Hotel Matze – Michel Friedman (2025) – Wie können wir jeden Tag Demokratie üben
#489

Michel Friedman (2025) – Wie können wir jeden Tag Demokratie üben

Hotel Matze / 29. Oktober 2025 / 11 Medien

Matze Hielscher & Michel Friedman

Michel Friedman, Publizist, Philosoph und Jurist, spricht über den Zustand der Demokratie – und er zeichnet ein düsteres Bild: Freiheit und Frieden, die Grundpfeiler seines Lebens, erleben tektonische Erschütterungen. Besonders eindringlich beschreibt Friedman die wachsende Bedrohung für Juden in Deutschland, die ihn bis zur Frage treibt, ob Berlin für ihn noch sicher ist. Doch trotz allem plädiert er für tägliches demokratisches Handeln – im Geist des Sisyphus: den Stein weiterwälzen, auch wenn man das Ziel vielleicht nicht selbst erreicht.

„Ich muss mich nicht mal mehr bei ihnen bedanken, dass sie kein Antisemit sind.“
🗣 Michel Friedman

Erwähnte Medien (11)

Geheimplan gegen Deutschland

Geheimplan gegen Deutschland

Correctiv

Die Recherche von Correctiv aus Januar 2024 enthüllte ein geheimes Treffen in Potsdam, bei dem Remigrationspläne diskutiert wurden. Der Bericht löste intensive öffentliche Debatten über Grenzen des politischen Spektrums aus und markierte für viele einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des gesellschaftlichen Klimas in Deutschland. Die Enthüllung intensivierte die Angst in betroffenen Communitys erheblich.

🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:36 „Wir gehen immer zu Rewe und gehen zu dem Mann an der Kasse oder die Frau. Und nach meiner Beobachtung waren in den letzten Jahren immer wieder Menschen auf der Straße zu verschiedensten Themen. Ob das für das Klima war, ob das für oder gegen Corona-Maßnahmen war, ob das nach der Korrektivrecherche gegen Remigration war.“

Matze Hielscher zählt Beispiele auf, bei denen Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren auf die Straße gegangen sind. Die Correctiv-Recherche über ein Geheimtreffen rechter Akteure zu Remigrationsplänen wird als eines dieser auslösenden Ereignisse für Massendemonstrationen genannt – neben Klima-Protesten und Corona-Debatten.

Zum Artikel bei Correctiv.org Details
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Vereinte Nationen · 2025

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet, gilt als grundlegender Text der modernen internationalen Menschenrechtsordnung. In dreißig Artikeln formuliert sie die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht, Religion oder sozialem Status. Diese Ausgabe bietet den vollständigen Text in deutscher und englischer Sprache in der offiziellen Fassung der Vereinten Nationen.

🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:40:30 „Es verbünden sich Staaten, das ist das Paradoxon, selbst Diktatoren, die etwas unterschreiben, was man die Menschenrechte formuliert hat. Die Menschenrechte als das a priori des Menschen und damit das a priori dieser Staaten und ihre Orientierung zu vermessen, verändert alles.“

Friedman diskutiert die historische Bedeutung der Menschenrechtscharta als Gegengewicht zu Diktaturen und als Fundament demokratischer Staaten nach 1945. Er unterscheidet sie explizit vom Grundgesetz und betont ihren universellen, überstaatlichen Charakter als Grundlage des Rechts, Rechte zu haben.

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Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten

Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten

Michel Friedman · 2025

»Verzweifelt, weil ich sehe, wie wir aus der Geschichte nicht substanziell lernen. Verzweifelt, weil die Demokratie, die mir als Mensch das Leben garantiert, zerfällt.« Demokratie ist nie statisch, sondern dynamisch. Sie lebt durch die Menschen, die ununterbrochen an ihr arbeiten. Wer wüsste das besser als Michel Friedman.

🗣 Michel Friedman empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:20 „Und so heißt ja das Buch, Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten, dass die Liebeserklärung das Erste ist. Nämlich an der Verzweiflung, denn wenn man zweifeln darf, ist man lebendig und geschützt in einem System. Aber gleichzeitig ist die Verzweiflung an der jetzigen Demokratie und zwar nicht an dem System, sondern darüber, worüber wir reden.“

Michel Friedman nennt den Titel seines Buches im Zusammenhang mit seiner Deutung des Wortes 'Verzweiflung'. Er erklärt, dass der Titel beide Seiten seiner Haltung einfängt: die Liebeserklärung an die Demokratie und das Zweifeln als lebendige, schützende Kraft – zugleich aber die Verzweiflung darüber, wie wenig die Menschen aus den Möglichkeiten der Demokratie machen.

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Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

· 2017

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist als geltende „Verfassung der Deutschen“ die rechtliche und politische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Das deutsche Wort Grundgesetz kam zuerst im 17. Jahrhundert auf und gilt unter Sprachwissenschaftlern als Lehnübersetzung oder Eindeutschung des in der lateinischen Rechtssprache geprägten Begriffes lex fundamentalis; „Grundgesetz“ meint daher das „[staats-]grundlegende Gesetz“.

🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:52:28 „Ich trage ein Büchlein mit mir. Das ist ja mittlerweile auch in einer ganz kleinen Fassung gedruckt. Also wenn ich ein Handelsvertreter bin, habe ich eines der besten Produkte der Welt in meiner Aktentasche.“

Friedman beschreibt, dass er eine Taschenausgabe des Grundgesetzes immer bei sich trägt. Er vergleicht sich mit einem Handelsvertreter, der das beste Produkt der Welt in der Aktentasche hat – die deutsche Verfassung mit Artikel 1, der Unantastbarkeit der Menschenwürde.

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Freiheit

Freiheit

Angela Merkel / Beate Baumann

Angela Merkels lang erwartete Memoiren „Freiheit" sind erschienen und prägen die öffentliche Debatte. Das Buch bietet persönliche Einblicke in ihre Zeit als Bundeskanzlerin und ihre politischen Entscheidungen. Ein begleitendes Spiegel-Interview ergänzt die Veröffentlichung und macht die Memoiren zu einem wichtigen Dokument der deutschen Zeitgeschichte.

🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:58:03 „Oder wenn man Angela Merkel jetzt dieser Tage auch zuhört. Die sagte ja ein paar Mal, hat sie schon gesagt, naja, wenn es hilft, dass ich jetzt schuld bin, dann sagen sie es.“

Matze Hielscher bezieht sich auf Angela Merkels öffentliche Äußerungen 'dieser Tage', womit sehr wahrscheinlich ihre Autobiografie 'Freiheit' gemeint ist, in der sie sich unter anderem zu den Vorwürfen rund um ihre Russland-Politik äußert. Friedman greift das auf und kritisiert Merkels Russland-Politik ab 2014.

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Faschismus und wie man ihn stoppt

Faschismus und wie man ihn stoppt

· 2022

Antifaschismus (zusammengesetzt aus griechisch ἀντί antí „gegen“ und Faschismus) bezeichnet eine Haltung, die sich gegen Faschismus richtet. Auch soziale Bewegungen, die sich gegen Faschismus richten, bezeichnen sich als antifaschistisch. Der Begriff entstand 1920 als Selbstbezeichnung von Gegnern des Faschismus in Italien und wurde dann auf den aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Deutschen Reich, gegen den Franquismus in Spanien und ähnliche politische Kräfte in Europa und Latei...

🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 01:05:04 „Es gibt jetzt ein Buch von zwei Autorinnen, die ich sehr verehre, die von einer faschistischen Demokratie sprechen. Ich halte all das für hochgefährlich. Illiberal kann keine Demokratie sein. Faschismus kann keine Demokratie sein.“

Friedman erwähnt ein aktuelles Buch zweier Autorinnen, die den Begriff 'faschistische Demokratie' prägen. Er verehrt die Autorinnen, widerspricht aber dem Konzept vehement: Faschismus und Demokratie seien unvereinbar, weil der Faschismus Menschen in mehr und weniger wert einteile. Der genaue Titel und die Autorinnen werden nicht genannt.

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F Buch

Faschistische Demokratie (Arbeitstitel/Konzept)

· 2015

Das Buch untersucht die Bedrohung der Demokratie durch autoritäre Strömungen und prägt den Begriff der „faschistischen Demokratie". Es kritisiert Konzepte wie „illiberale Demokratie", die versuchen, Faschismus und demokratische Strukturen zu vereinbaren. Die Autorinnen argumentieren, dass Faschismus und echte Demokratie grundsätzlich unvereinbar sind und solche Begriffsverbindungen gefährlich sind.

🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 01:05:04 „Es gibt jetzt ein Buch von zwei Autorinnen, die ich sehr verehre, die von einer faschistischen Demokratie sprechen. Ich halte all das für hochgefährlich. Illiberal kann keine Demokratie sein. Faschismus kann keine Demokratie sein.“

Friedman diskutiert die Bedrohung der Demokratie durch autoritäre Strömungen und kritisiert dabei Begriffe wie 'illiberale Demokratie'. Er verweist auf ein aktuelles Buch zweier Autorinnen, die den Begriff 'faschistische Demokratie' verwenden, hält aber beide Begriffsverbindungen für gefährlich, weil Faschismus und Demokratie unvereinbar seien.

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Minima Moralia

Minima Moralia

Theodor W. Adorno · 2018

»Adornos Werk Minima Moralia erdrückt alles, was unser Jahrhundert bisher an kulturdiagnostischen und kulturkritischen Dokumenten vorgelegt hat.« Hans Kudszus

🗣 Michel Friedman zitiert daraus bei ⏱ 01:33:24 „Oder wie Adorno gesagt hat, der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden, als eine kulturelle Erinnerungswahrheit mit sich getragen hat.“

Friedman zitiert Adornos berühmten Aphorismus aus den 'Minima Moralia', um zu erklären, wie der Antisemitismus als kulturelles Gerücht über 2000 Jahre christlicher Tradition weitergegeben wurde – selbst an Menschen, die mit dem Christentum längst nichts mehr zu tun haben. Er ordnet dies in die aktuelle Bedrohungslage für Juden in Deutschland ein.

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Fremd

Fremd

Michel Friedman · 2022

»Dies ist ein Buch über das Fremdsein, das äußere und das innere. Eine Erfahrung, die exemplarisch für viele Menschenschicksale ist. Es ist allen Menschen gewidmet, die irgendwo im Nirgendwo leben.« Michel Friedman »Die Angst ist mein Lebensgefährte« Ein Kind, voller Furcht, kommt nach Deutschland – ins Land der Mörder, die die Familien seiner Eltern ausgelöscht haben. Hier soll es Wurzeln schlagen, ein Leben aufbauen. Das Kind staatenloser Eltern tut, was es kann. Es will Kind sein.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:38:37 „All das ist ja auf dem Betriebssystem der Demokratie auch passiert. Und Sie schreiben das ganz am Ende Ihres Buches, das demokratische System wird sich weiterentwickeln müssen.“

Matze Hielscher verweist auf Friedmans Buch, in dem dieser fordert, dass sich das demokratische System weiterentwickeln muss, um nicht unterzugehen. Der genaue Titel wird im Gespräch nicht explizit genannt; es handelt sich wahrscheinlich um Friedmans autobiografisch-philosophisches Werk 'Fremd'.

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Mensch

Mensch

Michel Friedman · 2025

»Verzweifelt, weil ich sehe, wie wir aus der Geschichte nicht substanziell lernen. Verzweifelt, weil die Demokratie, die mir als Mensch das Leben garantiert, zerfällt.« Demokratie ist nie statisch, sondern dynamisch. Sie lebt durch die Menschen, die ununterbrochen an ihr arbeiten. Wer wüsste das besser als Michel Friedman.

🗣 Michel Friedman zitiert daraus bei ⏱ 01:57:59 „Darüber müsste ich einen Roman schreiben und kein Sachbuch wie Mensch. Aber wenn die meisten Menschen stehenbleiben, muss ich in Bewegung gehen.“

Friedman spricht über die erschreckende Wiederkehr alter Muster – dass Juden sich heute wieder verstecken, wie seine Eltern nach dem Holocaust. Er sagt, diese persönliche Erfahrung verdiene eigentlich einen Roman statt eines Sachbuchs, und verweist dabei auf sein eigenes Buch 'Mensch'. Später im Gespräch greift er den Titel nochmals auf: 'wie das Buch heißt, jedes menschlichen Lebens'.

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Totem und Tabu

Totem und Tabu

Sigmund Freud · 2017

'Totem und Tabu' erschien im Jahre 1913. Sigmund Freud versah den Titel mit dem Untertitel 'Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker'. Zunächst erschienen die einzelnen vier Aufsätze, aus den das Buch besteht, in den Jahren 1912 und 1913 in der Zeitschrift 'Imago'.

🗣 Michel Friedman zitiert daraus bei ⏱ 02:08:54 „Und ich bin mir nicht sicher, und das ist ja das Spannende, als man wirklich nicht alles sagen durfte, was man sagen wollte, das waren die 50er, 60er, 70er, 80er Jahre. Ich bin mir heute nicht mehr sicher, ich denke jedenfalls darüber sehr intensiv nach, ob das Thema Tabu, das ich kennengelernt habe in meinen Studien, aber schon als Jugendlicher bei Sigmund Freud und all das, das Thema des Tabus in einem ganz anderen Blickwinkel.“

Michel Friedman reflektiert über die Rolle von Tabus in der Demokratie und erwähnt, dass er sich schon als Jugendlicher über Sigmund Freud mit dem Thema Tabu beschäftigt hat. Er bezieht sich damit implizit auf Freuds Schriften zum Tabu-Begriff, die sein Denken über gesellschaftliche Grenzen des Sagbaren früh geprägt haben.

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