Ausgabe Dreiunddreissig
Markus Lanz & Richard David Precht
Kurz vor Ostern sprechen die beiden über die Spannung zwischen dem Fest der Hoffnung und den verstörenden Bildern aus Butscha. Das Gespräch kreist um die Frage, ob Frieden mit Waffen hergestellt werden kann, und mündet in persönliche Erinnerungen an ikonische Kriegsfotografie aus Vietnam — darunter das berühmte Napalm-Foto von Kim Phúc und dessen Wirkung auf die Antikriegsbewegung.
„Das ist ja das Grauenhafte an dem Krieg, dass der Krieg ja nicht vorbei ist, wenn der Krieg vorbei ist.“
Erwähnte Medien (4)
Historien
Herodot
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:14:21 „Oder größtes klassisches Beispiel, die 300 Spartaner, die den Thermopylenpass verteidigt haben gegen eine Million Perser. So jedenfalls die Darstellung des griechischen Historikers Herodotus.“
Im Kontext der Frage, ob bewaffneter Widerstand einer Minderheit gegen eine Übermacht legitim sein kann, nennt Precht die Geschichte der 300 Spartaner als klassisches Beispiel für Heldenmythen und verweist auf Herodots Geschichtswerk als Quelle dieser Darstellung.
Artikel über Ostermärsche
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:17:37 „darüber geschrieben und sagte, zu Ostern werden dann in Deutschland wieder viele Menschen für den Frieden demonstrieren. Und ich frage mich, welche Sprüche sie dieses Jahr auf ihre Pappschilder malen. Frieden schaffen ohne Waffen. Schön wär's, schreibt er dann weiter.“
Lanz zitiert aus einem aktuell erschienenen Artikel, in dem der Autor die Parolen der Friedensbewegung – wie ‚Frieden schaffen ohne Waffen' oder ‚Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin' – im Licht des Ukraine-Kriegs als naiv kritisiert und argumentiert, eine solche Haltung spiele letztlich Putin in die Hände. Der Autor wird nicht namentlich genannt.
Zum ewigen Frieden
Immanuel Kant
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:46 „Und diese Idee ist eigentlich das allererste Mal im Jahre 1795, 1796 von Immanuel Kant aufgebracht worden. In einem kleinen Stück, das er für eine damals eher etwas populärere philosophische Zeitschrift geschrieben hat. Und dieser Text hat den schönen Titel »Zum ewigen Frieden«.“
Precht stellt Kants Schrift als Ursprung der Idee einer Weltfriedensordnung vor. Kant habe darin zwei Bedingungen für dauerhaften Frieden formuliert: alle Staaten sollten freiheitliche Republiken sein, und ein Völkerbund sollte über legitime Kriegshandlungen wachen. Precht betont, dass dieser Text Grundlage für die Charta der Vereinten Nationen geworden sei.
Weißer Raben
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:46 „Also ich kann jetzt erstmal zur Bestätigung dessen, mir fällt wieder der Name ein von dem Tschetschenien-Film, den ich gesehen habe. Weißer Raben heißt der. Ich glaube, ein Deutscher und eine russische Regisseurin haben das gemacht. Weißer Raben, ja? Auch einen Grimme-Preis bekommen.“
Precht erinnert sich an eine preisgekrönte Dokumentation über den Tschetschenienkrieg, die er im Zusammenhang mit der Diskussion über Kriegstraumatisierung erwähnt. Der Film zeigt die verheerenden psychischen Folgen des Krieges für russische Soldaten, darunter Suizide – ein direkter Vergleich zu dem, was Lanz zuvor über US-Veteranen berichtet hat.