Lanz & Precht – KI im Klassenzimmer
#134

KI im Klassenzimmer

Lanz & Precht / 29. März 2024 / 5 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Schweden sammelt nach desaströsen PISA-Ergebnissen die iPads wieder ein — und Kinder versuchen fassungslos, Buchseiten mit zwei Fingern zu vergrößern. Richard David Precht begrüßt die Reanalogisierung und erklärt, warum Hausaufgaben das sozial Ungerechteste sind, was Schule tun kann: Wo die einen allein scheitern, werden die anderen von Privatlehrer-Eltern durchgetunt.

„Du kriegst deine Hausaufgaben und du hast Eltern, die können dir nicht helfen oder wollen dir nicht helfen. Und du bist allein damit und das, was du in Mathe schon in der Schule nicht verstanden hast, verstehst du zu Hause erst recht nicht.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (5)

Anna, die Schule und der liebe Gott
Buch

Anna, die Schule und der liebe Gott

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:11:23 „Das warst du ungefähr zehn Jahre alt. Ja, genau. Anna, die Schule und der liebe Gott. Ja, also auch vor zehn Jahren gab es schon den Satz, Neugier und Kreativität ist das Wichtigste.“

Im Gespräch über die Defizite des deutschen Schulsystems – starre Fächer, 45-Minuten-Takt, fehlende Kreativitätsförderung – verweist Precht auf sein eigenes Buch, in dem er diese Kritik bereits vor Jahren formuliert hat. Lanz hatte zuvor beschrieben, wie Lehrpläne und Prüfungsformate die natürliche Neugier von Kindern systematisch zerstören.

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Duden
Buch

Duden

Konrad Duden

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:53 „Rechtschreibung kommt ja ganz spät, ist ja erst mit dem Duden gekommen. Also erst im 19. Jahrhundert irgendwann. Wenn du die Originaltexte von Goethe siehst, das ist also in einer kaum nachvollziehbaren Rechtschreibung mit hessischen Idiomen durchsetzt.“

Precht argumentiert, dass normierte Rechtschreibung historisch eine relativ junge Erfindung ist. Er verweist auf den Duden als Ursprung der deutschen Rechtschreibnormierung und darauf, dass selbst Goethe ohne einheitliche Rechtschreibung schrieb.

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Faust
Buch

Faust

Johann Wolfgang von Goethe

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:19:33 „Naja, also man konnte den Faust schreiben, ohne eine normierte Rechtschreibung zu haben. Das ist kein Widerspruch in sich.“

Precht relativiert die Bedeutung normierter Rechtschreibung, indem er darauf hinweist, dass Goethe sein Hauptwerk ohne einheitliche Rechtschreibregeln verfasste. Das Argument dient als historisches Gegenbeispiel zur Sorge, sinkende Rechtschreibkompetenz bedeute automatisch kulturellen Niedergang.

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Interview mit Hendrik Haverkamp zur doppelten Bildungsschere durch KI
Artikel

Interview mit Hendrik Haverkamp zur doppelten Bildungsschere durch KI

Hendrik Haverkamp

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:12 „Hendrik Haverkamp, den ich vorhin schon zitiert habe, Deutsch-Sportlehrer, aber vor allen Dingen Koordinator für Digitalität, in Gütersloh tätig, berät viele Schulen auch in Sachen KI und so weiter, berät auch Bildungsministerien. Ein kluger Mann hat in der Zeit ein interessantes Interview zu dem Thema gegeben.“

Lanz zitiert ein Interview des Digitalitäts-Koordinators Hendrik Haverkamp in der ZEIT, in dem dieser vor einer doppelten Bildungsschere durch KI warnt: Die guten Schüler werden durch KI noch besser, während die schwächeren immer weiter abgehängt werden. Precht stimmt dieser These ausdrücklich zu und illustriert sie mit Beobachtungen aus dem Uni-Alltag.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Kritik der reinen Vernunft
Buch

Kritik der reinen Vernunft

Immanuel Kant

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:49:37 „Die Anzahl derjenigen, die sagen, ich will den aber verstehen, ich will die Kritik der reinen Vernunft, zumindest die ersten Kapitel daraus verstehen, das waren schon früher nicht die Mehrheit, aber das werden immer weniger. Also richtig intensive Textarbeit. Dafür sind die Voraussetzungen heute sehr viel schlechter, als sie früher waren.“

Precht nutzt Kants Hauptwerk als Beispiel für anspruchsvolle philosophische Textarbeit, die unter Studenten immer seltener geleistet wird. Er beklagt, dass das durchschnittliche Textverständnis selbst bei Kulturwissenschafts- und Philosophiestudenten gesunken ist und immer weniger bereit sind, sich durch schwierige Texte durchzuarbeiten.

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