Ausgabe Fünf
Markus Lanz, Richard David Precht
Über Langeweile als verlorene Kunst: Precht vermisst sie als Zustand, Lanz hat sie zuletzt beim Südpolmarsch 2012 erlebt — mit Joey Kelly durch die Eiswüste, wo das Gehirn ohne äußere Reize anfängt, Zäune und schwarze Vögel zu halluzinieren. Dazwischen: ein kurzer Ausflug ins Thema Macht, die Precht für zutiefst selbstzerstörerisch hält.
„Es ist irre, dass zwei Menschen, die ein so langweiliges Leben haben, einen Podcast sich zutrauen.“
Erwähnte Medien (5)
Spielplatz der Helden
Michael Köhlmeier · 1988
Michael Köhlmeiers Roman von 1988 spielt in der Endphase des Zweiten Weltkriegs und erzählt von einem jungen Soldaten, der sich in den Bergen versteckt. Eine Auseinandersetzung mit Heldentum, Feigheit und Überlebenwollen.
🗣 Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:52 „Kann man auch nachlesen in einem großartigen Buch von Michael Kühlmeier, glaube ich. Das heißt Spielplatz der Helden. Das ist ein fantastisches Buch eines österreichischen Schriftstellers über diesen Trip, über das grönländische Inlandeis.“
Lanz empfiehlt das Buch 'Spielplatz der Helden' von Michael Köhlmeier über eine Grönland-Expedition dreier Südtiroler. 'Kühlmeier' im Transkript ist ein WhisperX-Fehler für 'Köhlmeier'.
Macht
Karl-Rudolf Korte · 2019
Eine Untersuchung der Natur von Macht in Politik und Gesellschaft. Das zentrale Argument: Macht ist nicht etwas Festes und Stabiles, sondern etwas Flüchtiges und ständig im Fluss. Eine These, die erklärt, warum politische Macht so schnell verloren gehen kann.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:16 „Ich glaube Herr Korte hat mal ein ganz tolles Buch über Macht geschrieben, der Politikwissenschaftler. Das ist ein faszinierender Mann, Herr Korte. Und der hat darin, beschreibt darin, wie Macht etwas Flüssiges ist.“
Am Ende des Gesprächsabschnitts kommt Lanz auf das Thema Machtverlust zu sprechen und verweist auf ein Buch des Politikwissenschaftlers Korte, das Macht als etwas Flüchtiges beschreibt. Er nutzt diese These, um den schleichenden Machtverlust von Armin Laschet während der Koalitionsverhandlungen zu illustrieren.
De Officiis / De Re Publica
Marcus Tullius Cicero · 2016
In the de Officiis we have, save for the latter Philippics, the great orator's last contribution to literature. The last, sad, troubled years of his busy life could not be given to his profession; and he turned his never-resting thoughts to the second love of his student days and made Greek philosophy a possibility for Roman readers. The senate had been abolished; the courts had been closed. His occupation was gone; but Cicero could not surrender himself to idleness.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:15 „Cicero, also Kikiru, wie er eigentlich ausgesprochen wird, ganz großer pragmatischer Denker und Realist, er hat zwei Formen von Machtunterschieden. Und das eine ist Potestas, das ist die Macht qua Amtsgewalt. Und dann würde man ja denken, die kann ihm keiner nehmen, solange er nicht gestürzt wird. Die ist aber nichts wert, wenn die zweite Machtkomponente, die psychologische Machtkomponente, wenn die abhanden kommt, die Auktoritas, das Ansehen, die Autorität.“
Precht erklärt Ciceros Unterscheidung zweier Machtformen – Potestas (Amtsgewalt) und Auctoritas (Ansehen/Autorität) – am Beispiel von Armin Laschets schwindendem politischem Einfluss trotz formaler Machtposition. Er argumentiert, dass nur die Kombination beider Formen tatsächliche Macht verleiht.
FAZ-Artikel über Robert Habeck als Vizekanzler
Helene Bubrowski
Der Artikel berichtet über die Absicht der Grünen, Robert Habeck als Vizekanzler in der kommenden Regierung einzusetzen. Helene Bubrowski von der FAZ hatte diese Information als Erste publik gemacht. Der Beitrag dokumentiert einen wesentlichen Schritt in den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2021, in denen die Positionen der führenden Politiker verhandelt wurden.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:49 „Helene Bubrowski von der FAZ hat doch gerade ein sehr, sehr lesenswertes, gutes Stück veröffentlicht. Die hatten die Information auch als Erste, dass Robert Habeck Vizekanzler wird.“
Im Kontext der Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2021 verweist Lanz auf einen aktuellen FAZ-Artikel von Helene Bubrowski, die als Erste berichtet habe, dass Robert Habeck Vizekanzler werde. Lanz empfiehlt den Artikel ausdrücklich als lesenswert.
Brief an Niethammer (Weltgeist-Zitat)
Georg Wilhelm Friedrich Hegel · 1887
Der Brief behandelt Hegels Konzept des "Weltgeist zu Pferde" – seine philosophische Deutung Napoleons als Verkörperung der Weltgeschichte. Das Werk reflektiert, wie transformative Persönlichkeiten die dialektische Bewegung der Geschichte prägen und neue Epochen einleiten.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:50:00 „Unser gemeinsamer Freund Kester Schlenz, früher Unterhaltungschef beim Stern, zitiert auch immer gerne Hegel, du kennst die Geschichte, ne? Der über Napoleon sagte, ich habe gerade den Weltgeist zu Pferde gesehen. Und er setzt das immer fort und sagt, wenn du Greta Thunberg siehst, das ist der Weltgeist mit Zöpfen.“
Lanz bringt Hegels berühmtes Zitat über Napoleon ins Gespräch, das der Journalist Kester Schlenz gerne auf Greta Thunberg überträgt. Precht ordnet das Zitat historisch ein: Hegel habe 1806 in Jena Napoleon nach der Schlacht durch seine Gasse reiten sehen und erkannt, dass mit ihm eine neue Zeit anbreche. Beide nutzen den Vergleich, um Greta Thunbergs Soft Power der formalen Macht von Politikern gegenüberzustellen.