Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn
Friedrich Nietzsche
"In irgend einem abgelegenen Winkel des Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der "Weltgeschichte": aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben.
Erwähnungen (5)
„Nietzsche kommt vor, dass er selbst, da reflektiert er sich selbst als Autor, früher auch gedacht hat, Wahrheit ist nichts anderes als ein Heer von Metaphern.“
Soboczynski zitiert Nietzsches berühmte Formulierung aus dem Essay, die im Hettche-Roman als Selbstreflexion des Erzählers auftaucht. Der Ich-Erzähler gibt zu, früher selbst an die konstruktivistische Idee geglaubt zu haben, dass Wahrheit nur sprachlich konstruiert sei – eine Position, die er im Roman kritisch hinterfragt.
„Und damit ergibt er wieder, womit Nietzsche seinen Text anfängt über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn. Da fängt er nämlich umgekehrt an, also mit dem in Myriaden Strahlen ausgegossenen Weltall und so weiter, wo es einen Stern gab, auf dem kluge Tiere das Denken erfanden.“
Precht stellt eine Verbindung zwischen Carl Sagans kosmischer Perspektive und Nietzsches berühmtem Essay her. Nietzsche beschreibt darin, wie unbedeutend der menschliche Verstand im Universum ist – kluge Tiere auf einem Stern, die das Denken erfanden, bevor der Stern erkaltete. Precht nutzt die Parallele, um die Relativierung menschlicher Bedeutsamkeit philosophisch zu untermauern.
„Und was diese menschliche Selbstüberschätzung anbelangt, der berühmte Text von Friedrich Nietzsche über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, der fängt eben damit an, dass kluge Tiere irgendwo im Weltall das Denken erfanden und dass das die hochmütigste und verlogenste Sekunde in der Naturgeschichte war.“
Precht zitiert Nietzsches Essay, um die menschliche Selbstüberschätzung zu illustrieren. Im Gespräch über die eigene Kleinheit angesichts des Universums greift er auf Nietzsches poetischen Anfang zurück, der beschreibt, wie unbedeutend und aufgespreizt die Menschheit im kosmischen Maßstab ist.
„Der Philosoph mit dem Hammer sozusagen, der sagt, Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind. Das ist ein großartiger Satz, oder? Die Wahrheit wird sozusagen nicht gegeben, wie bei Plato, nicht gefunden, wie bei Descartes, sondern sie wird gemacht.“
Im Rahmen einer philosophiegeschichtlichen Diskussion über den Wahrheitsbegriff – von Platon über Descartes zu Nietzsche – zitiert Lanz Nietzsches berühmten Satz über Wahrheiten als vergessene Illusionen. Precht ordnet dies als dritte Stufe der Subjektivierung von Wahrheit ein.
„Und Nietzsche ist der Erste, der das in einem berühmten Aufsatz über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn so scharf auf den Begriff gebracht hat. Darf ich da mal den Anfang dieses wunderbaren Textes, der ein Fragment ist und erst nach seinem Tod veröffentlicht worden ist, vorlesen?“
Ijoma Mangold zitiert ausführlich aus Nietzsches Fragment, um die philosophische Tradition des Wahrheitsrelativismus zu illustrieren. Er liest den Anfang vor und erklärt Nietzsches These, dass Erkenntnis nur das Hervorbringen einer Metapher sei und Wahrheit eine Metapher, deren metaphorischer Charakter vergessen wurde.
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