Hotel Matze – Harald Welzer – Wie können wir Deutschland neu erfinden
#481

Harald Welzer – Wie können wir Deutschland neu erfinden

Hotel Matze / 17. September 2025 / 13 Medien

Matze Hielscher & Harald Welzer

Harald Welzer spricht darüber, warum er sich aus den großen Talkshow-Debatten zurückgezogen hat — nicht aus Resignation, sondern weil die eingespielten Formate nichts mehr bewirken. Er beschreibt einen massiven Rollback in Richtung fossiler Vergangenheit, eine politische Klasse ohne echte Lösungen und eine Generation, die die beste Zeit der Weltgeschichte erlebt hat, aber erstaunlich wenig dafür kämpft, diese Errungenschaften zu verteidigen.

„Die Deutsche Bahn hat mehr Schaden an der Demokratie angerichtet als echte Demokratiefeinde.“
🗣 Harald Welzer

Erwähnte Medien (13)

Looney Tunes (Wile E. Coyote / Road Runner)

Looney Tunes (Wile E. Coyote / Road Runner)

· 2020

Neuauflage der klassischen „Looney Tunes“-Kurzfilme mit Bugs Bunny, Daffy Duck, Elmer Fudd, Sylvester & Tweety, Road Runner & Wile E. Coyote, Schweinchen Dick und Co.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 00:09:33 „Ich glaube, Zizek hat das mal in so einem Bild gefasst, wie in diesem Zeichentrickfilm, wo der Kojote noch über die Klippe läuft und nochmal so 20 Meter in der Luft bleibt, bis er versteht, da ist jetzt kein Boden mehr. Und fällt da halt runter. Und wir sind auch in so einer Situation als Westen.“

Harald Welzer nutzt die berühmte Szene aus dem Road-Runner-Zeichentrickfilm als Metapher für die Lage des Westens: Man laufe bereits über dem Abgrund, habe es aber noch nicht bemerkt, weil Wohlstand und Infrastruktur die Illusion von festem Boden aufrechterhalten. Er schreibt das Bild dem Philosophen Slavoj Žižek zu.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist eine führende überregionale deutsche Tageszeitung mit umfassender Berichterstattung zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Der Beitrag beleuchtet den Wandel der Medienlandschaft und den dramatischen Rückgang des Zeitungsverkaufs im Einzelhandel, was die zunehmende Digitalisierung und verändernde Lesegewohnheiten widerspiegelt. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die FAZ für viele Leser ein wichtiges Medium zur Informationsbeschaffung und zur Pflege einer klassischen Lese-Routine.

🗣 Harald Welzer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:04 „Ich kaufe immer die FAZ. Aber wenn man sich mit den Tankstellenleuten unterhält, sind die sofort dabei zu erklären, dass ihr Absatz an Zeitungen und Zeitschriften so radikal nach unten geht. Und es wird wahrscheinlich bald da keine mehr geben.“

Im Gespräch über seinen ruhigen Morgenalltag – Fahrrad, Tankstelle, Brötchen – erzählt Harald Welzer, dass er täglich die FAZ kauft. Er verbindet das mit der Beobachtung, dass die Zeitungsauswahl an Tankstellen immer kleiner wird und der Absatz radikal sinkt, als Symptom eines größeren kulturellen Wandels.

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Mythos Bildung

Mythos Bildung

Aladin El-Mafaalani · 2020

Wer die Krise des Bildungssystems verstehen will, muss dieses Buch lesen. In diesem grundlegenden Buch analysiert Aladin El-Mafaalani die Probleme und paradoxen Effekte des Bildungssystems, seine Dynamik und seine Trägheit. Eine umfassende Diagnose, ein Plädoyer dafür, soziale Ungleichheit im Bildungswesen endlich in den Fokus der Bildungspolitik und -praxis zu rücken.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 00:59:53 „Aladin El Mafalani, der Mensch, der diese wunderbaren Untersuchungen über Jugendliche macht, der schlicht und ergreifend sagt, dieses System ist tot, das ist unrettbar. Wir haben ein riesiges Problem dadurch, dass wir über Jahrzehnte junge Menschen vernachlässigt haben.“

Welzer führt El-Mafaalani als Kronzeugen für die These an, dass das deutsche Schulsystem nicht mehr reformierbar sei. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, aber El-Mafaalani ist vor allem für seine Arbeiten über Bildungsungleichheit und Jugend bekannt, insbesondere 'Mythos Bildung'. Die Zuordnung zum genauen Werk bleibt unsicher.

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Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte

Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte

Sönke Neitzel · 2020

Ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Task Force Kunduz des Jahres 2010 haben mehr gemeinsam, als wir glauben. Zu diesem überraschenden Schluss kommt Sönke Neitzel, der die deutsche "Kriegerkultur" in all ihren Facetten untersucht. Seine Bilanz: Soldaten folgen der Binnenlogik des Militärs, sie sollen kämpfen und auch töten.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 01:00:37 „Du kannst mit Sönke Neitzel sprechen, einem Militärhistoriker über die Bundeswehr. Und er sagt dir über die Bundeswehr ganz genau dasselbe. Er sagt, das ist extrem wichtig, also aus seiner Sicht, dass das alles verbessert wird, Verteidigungshaushalt aufgeblasen wird und so weiter. Er sagt, das würde aber nicht funktionieren, weil das System selbst einfach nicht mehr funktioniert.“

Welzer reiht Neitzel neben El-Mafaalani als weiteres Beispiel für Experten ein, die ihre jeweiligen Systeme als nicht mehr reformierbar beschreiben. Neitzel vergleiche die Bundeswehr mit einem Unternehmen, das 60 Prozent seines Personals entlassen müsste, um überhaupt neu anfangen zu können. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, die Zuordnung zu 'Deutsche Krieger' ist eine plausible Vermutung.

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Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens

Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens

Harald Welzer · 2021

Bestseller-Autor Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. Deshalb baut sie Autobahnen und Flughäfen für Zukünfte, in denen es keine Autos und Flughäfen mehr geben wird. Und sie versucht, unsere Zukunftsprobleme durch Optimierung zu lösen, obwohl ein optimiertes Falsches immer noch falsch ist. Damit verbaut sie viele Möglichkeiten, das Leben durch Weglassen und Aufhören besser zu machen.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 01:04:38 „Ich habe ja das letzte Buch hier, die Nachrufe auf mich selbst, ging es ja ums Aufhören. Und Aufhören ist ja etwas, wo du erstmal einen Raum schaffst, um eine Erkenntnis überhaupt zu haben und auch zuzulassen.“

Welzer verknüpft sein früheres Buch über die Kultur des Aufhörens mit seinem Plädoyer für gesellschaftliches Innehalten. Er argumentiert, dass Deutschland einen Moment der Pause brauche, um die Dysfunktionalität seiner Systeme überhaupt erst erkennen zu können – genau die Grundidee seines Buches.

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Prozesse der Machtbildung

Prozesse der Machtbildung

Heinrich Popitz · 1968

Klassische Analyse zur Mechanik von Machtbildung: Popitz zeigt, dass diejenigen, die Machtvorteile aktiv einsetzen, strukturell immer im Vorteil sind. Das berühmte Liegestuhl-Beispiel auf einem Kreuzfahrtschiff illustriert diese fundamentale Einsicht. Ein Schlüsseltext für das Verständnis aktueller geopolitischer Machtverhältnisse zwischen autoritären und demokratischen Akteuren.

🗣 Harald Welzer zitiert daraus bei ⏱ 01:44:47 „Es gibt zwei wichtige Bücher zu diesem Thema. Das eine ist schon aus den entweder späten 1950er oder frühen 1960er Jahren, Heinrich Popitz' Prozesse der Machtbildung. Ich glaube, 35 Seiten Büchlein, mehr eine Broschüre. Bei der mir sämtliche Kronleuchter aufgegangen sind, als ich das gelesen habe.“

Welzer empfiehlt dieses schmale Buch als Schlüsseltext zum Verständnis von Machtdynamiken. Er illustriert Popitz' Theorie am berühmten Liegestuhl-Beispiel auf einem Kreuzfahrtschiff: Wer Machtvorteile aktiv nutzt, ist strukturell immer im Vorteil gegenüber denen, die darauf verzichten. Welzer zieht daraus eine direkte Parallele zur aktuellen geopolitischen Lage, in der autoritäre Akteure gegenüber liberalen Demokratien systematisch im Vorteil sind.

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Haus der Gefühle (Konzept)

Haus der Gefühle (Konzept)

Alexander Kluge · 2003

Alexander Kluges Konzept des "Hauses der Gefühle" beschreibt eine philosophische Perspektive auf die zentrale Rolle von Emotionen in der menschlichen Existenz. Harald Welzer nutzt diesen Begriff als Grundlage seines neuen Buches und entwickelt ihn weiter, um zu erklären, wie Gefühle unsere Wahrnehmung und Entscheidungen prägen. Das Konzept ist essentiell für Welzers Argument, dass man die eigenen Gefühle nicht ignorieren kann, ohne bei der Suche nach Sinn und Handlungsfähigkeit scheitern zu müssen.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 02:11:01 „Und wenn ich das ignoriere, dass wir in einem Haus der Gefühle leben, was ja übrigens nicht meine Erfindung ist, sondern die von Alexander Kluge, wenn ich das ignoriere, dann gehe ich sozusagen fehl auf meiner Suche, was kann man denn tun.“

Harald Welzer erklärt die Herkunft des zentralen Konzepts seines neuen Buches. Er schreibt den Begriff 'Haus der Gefühle' explizit Alexander Kluge zu und grenzt sich damit als Weiterentwickler, nicht als Urheber der Idee ab.

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Selbst denken

Selbst denken

Harald Welzer

Sachbuch über eigenständiges Denken und die Entwicklung eigener Perspektiven. Welzer erörtert, wie kreatives, individuelles Urteilsvermögen entsteht und warum es gesellschaftlich notwendig ist. Das Buch bricht bewusst mit klassischen Sachbuch-Konventionen durch Fotos und ungewöhnliche Strukturelemente.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 02:14:52 „Und ich habe ja schon eigentlich seit dem Selbstdenken-Buch überhaupt versucht, einen anderen Typ von Sachbuch zu entwickeln. Deshalb sind ja auch Fotos da drin und irgendwie Merkwürdigkeiten schon immer.“

Welzer verweist auf sein früheres Buch 'Selbst denken' als Ausgangspunkt seines Versuchs, das klassische Sachbuch-Format aufzubrechen – mit Fotos, ungewöhnlichen Elementen und einer offeneren Struktur. Das Haus der Gefühle setzt diese Linie konsequent fort.

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Unverfügbarkeit

Unverfügbarkeit

Hartmut Rosa

Hartmut Rosa argumentiert, dass das zentrale Bestreben der Moderne – die Welt verfügbar zu machen – paradoxerweise dazu führt, dass sie uns verstummt und fremd wird. Ein Plädoyer für Resonanz statt Kontrolle, für Begegnung statt Beherrschung.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 02:15:41 „Was ich interessant fand, ist das Thema, da kommst du immer wieder drauf zurück, ist auch die Unverfügbarkeit. Was ursprünglich auf Hartmut Rosa zurückgeht, Resonanz. Und das ist ja eigentlich genau diese Weltbeziehung.“

Matze Hielscher bringt Hartmut Rosas Konzept der Unverfügbarkeit ins Gespräch, das eng mit dessen Resonanztheorie verbunden ist. Welzer greift das auf und erklärt, warum das Unverfügbare – also nicht planbare, nicht vorformatierte Erlebnisse – zentral für eine echte Verbundenheit mit der Welt ist. Rosa wird als theoretischer Bezugspunkt für Welzers eigene Überlegungen im Buch eingeordnet.

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Resonanz

Resonanz

Hartmut Rosa · 2016

Philosophische Analyse des Konzepts Resonanz als Gegenpol zur modernen Verfügbarkeit. Das Werk argumentiert, dass tiefe, transformative Beziehungen zur Welt entstehen, wenn wir die Dinge nicht immer kontrollieren und reproduzieren können. Unvollkommenheit und Unvorhersehbarkeit ermöglichen gerade die authentischen Begegnungen, die unser Leben sinnvoll machen.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 02:15:41 „Was ich interessant fand, ist das Thema, da kommst du immer wieder drauf zurück, ist auch die Unverfügbarkeit. Was ursprünglich auf Hartmut Rosa zurückgeht, Resonanz.“

Matze Hielscher nennt Hartmut Rosas Resonanztheorie als Ursprung des Unverfügbarkeitskonzepts, das Welzer in seinem Buch aufgreift. Die Resonanztheorie beschreibt die gelingende Weltbeziehung als etwas, das nicht erzwungen werden kann – ein Gedanke, der sich durch das gesamte Gespräch zieht.

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Ulysses

Ulysses

James Joyce

Written over a seven-year period, from 1914 to 1921, this book has survived bowdlerization, legal action and controversy. The novel deals with the events of one day in Dublin, 16th June 1904, now known as "Bloomsday". The principal characters are Stephen Dedalus, Leopold Bloom and his wife Molly. Ulysses has been labelled dirty, blasphemous and unreadable. In a famous 1933 court decision, Judge John M.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 02:21:51 „Also du kannst dir ja kein Buch vorstellen, was alles erklärt. Und es wäre, wenn es alles erklären würde, das so wie bei Ulysses von James Joyce oder sowas, was schon unheimlich ziseliert ist, ist ja sterbenslangweilig.“

Harald Welzer nutzt James Joyces Ulysses als Gegenbeispiel zu seiner eigenen Herangehensweise. Ein Buch, das alles bis ins letzte Detail auserzählt, werde sterbenslangweilig – er plädiert stattdessen dafür, Lücken zu lassen, die der Leser selbst füllt.

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Grooming, Gossip, and the Evolution of Language

Grooming, Gossip, and the Evolution of Language

Robin Dunbar · 1996

Here, the author examines gossip as a form of 'verbal grooming', and as a means of strengthening relationships. He challenges the idea that language developed during male activities such as hunting, and that it was actually amongst women that it evolved.

🗣 Harald Welzer referenziert bei ⏱ 02:23:53 „Und die Schlussfolgerung, die ich dann anhand von Beispielen, aber auch einer Theorie von Robin Dunbar dazugefügt habe, ist, dass Smalltalk das Wichtigste ist, was wir machen können. Und zwar, weil es immer die gemeinsame Versicherung ist, dass wir zur selben Welt gehören.“

Welzer bezieht sich auf Robin Dunbars Theorie über die soziale Funktion von Sprache, um zu begründen, warum Smalltalk nicht überflüssig ist, sondern das zentrale Mittel menschlicher Zugehörigkeit. Dunbar argumentiert, dass scheinbar funktionslose Kommunikation uns als Menschen verbindet – Welzer übernimmt das für sein Buch.

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Die gute Ordnung

Die gute Ordnung

Harald Welzer · 2023

In 20 essays inspired by Hannah Arendt's analysis of crisis-ridden modernity, Wolfgang R. Heuer addresses aspects of depoliticization and the loss of politics, and thus of freedom. The wide-ranging essays are grouped in five sections: When Politics Vanishes, The Call of Responsibility, Images and Emotions, Federations, and From Plurality to Cosmos.

🗣 Matze Hielscher zitiert daraus bei ⏱ 02:27:34 „Und sie haben inspiriert durch dich, durch die gute Ordnung, also man braucht einen guten Ort, haben sie gesagt, naja, wir haben ja hier einen guten Ort, was machen wir damit?“

Matze Hielscher erzählt von einer Porzellanmanufaktur-Familie in Sachsen, die durch Welzers Idee der 'guten Ordnung' inspiriert wurde, ihren Dorfsaal einmal im Monat für eine offene Bühne zu öffnen. Welzers Konzept guter Orte hat hier direkt praktische Wirkung entfaltet.

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