Lanz & Precht – Ausgabe Fuenfundzwanzig
#025

Ausgabe Fuenfundzwanzig

Lanz & Precht / 18. Februar 2022 / 10 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Zwischen Corona und Ukraine-Krise ist ein Vorgang fast untergegangen: die Wahl des Bundespräsidenten. Anlass für eine grundsätzliche Debatte darüber, wie demokratisch dieses Ritual wirklich ist, wenn vorher alles ausgekungelt wird und die Bundesversammlung nur noch abnickt. Richard David Precht erinnert sich an seine Wut über die Nominierung Christian Wulffs durch Angela Merkel und plädiert dafür, das Amt an Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft zu vergeben statt an amtsmüde Ministerpräsidenten.

„Es ist die Illusion von Demokratie. Weil es ja tatsächlich so ist, dass diejenigen, die keine Politiker sind und da wählen, auf Parteitickets segeln.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (10)

Essays zur Wahl des Bundespräsidenten
Essay

Essays zur Wahl des Bundespräsidenten

Richard David Precht

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:45 „Ich habe zwei Essays von dir gefunden, wütende Texte, das war mein Eindruck, darüber, wie die Wahl zum Bundespräsidenten abläuft.“

Markus Lanz konfrontiert Richard David Precht mit dessen eigenen, rund zehn Jahre alten Essays, die in der ZEIT erschienen sind. Darin kritisierte Precht scharf das Verfahren der Bundespräsidentenwahl als undemokratisch, insbesondere die Nominierung von Christian Wulff durch Angela Merkel. Der zentrale Vorwurf: Das höchste Amt im Staat werde ausgekungelt statt wirklich gewählt.

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Die Unfähigkeit zu trauern
Buch

Die Unfähigkeit zu trauern

Alexander und Margarete Mitscherlich · 1967

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:08 „Aber damals, unmittelbar nach dem Krieg, 1952, das ist die Zeit, über die nach der Regierung diskutiert wurde, die Unfähigkeit zu trauern. Das war die ganz große Zeit erstmal des Verdrängens, des Nicht-drüber-Redens.“

Precht erwähnt das berühmte Werk der Mitscherlichs beiläufig im Kontext der deutschen Nachkriegsverdrängung. Er ordnet die Rede von Theodor Heuss in Bergen-Belsen zeitlich ein und beschreibt die 1950er Jahre als eine Ära, in der die Deutschen sich nicht mit ihrer Schuld auseinandersetzen wollten – genau das Phänomen, das die Mitscherlichs in ihrem Buch analysierten.

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Artikel/Text über die Zufriedenheit der Deutschen in den 50er Jahren
Artikel

Artikel/Text über die Zufriedenheit der Deutschen in den 50er Jahren

Frauke Hohenfeld

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:09:44 „Ich habe dieser Tage einen Gedanken gelesen, der mir seitdem nicht mehr durch den Kopf geht, genau über diese 50er Jahre. Da schrieb jemand, ich glaube Frauke Hohenfeld war es, die schrieb, in den 50er Jahren waren die Deutschen zwar nicht wirklich mit Demokratie vertraut, noch nicht vertraut, aber sie waren zufrieden.“

Lanz bringt einen kürzlich gelesenen Text ein, in dem die Autorin die paradoxe Entwicklung beschreibt: In den 50ern waren die Deutschen ohne echte demokratische Erfahrung zufrieden, heute seien sie demokratieerfahren und wohlhabend, aber unzufrieden. Der Name der Autorin ist unsicher (Transkriptionsfehler möglich).

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Kommendes Buch über die Nachkriegszeit / Geschichte der Bundesrepublik
Buch

Kommendes Buch über die Nachkriegszeit / Geschichte der Bundesrepublik

Richard David Precht

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:58 „Du hast gerade vorhin, das fand ich interessant, ich habe ja in deinem kommenden Buch gelesen, ich habe ja die Fahne schon, weil ich den Autor ganz gut kenne. Über die Arbeit, ein fantastisches Buch, das dir da gelungen ist, 500 Seiten, Wahnsinn, und diese Formulierung, Hakenkreuz gegen Mercedes-Sterne eingetauscht, das schreibst du dort, genau das.“

Markus Lanz erwähnt, dass er bereits die Druckfahnen von Richard David Prechts noch unveröffentlichtem Buch gelesen hat – ein 500-seitiges Werk über die deutsche Nachkriegsgeschichte. Lanz lobt es als fantastisch und greift daraus die prägnante Formulierung auf, Deutschland habe das Hakenkreuz gegen den Mercedes-Stern eingetauscht. Der genaue Titel wird nicht genannt.

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Wohlstand für Alle
Buch

Wohlstand für Alle

Ludwig Erhard

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:15:10 „Ich komme nur deswegen drauf, weil du in diesem Zusammenhang auch über das Jahr 1957 schreibst. Und 57 war das Jahr, in dem dieses berühmte Buch von Ludwig Erhard erschienen ist, Wohlstand für alle. Und du beschreibst, wie das wirklich einen Paradigmenwechsel für dieses Land bedeutet hat.“

Im Gespräch über die Nachkriegszeit und den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands erwähnt Lanz Ludwig Erhards programmatisches Buch von 1957. Er verknüpft es mit Prechts kommendem Buch, in dem die Überwindung der Mangelgesellschaft beschrieben wird. Beide diskutieren, wie Erhards Vorstellung maximaler wirtschaftlicher Freiheit sich von der heutigen Realität staatlicher Wirtschaftseingriffe unterscheidet.

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Hoch auf dem gelben Wagen
Musik

Hoch auf dem gelben Wagen

Walter Scheel

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:25:41 „1974 wurde unfassbar verkauft eine Platte, hoch auf dem gelben Wagen, gesungen, intoniert von Walter Scheel.“

Im Durchgang durch die Bundespräsidenten kommt Lanz auf Walter Scheel zu sprechen, dessen Amtszeit 1974 begann. Scheels Schallplatte mit dem Volkslied 'Hoch auf dem gelben Wagen' wurde ein großer kommerzieller Erfolg. Precht merkt an, dass dies ironischerweise das Einzige sei, was wirklich von Scheel geblieben ist – was für einen Bundespräsidenten etwas wenig sei.

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🎤
Rede

Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2010 (Der Islam gehört zu Deutschland)

Christian Wulff

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:34:56 „Ich habe ihn dann auf seinen Satz angesprochen, der Islam gehört zu Deutschland. Das ist ja der Satz, der definitiv mit Christian Wulff verbucht ist. Und es war interessant, während dieser Einspieler lief, und man sieht ihn da bei dieser Rede, dreht er sich zu mir und sagt, Herr Lanz, keine gute Performance.“

Lanz berichtet von einem Gespräch mit Christian Wulff in seiner Sendung, bei dem er ihn auf dessen berühmtesten Satz ansprach. Wulff selbst habe rückblickend eingeräumt, dass er die Rede heute besser halten würde – mit mehr Gravitas und Bedeutung.

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Berliner Rede (Ruck-Rede)
Rede

Berliner Rede (Ruck-Rede)

Roman Herzog

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:38:35 „Roman Herzog, die berühmte Ruckrede. Ruck Rede, ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass das damals im Adlon war, in Berlin. Ja, die erste Berliner Rede. Seitdem sehe ich das Adlon, wenn man da manchmal so vorbeigeht, mit völlig anderen Augen.“

Precht beschreibt Roman Herzog als den 'politischsten Bundespräsidenten', der mit seiner Ruck-Rede im Hotel Adlon das Klima für große gesellschaftliche Veränderungen vorbereitete – konkret die Reform von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, die später Gerhard Schröder als Hartz-Reform umsetzte. Die Rede hatte also eine klare inhaltliche Füllung und war nicht nur rhetorisch.

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Autobiografie von Joachim Gauck
Buch

Autobiografie von Joachim Gauck

Joachim Gauck

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:11 „Es gab auch Leute, die sich, wir haben ein bisschen darüber lustig gemacht haben, wenn Joachim Gauck aus seiner Biografie vorgelesen hat, dann hat er immer zuverlässig an den gleichen Stellen ein Tränchen der Rührung verdrückt.“

Lanz erzählt amüsiert, dass Gauck bei öffentlichen Lesungen aus seiner eigenen Biografie immer an denselben Stellen gerührt war. Er verteidigt ihn aber sogleich: Das sei nicht pathetisch, sondern authentisch – er habe Gauck persönlich anders kennengelernt, als einen offenen Menschen, der wirklich so empfindet.

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Let's Dance
Serie

Let's Dance

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:56:26 „Also wenn es einen unglaublich wilden Kampf gibt, so wie bei diesen Kandidatenturnieren, die die SPD, diese Let's Dance Veranstaltungen, die die da gemacht haben, als sich immer Pärchen miteinander bewerben mussten.“

Precht nutzt die RTL-Tanzshow 'Let's Dance' als ironischen Vergleich für die SPD-Kandidatenturniere, bei denen sich Zweierteams um den Parteivorsitz bewarben. Er kritisiert dieses Format als schädlich für die Kandidaten und verweist auf Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, die 'beschädigt' aus dem Prozess hervorgegangen seien.

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