Vom Alltag in der Schwerelosigkeit
Maja Beckers, Alexander Cammann
In der Weihnachtsausgabe dreht sich das Zitat der Woche um einen ersten Kuss im Neonlicht einer Notaufnahme — Anlass für eine lebhafte Debatte über echte Romantik versus kommerzialisierte Gefühlsinszenierung. Die Pointe: Gerade das radikal Unromantische, der existenzielle Überrumpelungsmoment ohne Kerzenlicht und Vorbereitung, könnte der eigentlich romantische Augenblick sein — doch selbst dieses Gegenprogramm droht bereits wieder zum Kitsch zu werden.
„Wo ist Liebe wirklich spannend? Natürlich nicht bei Kerzen und wenn man das ewig vorbereitet hat. Nein, man ist in der Notaufnahme und vielleicht in einem existenziellen Augenblick, auf den es keine Vorbereitung gab.“
Erwähnte Medien (6)
Alle sind so ernst geworden
Martin Suter, Benjamin von Stuckrad-Barre
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:19 „Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre. Ein etwas älterer Herr, großer Erfolgsautor, Martin Suter, Benjamin von Stuckrad-Barre“
Aktuelles Gesprächsbuch der beiden Autoren, aus dem das Zitat der Woche stammt – wird ausführlich besprochen als unterhaltsames Buch über Alltag, Liebe und Verlust
Alle sind so ernst geworden
Martin Suter, Benjamin von Stuckrad-Barre
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:06:16 „Martin Suters Frau Margret vor nicht allzu langer Zeit gestorben ist und die kommen eigentlich immer wieder auf die Liebe und Liebesverlust zu sprechen. Und das gibt dem ganzen Buch dann gerade aufgrund dieser Beiläufigkeit auf einmal so einen Durchbruch immer wieder ins... Ja, ins ernste Fach.“
Das aktuelle Gesprächsbuch von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre ist eines der zwei Hauptbücher der Episode. Die Sprecher diskutieren den Dandyismus, die beiläufige Eleganz und die existenziellen Durchbrüche des Buches – insbesondere durch den Tod von Suters Frau und Stuckrad-Barres Drogenproblematik. Iris Radisch kritisiert das privilegierte Milieu, aus dem heraus gesprochen wird.
Das Fest
Lucy Fricke
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:23:18 „Ja, das zweite Buch ist von der Autorin Lucy Fricke und es heißt Das Fest. Es ist im Klassenverlag erschienen, verkauft sich wahnsinnig gut, wie ich gesehen habe. Hat auch einen bestimmten Grund und der Grund ist, dass dieses Buch sehr unterhaltend ist, sehr unterhaltsam ist.“
Der Roman handelt vom 50. Geburtstag eines erfolglosen Regisseurs namens Jakob in Berlin, der an diesem Tag von seiner Freundin Ellen durch arrangierte Begegnungen mit Menschen aus seiner Vergangenheit geführt wird. Die Sprecher loben die Slapstick-Elemente, die filmische Qualität und das spezielle Berlin-Porträt der 90er und Nullerjahre.
Filme von Jim Jarmusch
Jim Jarmusch
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:26:38 „Dann geht er mit einer anderen Freundin ins Kino, die gucken die alten Jarmusch-Filme.“
Im Gespräch über Lucy Frickes Roman 'Das Fest' beschreibt Iris Radisch den Tagesablauf des Protagonisten Jakob an seinem 50. Geburtstag. An einer Station geht er mit einer Freundin ins Kino, wo sie alte Jarmusch-Filme schauen. Die Erwähnung ist beiläufig, verweist aber auf das reale Filmwerk des amerikanischen Independent-Regisseurs.
Combat
Albert Camus
🗣 Iris Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:02 „die Zeitung, für die Camus ja verantwortlich war, sowohl im Widerstand als auch in der Nachkriegszeit, der Combat kommt hier vor. Als Espoir“
Die von Camus geleitete Zeitung Combat wird als reales Vorbild für die fiktive Zeitung Espoir im Roman erwähnt
Die Mandarins von Paris
Simone de Beauvoir
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:32:22 „Und zwar ist es von Simone de Beauvoir, die Mandarins von Paris. Und das Tolle ist, es ist eben nach fast 70 Jahren neu übersetzt worden ins Deutsche von Amélie Thoma und Claudia Marquardt. Das liest sich so frisch, das liest sich so heutig.“
Im Klassiker-Segment stellt Maja Beckers die Neuübersetzung von Beauvoirs wichtigstem Roman vor, der 1954 erschien. Der Schlüsselroman spielt im Pariser Intellektuellenmilieu der Nachkriegszeit – mit kaum verhüllten Porträts von Sartre, Camus und Beauvoir selbst – und verhandelt die Verantwortung der Intellektuellen, den Umgang mit dem Stalinismus und radikale neue Lebens- und Liebesformen. Beide Gesprächspartner sind begeistert von der Raffinesse des multiperspektivischen Erzählens und der erstaunlichen Aktualität des Stoffs.