegner stellt die Frage nach der Verbindung zwischen Jura und Literatur und nennt Ferdinand von Schirach als aktuelles Beispiel für Juristen, die erfolgreiche Bücher schreiben, neben Bernhard Schlink als historischem Vorbild.
Der Mann ohne Eigenschaften
Robert Musil · 1930
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 00:15:42 „Also ganz extrem, bis hin zu so einer Hirnvergiftung war ich besessen von Musil. Dessen wirklich ja sehr ausladenden, ausufernden Tonfall, der hat mich richtig, also da habe ich richtig Ohrwürmer davon bekommen.“
Juli Zeh erzählt, wie sie als Jugendliche den Stil von Autoren nachahmte, die sie bewunderte. Musils ausladender Tonfall habe sie regelrecht besessen – sie beschreibt es als 'Hirnvergiftung' und vergleicht den Effekt mit einem musikalischen Ohrwurm. Dieser Einfluss führte später am Literaturinstitut Leipzig zu Konflikten mit dem Zeitgeist der Popliteratur.
Werke von Thomas Mann
Thomas Mann
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 00:16:05 „Thomas Mann bin ich ein absoluter, ein Jünger oder eine Jüngerin. Solche Geschichten waren das hauptsächlich. Also eher Literatur der vorletzten Jahrhundertwende, so grob gesagt.“
Juli Zeh beschreibt ihre prägenden literarischen Einflüsse als junge Schreiberin. Sie erzählt, wie sie als Teenagerin versuchte, im Stil bewunderter Autoren zu schreiben, und nennt Thomas Mann als einen der Autoren, denen sie geradezu verfallen war.
Werke von Honoré de Balzac (Gesamtwerk)
Honoré de Balzac
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 00:16:09 „Balsak noch etwas früher ist auch jemand, der mir so, also wie so ein Dauersound im Ohr fiepen kann. Und diese Sprache, also die Juristensprache, die fand ich von Anfang an total faszinierend.“
Im Gespräch über ihre literarischen Vorbilder und den Einfluss auf ihren Schreibstil nennt Juli Zeh neben Musil und Thomas Mann auch Balzac als Autor, dessen Tonfall sie wie ein Ohrwurm begleitet hat.
Werke von Raymond Carver (Gesamtwerk)
Raymond Carver
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 00:20:29 „Das waren ja so Autoren, die ganz arg beeinflusst waren von Cover und solchen Leuten, also von amerikanischen Autoren, wo mehr als fünf Wörter pro Satz schon ein absolutes Verbrechen darstellen. Also nur Hauptsätze, keine Adjektive, Adjektiv gleich böse.“
Juli Zeh beschreibt die Popliteratur-Bewegung in Deutschland der 1990er Jahre, die stark von amerikanischen Minimalisten wie Raymond Carver beeinflusst war. Deren verknappter Stil stand in krassem Gegensatz zu ihrem eigenen ausladenden Schreibstil, was zu ihrer Schreibkrise am Literaturinstitut beitrug.
Selbs Justiz
Bernhard Schlink
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:35:04 „Das ist nämlich mein Zugang zu Schlink gewesen, der mir, als ich den ersten Selbstkrimi entdeckt habe, überhaupt nichts sagte. Und Selbstjustiz spielt da bei mir in der Gegend, wo ich aufgewachsen bin. Und ich bin dem komplett verfallen. Also ich lese null Kriminalliteratur, aber diese drei Bücher habe ich verschlungen“
Jochen beschreibt seine Begeisterung für Schlinks Selb-Kriminalromantrilogie, die sein Zugang zum Autor war.
Artikel über Afghanistan in Die Welt
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 00:40:20 „der erste Text, den ich geschrieben habe für eine Zeitung tatsächlich für die Welt gewesen und die haben mich angerufen kurz nach dem 11. September... wo ich versucht habe zu erklären, dass es keine gute Idee ist, in Afghanistan einzumarschieren, weil ich ja Völkerrechtlerin bin“
Juli Zeh beschreibt ihren allerersten veröffentlichten Zeitungstext, einen völkerrechtlichen Beitrag gegen den Afghanistan-Einmarsch nach dem 11. September.
Beitrag gegen den Afghanistan-Einmarsch in Die Welt
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 00:40:54 „Die Welt hat mich dann eben gefragt, ob ich dazu was schreiben möchte. Und der erste Text, den ich je veröffentlicht habe, wenn ich mich da ganz richtig erinnere, war eben dann ein Beitrag, wo ich versucht habe zu erklären, dass es keine gute Idee ist, in Afghanistan einzumarschieren, weil ich ja Völkerrechtlerin bin.“
Juli Zeh erzählt von ihrem allerersten veröffentlichten Zeitungstext kurz nach dem 11. September 2001. Als Völkerrechtlerin argumentierte sie in der Welt gegen den geplanten Afghanistan-Einmarsch. Christoph Amend bemerkt, dass die Verbindung von Literatur und Politik damit schon in ihrem allerersten Text angelegt war.
Der Prozess (implizit)
Franz Kafka
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 01:07:14 „Am liebsten, denkt man sich manchmal, würde man jetzt noch gerne einen kleinen Begleitbrief dazu legen. Wir haben dich wirklich gehört. Du bist hier nicht in irgendeinem kafkaesken Moloch gelandet, sondern hier sitzen neun Leute, die haben sich das wirklich angeschaut.“
Juli Zeh verwendet den Begriff 'kafkaesker Moloch', um das Gegenbild zum Verfassungsgericht zu beschreiben. Sie betont, dass Beschwerdeführer nicht in einer undurchschaubaren Bürokratie landen, sondern von echten Menschen gehört werden – eine implizite Referenz auf Kafkas Darstellung entfremdeter Justizapparate.
Spieltrieb
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 01:36:10 „Moment mal, das war nach dem zweiten Examen, da war Spieltrieb erschienen. Spieltrieb hat vielleicht so 25.000 Stück verkauft. Also das war von den Verkaufszahlen… Also sehr viel, ne?“
Juli Zeh erzählt, wie sie die Entscheidung traf, Schriftstellerin statt Richterin zu werden. Spieltrieb war zu diesem Zeitpunkt ihr erfolgreichstes Buch mit ca. 25.000 verkauften Exemplaren und gab ihr genug Sicherheit, den Schritt zu wagen.
Corpus Delicti
Juli Zeh
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:37:47 „Corpus Delicti habe ich mal gelesen, da war irgendein Zwischenstand, waren mal 400.000 Bücher“
Jochen erwähnt die beeindruckenden Verkaufszahlen von Corpus Delicti, das zunächst als Theaterstück (2007) und dann als Roman (2009) erschien und Schullektüre wurde.
Leere Herzen
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 01:38:17 „Und die beiden Folgebücher Leere Herzen und vor allem dann auch Neujahr, was mich besonders freut, weil das für mich ein sehr, sehr wichtiges Buch ist, haben sich eben auch sehr gut verkauft und verkaufen sich auch als sogenannte Longseller.“
Juli Zeh erklärt den Unterschied zwischen Bestseller und Longseller. Leere Herzen wird als eines der Folgebücher nach Unter Leuten genannt, das sich nachhaltig gut verkauft und zur langfristigen finanziellen Sicherung beiträgt.
Neujahr
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 01:38:17 „Und die beiden Folgebücher Leere Herzen und vor allem dann auch Neujahr, was mich besonders freut, weil das für mich ein sehr, sehr wichtiges Buch ist, haben sich eben auch sehr gut verkauft und verkaufen sich auch als sogenannte Longseller.“
Juli Zeh hebt Neujahr als persönlich besonders wichtiges Buch hervor. Sie betont, dass der größte Erfolg nicht der kurzfristige Bestseller-Status ist, sondern die Entwicklung zum Longseller – über Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder neue Leser zu finden.
Corpus Delicti
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 01:39:10 „Als wir, mein Mann und ich, darüber nachdachten, ob man aus diesem Theaterstück, was es ursprünglich war, vielleicht ein Buch machen sollte, weil wir das politisch so wahnwitzig wichtig fanden, war der Verlag damals so, naja, wenn du willst.“
Juli Zeh schildert die Entstehungsgeschichte von Corpus Delicti: Ursprünglich ein Theaterstück, wurde es zum Buch, an das der Verlag zunächst nicht glaubte. Es entwickelte sich über Jahre zum heimlichen Bestseller, wurde Schulstoff und schließlich Abiturlektüre – ein Erfolg, den niemand vorhergesehen hatte. Jochen Wegner erwähnt einen Zwischenstand von 400.000 verkauften Exemplaren.
Zonenkinder / Bücher von Jana Hensel
Jana Hensel
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:46:55 „Es endete dann in der These, ich liebe Jana, grüße, wir Ossi-Inseln. Und alle Leute, die einen Migrationshintergrund haben, können im Zweifel viel, wirklich, ich spitze das jetzt massiv zu, wir schreiben halt bessere Literatur, weil wir haben wenigstens was erlebt.“
Jochen Wegner verweist auf ein früheres Podcast-Gespräch mit Jana Hensel über die Frage, ob die Herkunft eines Autors Einfluss auf die Qualität seiner Literatur hat. Hensel vertrat die These, dass ostdeutsche Erfahrung zu besserer Literatur beiträgt. Juli Zeh differenziert daraufhin zwischen Qualität und Prägung.
Artikel über politisches Schweigen von Autoren zu Corona
Richard Kemmerlings
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 02:02:32 „Also war nicht neulich jetzt auch von Herrn Kemmerlings noch mal so ein Beitrag, wo er, glaube ich, geschrieben hat, es hätte sich ja niemand zu Corona geäußert und es kann doch nicht sein, dass keine Autoren dazu was sagen und wo sind denn die ganzen offenen Briefe und Petitionen?“
Juli Zeh beschreibt das Paradox, dass Autoren einerseits politisches Engagement abgeraten wird, andererseits ihr Schweigen beklagt wird. Als Beispiel nennt sie einen Beitrag des Literaturkritikers Richard Kemmerlings, der monierte, Autoren hätten sich nicht ausreichend zu Corona geäußert. Zeh findet diese Forderung scheinheilig angesichts der Shitstorms, die politisch aktiven Autoren drohen.
Politeia
Platon
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 02:09:52 „Gab es das nicht von Platon, so der Philosophenstaat? Also die bereits als klug, gut, weise, ausgewiesenen Menschen entscheiden das, geht schneller, weniger fehleranfällig, im Zweifel sachlicher Fakten. Warum? Warum dieser ganze Demokratiekram?“
Juli Zeh diskutiert die Spannung zwischen Demokratie und Expertokratie. Sie beschreibt die verbreitete Haltung, wichtige Entscheidungen sollten lieber von Experten als von gewählten Politikern getroffen werden, und verweist auf Platons Philosophenstaat als historischen Vorläufer dieser Idee – um sie dann kritisch weiterzudenken bis hin zum Algorithmus als gesteigertem Experten.
Politeia (Der Staat)
Platon
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 02:09:52 „Gab es das nicht von Platon, so der Philosophenstaat? Also die bereits als klug, gut, weise, ausgewiesenen Menschen entscheiden das, geht schneller, weniger fehleranfällig, im Zweifel sachlicher Fakten. Warum? Warum dieser ganze Demokratiekram?“
Juli Zeh verweist auf Platons Konzept des Philosophenstaats, um zu illustrieren, dass die Idee, Experten statt demokratisch gewählte Vertreter entscheiden zu lassen, uralt ist. Sie nutzt die Referenz als Einstieg in ihre Argumentation über die zunehmende Forderung nach Expertengremien in der modernen Politik.
Bernd Ulrichs Buch über Demokratie und Diktatur
Bernd Ulrich
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 02:16:59 „von Bernd Ulrich, glaube ich, wie viel Diktatur würden wir sozusagen in Kauf nehmen, wenn wir wüssten, sie rettet die Welt“
Juli Zeh referenziert ein Buch von Bernd Ulrich, das die Frage stellt, ob man für den Klimaschutz demokratische Prinzipien aufgeben würde.
Alles wird anders: Das Zeitalter der Ökologie
Bernd Ulrich
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 02:17:02 „Ich hatte das Buch einfach vorher nicht zur Kenntnis genommen von Bernd Ullrich, glaube ich. Wie viel Diktatur würden wir sozusagen in Kauf nehmen, wenn wir wüssten, sie rettet die Welt? Das ist ja eine Fragestellung, die kommt ja nicht aus dem Nichts.“
Juli Zeh bezieht sich auf ein Buch von Bernd Ulrich, das die provokante Frage aufwirft, wie viel Diktatur man akzeptieren würde, um die Welt zu retten. Sie gibt zu, das Buch nicht gelesen zu haben, stimmt aber Ulrichs Fazit zu, sich trotzdem für die Demokratie zu entscheiden. Das Buch dient als Aufhänger für die Debatte über Demokratie und Klimakrise.
Rezo-Podcast
Rezo
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 02:26:08 „In dem Rezo-Podcast hat glaube ich der Rezo erklärt, man müsse den CO2-Preis eben auf die und die Höhe bringen und dann würde das tatsächlich die Sache stoppen oder sogar umkehren oder sogar einen ernstzunehmenden Rettungsversuch darstellen.“
Juli Zeh verweist auf einen Podcast von Rezo, in dem dieser einen konkreten CO2-Preis als Lösung für die Klimakrise vorgeschlagen habe. Sie nutzt das Beispiel, um zu erklären, warum sie sich als Nicht-Expertin schwertut, solche konkreten Maßnahmen zu bewerten und zu propagieren.
IPCC-Report
United Nations / IPCC
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:27:22 „Man muss nicht den IPCC-Report, der so eine Grabplattendicke hat, lesen. Man kann das auch sich in der Zeit zum Beispiel erklären lassen, sage ich jetzt mal ganz vorsichtig, oder von Zeit online oder so.“
Jochen Wegner erwähnt den IPCC-Bericht als Beispiel für die wissenschaftliche Evidenzlage zum Klimawandel. Er argumentiert, dass die Fakten verfügbar und auch für Laien verständlich aufbereitet seien, und kontert damit Juli Zehs Einwand, sie könne die Klimafrage als Nicht-Naturwissenschaftlerin nicht beurteilen.
Corpus Delicti (Theaterstück)
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:32:16 „Ihr Buch und den großen Erfolg von Corpus Delicti erwähnt. Das Theaterstück, aus dem Sie ein Buch gemacht haben. 2007 ist, glaube ich, das Theaterstück veröffentlicht worden, 2009 der Roman.“
Christoph erläutert die Entstehungsgeschichte: Corpus Delicti war ursprünglich ein Theaterstück von 2007, bevor es 2009 zum Roman wurde, der eine Gesundheitsdiktatur im Jahr 2057 beschreibt.
Unbenannter Podcast über Care-Arbeit
🗣 Juli Zeh erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:41:31 „Da habe ich neulich auch einen Podcast gehört, der war aber glaube ich nicht von Ihnen, wo eine Frau so ein System vorgeschlagen hat, wo man mit einer Punktetabelle auch verschiedene Haushaltsarbeiten und Tätigkeiten so bewerten soll und dann aufschreiben, wer das alles macht.“
Im Gespräch über die Aufteilung von Care-Arbeit zwischen Juli Zeh und ihrem Mann erwähnt sie einen Podcast, in dem eine Frau ein Punktesystem zur Bewertung von Haushaltstätigkeiten vorgeschlagen hat. Sie kann den Podcast nicht genau zuordnen, weiß aber, dass er nicht von den Hosts stammt.
Star Wars
George Lucas
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:03:31 „Also das mit Luke oder Han, das war Star Wars, ne? Das war nicht Junchul Han, der Philosoph.“
Im A-B-Spiel fragt Jochen Wegner 'Luke oder Han?', was Juli Zeh zunächst auf den Philosophen Byung-Chul Han bezieht. Christoph Amend klärt anschließend auf, dass Star Wars gemeint war – ein Moment, der die unterschiedlichen Assoziationswelten von Intellektuellen und Popkultur humorvoll offenlegt.
Kochbuch von Papa Ichicha
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:08:58 „Es gab mal ein sehr tolles Kochbuch von Papa Ichicha. Das ist vor ein paar Jahren erschienen mit den Lieblingsrezepten der Gäste. Wenn wir Shownotes pflegen würden, würde ich jetzt sagen, schreiben wir in die Shownotes.“
Beim gemeinsamen Essen während der Aufnahme erwähnt Christoph Amend ein Kochbuch des Berliner Restaurants Papa Ichicha, das Lieblingsrezepte der Stammgäste versammelt. Er empfiehlt es beiläufig, bedauert aber scherzhaft, dass der Podcast keine Shownotes pflegt.
Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Juli Zeh erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:38:10 „Also so Wertermäßig, also total heftig. Das ging wirklich bis zum Abitur.“
Juli Zeh vergleicht ihr jahrelanges unglückliches Verliebtsein als Teenagerin mit dem Leiden des jungen Werthers.
Schilf
Juli Zeh
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:52:50 „Darf ich nochmal einen kurzen, weil jetzt müssen wir kurz den Physiker-Track spielen. Ich habe natürlich mich bei Schilf gefragt. Mist. Wie um alles in der Welt kommt man als Juristin darauf, mit viel Weltentheorie ein Buch zu schreiben.“
Jochen Wegner leitet als studierter Physiker zum Roman 'Schilf' über und fragt Juli Zeh, wie sie als Juristin dazu kam, ein Buch zu schreiben, das auf der Vielweltentheorie der Quantenphysik basiert. Er erklärt anschließend ausführlich die Vielwelttheorie, bevor Juli Zeh ihre Faszination für das Gedankenexperiment und dessen moralische Implikationen erläutert.
Die Stille ist ein Geräusch
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 04:51:01 „Sie sind ja Anfang der Nullerjahre ja auch viel unterwegs gewesen auf dem Balkan. Sie haben ja eine große Fahrt durch Bosnien gemacht, darüber haben Sie ja auch ein Buch geschrieben, Die Stille ist ein Geräusch. Welche Erfahrungen haben Sie denn da vor Ort gemacht, als Sie da mit Ihrem Hund, glaube ich, alleine durch Bosnien gefahren sind?“
Christoph Amend leitet von der langen Diskussion über Völkerrecht, Demokratieaufbau und Nachkriegsgesellschaften zu Juli Zehs persönlichen Erfahrungen auf dem Balkan über. Das Buch dokumentiert ihre Reise durch Bosnien Anfang der 2000er Jahre, bei der sie allein mit ihrem Hund unterwegs war. Zeh beschreibt anschließend ausführlich, wie diese Reise ihre Vorurteile und Erklärungsansätze für Krieg und Gewalt erschütterte — die Erwartung, dass es einen fundamentalen Unterschied zwischen Kriegsgesellschaften und der eigenen geben müsse, brach vor Ort zusammen.
Offener Brief an Angela Merkel
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:11:10 „Sie haben ja sich öfter schon kritisch geäußert zur Regierungsarbeit von Angela Merkel. Sie haben ja auch mal einen offenen Brief geschrieben.“
Im Gespräch über Angela Merkels Bilanz als Kanzlerin erinnert Christoph Amend daran, dass Juli Zeh sich in der Vergangenheit öffentlich kritisch zur Regierungsarbeit geäußert und einen offenen Brief verfasst hat. Der genaue Titel und Anlass werden nicht genannt, es handelt sich vermutlich um ihren bekannten offenen Brief zur Überwachungspolitik.
Friedenspreisrede
Martin Walser
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 05:35:04 „Martin Walser noch mit rein zitieren, der hat es ja auch dann so Phasen gehabt... der viele Jahre nach dieser Friedenspreisredengeschichte noch gesagt hat, dass ihm das immer noch nachhängt“
Juli Zeh erwähnt Walsers kontroverse Friedenspreisrede als Beispiel dafür, wie öffentliche Ehrverletzungen Autoren noch jahrelang belasten.
Laudatio zum 80. Geburtstag von Günter Grass
Juli Zeh
🗣 Christoph Amend zitiert daraus bei ⏱ 05:35:04 „Sie haben mal gesagt, ich glaube das war in Ihrer Geburtstagslaudatio zu seinem 80. Geburtstag, ich zitiere mal, oder haben Sie über ihn gesagt, ich schaue nicht zu ihm auf wie zu einer Autorität, aber er zeigt seit Jahrzehnten, wie man durch den Medienbetrieb geht, auch wenn man hart ins Kreuzfeuer genommen wird.“
Christoph Amend zitiert aus Juli Zehs Laudatio zu Günter Grass' 80. Geburtstag, in der sie beschrieb, was sie an Grass bewunderte: nicht seine Autorität, sondern seine Fähigkeit, trotz massiver Medienkritik standhaft zu bleiben. Zeh selbst erinnert sich nicht mehr an den Wortlaut ihrer eigenen Rede, stimmt der Aussage aber weiterhin zu.
Friedenspreisrede
Martin Walser
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 05:36:11 „Den habe ich nicht besser kennengelernt, nur mal so bei Gelegenheiten flüchtig, fand es total interessant, dass der viele Jahre nach dieser Friedenspreisredengeschichte noch gesagt hat, dass ihm das immer noch nachhängt. Und ich fand es schön, das zu hören.“
Juli Zeh erzählt von einer flüchtigen Begegnung mit Martin Walser, der Jahre nach seiner kontroversen Friedenspreisrede (1998 in der Frankfurter Paulskirche) zugab, dass ihm der darauf folgende Mediensturm immer noch zusetzte. Für Zeh war das ein beruhigendes Zeichen, dass auch arrivierte Autoren menschlich verletzlich bleiben.
Fragen zu Corpus Delicti (FAQ-Buch)
Juli Zeh
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:42:40 „Und ich fand es wahnsinnig lustig, wie Sie sozusagen wiedergegeben haben, was die Leute so fragen. Als FAQ würde ich das als Onliner bezeichnen.“
Jochen bezeichnet das Buch als FAQ-Format, in dem Juli Zeh auf häufig gestellte Fragen zu Corpus Delicti antwortet. Es entstand aus der großen Menge an Leserzuschriften.
Wir Kinder aus Bullerbü
Astrid Lindgren
🗣 Juli Zeh erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:01:27 „Und was mich dann noch ganz toll, also was mich sehr besticht, ist, dass es hier noch diesen, also jetzt nicht Bullerbü, mir fällt jetzt gerade nicht die passende Literatur ein, aber so diese Dorfkindergruppen, die zwischen drei und zwölf alt sind, also total gemischt vom Alter und auch wer die sind und so.“
Juli Zeh beschreibt die Kindergruppen in ihrem Dorf, in denen Kinder verschiedenen Alters einfach zusammen spielen. Sie sucht nach einer literarischen Referenz für diese ländliche Kindheitsidylle und greift spontan zu Bullerbü als Chiffre, auch wenn sie sagt, es falle ihr gerade nicht die passende Literatur ein.
Minority Report
Steven Spielberg
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 06:45:35 „Es gibt übrigens, ich habe nur gerade überlegt, wie der Film heißt, aber jetzt ist er mir eingefallen, einen unterschätzten Hollywood-Film von vor 20 Jahren, der das ganze Thema Minority Report.“
Im Gespräch über algorithmische Zukunftsvorhersage und Prävention auf Basis von Datenmustern bringt Christoph Amend den Spielberg-Film als frühes Beispiel für genau dieses Szenario ein. Juli Zeh bestätigt, dass der Film von 2002 stammt, und die drei diskutieren, dass im Film noch magische Precogs statt Algorithmen die Vorhersagen treffen – was das Thema heute umso realer macht.
30 Semester Backgammon
Rainald Grebe
🗣 Juli Zeh zitiert daraus bei ⏱ 06:50:14 „Also da gibt es von Reinhard Grebel, der so mein Masterphilosoph der 90er ist. So eine Zeile, wo er sagte, damals studierte man gar nicht oder 30 Semester Backgammon.“
Juli Zeh kontrastiert das entspannte Lebensgefühl der 90er Jahre mit dem heutigen Optimierungsdruck junger Menschen. Als Beleg zitiert sie eine Zeile des Kabarettisten Rainald Grebe, den sie als ihren 'Masterphilosophen der 90er' bezeichnet – das Zitat illustriert die damalige Gelassenheit gegenüber Lebensentwürfen ohne Effizienzanspruch.
Nullzeit
Juli Zeh
🗣 Juli Zeh referenziert bei ⏱ 07:20:52 „Oder bei Nullzeit zum Beispiel, das ist ein Thriller, habe ich auch viel über die Handlung nachgedacht, weil auch mein Ziel war, also da hatte ich auch einfach Lust drauf, mal so ein, also ich habe damals auch gelegentlich Drehbücher geschrieben.“
Im Gespräch über ihren Schreibprozess nennt Juli Zeh Nullzeit als Beispiel für einen Roman, bei dem sie bewusst mit klassischer Dramaturgie und Plotstruktur gearbeitet habe. Sie habe sich damals parallel mit Drehbuchschreiben beschäftigt und diese handwerklichen Prinzipien auch in den Thriller einfließen lassen.