Buch Jesaja
Jesaja
Das Buch Jesaja gehört zu den bedeutendsten Schriften des Alten Testament und ist einem Zeitraum von 400 Jahren entstanden. Den Grundstock dafür legte der Prophet Jesaja ben Amoz im letzten Drittel des achten Jahrhunderts v. Chr. Nach einer Einleitung in die Forschungsgeschichte stellen die Autoren die gesamte Schrift in ihrer Endgestalt als literarisches Drama vor.
Erwähnungen (24)
„Jetzt allerdings wollte ich noch ein letztes gutes Wort zum Ende dir mitteilen. Ich habe es aus dem Propheten Jesaja genommen und wir hören uns das jetzt noch an.“
Zum Abschluss der Episode wählt Sabine Rückert ein Zitat aus dem Propheten Jesaja als 'gutes Wort': 'Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre.' Es fasst das zentrale Thema der Folge zusammen – Gottes Verheißung und Zusage, die über Generationen hinweg trägt.
„Also da gibt es zum Beispiel in Jesaja 7, da sprach Jesaja wohl an, so hört ihr vom Hause David, ist es euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht, also langweilt? Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben. Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und sie wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“
Johanna Haberer zitiert die Prophezeiung aus Jesaja 7 als eine der alttestamentlichen Vorhersagen, die das Neue Testament aufgreift, um Jesus als den verheißenen Messias auszuweisen. Die berühmte Immanuel-Stelle wird als Quelle für die Jungfrauengeburt identifiziert.
„Und im Buch Jesaja, da kommen wir dann später dazu, da wird dann der Anmarsch der Assyrer beschrieben. Er rückt von Rimon heran, kommt auf Ayat zu, zieht durch Migron, in Michmas lässt er seinen Tross, Rama zittert, die Bewohner Gebims ergreifen die Flucht.“
Sabine Rückert zitiert aus dem Buch Jesaja, um den dramatischen Anmarsch der Assyrer auf Jerusalem zu schildern. Die Passage dient als Illustration der existenziellen Bedrohung, der sich König Hiskia und das Südreich ausgesetzt sahen – und die dann auf wundersame Weise endete.
„Der Gottesknecht, der dann auch bei Jesaja vorkommt als der Ärmste und der Verwahrloseste und so. Also Gott ist im Ärmsten. Also diese Bezeichnung, es ist eine Hoheitsbezeichnung, wenn man so will, wird hier auf den David theologisch angewendet.“
Johanna Haberer schlägt einen theologischen Bogen vom Titel ‚Gottesknecht' in der David-Erzählung zum Buch Jesaja, wo der Gottesknecht als der Ärmste und Verwahrloseste erscheint. Sie zeigt damit die motivische Linie auf, die von David über die Messias-Hoffnungen bis hin zu Jesus reicht.
„Undenkbar, dass in Babylon ein Prophet seine Stimme erhoben hätte wie zum Beispiel Jesaja, der sagt, darum ist der Zorn des Herrn entbrannt über sein Volk und erstreckt seine Hand wieder sie und schlägt sie, dass die Berge beben und ihre Leichen sind wie Kehricht in den Gassen.“
Sabine Rückert liest aus dem Buch 'Das Tagebuch der Menschheit' vor und zitiert dabei den Propheten Jesaja als Beispiel für die einzigartige oppositionelle Prophetie Israels, die es in Mesopotamien nicht gab.
„Die Vorstellung bei Jesaja, es wird das ganze Kriegsgerät und die ganzen blutigen Kleider aus dem Krieg ins Feuer geworfen und die Menschen tanzen. Und es wird ein Kind geboren, das heißt, es wird ein Friedensherrscher sein.“
Johanna Haberer zitiert die messianischen Verheißungen aus dem Buch Jesaja – Friedensherrscher, gerechtes Richten der Armen, Kinder spielen am Loch der Natter – als zentrale alttestamentliche Utopie-Vorstellungen neben dem Garten Eden.
„Hier steht jetzt die übrige Geschichte des Usia, die frühere und spätere, schrieb der Prophet Jesaja. Der Prophet Jesaja, wir kommen ja später zu den Propheten, aber der Prophet Jesaja ist ja ein Zeitgenosse dieser ganzen Wirren, die wir heute und in den nächsten Folgen besprechen. Und dieser Prophet Jesaja, der hat ein eigenes Buch.“
Im Gespräch über König Usia und die politischen Wirren des geteilten Israel wird das Buch Jesaja als eigenständiges prophetisches Werk hervorgehoben. Sabine Rückert betont, dass Jesaja als Zeitgenosse der besprochenen Ereignisse eine besondere Quelle darstellt. Johanna Haberer ergänzt später, dass die Urfassung der Königsgeschichten vermutlich bei Jesaja liegt – älter als die Chroniken und die Königsbücher.
„Ja, eigentlich kann man diese Geschichten, wie gesagt, auch nochmal bei Jesaja nachlesen. Zum Teil wortgleich.“
Johanna Haberer weist darauf hin, dass die Erzählung über Hiskia und den assyrischen König Sanherib nicht nur in den Königsbüchern und Chroniken steht, sondern auch im Buch Jesaja — teilweise wortgleich. Das unterstreicht die Parallelüberlieferung dieser Episode in drei verschiedenen biblischen Büchern.
„Ich schlage vor, dass wir uns jetzt einem Propheten zuwenden, dem größten Propheten, dem Jesaja. Und anhand dieses Jesaja-Buches das Phänomen der Prophetie erklären.“
Als Ausblick auf die nächste Folge schlägt Johanna Haberer das Buch Jesaja vor. Sie kündigt an, anhand dieses Prophetenbuchs die Typologie des Prophetentums insgesamt zu erklären, da sich daran alle wesentlichen Merkmale eines Propheten zeigen ließen. Sabine Rückert ergänzt, sie habe vor Jahren eine große Recherche-Reise nach Israel zur Rolle des Jesaja unternommen.
„Der Jesaja ist natürlich die Autorität in der Voransage des Jesus, zumindest so haben es die Christen dann gelesen, die den Jesus als den Messias identifiziert haben. Die haben die Texte, die der Jesaja geschrieben hat, wo er angekündigt hat, dass ein Friedensreich entsteht und ein Friedenskönig kommt, der Immanuel.“
Johanna Haberer ordnet das Buch Jesaja als zentralen Zeugen für die christliche Deutung Jesu als Messias ein. Sie bezeichnet die Ankündigung des Friedensreichs aus Jesaja 9 als 'poetischen Welttext für alle Kriegssituationen' und bittet, ihn als Abschluss der Folge vorzulesen. Der Sprecher trägt daraufhin Jesaja 9,1–6 vor.
„Wir hatten jetzt Untergang Nordreich, Untergang Südreich, dann haben wir den Untergangspropheten Jesaja gehabt. Und jetzt werden die Geschichten erzählt, die in den verschiedensten Varianten von Exil-Diaspora passieren.“
Das Buch Jesaja wird als Rückbezug auf eine vorherige Episode erwähnt. Es dient der Einordnung, wo sich die Reihe chronologisch befindet: Nach den Untergangspropheten folgen nun die Exilsgeschichten.
„Wir haben ja auch bei Jesaja und Tobit schon über Qumran gesprochen, dass wir bei diesen späteren Büchern die Entstehungsprozesse, dadurch, dass sie schriftlich auch von Autoren entworfen worden sind, die Entstehungsprozesse so toll beobachten können.“
Johanna Haberer erwähnt das Buch Jesaja als Vergleichsbeispiel, das sie in einer früheren Folge besprochen haben. Wie beim Buch Esther lassen sich bei diesen späteren biblischen Schriften die redaktionellen Bearbeitungsprozesse gut rekonstruieren.
„Da bist du jetzt beim Propheten. Da bin ich jetzt beim Propheten. Deswegen steht der Daniel bei Jesaja, Jeremia und Ezechiel. Weil er eine Vision hat.“
Johanna Haberer erklärt, warum das Buch Daniel in manchen Bibelausgaben unter den großen Propheten neben Jesaja, Jeremia und Ezechiel eingeordnet wird: weil Daniel – wie die Propheten – Visionen empfängt. Inhaltlich sei er aber eher ein Apokalyptiker.
„Man kann sagen, dass die älteren Propheten, die sogenannten Unheilspropheten, alle ein soziales Anliegen hatten. Also wie gesagt, Amos oder der frühe Jesaja. Aber du hast beim Jesaja auch, wir haben darüber gesprochen, diese Thronvision, wo der Jesajas den großen Thron da von Gott sieht.“
Johanna Haberer ordnet Jesaja in die Typologie der Propheten ein: Einerseits ist er ein sozialer Unheilsprophet mit konkretem Gerechtigkeitsanliegen, andererseits hat auch er eine Thronvision Gottes — ein Motiv, das Daniel dann in seinen apokalyptischen Visionen aufgreift und weiterentwickelt.
„Wir haben im Buch Daniel gewildert, wir waren im Jesaja, wir springen jetzt in der Bibel hin und her, weil wir uns nicht mehr an die Kleiderordnung der Bibel und die Seitenzahlen der Bibel halten, sondern nur noch der Geschichte und ihrer Chronologie folgen.“
Sabine Rückert erklärt den erzählerischen Ansatz des Podcasts und erwähnt das Buch Jesaja als eines der biblischen Bücher, in denen sie bereits thematisch unterwegs waren.
„Verhaltensweisen, die zum Beispiel vom Jesaja kritisiert werden, wie du trägst Schmuck und so“
Jesaja wird als Kontrast zum Hohelied herangezogen, da er Schmuck und Eitelkeit kritisiert
„Denn wie eine entlassene und tief gekränkte Frau hat der Herr dich gerufen. Und wie die Frau der Jugend, wenn sie verstoßen ist, spricht dein Gott. Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, aber mit großem Erbarmen werde ich dich einsammeln.“
Sabine Rückert zitiert über Jack Miles eine Passage aus Jesaja, die als einzige vergleichbare Liebeslyrik im Tanach gilt. Anders als das Hohelied beschreibt Jesaja die Beziehung zwischen Gott und Israel als die eines zutiefst entfremdeten älteren Paares, das zur Liebe zurückfindet – eine schmerzvolle Versöhnung statt unbeschwerter junger Liebe.
„Das ist ein Zitat aus dem Jesaja. dass du vor allen Völkern, wieder ein Zitat aus dem Jesaja, bereitet hast und ein Licht, das den Heiden, wieder ein Zitat aus dem Jesaja, erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel, wieder ein Zitat aus dem Jesaja. In diesen drei Zeilen sind jetzt eins, zwei, drei, vier Hinweise auf den Propheten Jesaja“
Simeons Lobgesang im Tempel enthält vier direkte Bezüge zum Propheten Jesaja, was als Legitimationsmuster für Jesus als Messias dient.
„In diesen drei Zeilen sind jetzt eins, zwei, drei, vier Hinweise auf den Propheten Jesaja, der das alles vorausgesagt hat. Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen.“
Sabine Rückert weist nach, dass der Lobgesang des Simeon im Tempel gleich vier Jesaja-Zitate enthält – über das Heil, die Völker, das Licht für die Heiden und die Herrlichkeit Israels. Johanna Haberer bestätigt das Muster der Legitimation durch alttestamentliche Rückverweise.
„Matthäus überall nach Gründen sucht, warum Jesus der prophezeite Messias ist. Der flöht ja das ganze Alte Testament durch nach Hinweisen auf Jesus. Und er verweist jetzt auch gleich auf eine Stelle bei Jesaja.“
Das Buch Jesaja wird als zentrale alttestamentliche Quelle für die Legitimation Jesu als Messias besprochen
„Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht, damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“
Im Lukas-Evangelium liest Jesus in der Synagoge von Nazareth aus dem Propheten Jesaja vor und beansprucht, die darin angekündigte Figur zu sein. Johanna Haberer ordnet die Stelle als Jesaja 9 ein, einen der großen Weihnachtstexte. Das Jesaja-Zitat wird im Gespräch mehrfach als Schlüsseltext für das Selbstverständnis Jesu herangezogen.
„Und eines davon, das ist für mich immer meine Liebste und mein auch wirklich harter Text, aber trotzdem eine großartige Vision, die steht eben beim Propheten Jesaja. Und da heißt es, »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen, im Finstern lande, scheint es hell.«“
Johanna Haberer liest eine der bekanntesten Passagen aus dem Buch Jesaja vor (Jesaja 9), die Friedensvision vom kommenden Herrscher. Sie bezeichnet den Text als ihre liebste und zugleich härteste prophetische Vision und ordnet ihn als die Vorlage ein, auf die sich Jesus später beworben habe — ein Herrscher, der nicht korrupt und nicht machtgierig ist.
„Bei Jesaja steht es auch. Ich schreibe meine Bibel hier. Jesaja 62.“
Sabine Rückert ergänzt die alttestamentliche Prophezeiung aus Sacharja um eine Parallelstelle bei Jesaja, die ebenfalls den Einzug eines Königs auf einem Esel beschreibt. Sie verweist konkret auf Kapitel 62.
„Treffend hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesagt: Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden und in ihren Ohren hören sie nur schwer. Und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören.“
Sabine Rückert liest vor, wie Paulus in Rom bei seiner Begegnung mit den jüdischen Gemeindeführern aus dem Propheten Jesaja zitiert. Das sogenannte Verstockungszitat dient Paulus als Erklärung dafür, warum ein Teil der Juden seine Botschaft ablehnt — Johanna Haberer ordnet dies als das theologische Motiv der 'Verstockung' ein.
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