Aufsatz über die Rolle behandelnder Therapeuten vor Gericht
Peter Riedesser
Der Aufsatz von Peter Riedesser befasst sich mit dem grundsätzlichen Konflikt zwischen therapeutischer und gerichtlicher Rolle von Psychiatern. Riedesser argumentiert, dass behandelnde Ärzte nicht als Gerichtsgutachter fungieren sollten, da Empathie in der Therapie und kritische Distanz bei der Begutachtung unvereinbare Anforderungen sind. Die therapeutische Beziehung gefährdet die notwendige Objektivität bei forensischen Bewertungen.
Erwähnungen (1)
„Von Peter Riedesser und einem Kollegen gibt es ein ganz zentrales Buch, da geht es unter anderem, oder einen Artikel, glaube ich, einen Aufsatz, da geht es um die Frage, ob denn der behandelnde Psychiater oder die behandelnden Therapeuten die richtigen sind, um vor Gericht über den Zustand einer Angeklagten oder einer Person zu befinden.“
Andreas Sentker erinnert an den von ihm geschätzten Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Peter Riedesser, der viel zu früh gestorben sei. Riedesser habe zusammen mit einem Kollegen einen Aufsatz verfasst, der vehement davor warnt, behandelnde Ärzte als Gerichtsgutachter einzusetzen — weil Empathie in der Therapie und kritische Distanz in der Begutachtung unvereinbare Rollen seien. Genau dieses Problem zeigt sich im Fall Amelie: Ihre behandelnden Psychiater traten vor Gericht als Sachverständige auf und verschwiegen die Borderline-Diagnose.
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