Lanz & Precht – Ausgabe Dreiundachtzig
#083

Ausgabe Dreiundachtzig

Lanz & Precht / 07. April 2023 / 19 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Was an Ostern beginnt als lyrische Schwärmerei über Frühlingsluft und Vollmondnächte, mündet schnell in die großen Fragen: Gibt es ein Leben nach dem Tod — und wäre das überhaupt erstrebenswert? Zwischen einer Mondmetapher von Arno Schmidt und einem Woody-Allen-Witz über 100-Dollar-Scheine im Jenseits entwickelt sich ein Gespräch über die paradoxe Schönheit des Lebens, die nur durch den Kontrast von Freude und Leiden entstehen kann.

„So schön wie das Leben kann eine Ewigkeit eigentlich nicht sein.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (19)

Werke von Hermann Löns
Buch

Werke von Hermann Löns

Hermann Löns

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:01:04 „Also das war ja wie von Hermann Lönz, was du da gemacht hast.“

Precht vergleicht Markus Lanz' poetische Naturbeschreibung des Frühlings in den Bergen mit dem Stil des deutschen Heidedichters Hermann Löns, der für seine Naturlyrik und -prosa bekannt ist.

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Roman über Emanuel Swedenborg
Buch

Roman über Emanuel Swedenborg

Richard David Precht (mit seinem Bruder)

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:17 „Ich habe ja mal mit meinem Bruder zusammen einen Roman geschrieben, da spielt Emanuel Swedenborg eine große Rolle.“

Precht erwähnt beiläufig, dass er gemeinsam mit seinem Bruder einen Roman verfasst hat, in dem Swedenborg eine zentrale Figur ist. Die Erwähnung dient als Beleg für seine intensive persönliche Beschäftigung mit Swedenborg und dessen Jenseitsvisionen.

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Atlas Coelestis (Himmelsatlas)
Buch

Atlas Coelestis (Himmelsatlas)

John Flamsteed

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:04:57 „Er war nach England gefahren und hatte bei Flamsteed, er hat neben Newton und Halley, dem bedeutendsten englischen Astronomen, in der Werkstatt gestanden und zugeguckt, wie der seine Instrumente gebaut hat und sein Himmelsatlas geschrieben.“

Precht beschreibt Emanuel Swedenborgs vielseitige wissenschaftliche Laufbahn vor seinen religiösen Visionen. Swedenborg besuchte in England den Astronomen Flamsteed und beobachtete dessen Arbeit am berühmten Sternatlas.

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Himmel und Hölle (De Caelo et Inferno)
Buch

Himmel und Hölle (De Caelo et Inferno)

Emanuel Swedenborg

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:33 „Und dann hat er ein wahnsinnig umfangreiches Werk darüber geschrieben, wie es im Himmel und wie es in der Hölle aussieht. Also lauter Quartbände, also so große, dicke, schwere Bücher. Was er auf seinen Reisen, seinen Visionen und Auditionen alles so im Jenseits erlebt hat.“

Precht stellt Swedenborgs Hauptwerk über das Jenseits ausführlich vor, im Kontext einer Osterdiskussion über den Glauben an ein Leben nach dem Tod. Er hebt besonders hervor, dass Swedenborg die Willensfreiheit auch ins Jenseits überträgt: Man darf sich aussuchen, ob man in den Himmel oder die Hölle geht. Precht bezeichnet Swedenborg als die religiöse Figur, mit der er sich persönlich am meisten beschäftigt hat.

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Werke von Hesiod
Buch

Werke von Hesiod

Hesiod

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:12 „Was sind unsere ältesten Kulturzeugnisse der abendländischen Kultur, die ältesten Schriften, das sind die von Hesiod und von Homer zum Beispiel.“

Precht erwähnt Hesiods Schriften als älteste Kulturzeugnisse des Abendlands, um die frühgriechische Vorstellung vom Hades und der Seele nach dem Tod zu erläutern — eine trostlose Vision der Seele als 'verschrumpelte Fledermaus'.

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Ilias / Odyssee
Buch

Ilias / Odyssee

Homer

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:29 „Was sind unsere ältesten Kulturzeugnisse der abendländischen Kultur, die ältesten Schriften, das sind die von Hesiod und von Homer zum Beispiel. Und wenn man sich da eine Vorstellung macht, was ist denn mit der Seele, was ist denn, wenn Achilles stirbt oder Hector, wo kommt denn deren Seele hin?“

Precht verweist auf Homer, um die altgriechische Vorstellung vom Hades zu illustrieren. Wenn Helden wie Achilles oder Hektor sterben, kommt ihre Seele in eine trostlose Unterwelt, wo sie 'erlebnisarm' vor sich hin existiert — ganz anders als spätere Paradiesvorstellungen.

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Orpheus und Eurydike
Buch

Orpheus und Eurydike

Ovid

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:19 „Du kennst doch diese Geschichte von Orpheus in der Unterwelt, der da Eurydike wieder rausholen will, seine Geliebte. Und der steigt dann darunter und er holt sie ja irgendwie wieder raus. Und damit beginnt so in Thessalien im nördlichen Griechenland ein, aus dieser Orpheus, den es ja historisch nicht gegeben hat, aber der wird sozusagen zu einer literarischen Figur.“

Precht erzählt den Orpheus-Mythos im Kontext einer Diskussion über antike Jenseitsvorstellungen. Er erklärt, wie sich aus dieser literarischen Figur eine reale Religionsgemeinschaft bildete, die an Wiedergeburt glaubte — zeitlich parallel zur Entstehung des Wiedergeburtsgedankens in Buddhismus und Hinduismus.

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Jüdische Altertümer (Antiquitates Judaicae)
Buch

Jüdische Altertümer (Antiquitates Judaicae)

Flavius Josephus

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:13:32 „Und das einzige richtige Quellendokument, was wir haben, das ist 90 Jahre nach Christi Geburt, also 60 Jahre nach dem mutmaßlichen Tod von Jesus verfasst worden. Und das sind die jüdischen Altertümer von Flavius Josephus.“

Precht nennt die 'Jüdischen Altertümer' als das einzige verlässliche historische Quellendokument über Jesus von Nazareth. Er erklärt, dass Josephus Jesus als weisen Menschen beschrieb, dem viele folgten, betont aber auch, dass Christen den Text nachträglich manipuliert haben dürften, etwa um den Satz 'Er war der Christus' einzufügen.

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Historien (Perserkriege)
Buch

Historien (Perserkriege)

Herodot

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:24 „Also wenn Herodot in den Perserkriegen schreibt und die Größe der persischen Armee beschreibt, dann hat später mal ein Militärhistoriker ausgerechnet, die Armee des Xerxes, wenn die in Persepolis losgegangen wäre und die wären in preußischer Schlachtordnung marschiert, dann wären die letzten noch nicht aus Persepolis raus gewesen, wären die ersten schon in Griechenland gewesen.“

Precht zitiert Herodots Perserkriege als Beispiel dafür, wie unzuverlässig antike Geschichtsschreibung mit Zahlen umging. Die Anekdote über die absurd große Armee des Xerxes dient ihm als Argument, dass man auch die Evangelien nicht als moderne Geschichtsschreibung lesen darf.

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Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes)
Buch

Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes)

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:01 „Naja, jedenfalls die Evangelien hatten keine Funktion, als historische Quellen wahrgenommen zu werden. Aber wir gehen mal davon aus, dass dieser Jesus von Nazareth einer von Hunderten, wenn nicht sogar noch mehr, Wanderprediger war.“

Die vier Evangelien werden ausführlich als Bekenntnisliteratur besprochen, nicht als Geschichtsbücher. Precht und Lanz diskutieren, wie die Evangelisten Pontius Pilatus bewusst milde darstellten und die Schuld an der Kreuzigung den Juden zuschrieben — als taktische Entscheidung, um im römischen Reich missionieren zu können.

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Die Bergpredigt
Buch

Die Bergpredigt

Leonhard Ragaz

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:21:54 „Und das, was du Bergpredigt gerade angesprochen hast, das ist faszinierend bis heute. Und man würde es jemandem wie Wladimir Putin mal wünschen, dass er sich das einfach mal zu Gemüte führt. Und dann würde er vielleicht zu anderen Entscheidungen kommen.“

Lanz bezeichnet die Bergpredigt als großartige Vision für das menschliche Zusammenleben und als 'gute Bedienungsanleitung fürs Leben'. Er zieht eine aktuelle Verbindung zu Putin und meint, die Bergpredigt könnte zu besseren politischen Entscheidungen führen.

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Johannesevangelium
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Johannesevangelium

unbekannt (traditionell Johannes zugeschrieben)

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:25 „Wir haben zum Beispiel das Johannesevangelium, das für den griechischen Sprachraum konzipiert worden ist. Das anfängt mit, am Anfang war der Logos. Das ist schlecht übersetzt. Eigentlich heißt es ja sowas wie der Geist der Vernunft.“

Precht hebt das Johannesevangelium als besonders poetisches und philosophisch anspruchsvolles Werk hervor, das gezielt für den griechischen Kulturraum geschrieben wurde. Er erklärt, dass es von Platonismus durchtränkt sei und damit anschlussfähig an die bestehende griechische Philosophie war — ein strategischer Schachzug der frühen Missionierung.

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Elemente (Stoicheia)
Buch

Elemente (Stoicheia)

Euklid

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:29:55 „Das berühmte mathematische Lehrbuch des Euclid ist sicherlich nicht von einem einzigen verfasst.“

Precht zieht eine Parallele zwischen Paulus, Shakespeare und Euklid, um seine These zu untermauern, dass bedeutende antike Werke oft nicht von einer einzelnen Person stammen. Euklids Elemente dienen als Beispiel für ein Werk, das unter einem Namen firmiert, aber vermutlich von mehreren Autoren geschaffen wurde.

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Éléments de mathématique
Buch

Éléments de mathématique

Nicolas Bourbaki

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:01 „Interessanterweise, es gab mal so eine spannende pädagogische Bewegung in der Mathematik, ich glaube so 60er Jahre, da wurde die Mathematik für die Schulen allgepreisiert. Vorher war die Geometrie viel stärker und so weiter und die nannten sich Burbaki. Und das war dasselbe in Grün. Einen Herrn Burbaki hat es nie gegeben.“

Precht nutzt das Beispiel der Bourbaki-Gruppe – eines Kollektivs französischer Mathematiker, die unter einem fiktiven Autorennamen publizierten – als weiteren Beleg für seine These, dass auch Paulus möglicherweise ein Gruppenname war. Die Parallele zu Euklid und Shakespeare unterstreicht, wie verbreitet kollektive Autorschaft in der Geschichte war.

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Jesus Barabbas
Buch

Jesus Barabbas

Hjalmar Söderberg

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:07 „Es gibt einen schwedischen Historiker, der schon um die letzte Jahrhundertwende die Theorie aufgestellt hat, dass Barabbas und Jesus dieselbe Person sind. Hjalmar Söderberg. Und es ist nicht so, als ob man das jetzt gleich als große Science-Fiction wegtun kann. Der hat das so ein bisschen romanhaft gestaltet. Aber immer wenn ich mir das angucke, denke ich, das könnte auch ein irgendwie ganz guter Riecher gewesen sein, weil es fügt sich ziemlich gut zusammen.“

Precht stellt die provokante These vor, dass Barabbas und Jesus dieselbe Person gewesen sein könnten – gestützt auf die Etymologie des Namens Barabbas ("Sohn des Vaters"). Er verweist auf den schwedischen Autor Hjalmar Söderberg, der diese Theorie bereits um die Jahrhundertwende romanhaft verarbeitet hat. Precht findet die Argumentation überraschend schlüssig.

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Kritik der reinen Vernunft
Buch

Kritik der reinen Vernunft

Immanuel Kant

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:39:57 „Kant hat das schon wunderbar in seinen berühmten Antinomien, also sozusagen Widersprüchen des Denkens aufgezeigt. Zum Beispiel können wir uns Willensfreiheit nicht vorstellen, aber dass es keine Willensfreiheit gibt, können wir uns eigentlich auch nicht vorstellen.“

Im Gespräch über die Grenzen des menschlichen Erkenntnisapparats greift Precht auf Kants Antinomien zurück – die berühmten Widersprüche der reinen Vernunft. Er nutzt sie, um zu zeigen, dass unser Gehirn Fragen stellen kann, die es selbst nicht beantworten kann, etwa zu Willensfreiheit und Unendlichkeit. Das dient ihm als philosophische Grundlage für die Berechtigung von Spiritualität.

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Zitat über das Übernatürliche
Buch

Zitat über das Übernatürliche

Fjodor Dostojewski

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:42:55 „Dostoevsky hat gesagt, der Mensch braucht das Übernatürliche genauso wie den kleinen Planeten, den er bewohnt.“

Lanz zitiert Dostojewski, um Prechts poetische Ausführungen über Spiritualität und die Kleinheit des Menschen unter dem Sternenhimmel zu bekräftigen. Das genaue Werk, aus dem das Zitat stammt, wird nicht genannt, aber es unterstreicht die These, dass der Mensch ein grundlegendes Bedürfnis nach dem Übernatürlichen hat.

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Gespräch über den Glauben
Buch

Gespräch über den Glauben

Markus Lanz / Manfred Lütz

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:57 „Ich habe das auch in diesem kleinen Buch beschrieben, das ich mit Manfred Lütz zusammen veröffentlicht habe über Papst Benedikt. Aber es war uns irgendwie wichtig, noch einmal festzuhalten, was dieser Mann in diesem letzten Gespräch, das wir mit ihm hatten, was der zu sagen hatte.“

Lanz erzählt von einem persönlichen Gespräch mit Papst Benedikt XVI., das er zusammen mit dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz in einem Buch festgehalten hat. Daraus zitiert er Benedikts Antwort auf die Frage, wie Gott aussehe, sowie dessen berührende Ehrlichkeit über seine Todesangst. Das Buch dient als Quelle für mehrere Anekdoten in dieser Folge.

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Homo Deus
Buch

Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:52:45 „Aber plötzlich, jetzt im dritten Jahrtausend, stehen wir an einem Punkt, wo wir möglicherweise kurz davor sind, den Tod geschehen zu machen. Harari nennt das die letzten Tage des Todes. Und das ist ein wahnsinnig spannendes Thema.“

Am Ende der Folge schlägt Lanz als Thema für eine kommende Episode die Frage auf, ob ewiges Leben erstrebenswert sei. Er verweist dabei auf Hararis Konzept der "letzten Tage des Todes" aus Homo Deus, in dem Harari argumentiert, dass die Menschheit bald in der Lage sein könnte, den Tod zu überwinden. Das Buch dient als intellektueller Aufhänger für die angekündigte Folge.

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