Lanz & Precht – Ausgabe Sechsundfuenfzig
#056

Ausgabe Sechsundfuenfzig

Lanz & Precht / 23. September 2022 / 9 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Ausgehend von einem herbstlichen Jogginglauf an der Hamburger Außenalster entspinnt sich ein Gespräch über Medienabstinenz — inspiriert von Rolf Dobelli, der seit zehn Jahren weder Zeitung liest noch Fernsehen schaut. Was zunächst verrückt klingt, wird zur ernsthaften Frage: Wäre die Welt ein besserer Ort, wenn wir aufhörten, uns permanent zu informieren?

„Irgendwann kippte das bei mir und ich fing an, wieder und wieder darüber nachzudenken und ich frage mich seitdem immer öfter, was wäre das für eine Welt, wenn wir einfach alle keine Tagesschau, keine Nachrichten, keine Medien mehr konsumierten.“
🗣 Markus Lanz

Erwähnte Medien (9)

Die Kunst des digitalen Lebens
Buch

Die Kunst des digitalen Lebens

Rolf Dobelli

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:02:53 „Du liest seine Bücher und du denkst irgendwann, okay, der ist vollkommen verrückt. Und dann kommt dieses Buch über diese Medienabstinenz, wie so ein Eremit, so ein geistiger Eremit, der in einer intellektuellen Wüste irgendwo in der Schweiz vor sich hin lebt.“

Lanz und Precht sprechen über den Wert von Nachrichtenabstinenz. Lanz beschreibt, wie Dobellis zunächst absurd wirkende These – man verpasse nichts, wenn man keine Nachrichten konsumiere – ihn nachhaltig zum Nachdenken gebracht hat. Er fragt sich seitdem, ob die Welt ein besserer Ort wäre, wenn wir aufhörten, ständig Medien zu konsumieren.

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Die vierte Gewalt
Buch

Die vierte Gewalt

Richard David Precht, Harald Welzer · 2022

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:06:01 „Du gerade mit Harald Welze auch in aller Munde. Große Sterngeschichte, große Zeitgeschichte. Wie geht es dir denn, wenn sich dann plötzlich so dieses grelle Licht der Öffentlichkeit so auf dich richtet?“

Das gesamte Gespräch dreht sich um die Thesen des Buches 'Die vierte Gewalt' von Precht und Welzer zur Medienkritik. Der Titel wird nie explizit genannt, aber als 'Debatte, die ihr beide angestoßen habt' und über Stern- und Zeit-Geschichten dazu gesprochen.

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Tagebücher (Kierkegaard-Zitat)
Buch

Tagebücher (Kierkegaard-Zitat)

Søren Kierkegaard

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:26 „Es gibt den Kierkegaard-Satz, das Leben kann nur vorwärts gelebt und nur vom Ende her verstanden werden. Und am Ende, wenn dieser Krieg mal tatsächlich vorbei sein sollte, wann auch immer das ist, dann wird man wissen, ob das, was man getan hat, richtig war oder falsch.“

Precht zitiert Kierkegaard im Kontext der Ungewissheit über den Ausgang des Ukraine-Krieges, um zu illustrieren, dass man die Richtigkeit von Entscheidungen erst im Nachhinein beurteilen kann.

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Willkommen (Titelgeschichte zur Flüchtlingskrise)
Artikel

Willkommen (Titelgeschichte zur Flüchtlingskrise)

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:23 „Genau, aber wenn du dich erinnerst, es gab die Schlagzahl in der Zeit, willkommen. Also sozusagen diese Willkommenskultur.“

Lanz erinnert an eine Titelgeschichte der ZEIT mit der Überschrift 'Willkommen' während der Flüchtlingskrise 2015, die er als Beispiel dafür anführt, wie Medien zunächst unkritisch die Willkommenskultur mitgetragen haben, bevor die Stimmung nach der Kölner Silvesternacht kippte.

Zum Artikel bei ZEIT Online
📺
Serie

Hart aber Fair (Sendung zur Impfpflicht mit Svenja Flaßpöhler)

Frank Plasberg

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:49:38 „Svenja Flassböhler, die bei Plasberg in der Sendung war und da also von vier Leuten gleichzeitig angegriffen wurde, die plötzlich ruckartig ihre Meinung in Richtung Impfpflicht geändert hatte, das ist ein anderes Beispiel.“

Precht beschreibt eine konkrete Hart-aber-Fair-Episode als Negativbeispiel für den Umgang mit abweichenden Meinungen in den Medien. Flaßpöhler habe dort die geltende Rechtsposition gegen die Impfpflicht verteidigt und sei von vier Gesprächspartnern gleichzeitig angegriffen worden – eine Besetzung, die Precht als unglücklich kritisiert.

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Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren
Buch

Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren

Svenja Flaßpöhler

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:50:45 „Wir haben über ihr Buch gesprochen. Und die These, die sie darin hat, sagt, es ist gut, dass unsere Gesellschaften immer sensibler werden, aber es ist schlecht, wenn sie deswegen immer intoleranter werden. Das war ihre These.“

Precht erzählt, wie er Svenja Flaßpöhler in seiner Sendung zu Gast hatte und mit ihr über ihr Buch sprach – am selben Tag, als sie abends bei Hart aber Fair zum Thema Impfpflicht angegriffen wurde. Er nutzt das Buch und seine These als Beispiel dafür, wie mediale Intoleranz sachliche Debatten erstickt.

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Kritik an der Precht-Sendung mit Flaßpöhler
Artikel

Kritik an der Precht-Sendung mit Flaßpöhler

Julia Enke

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:10 „Und dann gab es eine Kritik unserer Sendung, die nach der Hart-aber-Fair-Sendung ausgestrahlt wurde, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, wo nur vom Impfen die Rede war, was überhaupt gar kein Thema in unserer Sendung war. Und die Journalistin hat sich, das muss man mal sagen, nicht entblödet zu sagen, sie sagen es nicht, aber sie denken es.“

Precht schildert empört einen Artikel von Julia Enke in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der seine Sendung mit Flaßpöhler rezensierte. Die Journalistin habe den Gästen unterstellt, sie würden etwas denken, was sie gar nicht gesagt hätten – für Precht ein 'absoluter Tiefpunkt des deutschen Journalismus', der gegen jede Regel der Professionalität verstoße.

Zum Artikel bei FAZ
Willkommen (Titelseite)
Artikel

Willkommen (Titelseite)

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:55:08 „Es gibt diese Debatte rund um die Migrationskrise 2015 und ein Beleg dafür, dass sich sozusagen Medien vermeintlich gemein gemacht haben mit der Politik, ist diese Titelseite der Zeit Willkommen, die Willkommenskultur, die praktisch überall dann zu lesen war.“

Lanz diskutiert die Medienkritik rund um die Flüchtlingskrise 2015. Er nennt die berühmte ZEIT-Titelseite 'Willkommen' als Beispiel dafür, wie Kritiker den Medien vorwerfen, sich mit der Politik der Willkommenskultur gemein gemacht zu haben. Er nutzt das Beispiel aber als Kontrastfolie, um zu zeigen, dass dieselbe Zeitung auch differenzierten Journalismus lieferte.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Reportage über Gemeinden im Erzgebirge und die AfD
Artikel

Reportage über Gemeinden im Erzgebirge und die AfD

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:55:45 „Aber in derselben Zeit habe ich Wochen später ein großartiges Stück gelesen von einer Korrespondentin. Die lange Zeit ein paar kleinere Gemeinden in Sachsen, im Erzgebirge begleitet hat. Die ist immer wieder dahin und hat einen AfD-Politiker und auch eine langjährige CDU-Abgeordnete, beide immer wieder begleitet.“

Lanz beschreibt eine Langzeitreportage einer namentlich nicht genannten Korrespondentin, die kleine Gemeinden im Erzgebirge über einen langen Zeitraum begleitete. Die Reportage erzählt, wie eine Busverbindung erst mit der Unterbringung von Geflüchteten kam und nach deren Wegzug wieder verschwand – und wie die CDU-Abgeordnete das Mandat an einen AfD-Politiker verlor. Lanz nennt das Stück als Paradebeispiel für differenzierten Journalismus, der erklärt, warum Menschen AfD wählen, ohne sie pauschal als rechtsradikal abzustempeln.

Zum Artikel bei Spiegel