Was sind westliche Werte
Markus Lanz & Richard David Precht
Auslöser ist die tödliche Messerattacke von Mannheim auf den Islamkritiker Michael Stürzenberger, bei der ein junger Polizist ums Leben kam. Der Fall wird zum Ausgangspunkt einer Debatte über Meinungsfreiheit, die Grenzen der Toleranz und die Frage, ob westliche Gesellschaften radikale Positionen aushalten müssen — auch solche, die sie selbst abstoßend finden. Prechts neues Buch „Das Jahrhundert der Toleranz
„Die Menschheit ist im 21. Jahrhundert dazu verdammt, miteinander zusammenzuarbeiten, um die immer größeren und immer globaleren Katastrophen, vor denen wir stehen, zu meistern.“
Erwähnte Medien (16)
Das Jahrhundert der Toleranz
Richard David Precht
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:31 „Ich habe mich gerade mit deinem Buch beschäftigt, das Jahrhundert der Toleranz. Und man würde dir gerne zurufen, was erlaubst du dir, ein Buch über Toleranz zu schreiben, wo die Toleranz gerade so derart hart auf die Probe gestellt wird.“
Markus Lanz steigt mit Richard David Prechts neuem Buch in die Sendung ein. Es bildet den thematischen Rahmen der gesamten Folge: Wie kann man ein Buch über Toleranz schreiben, wenn die Gesellschaft gerade so intolerant ist wie lange nicht — vom islamistischen Anschlag in Mannheim bis zu den Vorfällen auf Sylt?
Mein Kampf
Adolf Hitler
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:48 „Dieser Mann tingelt also seit Jahren über die Marktplätze der Republik, polemisiert gegen den politischen Islam, reckt dabei immer wieder den Koran in die Höhe, zitiert daraus gewaltaffine Passagen, warnt vor der vermeintlichen schleichenden Islamisierung des Westens, vergleicht Passagen aus dem Koran mit Passagen aus Hitlers Mein Kampf und so weiter.“
Markus Lanz beschreibt die Methoden des Islamkritikers Michael Stürzenberger, der auf Marktplätzen gegen den politischen Islam polemisiert. Als Beispiel für dessen radikale Rhetorik nennt Lanz, dass Stürzenberger Koran-Passagen mit Passagen aus Hitlers Mein Kampf vergleicht.
Der Koran
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:48 „Dieser Mann tingelt also seit Jahren über die Marktplätze der Republik, polemisiert gegen den politischen Islam, reckt dabei immer wieder den Koran in die Höhe, zitiert daraus gewaltaffine Passagen, warnt vor der vermeintlichen schleichenden Islamisierung des Westens, vergleicht Passagen aus dem Koran mit Passagen aus Hitlers Mein Kampf.“
Lanz beschreibt die Aktivitäten des Islamkritikers Michael Stürzenberger, der auf öffentlichen Plätzen aus dem Koran zitiert und gewaltaffine Passagen daraus mit Hitlers Mein Kampf vergleicht. Der Koran wird hier als konkretes Textwerk genannt, aus dem öffentlich vorgelesen und das inhaltlich diskutiert wird.
Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Francis Fukuyama
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:15 „Und dass wir eigentlich so Fukuyama damals, wir werden die ganze Welt wird eine liberale Demokratie, weil das mit Abstand das beste System ist, davon sind wir fest überzeugt.“
Precht verweist auf Fukuyamas berühmte These vom Ende der Geschichte, wonach sich die liberale Demokratie weltweit durchsetzen würde. Er nutzt das als Kontrastfolie zu seiner eigenen Argumentation, dass dieser westliche Universalanspruch heute nicht mehr haltbar sei und die systemische Rivalität mit Autokratien überschätzt werde.
Faust (Faust II)
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:34:21 „Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie nicht zu trennen, heißt es bei Goethe.“
Precht zitiert Goethes berühmten Vers aus Faust II, um zu illustrieren, dass Handel und Konflikte untrennbar verbunden sind. Er nutzt das Zitat im Kontext der Diskussion über Sanktionsumgehung und die Verflechtung von Wirtschaft und Geopolitik.
Zum ewigen Frieden / Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Immanuel Kant
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:42 „Die Menschenrechtsdeklaration haben fast alle Länder der Welt unterschrieben. Und Menschenrechte, das war ja die große Idee von Immanuel Kant, Menschenrechte gelten immer und universell.“
Precht bezieht sich auf Kants philosophisches Werk zu Menschenrechten und Vernunft. Er stellt Kants Ansatz als den modernsten der Aufklärung dar: Der Mensch hat Menschenrechte nicht aufgrund seiner Natur, sondern weil er als Vernunftwesen frei ist. Dies nutzt Precht, um gegen den Begriff 'westliche Werte' zu argumentieren.
Timbuktu-Handschriften
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:43:06 „Es gab in Afrika schon im Mittelalter, man denkt an die Timbuktu-Handschriften oder aus Mali haben wir Belege von Gleichheit der Menschen, Abschaffung der Sklaverei und so weiter, waren wir nicht die Ersten.“
Precht argumentiert gegen den Begriff 'westliche Werte' und zeigt, dass Menschenrechtsideen keine rein europäische Erfindung sind. Er verweist auf die Timbuktu-Handschriften als historischen Beleg dafür, dass Gleichheitsgedanken und die Ablehnung der Sklaverei auch in Afrika schon im Mittelalter dokumentiert wurden.
Der Krieg gegen die Ukraine – Hintergründe und verpasste Chancen
Günter Verheugen, Petra Erler
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:48:59 „Das Buch von Günter Verheugen und Petra Erler, die nachzeichnen, wie es zum Ukraine-Krieg gekommen ist und welche Chancen wir alle verpasst haben“
Precht empfiehlt ein Buch, das die Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs aus einer anderen Perspektive beleuchtet und verpasste diplomatische Chancen beschreibt
Nie wieder Krieg ohne uns
Günter Verheugen, Petra Erler
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:48:59 „Das Buch von Günter Verheugen und Petra Erler, die nachzeichnen, wie es zum Ukraine-Krieg gekommen ist und welche Chancen wir alle verpasst haben und wie oft wir Putin vor den Kopf gestoßen haben und wie oft wir unsere Versprechen nicht erfüllt haben und so weiter. Dann findest du genau die gegenteilige Palette.“
Precht empfiehlt das Buch von Verheugen und Erler als Gegenperspektive zu den Büchern, die Lanz liest. Es zeichnet nach, wie der Ukraine-Krieg durch verpasste Chancen und gebrochene Versprechen des Westens mitverursacht wurde. Precht plädiert dafür, beide Seiten zu lesen und sich dann eine eigene Meinung zu bilden.
Die Moskau-Connection
Markus Wehner, Reinhard Bingener
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:49:38 „Markus Wehner und Reinhard Bingeler, glaube ich, die Moskau-Connection. Da geht es genau um dieses Schröder-Netzwerk und Deutschlands Weg in diese Abhängigkeit. Das ist ein phänomenal gutes Buch. Nicht ideologisch, einfach nur sauber recherchiert. Deswegen mag ich das so.“
Lanz empfiehlt dieses Buch als Gegenstück zu Prechts Buchempfehlung. Es beschreibt das Netzwerk um Gerhard Schröder und wie Deutschland in die Abhängigkeit von Russland geraten ist. Lanz lobt es als nicht-ideologisch und sauber recherchiert.
The Commonwealth of Oceana
James Harrington
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:55 „Also Harrington ist der Erfinder der Gewaltenteilung. Montesquieu hat dann noch die Justiz mit dazu aufgenommen.“
Precht erwähnt Harrington beiläufig als Erfinder der Gewaltenteilung im Rahmen seines ideengeschichtlichen Abrisses der Aufklärungsphilosophie. Das konkrete Werk wird nicht namentlich genannt, ist aber als Harringtons Hauptwerk identifizierbar.
Vom Geist der Gesetze (De l'esprit des lois)
Montesquieu
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:58 „Also Harrington ist der Erfinder der Gewaltenteilung. Montesquieu hat dann noch die Justiz mit dazu aufgenommen. Und Kant war eigentlich derjenige, der das Ganze am komplettesten gedacht hat und eigentlich auch wirklich mit großem Abstand am modernsten gedacht.“
Precht skizziert die Ideengeschichte der Gewaltenteilung von Harrington über Montesquieu bis Kant. Montesquieus Werk wird als Weiterentwicklung erwähnt, die die Judikative als eigenständige Gewalt hinzufügte – ein Grundpfeiler moderner Demokratien.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Vereinte Nationen
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:55:45 „Aber nochmal, die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, so heißt es ja in seinem gesamten Titel, verabschiedet im Dezember 1948 im Plenum der Generalversammlung. Das war nicht so einfach.“
Lanz verweist auf die UN-Menschenrechtserklärung von 1948 als historischen Meilenstein am Ende einer langen Diskussion über Menschenrechte, Diplomatie und westliche Werte. Precht ergänzt, dass Eleanor Roosevelt eine enorme Rolle bei der Verabschiedung spielte.
Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf
Immanuel Kant · 1795
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 01:04:24 „Und da sehe ich mich nah bei Kant. Kant hat davor gewarnt, sich in andere Länder diesbezüglich einzumischen. Er hat gesagt, aus den Menschenrechten erfolgt sinngemäß kein Missionsauftrag, sondern es ist die Aufgabe jedes einzelnen Landes für sich, diesen Weg der Aufklärung zu gehen.“
Precht paraphrasiert Kants Gedanken zum Nichteinmischungsprinzip in Bezug auf Menschenrechte. Die Idee, dass aus universellen Rechten kein Interventionsauftrag folgt und jedes Land seinen eigenen Aufklärungsweg gehen muss, stammt aus Kants friedensphilosophischem Werk. Precht benennt den Titel nicht explizit, aber die Argumentation ist klar seiner Schrift 'Zum ewigen Frieden' zuzuordnen.
Die Reform der UN ist beides: überfällig und unmöglich zugleich
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:05:22 „Und ich glaube, die Kollegen vom RND schrieben vor einiger Zeit, die Reform der UN ist beides überfällig und unmöglich zugleich.“
Lanz zitiert beiläufig eine Formulierung aus einem Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), die das Dilemma der UN-Reform auf den Punkt bringt. Der genaue Titel und Autor des Artikels werden nicht genannt, es dient als prägnante Zusammenfassung der Debatte über die Reformierbarkeit der Vereinten Nationen.
Fifty Shades of Grey
E. L. James
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:10:11 „Und diese Fragen haben so viele Facetten. Und die von mir so oft zitierten Fifty Shades of Grey. Und ja, ich habe mich gefreut mit dir, dass wir uns so nuanciert darüber unterhalten.“
Precht nutzt den Titel 'Fifty Shades of Grey' als wiederkehrende Metapher für die vielen Grauschattierungen komplexer politischer und philosophischer Fragen. Es geht ihm nicht um das Buch selbst, sondern um das Wortspiel mit 'Shades of Grey' als Sinnbild für Nuancen jenseits von Schwarz-Weiß-Denken in der Debatte über Menschenrechte und Diplomatie.