Abisag (Gedichtzyklus: Abisag I und II)
Rainer Maria Rilke
Rilkes Gedicht "Abisag" (1905/06) erzählt von einem jungen Mädchen, das bei einem sterbenden, alternden König liegt, um ihn zu wärmen. Im ersten Teil wird Abisag als ängstliche, aber unberührte Junge beschrieben, die sich an den "dunkeln Alten" klammert, während die Nacht sie umgibt. Im zweiten Teil zeigt sich der König einsam und niedergeschlagen: Er denkt über sein gelebtes Leben nach und sucht in Abisags kühler Nähe Trost, doch ihre emotionale Ferne – "ihr Gefühl neigt sich nicht herab zu seinem Grund" – verstärkt nur seine Verzweiflung. Das Gedicht visualisiert die unüberbrückbare Kluft zwischen Jugend und Alter, zwischen körperlicher Nähe und emotionaler Verbindung, und thematisiert die Vergänglichkeit und Einsamkeit vor dem Tod.
Erwähnungen (1)
„Und es gibt dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, wusstest du das? Dass Rainer Maria Rilke der armen Abischak ein Gedicht gewidmet hat.“
Johanna erwähnt Rilkes Gedicht über die biblische Abischag, das die Szene der jungen Frau beim alternden König David literarisch verarbeitet. Sabine trägt es anschließend vollständig vor.
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