Friedemann Schulz von Thun – Wie kommuniziert man stimmig
Matze Hielscher & Friedemann Schulz von Thun
Friedemann Schulz von Thun, einer der bekanntesten Kommunikationsexperten Deutschlands, erklärt, warum gute Kommunikation nur funktioniert, wenn das Gesagte mit der inneren Wahrheit übereinstimmt — sonst werden wir zu Sprechblasen. Dabei entpuppt sich das Gespräch auch als Coaching-Session: Schulz von Thun ermutigt seinen Gegenüber, sich auch mal auf den Sockel zu stellen, und verrät, dass der Erfolg seiner Millionenseller-Buchreihe auf der Kombination von "Dummi und Klugi" in ihm selbst beruht.
„Dein Verhalten muss in Übereinstimmung sein mit deiner inneren Wahrheit. Sonst wird es Geplapper und sonst werden wir Sprechblasen.“
Erwähnte Medien (17)
Miteinander reden 3: Das »Innere Team« und situationsgerechte Kommunikation
Friedemann Schulz von Thun
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:00:21 „Er ist einer der bekanntesten Kommunikationsexperten in Deutschland. Seine Buchreihe Miteinander reden hat sich weltweit millionenfach verkauft.“
Matze Hielscher stellt seinen Gast Friedemann Schulz von Thun vor und nennt dessen bekannteste Buchreihe als Beleg für seine Bedeutung als Kommunikationsexperte. Es ist das zentrale Werk, das Schulz von Thun berühmt gemacht hat.
Unverfügbarkeit
Hartmut Rosa
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:37 „Wie gelingt das, so ein Draht zu finden? Wir treffen uns heute zum ersten Mal. Was kann man machen, dass es gelingt? Hartmut Rosa würde vielleicht sagen, das ist unverfügbar.“
Matze Hielscher spricht mit Schulz von Thun darüber, wie ein guter Draht zwischen Gesprächspartnern entsteht. Er verweist auf Hartmut Rosas Konzept der Unverfügbarkeit, wonach echte Resonanz und Verbindung nicht erzwungen werden können.
Friedemann Bach
🗣 Friedemann Schulz von Thun referenziert bei ⏱ 00:09:55 „Aber meine Mutter hatte auch einen Film gesehen mit Gustav Gründgens in der Hauptrolle, Friedemann Bach. Und das hat ihr imponiert und das hat mit hineingespielt.“
Schulz von Thun erzählt, woher sein Vorname stammt. Neben der Hoffnung auf Frieden im Krieg war auch ein Film mit Gustav Gründgens in der Hauptrolle namens 'Friedemann Bach' ein Einfluss auf die Namenswahl seiner Mutter.
Mein erfülltes Leben
Friedemann Schulz von Thun
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:14:49 „Sie haben ja ein Buch geschrieben, Ihr letztes, über ein erfülltes Leben. Und kann man ein erfülltes Leben leben, ohne die Sachen mit den Eltern geklärt zu haben?“
Matze Hielscher bezieht sich auf Schulz von Thuns jüngstes Buch über ein erfülltes Leben, um die Frage aufzuwerfen, ob ein erfülltes Leben möglich ist, wenn die Beziehung zu den Eltern ungeklärt bleibt. Das Buch dient als Aufhänger für ein sehr persönliches Gespräch über Schulz von Thuns Verhältnis zu seinen Eltern.
Erfülltes Leben
Friedemann Schulz von Thun
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:16:05 „Sie haben ja ein Buch geschrieben, Ihr letztes, über ein erfülltes Leben.“
Matze spricht Schulz von Thuns jüngstes Buch an im Kontext der Frage, ob man ein erfülltes Leben ohne Klärung mit den Eltern führen kann
Das Leben der Anderen
Florian Henckel von Donnersmarck
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:16:13 „Ich habe ewig gebraucht, mein Vater ist nicht im Krieg gewesen, aber wir haben einen Film wie, jetzt komme ich gerade nicht auf den Namen, es gab so einen Stasi-Film, so einen ganz bekannten. Ja. Das Leben der Anderen, genau. Und wir haben den Film gebraucht, dass wir als Familie über die DDR-Zeit gesprochen haben.“
Matze Hielscher erzählt eine persönliche Geschichte: Erst durch den Stasi-Film 'Das Leben der Anderen' fand seine Familie einen Anlass, über die DDR-Zeit zu sprechen. Der Film diente als Türöffner für ein Thema, das vorher in der Familie vermieden wurde — ein konkretes Beispiel dafür, wie Medien schwierige Gespräche ermöglichen können.
Menschliche Kommunikation
Paul Watzlawick
🗣 Friedemann Schulz von Thun referenziert bei ⏱ 00:33:17 „Und dann habe ich geguckt, was haben die klugen Geister darüber geschrieben. Watzlawick, Inhaltsbeziehungsebene, Kalbühler, Symptom, Symbol, Appell und so weiter. Und dann habe ich gedacht, ja, das macht doch Sinn, wenn man diese vier Punkte mal in ein Quadrat zusammenfasst.“
Schulz von Thun erklärt die Entstehungsgeschichte seines Vier-Seiten-Modells. Er nennt Watzlawicks Unterscheidung von Inhalts- und Beziehungsebene als eine der theoretischen Quellen, die er für sein Kommunikationsquadrat zusammenführte.
Miteinander reden, Band 1: Störungen und Klärungen
Friedemann Schulz von Thun
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:44:58 „Dieses Buch ist Miteinander reden Teil 1, ist 1981 rausgekommen. Da war ich zwei Jahre alt und hat sich, soweit ich jetzt das lesen konnte, 1,5 Millionen Mal verkauft.“
Matze Hielscher spricht über den enormen Erfolg von Schulz von Thuns Hauptwerk, das das Vier-Ohren-Modell der Kommunikation begründete. Er will wissen, wie dieser Bestseller das Leben des damals Mitte 30-jährigen Universitätsprofessors verändert hat, und vergleicht den Durchbruch mit dem Erleben von Künstlern, wenn ihr Hit kommt.
Tipping Point – Wie kleine Dinge Großes bewirken können
Malcolm Gladwell
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:47:00 „Und gab es dann aber irgendwann auch so einen Moment, wo es, also es gibt ja Malcolm Gladwell spricht von einem Tipping Point. Wo es dann irgendwann macht und dann muss es ja irgendwann doch den Moment gegeben haben, wo es nochmal mehr gelaufen ist, oder?“
Matze Hielscher greift Malcolm Gladwells Konzept des Tipping Point auf, um zu fragen, ob es bei dem langsamen Erfolg von 'Miteinander reden' irgendwann einen plötzlichen Durchbruchsmoment gab. Schulz von Thun verneint – der Erfolg sei stets allmählich gewachsen.
The Tipping Point
Malcolm Gladwell
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:48:26 „es gibt ja Malcolm Gladwell, sprich von einem Tipping Point, wo es dann irgendwann macht“
Matze nutzt Gladwells Konzept als Metapher, um zu fragen, ob es einen Durchbruchsmoment für den Bucherfolg gab
Faust. Eine Tragödie
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Friedemann Schulz von Thun zitiert daraus bei ⏱ 00:52:50 „Der Mensch ist mit sich selber nicht ein Herz und eine Seele, sondern da sind viele Seelen in seiner Brust. Das wusste schon Goethe. Nicht nur zwei. Genau, das wusste auch schon Bismarck.“
Schulz von Thun leitet sein Modell des inneren Teams ein und verweist auf Goethes berühmtes Zitat 'Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust' aus dem Faust, um zu zeigen, dass die Idee innerer Vielstimmigkeit keine neue Erkenntnis ist. Er erweitert Goethes Bild: Es seien nicht nur zwei, sondern viele Seelen.
Erster Korintherbrief (1. Korinther 13)
Paulus von Tarsus
🗣 Friedemann Schulz von Thun zitiert daraus bei ⏱ 01:17:18 „Ich bin ein Anhänger des Korintherbriefes. Da heißt es, wenn ich mit Menschen und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre doch alles nur ein klingendes Erz oder eine tönende Schelle.“
Schulz von Thun hält ein Plädoyer für die Selbstklärung vor dem Kommunikationstraining. Er zitiert die berühmte Passage aus dem Ersten Korintherbrief (Kapitel 13) und überträgt sie ins Heute: Rhetorisches Training ohne Selbstkenntnis, Empathie und Situationsgespür sei nur Kosmetik ohne echte menschliche Verbindung.
Menschliches, Allzumenschliches
Friedrich Nietzsche
🗣 Friedemann Schulz von Thun zitiert daraus bei ⏱ 01:39:33 „Obwohl doch die Wahrheit zu zweit beginnt, wie wir seit Nietzsche wissen. Und das ist die große Chance des Redens und des Dialogs, dass das, was du richtigerweise im Auge hast und das, was ich richtigerweise im Auge habe, wenn wir das zusammen im Auge haben, dass wir dann klüger sind.“
Schulz von Thun spricht über den Wert des echten Dialogs im Gegensatz zum bloßen Senden. Er zitiert Nietzsches Aphorismus, dass die Wahrheit zu zweit beginne, als Argument für die Bedeutung des gegenseitigen Austauschs.
Die Kunst des Zuhörens
Bernhard Pörksen
🗣 Friedemann Schulz von Thun referenziert bei ⏱ 01:40:06 „Mein Kollege Bernhard Pörksen hat ein Buch übers Zuhören geschrieben, also offenbar eine Mangelerscheinung, die es wert ist, einmal in Erinnerung gerufen zu werden oder überhaupt entdeckt zu werden.“
Im Gespräch über die Überfülle an Kommunikation und das Problem, dass alle nur noch senden statt zuzuhören, verweist Schulz von Thun auf das Buch seines Kollegen Pörksen. Er ordnet es als Reaktion auf eine gesellschaftliche Mangelerscheinung ein, die durch die sozialen Medien verstärkt wurde.
Zuhören
Bernhard Pörksen
🗣 Friedemann Schulz von Thun referenziert bei ⏱ 01:40:46 „Mein Kollege Bernhard Pörksen hat ein Buch übers Zuhören geschrieben, also offenbar eine Mangelerscheinung, die es wert ist, einmal in Erinnerung gerufen zu werden“
Schulz von Thun verweist auf Pörksens Buch im Kontext der Diskussion über zu viel Senden und zu wenig Zuhören in der heutigen Gesellschaft
Unzertrennlich
Irvin D. Yalom
🗣 Friedemann Schulz von Thun erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:49:43 „Irwin Jalom, ja. Der hat auch ein Buch geschrieben mit seiner Frau.“
Schulz von Thun erwähnt beiläufig, dass Yalom auch ein Buch gemeinsam mit seiner Frau Marilyn Yalom geschrieben hat. Das Buch handelt von ihrer gemeinsamen Auseinandersetzung mit Marilyns Krebserkrankung und Tod.
In die Sonne schauen
Irvin D. Yalom
🗣 Friedemann Schulz von Thun referenziert bei ⏱ 01:49:50 „Irwin Jalom, ja. Der hat auch ein Buch geschrieben mit seiner Frau. Ganz genau. Und in die Sonne blicken ist sein Buch über den Tod. Und er meint ja, dass man sich mit dem Tod auseinandergesetzt haben sollte. Und zwar nicht nur intellektuell, sondern überhaupt.“
Als Matze fragt, wie das Bewusstsein des Todes das Leben verändert, empfiehlt Schulz von Thun Yaloms Buch über die Auseinandersetzung mit dem Tod. Yaloms These, dass man sich nicht nur intellektuell, sondern existenziell mit dem Sterben befassen sollte, um nicht in Symptomatiken zu geraten, bildet den Rahmen für Schulz von Thuns eigene Reflexion über das Älterwerden.